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Test: AMD Ryzen 5 1600X

11.04.2017 | 15:00 Uhr |

Das Spitzenmodell der Ryzen-5-Generation kostet 279 Euro und arbeitet mit sechs Kernen und 12 Threads. Wir vergleichen die CPU mit dem direkten Konkurrenten von Intel, dem Core i5-7600K.

Mit den Oberklassemodellen der Ryzen-7-Generation ist AMD durchaus ein gelungenes Comeback bei den Desktop-Prozessoren gelungen. Jedes einzelne Modell ( 1800X , 1700X und 1700 ) erhielt in unseren Tests die Auszeichnung „Attraktiver Preis“. Denn wenn es um das Preis-Leistungs-Verhältnis geht, dann ist AMD aktuell unschlagbar. Geht es um die Leistungskrone, bleibt Intel (noch) an der Spitze. Das heißt nicht, das die Ryzen-CPUs von AMD schlechter sind, sondern die Spiele- und Software-Hersteller ihre Programme erst noch für den Ryzen optimieren und die AM4-Hauptplatinen reifen müssen.

Ab heute, dem 11. April 2017, gibt es nun die Mittelklasse der Ryzen-Generation zu kaufen, die Ryzen-5-CPUs. In diesem Artikel testen wir das Oberklasse-Modell Ryzen 5 1600X und vergleichen den Prozessor mit dem direkten Konkurrenten Intel Core i5-7600K, der knapp 250 Euro (Straßenpreis) kostet.

Zeitgleich haben wir auch den neuen Quad-Core-Prozessor AMD Ryzen 5 1500X für 209 Euro getestet. Wir haben ihn mit dem Intel Core i5-7500 verglichen, zum Test geht es hier entlang: AMD Ryzen 5 1500X im Test

TEST-FAZIT: AMD Ryzen 1600X

Nach dem Test des Ryzen 5 1600X dürfen wir behaupten, dass AMD nun auch in der CPU-Mittelklasse endlich wieder Fuß fassen darf. Der Hexa-Core-Prozessor ist in Sachen Spieleleistung zwar etwas langsamer als ein ähnlich teures Intel-Modell, doch in rein CPU-fordernden Tests weist der Ryzen 5 die Konkurrenz fast ausnahsmlos in die Schranken. Die 250 Euro sind somit fast schon ein Schnäppchen, denn mit sechs Kernen und 12 Threads ist die CPU auch noch recht zukunftssicher.

Etwas überrascht waren wir allerdings in Sachen Leistungsaufnahme: So ist der Verbrauch zwar nicht extrem hoch, aber nur leicht geringer als beim Flaggschiff Ryzen 7 1800X, der sogar über zwei zusätzliche Rechenkerne verfügt. Für einen Sechskerner ist die Energieeffizienz aber vollkommen in Ordnung! Bei den Betriebstemperaturen hält sich der Prozessor ebenfalls gut zurück, der neue Kühler Wraith Max leistet akzeptable Arbeit.

+ hervorragende CPU-Leistung

+ günstiger Preis

+ gute Spieleleistung in Ultra-HD

- in Full-HD bei einigen Spielen nicht ganz so performant

- moderater Stromverbrauch

Der AMD Ryzen 5 1600X erhält aufgrund seines guten Preis-Leistungs-Verhältnis den PC-WELT-Award "Attraktiver Preis".
Vergrößern Der AMD Ryzen 5 1600X erhält aufgrund seines guten Preis-Leistungs-Verhältnis den PC-WELT-Award "Attraktiver Preis".

Hinweis:   Die technischen Daten und Testergebnisse haben wir am Ende dieses Artikels in übersichtlichen Tabellen abgebildet.

Viel Leistung für wenig Geld soll die Mittelklasse-Reihe Ryzen 5 von AMD bieten. Und tatsächlich lesen sich die Specs der Ryzen-5-CPUs gut: 4 bzw. 6 Kerne, die dank Simultaneous Multithreading doppelt so viele Threads abarbeiten können sowie eine ordentliche Taktrate. Und das Ganze zu Preisen, die auf dem Niveau eines Intel Core i5-7600K bzw. i5-7500 liegen. Aber kann AMD halten was sie versprechen? Wie sieht die tatsächliche Leistung aus? Dazu haben wir den Ryzen 5 1500X und 1600X ausführlich getestet und vergleichen ihn in der Spieleleistung mit dem Intel Core i5-7600K und dem Intel Core i5-7500.

