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Tödlicher Tesla-Unfall: Autopilot beschleunigte vor Aufprall

08.06.2018 | 13:41 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Bei dem tödlichen Unfall mit einem Tesla im März 2018 hatte der Fahrer offensichtlich nicht seine Hände am Lenkrad. Der Autopilot lenkte das Model X nach links und beschleunigte sogar. Der Tesla krachte gegen eine Betonbarriere.

Die US-Aufsichtsbehörde National Transportation Safety Board hat einen Vorbericht zu der Untersuchung eines tödlichen Unfalls am 23. März 2018 auf dem US Highway 101 im kalifornischen Mountain View veröffentlicht, bei dem der 38 Jahre alte Fahrer eines Tesla Model X P100D ums Leben kam. Demnach hat Teslas Autopilot das Fahrzeug im Moment des Unfalls allein gesteuert, nach links bewegt und beschleunigt.

Das Szenario am Unfallort.
Vergrößern Das Szenario am Unfallort.
© ntsb.gov/investigations

Der Fahrer hatte laut dem Bericht die Fahrerassistenzsysteme ACC und den Spurhalteassistenten aktiviert, als er auf dem Highway auf der zweiten Spur von links fuhr. Diese Funktionen, mit gewissen Tesla-typischen Anpassungen und Ergänzungen, fasst Tesla unter dem Begriff Autopilot zusammen. Als sich das Model X einer Abbiegespur vom Highway näherte, zog der Tesla auf die linke Spur rüber. Das Model X fuhr in den Bereich weiter, in dem sich die Spuren teilen und rammte dort mit 114 km/h eines dieser typischen Aufprallelemente, wie man sie in engen Abfahrten öfters findet und die die Folgen eines Unfalls abmildern sollen. Dieses Aufprallelement war allerdings bei einem anderen Unfall, der sich eine Woche vorher an dieser Stelle ereignet hatte, bereits beschädigt worden und konnte möglicherweise deshalb seine volle Schutzwirkung nicht mehr entfalten. Hinter dem Aufprallelement aber befand sich eine Betonbarriere, gegen die der Tesla dann prallte, dabei schwer beschädigt wurde und danach Feuer fing. Ein Mazda 3 und ein Audi A4 fuhren auf das Tesla-Wrack auf.

Vergleich: Links unbeschädigtes Prallelement, rechts das beschädigte.
Vergrößern Vergleich: Links unbeschädigtes Prallelement, rechts das beschädigte.
© ntsb.gov/investigations

Am Ort des Unfalls galt ein Tempolimit von rund 105 km/h. Der Tesla war also mit 114 km/h etwas zu schnell dran. Aus den im Tesla aufgezeichneten Daten geht hervor, dass der Autopilot auf rund 120 Kilometer pro Stunde als Geschwindigkeit eingestellt war (alle Kilometerangaben hier wurden aus den originalen Meilenangaben umgerechnet). 

Die Auswertung der Daten im Tesla ergab folgendes Bild: Der Autopilot wurde während der 32 Minuten dauernden Fahrt vier Mal eingeschaltet. Die letzten 18 Minuten und 55 Sekunden bis zum Unfall war er durchgehend aktiv. In dieser letzten langen Aktiv-Phase schickte der Autopilot zwei optische Warnungen und einen akustischen Warnhinweis an den Fahrer, dass dieser doch endlich seine Hände auf das Lenkrad legen möge. Denn der verunglückte Tesla-Fahrer zeigte offensichtlich genauso wie auch viele andere Tesla-Fahrer ein besonders leichtsinniges Verhalten und nahm seine beiden Hände vom Lenkrad. Diese erwähnten Alarmhinweise gab der Autopilot aber bis zu 15 Minuten vor dem Unfall ab, sie stehen also nicht in unmittelbaren Zusammenhang mit dem tödlichen Vorfall.

In den letzten 60 Sekunden vor dem Aufprall hatte der Fahrer seine Hände drei Mal am Lenkrad, wie die Aufzeichnung im Tesla beweist: Insgesamt 34 Sekunden lang hielt der Fahrer das Lenkrad in seinen Händen. Das bedeutet aber auch, dass der Tesla immerhin 26 Sekunden lang ohne menschliche Führung war. Und in den letzten sechs Sekunden vor dem Unfall konnte der Autopilot überhaupt keine Hand am Lenkrad festellen!

Moderne ACC- und aktive Spurhaltesysteme orientieren sich bei ihrem Fahrverhalten oft an dem voraus fahrenden Fahrzeug – das ist beispielsweise bei Mercedes-Benz der Fall. Auch das Model X mit dem Tesla ging so vor und fuhr acht Sekunden vor dem Unfall einem anderen Fahrzeug mit rund 105 km/h hinterher. Sieben Sekunden vor dem Crash fing der Tesla an nach links zu steuern, wobei er weiter dem voraus fahrenden Fahrzeug folgte. Vier Sekunden vor dem Aufprall folgte der Tesla dann nicht mehr dem voraus fahrenden Auto. Die letzten drei Sekunden vor dem Unfall beschleunigte der Autopilot das Model X von knapp 100 km/h auf zuletzt rund 114 Kilometer pro Stunde. Die Aufzeichnungen im Tesla liefern keine Hinweise auf einen Bremsvorgang oder eine Ausweichbewegung des Teslas, bevor er auf das Hindernis aufschlug.

Bei dem Aufprall brach der 400-Volt-Lithium-Ion-Akku des Tesla. Der Wagen fing an zu brennen. Umstehende Personen fanden den Fahrer angeschnallt im Wagen und retteten ihn aus dem Wagen, bevor dieser in Flammen aufging. Der Tesla-Fahrer wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo er seinen Verletzungen erlag. Der Fahrer des auffahrenden Mazda 3 wurde leicht verletzt, der ebenfalls auffahrende Audi-Fahrer blieb unverletzt.

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