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Test: Die besten Foto-Smartphones im Vergleich

14.03.2017 | 09:10 Uhr |

High-End-Smartphones unterscheiden sich kaum noch hinsichtlich ihrer Leistung. Einzig die Kameraausstat-tung bietet noch Potenzial. Wir haben uns aktuelle Modelle angesehen, die die Hersteller explizit als „Kamera-Handy“ anpreisen.

Leica-Objektiv, optisches Zoom, Blende f1.8 und RAW-Modus – was nach einer guten Ausstattung bei Digitalkameras klingt, hat mittlerweile den Weg in Smartphones gefunden. Statt auf immer schnellere Prozessoren, mehr Speicherkapazität sowie größere und höher auflösende Displays setzen die Hersteller bei ihren Modellen lieber auf eine möglichst hochwertige Kameraausstattung.

Doch bringt es wirklich das ersehnte Plus an Bildqualität, wenn Technik, die bei Digitalkameras sinnvoll ist, auch in Smartphones zum Einsatz kommt? Sind ein lichtstarkes Objektiv eines namhaften Herstellers und die Möglichkeit, Bilder als Rohdaten aufzuzeichnen, wirklich das A und O in der Smartphone-Fotografie? Wir sind diesen Fragen nachgegangen und haben dazu zehn Smartphones hinsichtlich ihrer Fototauglichkeit untersucht. Unsere Wahl fiel dabei auf Geräte, bei denen die Hersteller explizit Qualität und Ausstattung der integrierten Kamera in den Vordergrund stellen.

Hinweis: Die finalen Testergebnisse finden Sie unten im zweiten Teil des Artikels.

Qualitätskriterien: Bildsensor, Objektiv und Prozessor

Die Qualität einer Digitalkamera – egal, ob Kompaktknipse, Wechselobjektiv-Modell oder Smartphone-Kamera – hängt in erster Linie von drei Faktoren ab, nämlich dem Bildsensor, dem Objektiv und dem Bildprozessor. Beim Bildsensor gilt immer: Je größer er ist, desto mehr Licht kann er aufnehmen und umso mehr Bildinfos stehen für das Bild zur Verfügung. In Kompaktkameras kommt meist ein Bildsensor von 1/2,3 Zoll Größe (6,2 x 4,6 Millimeter) zum Einsatz, höherwertigere Modelle verwenden schon mal einen 1-Zoll-Sensor (13,2 x 8,8 Millimeter). In Kameras mit Wechselobjektiven ist häufig ein sogenannter APS-C-Sensor zu finden, der mit 25,1 x 16,7 Millimetern noch deutlich größer als der Sensor in Kompaktkameras ist.

Der Bildsensor in Smartphones ist dagegen oft noch kleiner als bei Kompaktkameras: In unseren Testgeräten waren überwiegend Chips mit 1/2,4 bis 1/2,6 Zoll im Einsatz, das LG X Cam und das Apple iPhone 7 Plus setzen sogar nur Sensoren ein, die 1/3 Zoll groß sind. Das Smartphone mit dem größten Sensor ist das Sony Xperia XZ , dessen Chip die von Kompaktkameras bekannten 1/2,3 Zoll misst.

Direkt abhängig von der Größe des Bildsensors sowie der Auflösung ist die Größe der einzelnen Pixel, also der Fotodioden auf dem Sensor. Hier kann Sony nicht punkten: Zwar hat das Xperia XZ einen vergleichsweise großen Sensor. Die 23-Megapixel-Auflösung hat jedoch zur Konsequenz, dass die Pixel mit 1,12 µm sehr klein ausfallen. Dagegen bringen es das Google Pixel XL und das HTC 10 auf eine Pixelgröße von 1,55 µm – dank 12-Megapixel-Auflösung und 1/2,6 Zoll großem Sensor!

Das zweite Kriterium für eine gute Bildqualität ist ein lichtstarkes Objektiv. Hier bietet der Blendenwert, der für eine offene Blende möglichst klein sein sollte, einen ersten Anhaltspunkt. Besonders lichtstarke Objektive im Kamerabereich beginnen bei einer Anfangsblende von f1.8 oder weniger. Unsere Test-Smartphones können hier durchaus mithalten: So setzt das Samsung Galaxy S7 Edge eine Blende von f1.7 ein. Mit f2.2 bilden das LG X Cam und das Huawei P9 hier das Schlusslicht. Bedenkt man jedoch, dass der Blendenbereich bei Kompaktkameras in der Regel bei f3.5 beginnt, ist dies immer noch bemerkenswert.