Technische Daten des AMD Ryzen 5 1600X

Der AMD Ryzen 5 1600X besitzt sechs CPU-Kerne, arbeitet dank der Technik SMT (Simultaneous Multithreading) aber 12 Threads ab. Der Level-3-Cache bemisst sich, wie bei den Ryzen-7-Prozessoren, auf insgesamt 16 MB.  Die Taktfrequenzen belaufen sich auf 3,6 und 4 GHz (Base- und Boost-Takt). Per XFR (Extended Frequency Range) können sich ein oder zwei CPU-Kerne sogar automatisch auf 4,1 GHz  übertakten, sofern die Core-Temperatur einen gewissen Schwellenwert nicht überschreitet und die CPU-Spannungsversorgung genügend Saft liefert.

Die technischen Daten des AMD Ryzen 5 1600X.
Vergrößern Die technischen Daten des AMD Ryzen 5 1600X.

Dem „X“ im Prozessornamen lässt sich entnehmen, dass das Übertaktungsniveau durch XFR etwas höher ist als bei Modellen, die diesen Zusatz nicht führen. Sprich AMD spendiert unter den passenden Gegebenheiten noch einmal 100, beim Rest nur magere 50 Hertz.

Die technischen Daten des 1600X lesen sich quasi wie die des Flaggschiffs 1800X, dem Ryzen-5-Ableger fehlen im Prinzip „nur“ zwei Rechenkerne. Tatsächlich beläuft sich die TDP (maximale Verlustleistung) ebenfalls auf 95 Watt. Und wie für die Summit-Ridge-Prozessoren üblich, verfügt auch der 1600X über einen freien Multiplikator fürs simplere Übertakten. Für eine bessere Übersicht haben wir die technischen Daten aktueller Desktop-CPUs in folgender Tabelle gegenübergestellt.

Technische Daten von Desktop-Prozessoren im Vergleich

AMD Ryzen 5 1600X

Intel Core i5-7600K

AMD Ryzen 7 1800X

AMD Ryzen 5 1500X

Codename

Summit Ridge

Kaby Lake

Summit Ridge

Summit Ridge

Anzahl Kerne / Threads

6 / 12

4 / 4

8 / 16

4 / 8

Basis- / Boost-Takt

3,6 / 4,0 GHz

3,8 / 4,2 GHz

3,6 / 4,0 GHz

3,5 / 3,7 GHz

Level-3-Cache

16 MB

6 MB

16 MB

16 MB

Fertigungsprozess

14 Nanometer FinFET

Sockel

AM4

FCLGA2011-3

AM4

AM4

TDP (maximale Verlustleistung)

95 Watt

91 Watt

95 Watt

65 Watt

freier Multiplikator

ja

Preis

279 Euro (UVP)

246 Euro (Straßenpreis)

510 Euro (Straßenpreis)

209 Euro (UVP)

AMDs aktuelle CPU-Architektur „Zen“

Auch dem AMD Ryzen 5 1600X liegt die x86-Mikroarchitektur Zen zugrunde, die nach jahrelanger Entwicklung ihr Debüt mit der Ryzen-7-Generation feierte. Dabei legten die Ingenieure besonderen Wert auf folgende vier Bereiche: Eine Optimierung der Instruction Level Parallelism (ILP), also der Parallelverarbeitung auf Anweisungsebene, um die Single-Thread-Leistung zu steigern. Erhöhte Datenraten in den Cache- und Prefetcher-Engines sowie eine performante Handhabung von Pipeline-Lücken (Bubbles) durch Simultaneous Multithreading (SMT).

Hinzu kommen Niedrig-Energie-Techniken, um die Leistungsaufnahme im aktiven Zustand und im Leerlauf intelligent zu verwalten sowie die Minimierung von Schutzbereichen, die wertvolle Leistung pro Watt kosten. Ein modularer 4C-Kern-Komplex, der an eine neue Verbindung namens „Infinity Fabric“ angeschlossen ist, erlaubt Zen eine effiziente Skalierung, Integration und Kommunikation mit anderen AMD-Funktionseinheiten (IP) innerhalb des Kerns.