Das iPhone 7 Plus ist das einzige Testgerät mit optischem 2fach-Zoomobjektiv. Dieses ist jedoch nicht stufenlos einsetzbar, außerdem schließt sich die Blende dabei von f1.8 auf f2.8. Alle anderen Smartphones im Test sind mit Festbrennweiten ab 24 Millimetern sowie einem bis zu 10fachen Digitalzoom zum Vergrößern des Bildausschnitts ausgestattet. Im Gegensatz zum optischen Zoom wird dabei der gewünschte Bildausschnitt auf die ursprüngliche Auflösung hochgerechnet, indem die fehlenden Pixel aus den Farb-und Helligkeitsinformationen der umliegenden Pixel abgeleitet werden. Das geht meist auf Kosten der Schärfe (siehe dazu auch den Abschnitt „Bildqualität“).

Zuletzt muss der Bildprozessor alle Bildinfos schnell und korrekt verarbeiten, damit am Schluss ein scharfes, optimal belichtetes Foto mit realistischen Farben herauskommt. Leider schweigen die Hersteller oft darüber, welcher Prozessor in welchem Smartphone zum Einsatz kommt, so dass Sie hier keinen Einfluss haben.

Gegen Unschärfe: Bildstabilisator, Autofokus und Blitz

Viele aktuelle Smartphones sind mit zwei Kameras ausgestattet, die entweder verschiedene Bildinfos aufnehmen oder unterschiedliche Brennweiten einsetzen.
Vergrößern Viele aktuelle Smartphones sind mit zwei Kameras ausgestattet, die entweder verschiedene Bildinfos aufnehmen oder unterschiedliche Brennweiten einsetzen.

Als Verwacklungsschutz haben Digitalkameras Bildstabilisatoren eingebaut. Optische Stabilisatoren befinden sich im Objektiv und gleichen dort über bewegliche Linsen ungewollte Bewegungen aus. Mechanische Stabilisatoren steuern den beweglich gelagerten Bildsensor der Kamera gegen die Wackler. Die dritte, qualitativ unterlegene Methode ist die elektronische Bildstabilisierung, bei der schlichtweg die Lichtempfindlichkeit erhöht wird, um kürzere Belichtungszeiten zu erhalten.

Dieses Verfahren kommt auch vereinzelt in Smartphones vor: In unserem Testfeld setzen das Google Pixel XL, das LG X Cam und das Huawei P9 lediglich die elektronische Stabilisierung ein. Der überwiegende Teil der Kandidaten verwendet jedoch einen optischen Stabilisator. Sony übernimmt aus seinen Systemkameras die 5-Achsen-Stabilisierung für das Xperia XZ, Kodak Ektra arbeitet sogar mit 6 Achsen.

Ein weiteres Ausstattungsmerkmal, das sich entscheidend auf die Bildqualität auswirkt, ist der Autofokus (AF). Bei Digitalkameras kommt hier die Kontrastmessung oder der Phasenvergleich zum Einsatz, zum Teil auch kombiniert: Bei der Kontrastmessung wird die Bildweite des Objektivs so lange verändert, bis in einem geeigneten Bildbereich (etwa mit Linien) der maximale Kontrast erreicht ist. Dabei kommt es zum bekannten „Pumpen“. Der schnellere Phasenvergleichs-AF benötigt spezielle Messfelder, die das Motiv separat voneinander erfassen und anhand der Phasenverschiebung die richtige Fokussierung ermitteln.

Smartphones verwenden zum Scharfstellen der Motive ebenfalls den Phasenvergleich und vereinzelt auch einen Laser-AF, der zum Fokussieren die Entfernung zum Motiv misst. Hier heben sich das Google Pixel XL und das Sony Xperia XZ positiv von der Konkurrenz ab, die eine Kombination aus beiden Autofokus-Messverfahren einsetzen.

Was den Blitz angeht, so bieten die meisten Geräte einen LED-Blitz mit bis zu vier LEDs (Apple). Für eine natürlichere Farbwiedergabe sind die LEDs zudem oft zweifarbig: Eine zusätzliche gelbliche LED gleicht den Blaustich aus, den weiße LEDs aufgrund ihrer Farbtemperatur normalerweise in Fotos verursachen.

Das HTC 10, das Huawei P9, das Samsung Galaxy S7 Edge und das Apple iPhone 7 Plus können Bilder im RAW-Format aufzeichnen. Die Rohdaten lassen sich anschließend besser bearbeiten als JPG-Fotos. Über den Sinn von RAW in der Smartphone-Fotografie lässt sich jedoch streiten: Die Mini-Sensoren liefern eigentlich nicht das Ausgangsmaterial für eine aufwändige Bearbeitung.

Android-Kameras: Wo ist die Technik hin?

Hersteller-App: Große Unterschiede im Funktionsumfang

Das Kodak Ektra verabreicht dem Smartphone-Fotografen mit der „Super 8“-App einen Schuss Nostalgie. Das Display verwandelt sich dann in das Rückteil einer analogen Kamera, inklusive Videomodus.
Vergrößern Das Kodak Ektra verabreicht dem Smartphone-Fotografen mit der „Super 8“-App einen Schuss Nostalgie. Das Display verwandelt sich dann in das Rückteil einer analogen Kamera, inklusive Videomodus.

Was Sie bei einer Digitalkamera mit den Knöpfen und Tasten auf der Rück-und Oberseite des Gehäuses einstellen, übernimmt beim Smartphone die App. Das hat Vor-und Nachteile: Einerseits können Sie den Funktionsumfang nach Belieben erweitern, wenn Sie beispielsweise eine eher karge App wie die, die Google seinem Pixel XL aufspielt, gegen eine App mit mehr Funktionen und Einstellmöglichkeiten ersetzen. Einzige Einschränkung ist hier nur, dass die Kamera-Hardware dies unterstützt. Andererseits darf man natürlich nicht außer Acht lassen, dass sämtliche nachgerüstete Funktionen nur Software-seitig realisiert werden und sich somit nicht unbedingt mit den Digitalkamera-Pendants vergleichen lassen.

In unserem Test machten vor allem die Kamera-Apps von Huawei, Samsung, Sony und ZTE einen sehr guten Eindruck. Sie können das jeweilige Smartphone in einen manuellen Modus versetzen, in dem Sie dann unter anderem die Lichtempfindlichkeit, die Belichtungszeit, den Fokusmodus und den Weißabgleich anpassen können. Außerdem haben Sie darüber Zugang zur Belichtungskorrektur. Die meisten Apps bieten darüber hinaus Motivprogramme, verschiedene Filter, einen HDR-sowie einen Panoramamodus und verschiedene Blitzeinstellungen. Lediglich Apple, Google und LG verzichten in ihrer Kamera-App komplett auf den manuellen Modus.

Weitere interessante Funktionen jenseits der manuellen Einstellungen sind beispielsweise die Hybrid-Aufnahmen aus Foto und Video bei Apple, HTC und ZTE, die Optionen für die Belichtungsmessung bei Huawei, Samsung und Sony sowie verschiedene Bearbeitungsfunktionen bei Huawei und Sony.

Besonders hervorzuheben, da Alleinstellungsmerkmale, sind der Burstmodus bei Motorola, der Panoramamodus mit Einzelbildern bei Google, der Rote-Augen-Blitz bei Kodak und Sony, die Autofokus-Einstellungen bei Huawei und der sehr detailliert anpassbare Weißabgleich bei Samsung. Insgesamt negativ fielen uns dagegen die Apps von Google und Apple auf: Sie bieten kaum manuelle Einstelloptionen, bei Google immerhin besteht mit „Photo Sphere“ die Möglichkeit, 360-Grad-VR-Aufnahmen anzufertigen.

Der RAW-Modus bei Apple lässt sich kurioserweise nicht mit der hauseigenen App bedienen – dafür brauchen Sie Software von Drittanbietern, etwa die Adobe-App „ Photoshop Lightroom “. In ihr können Sie das Bildformat auf JPG (komprimierte, bearbeitete Daten) oder DNG (unkomprimierte Rohdaten) stellen. Übrigens bietet Ihnen die App diese Optionen auch bei anderen Smartphones ohne RAW an. Dann bekommen Sie zwar keine Rohdaten, aber immerhin unkomprimiertes Material ohne JPG-Artefakte, das Sie anschließend in das gängigere TIF-Format umwandeln können.