Neben vielen weiteren Änderungen im Vergleich zu den Vorgänger-Architekturen benötigen Ryzen-CPUs auch einen neuen Sockel (AM4) sowie neue Chipsätze. Weitere Informationen finden Sie in unseren beiden Artikeln  „Alle Infos zu AMD Ryzen: Start, Preise, CPU-Modelle, Mainboards, Technik“  und  „AMD Ryzen Mainboard-Check: Preise, Chipsätze, wichtige Infos“.

Besonderheiten des AMD-B350-Chipsatzes

Die technischen Daten der AMD-Chipsätze im Überblick.
Vergrößern Die technischen Daten der AMD-Chipsätze im Überblick.
© AMD

Beim neuen B350-Mainboard-Chipsatz von AMD handelt es sich um die Mainstream-Plattform, die sich für den typischen Gamer eignen soll. Beim Preispunkt tritt sie gegen den Intel-B250-Chipsatz an, hat im direkten Vergleich mit der Konkurrenz aber schon einiges an Bord, was beim Kontrahenten nur Drittanbieter implementieren können.
So unterstützt der AMD-B350-Chipsatz nativ USB 3.1 Gen 2, CPU-Übertaktung, direkte NVMe-Anbindung sowie XMP-Unterstützung - letztere ist bei Intels B250-Chipsätzen nur bei Kaby-Lake-Prozessoren gegeben.

So testet PC-WELT Desktop-Prozessoren

Wir testen alle CPUs unter gleichen Bedingungen, um faire, transparente und vergleichbare Ergebnisse zu erzielen. Welche Hardware und Software wir für unsere Tests benutzen, und wie die Gesamtwertung am Ende zustande kommt, erfahren Sie in folgendem Artikel:  Wie PC-WELT Desktop-Prozessoren testet 

Anmerkungen zum Testverfahren

Anders als im obigen Kasten beschrieben, setzen wir für die Tests der Ryzen-5-CPUs auf das Mainboard Asrock Fatal1ty AB350 Gaming K4 mit AMDs B350-Chipsatz, da es zu den wenigen Modellen gehört, das vor Marktstart schon mit dem korrekten Bios für die neuen Prozessoren ausgestattet ist. Außerdem setzen wir auf den Arbeitsspeicher GEIL Evo X mit einem Arbeitstakt von 3200 MHz und den Timings CL-16-16-16-36. Die Kapazität beläuft sich auf zweimal 8 GB DDR4. Bei der Kühlung verwenden wir zum ersten Mal den Boxed-Kühler AMD Wraith Max mit RGB-Beleuchtung.

Mit Ryzen kommen auch zwei neue Boxed-Kühler auf den Markt: Wraith Spire für die günstigen Modelle, Wraith Max für die teureren. Wir verwenden in unseren Ryzen-5-Tests letzteren.
Vergrößern Mit Ryzen kommen auch zwei neue Boxed-Kühler auf den Markt: Wraith Spire für die günstigen Modelle, Wraith Max für die teureren. Wir verwenden in unseren Ryzen-5-Tests letzteren.
© AMD

Spieleleistung auf dem Prüfstand

Die durchschnittlichen Bildraten in Full-HD und Ultra-HD im Vergleich.
Vergrößern Die durchschnittlichen Bildraten in Full-HD und Ultra-HD im Vergleich.

Bei den Bildratenmessungen muss sich der Ryzen 5 1600X vor allem in Full-HD fast immer hinter den Core i5-7600K einreihen, bleibt aber in Schlagdistanz. Einzige Ausnahme ist GTA5, hier kommt der 1600X nur auf 82 Bilder/s, während der 7600K mit 101 Bildern/s davonzieht. Erfolgen die Messungen in Ultra-HD, ist der AMD-Chip seinem Intel-Rivalen fast ebenbürtig.