Im Vergleich zur Bedienung einer Digitalkamera, die dank zahlreicher Tasten und Knöpfe schnell und problemlos von der Hand geht, ist das Fotografieren per Smartphone-App nicht immer so einfach: mal, weil die gewünschten Funktionen nicht zur Verfügung stehen, mal, weil die Umsetzung nicht optimal ist. So fanden wir etwa die App, die LG dem X Cam aufspielt, zwar sehr übersichtlich und einfach zu bedienen. Das Design lässt jedoch zu wünschen übrig. Andererseits war die Sony-App optisch sehr ansprechend. Sie müssen jedoch manche Funktionen erst mit Zusatz-Apps nachrüsten, was die Bedienung insgesamt etwas fummelig macht. Insgesamt gut bis sehr gut haben uns die Apps von Huawei und Samsung gefallen.

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Bildqualität: Bleiben Sie ruhig bei der Belichtungsautomatik

Das Huawei P9 verwendet als Besonderheit ein Leica-Objektiv. Außerdem arbeitet die Kamera mit zwei 12-Megapixel-Bildsensoren, von denen der eine die Farb-, der andere die Helligkeitsinformationen aufzeichnet.
Vergrößern Das Huawei P9 verwendet als Besonderheit ein Leica-Objektiv. Außerdem arbeitet die Kamera mit zwei 12-Megapixel-Bildsensoren, von denen der eine die Farb-, der andere die Helligkeitsinformationen aufzeichnet.

In unserem Test vergleichen wir die Bildqualität der Foto-Handys mit der Standard-App des Herstellers und der Adobe-App „ Lightroom “. Das Ergebnis fällt überwiegend zugunsten der Hersteller-Apps aus: Sie sind speziell auf die Foto-Hardware der Smartphones ausgelegt und holen das Beste aus ihr heraus. Der einzige Grund, um auf eine Drittanbieter-App umzusteigen, ist ein erweiterter Funktionsumfang wie eine höhere Lichtempfindlichkeit oder mehr Motivprogramme. Allerdings ist dann das Ergebnis nicht immer überzeugend, wie etwa beim Google Pixel XL: Es bietet in seiner Standard-App keine manuelle ISO-Anpassung, per Lightroom jedoch bis ISO 12 800 – und produziert dann erwartungsgemäß sehr stark verrauschte Aufnahmen.

Wenn Sie jedoch die Tatsache im Hinterkopf behalten, dass ein Foto-Handy vielleicht eine günstige Kompaktkamera, auf keinen Fall aber eine hochwertige Bridge-oder Systemkamera ersetzen kann, sind damit auch gute Bilder möglich. Dabei können Sie sich auch ruhig auf den Automatikmodus verlassen: Er arbeitet tadellos und lässt sich im Vergleich zur manuellen Fokussierung, die die meisten Modelle in unserem Testfeld bieten, auch schnell einsetzen. Vor allem bei Makrobildern ist der Touch-AF hilfreich, den Sie mit dem Finger auf die scharf zu stellende Stelle im Motiv setzen. Hier müssen Sie nur herausfinden, wie nah Sie an das Motiv herangehen können, bis der AF nicht mehr funktioniert. Besonders beeindruckt hat uns hier das Google Pixel XL mit gut belichteten, knackscharfen Makroaufnahmen.

Auch bei Kunstlichtbildern haben wir die besten Ergebnisse mit der Weißabgleichsautomatik erzielt. Hier sollten Sie nur zu den angepassten Optionen greifen, wenn es zu Farbstichen kommt. Beispielsweise hatte das HTC 10 einen sehr guten automatischen Weißabgleich.

Auf hohe ISO-Einstellungen sollten Sie, wie bereits angemerkt, verzichten. Da der Bildsensor eines Smartphones noch kleiner als der einer Kompaktkamera ist, neigen sie noch stärker zu Bildrauschen, wenn Sie die Lichtempfindlichkeit erhöhen. Und auch auf das Digitalzoom sollten Sie verzichten: Viele Modelle verwenden einen Weichzeichner, um das dabei entstehende Bildrauschen zu reduzieren. Das hat jedoch zur Folge, dass die Bilder wie beim LG X Cam oder dem ZTE Axon 7 sehr glattgebügelt und strukturlos erscheinen. Ohne Weichzeichner werden die Bilder stattdessen überzeichnet und verrauscht, so etwa beim Kodak Ektra.

Wie bei jeder „normalen“ Digitalkamera, sollten Sie auch bei Smartphone-Kameras auf den Einsatz des Blitzes verzichten. Allerdings nehmen die Objektive und Sensoren in Handys auch deutlich weniger Licht auf als Kameras, so dass der Blitz häufig unabdingbar ist.

Unser Tipp: Testen Sie Blitzdistanz und Intensität in verschiedenen Situationen. Ein Blitz sollte das Motiv nicht überstrahlen, aber auch nicht nur den Vordergrund erhellen. Testen Sie aus, wie weit Sie an ein Motiv herangehen können, um es mit dem Blitz optimal auszuleuchten. In unserem Test haben das HTC 10 und das Kodak Ektra besonders gute Blitzgeräte integriert. Dagegen versagte das Google Pixel XL komplett, da es mit Blitz extrem rotstichige Aufnahmen produzierte.

Fazit: Kein Ersatz für eine Digitalkamera, aber eine Chance

Egal, wie sehr sich die Hersteller bemühen, Fotografen ihre speziellen Kamera-Smartphones schmackhaft zu machen – ein Handy wird eine hochwertige Kompaktkamera oder eine Systemkamera nie ersetzen können. Ja, man hat ein Smartphone immer dabei, und ja, die Technik hat in den letzten Jahren einen gewaltigen Qualitätssprung hingelegt. Doch ändert das nichts an der Tatsache, dass die Bildsensoren und Objektive, die in einem Smartphone verbaut werden, sich nicht mit denen einer Digitalkamera vergleichen lassen. Auch nicht, wenn Leica vorne draufsteht.

Akzeptiert man jedoch diese Tatsache, bieten Foto-Handys eine Fülle an Möglichkeiten, die auch Fotografen ansprechen dürften: Das schnelle Fotografieren ohne großes Einstellen der Kamera, das Versenden beziehungsweise Teilen von Aufnahmen, das mit dem Handy flotter geht als mit dem WLAN einer Kamera, die zahlreichen Apps, die Filter, Effekte und andere Optionen ganz nach Bedarf zur Verfügung stellen. Smartphones machen eine gute Digitalkamera nicht überflüssig. Sie ergänzen sie und bieten eine neue, moderne Art des Fotografierens.

Kamera-Smartphones: Wie wir testen

Für unsere Tests bewerten wir einerseits die Hardware-seitige Ausstattung, aber auch die mitgelieferte App und ihre Funktionen. Für die Beurteilung der Bildqualität haben wir häufige Motivsituationen ausgesucht und diese mit der Standard-Kamera-App des jeweiligen Testgeräts sowie – für eine bessere Vergleichbarkeit – mit der kostenlosen App „Adobe Lightroom“ fotografiert. Diese App bietet viele Funktionen und ist sowohl für Android als auch für iOS erhältlich.

Alle Aufnahmen wurden mit voller Auflösung im JPG-Format angefertigt. Die Belichtung haben wir, sofern möglich, wie folgt an das Motiv angepasst:

Für die Nahaufnahmen haben wir den speziellen Makromodus verwendet, falls vorhanden. Ansonsten sind wir so nah wie möglich ans Motiv herangegangen. Für die Kunstlichtbilder haben wir den automatischen Weißabgleich eingesetzt, zur Kontrolle eine der Lichtquelle angepasste Option.

Die Fotos bei Tageslicht haben wir im Automatikmodus ohne besondere Einstellungen gemacht. Für die Bewertung des Blitzes haben wir eine Situation mit wenig Licht gewählt und den Blitz zugeschaltet.

Des Weiteren haben wir überprüft, wie sich die Smartphone-Kameras in den höheren ISO-Bereichen verhalten und einen Blick auf das Digitalzoom geworfen.

Die Testergebnisse

1. Platz HTC 10

1. Platz: HTC 10
Vergrößern 1. Platz: HTC 10
© HTC

HTC stattet die Kamera im HTC 10 als Besonderheit mit optischem Bildstabilisator aus – auch in der Frontkamera. Außerdem können Sie eine Gesichtserkennung zuschalten.

RAW-Modus und ein in Kelvin anpassbarer Weißabgleich komplettieren die gute Ausstattung. Die dazugehörige App ist zwar etwas kompliziert aufgebaut, aber optisch ansprechend. In den Bildqualitätstests zeigt das Gerät seine Stärken vor allem bei Tages- und Kunstlicht. Hier beeindruckt der automatische Weißabgleich mit realistischen Farben, und auch das Digitalzoom arbeitet verhältnismäßig gut. Die Aufnahmen sind dank Weichzeichner zwar etwas glattgebügelt, haben aber noch Struktur. Nahaufnahmen werden scharf, könnten jedoch intensivere Farben und etwas mehr Helligkeit vertragen. Dafür gefällt uns der Blitz des HTC 10 sehr gut: Seine Reichweite ist verhältnismäßig lang, die Intensität optimal – Bilder überstrahlen nicht und sind gut ausgeleuchtet.