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AMD Ryzen 5 1600X in Computing- und Synthetik-Benchmarks

Die Ergebnisse der Computing- und Synthetik-Benchmarks im Vergleich.
Vergrößern Die Ergebnisse der Computing- und Synthetik-Benchmarks im Vergleich.

In den CPU-fordernden Tests kann der Ryzen 5 1600X den Core i5-7600K in allen Bereichen locker in die Tasche stecken. Die Ergebnisse sind teilweise deutlich besser. Hiervon ausgenommen ist die Single-Core-Leistung in Cinebench R15, die der Intel-Prozessor aufgrund des etwas höheren Takts für sich entscheiden kann.

Im Render-Test von Cinebench R15 steckt der 1600X den i5-7600K in Sachen Multi-Core-Leistung locker in die Tasche
Vergrößern Im Render-Test von Cinebench R15 steckt der 1600X den i5-7600K in Sachen Multi-Core-Leistung locker in die Tasche

Leistungsaufnahme und Temperatur

Die Leistungsaufnahme im Vergleich.
Vergrößern Die Leistungsaufnahme im Vergleich.

Bei der Leistungsaufnahme messen wir stets die gesamte Testplattform. Unter Last nimmt das System mit einem 1600X maximal 264 Watt auf. Im Vergleich zum 1800X, der maximal 266 Watt aufnimmt und über zwei zusätzliche Kerne verfügt, ist die Stromaufnahme zu unserer Überraschung nicht sehr unterschiedlich. Der Core i5-7600K saugt 255 Watt aus der Steckdose und gibt sich hier also etwas effizienter.

Betriebstemperaturen von CPUs (maximal gemessene Grad Celsius)

AMD Ryzen 5 1600X (Boxed-Kühler)

Intel Core i5-7600K (wassergeühlt)

AMD Ryzen 7 1800X (wassergekühlt)

Temperatur: Last in Grad Celsius

76

48

64

Temperatur: Leerlauf in Grad Celsius

47

28

37

Bei den Temperaturen gilt es zu beachten, dass wir den Corei 5-7600K und den Ryzen 7 1800X mit einer Kompakt-Wasserkühlung getestet haben, weshalb sich auch die recht niedrigen Betriebstemperaturen ergeben. Der 1600X wurde mit dem neuen Boxed-Kühler Wraith Max getestet, der auf 140 Watt ausgelegt ist und über eine programmierbare RGB-Beleuchtung verfügt: Das Ergebnis sind 76 Grad Celsius, was für eine CPU noch akzeptabel, aber nicht unbedingt vorzeigbar ist.

WERTUNG: AMD Ryzen 5 1600X

Testkategorien 100%

Anwendung

Ergebnisse

Durchschnittliche Punktzahl

Gesamtpunkte

Spieleleistung 60 %

Rise of the Tomb Raider: Durchschnittliche Bildrate in 1920 x 1080 Pixel

119

74

1.251

Rise of the Tomb Raider: Durchschnittliche Bildrate in 3480 x 2160 Pixel

53

Witcher 3 - Wild Hunt: Durchschnittliche Bildrate in 1920 x 1080 Pixel

98

Witcher 3 - Wild Hunt: Durchschnittliche Bildrate in 3480 x 2160 Pixel

38

GTA 5: Durchschnittliche Bildrate in 1920 x 1080 Pixel

82

GTA 5: Durchschnittliche Bildrate in 3480 x 2160 Pixel

51

Benchmarks 40 %

3D Mark: Fire Strike (Gesamtpunktzahl)

16.168

3.017

Cinebench: Alle Kerne (Punkte)

1.239

Cinebench: Einzelkern (Punkte)

160

SiSoftware Sandra 2016: Arithmetik (GOPS)

173,10

SiSoftware Sandra 2016: Multimedia (MPIX/s)

345,65

SiSoftware Sandra 2016: Kryptographie (GB/s)

15,12

Aufwertung/Abwertung

keine

Preis (UVP)

279 Euro

Leistungsaufnahme im Vergleich (maximal gemessene Watt)

AMD Ryzen 5 1600X

Intel Core i5-7600K

AMD Ryzen 7 1800X

Leistungsaufnahme Testplattform: Last in Watt

264

255

266

Leistungsaufnahme Testplattform: Leerlauf in Watt

46

44

47

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