Alle Preise des HTC 10

Pro

Contra

Lange manuelle Belichtungszeit

keine Motivprogramme

Blitz mit zwei zweifarbigen LEDs

keine Filter/Effekte

Testergebnisse

Gesamtnote

Gut / 2,15

2. Platz Samsung Galaxy S7 Edge

2. Platz: Samsung Galaxy S7 Edge
Vergrößern 2. Platz: Samsung Galaxy S7 Edge
© Samsung

In Samsungs Smartphone-Boliden kümmern sich jeweils zwei Fotodioden um ein Pixel, was der Lichtempfindlichkeit des Sensors zugutekommen soll. In unseren Tests spielt die Kamera diese Besonderheit vor allem bei High- ISO-Aufnahmen mit wenig Bildrauschen und guter Helligkeit zu ihrem Vorteil aus. Aber auch der Digitalzoom profitiert von der „Dual Pixel“- Technologie. Dafür produziert der automatische Weißabgleich bei Kunstlicht leicht rotstichige Bilder. Makroaufnahmen zeigen gute Farben und werden scharf, aber zu dunkel. Der Blitz ist stark, leuchtet aber nicht weit genug. Die Kamera-App bietet viele Optionen, ist hübsch anzusehen und einfach zu bedienen.

Alle Preise des Samsung Galaxy S7 Edge

Pro

Contra

Objektiv mit f1.7-Blende

Tageslichtbilder mit etwas zu wenig Dynamik

Selfie-Aufheller per Display

nur zwei Motivprogramme

Testergebnisse

Gesamtnote

Gut / 2,35

3. Platz Sony Xperia XZ

3. Platz: Sony Xperia XZ
Vergrößern 3. Platz: Sony Xperia XZ
© Sony

Sony verbaut in seinem Xperia XZ einen Hybrid-Autofokus, der den Phasenvergleich mit einem Laser-AF kombiniert. Eine Besonderheit ist auch der Bildsensor, der mit 1/2,3 Zoll der größte im Testfeld ist. Ihm hat das Xperia XZ die guten Ergebnisse bei hoher Lichtempfindlichkeit zu verdanken: Die Aufnahmen werden hell und weisen wenig Bildrauschen auf. Anders sieht es jedoch mit dem Digitalzoom aus, dessen Ergebnisse deutlich überzeichnet und verrauscht sind. Der Blitz leuchtet zwar sehr lang, aber auch sehr stark, weshalb helle Motive schnell überstrahlen. Dagegen gelingen Makroaufnahmen sehr gut. Praktisch ist auch der physische Auslöser. Die Sony-App lässt sich durch teils kostenpflichtige Zusätze erweitern. Ihre Bedienung ist einfach.

Alle Preise des Sony Xperia XZ

Pro

Contra

viele Motivprogramme

leichter Blaustich bei Kunstlicht

Rote-Augen-Blitz

Full-HD-Display (statt Quad-HD)

Testergebnisse

Gesamtnote

Gut / 2,38

4. Platz Huawei P9

4. Platz: Huawei P9
Vergrößern 4. Platz: Huawei P9
© Huawei

Mit gleich zwei Ausstattungsmerkmalen hinsichtlich seiner Kamera kommt das Huawei P9. So verwendet das Smartphone ein Leica-Objektiv und zwei Bildsensoren mit je 12 Megapixeln: einen RGB- und einen Monochromsensor, die in Zusammenarbeit für optimale Fotos sorgen sollen. In unseren Tests liefert das P9 scharfe, farbechte und vor allem gut belichtete Makroaufnahmen. Der automatische Weißabgleich produziert bei Kunstlicht einen deutlichen Blaustich, und der Blitz leuchtet das Motiv schwach und zu kurz aus. Auch die Leistung bei hoher Lichtempfindlichkeit kann uns nicht überzeugen. Dagegen sammelt das Digitalzoom wieder Pluspunkte durch gute Schärfe und wenig Bildrauschen. Die App ist sehr schön und einfach zu bedienen.

Alle Preise des Huwawei P9

Pro

Contra

Blitz mit zwei zweifarbigen LEDs

elektronischer Bildstabilisator

RAW-Aufnahme

Objektiv nur mit f2.2-Blende

Testergebnisse

Gesamtnote

Gut / 2,40

5. Platz ZTE Axon 7

5. Platz: ZTE Axon 7
Vergrößern 5. Platz: ZTE Axon 7
© ZTE

Hinsichtlich seiner technischen Ausstattung weiß das Axon 7 absolut zu überzeugen: Lichtstarkes Objektiv, optischer Bildstabilisator und Phasenvergleich-AF, dazu eine App, die hinsichtlich ihres Funktionsumfangs so manche Kompaktkamera alt aussehen lässt. Leider kann die Bildqualität damit nicht mithalten: Schon Tageslichtaufnahmen zeigen im Test eine nur mittelmäßige Dynamik und langweilige Farben. Ähnliches stellen wir bei Makrobildern fest, bei denen aber immerhin die Schärfe stimmt. Der automatische Weißabgleich macht bei Kunstlicht blaustichige Bilder. Hohe ISO-Werte führen zu Bildrauschen, sind aber dennoch zu dunkel. Positiv ist der Blitz zu bewerten, der kräftig und lang genug strahlt.

Alle Preise des ZTE Axon 7

Pro

Contra

Objektiv mit f1.8-Blende

weichgespulte Bilder mit Digitalzoom

Gesichtserkennung

App optisch wenig ansprechend

Testergebnisse

Gesamtnote

Gut / 2,44

6. Platz Kodak Ektra

6. Platz: Kodak Ektra
Vergrößern 6. Platz: Kodak Ektra
© Kodak

Am Kodak Ektra erinnert schon die Gehäuseform mit dem etwas herausstehenden f2.0-Objektiv an eine Digitalkamera – und die Super-8-App verstärkt den Eindruck durch ihre Bedienung. Die Standard-App ist dagegen etwas schlichter gehalten, bietet jedoch reichlich manuelle Einstellmöglichkeiten und das eine oder andere Motiv-/Effektprogramm. Die Kamera basiert auf einem so genannten „stacked“ Sensor, bei dem der Speicherchip direkt unter dem Bildsensor sitzt und dadurch die Verarbeitungswege kurzhält. Die Ergebnisse bei hohen ISO-Werten fallen im Test leicht verrauscht, aber immerhin hell aus. Überwiegend gut sind dagegen die Makroaufnahmen und vor allem der Blitz zu bewerten: Erstere könnten jedoch etwas kräftigere Farben vertragen.

Alle Preise des Kodak Ektra

Pro

Contra

Phasenvergleichs-AF

Farbstich mit Auto-Weisabgleich bei Kunstlicht

optischer 6-Achsen-Bildstabilisator

Digitalzoom produziert Bildrauschen

Testergebnisse

Gesamtnote

Gut / 2,49

7. Platz Google Pixel XL

7. Platz: Google Pixel XL
Vergrößern 7. Platz: Google Pixel XL
© Google

Die Stärken der Kamera des Google Pixel XL liegen in der Makrofotografie: Hier nimmt das Gerät gut belichtete, farbechte und scharfe Bilder auf. Auch die Ergebnisse mit hoher Lichtempfindlichkeit können sich hinsichtlich Bildrauschens und Helligkeit sehen lassen. Als völlig unbrauchbar in unserem Testszenario erweist sich jedoch der Blitz, der Fotos rot einfärbt. Immerhin ist die Reichweite lobenswert. Der Auto-Weißabgleich neigt bei Kunstlicht zu deutlichen Farbsäumen, gibt Weiß jedoch gut wieder. Tageslichtaufnahmen zeigen schöne Farben, aber etwas zu wenig Dynamik. Das Digitalzoom produziert wenig Bildrauschen, allerdings sind die Bilder etwas weichgezeichnet. Googles Kamera-App bietet kaum Funktionen und ist dementsprechend einfach zu bedienen.

Alle Preise des Google Pixel XL

Pro

Contra

Phasenvergleich- und Laser-AF

kein manueller Modus

Panoramamodus aus Einzelbildern

elektronischer Bildstabilisator

Testergebnisse

Gesamtnote

Befriedigend / 2,49

8. Platz Apple iPhone 7

8. Platz: Apple iPhone 7
Vergrößern 8. Platz: Apple iPhone 7
© Apple

Apple stellt beim iPhone 7 Plus das optische 2fach-Zoom in den Fokus. So ganz richtig ist dies jedoch nicht, denn statt des erwarteten stufenlosen Zoomens per Taste schalten Sie lediglich per Fingertipp auf ein zweites Objektiv mit kürzerer Brennweite um. Das Digitalzoom macht Bilder mit guter Schärfe, die etwas Bildrauschen zeigen. Der automatische Weißabgleich produziert bei Kunstlicht einen leichten Rotund Blaustich. Tageslichtbilder werden sehr schön, was Farben und Dynamik angeht. Ebenso tadellos gelingen Makrofotos. Bei hohen ISO-Werten könnten Bilder heller sein. Dafür finden wir kaum Bildrauschen. Kritik muss sich der Blitz gefallen lassen: Er arbeitet zwar über eine lobenswerte Distanz, ist aber viel zu stark. Die Kamera-App ist hübsch und funktional.

Alle Preise des Apple iPhone 7

Pro

Contra

Blitz mit vier zweifarbigen LEDs

kein manueller Modus

Korper- und Gesichtserkennung

RAW nur mit Drittanbieter-App

Testergebnisse

Gesamtnote

Befriedigend / 2,71

9. Platz LG X Cam

9. Platz: LG X Cam
Vergrößern 9. Platz: LG X Cam
© LG

Das LG X Cam weist zwei Kameras auf: eine 13-Megapixel-Kamera, die einen Bildwinkel von 75 Grad abdeckt, und eine 5-Megapixel-Kamera für 120-Grad- Weitwinkel-Aufnahmen. Das Objektiv verwendet eine f2.2-Blende. In unseren Bildqualitätstests macht sich die Sonderausstattung auch deutlich bemerkbar: Tageslichtaufnahmen gelingen sehr gut, und auch Makrobilder werden scharf, wenn auch etwas zu dunkel und mit langweiligen Farben. Bilder mit Digitalzoom sind etwas weichgezeichnet, weisen aber ansonsten wenig Bildrauschen auf. Der automatische Weißabgleich färbt Fotos bei Kunstlicht dagegen mit einem leichten Rotstich ein. Der Blitz leuchtet lang, aber etwas zu stark. Die Kamera-App ist optisch wenig ansprechend.

Alle Preise des LG X Cam

Pro

Contra

gute High-ISO-Bilder

elektronischer Bildstabilisator

sehr gunstig

Videos nur in Full-HD-Auflösung möglich

Testergebnisse

Gesamtnote

Befriedigend / 2,84

10. Platz Motorola Moto Z

10. Platz: Motorola Moto Z
Vergrößern 10. Platz: Motorola Moto Z
© Motorola

Das Smartphone lässt sich durch Aufsteckmodule erweitern. So gibt es für knapp 300 Euro ein Kameramodul von Hasselblad mit 10fach optischem Zoom. Wir haben das Smartphone jedoch „ohne“ getestet. Tageslichtbilder nimmt die integrierte Kamera mit schönen Farben, aber etwas zu wenig Dynamik auf. Makrobilder sind scharf, könnten aber besser hinsichtlich Farbe und Helligkeit sein. Der Blitz macht Bilder leicht rotstichig und leuchtet zu stark, aber recht lang aus. Bei hohen ISO-Werten werden die Bilder hell, aber stark verrauscht. Das Digitalzoom überzeichnet deutlich und produziert starkes Bildrauschen. Die Kamera-App des Herstellers bietet reichlich manuelle Funktionen, lässt sich einfach bedienen und gefällt uns vom Design her.

Alle Preise des Motorola Moto Z

Pro

Contra

Erweiterung per Zusatzmodul moglich

Rotstich mit Auto-Weisabgleich bei Kunstlicht

Burstmodus

fest montierter USB-C-Netzadapter

Testergebnisse

Gesamtnote

Befriedigend / 2,85

Testergebnisse
Vergrößern Testergebnisse

Kodak hat in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Bullitt ein Android-Smartphone herausgebracht, das sich speziell an Foto-Enthusiasten richten soll. Die zwei verbauten Kameras sollen entsprechend hochwertig sein: Die Hauptkamera hat eine f2.0-Blende und schießt Fotos mit 21 Megapixeln. Die Frontkamera mit f2.2-Blende kommt auf 13 Megapixel. Die Kamera-App bietet sowohl mehrere Motivprogramme als auch einen umfangreichen manuellen Modus. Mehr zu dem Kodak Ektra erfahren Sie in diesem Video unseres Partner-Kanals Mobiwatch.

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