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Tesla zeichnet Unfalldaten auf und verrät Fehler der Fahrerin

17.05.2018 | 15:12 Uhr |

In den USA hat es erneut einen Unfall mit einem Tesla gegeben, dessen Autopilot aktiviert war. Der Datenmitschnitt des Tesla zeigt, wie verantwortungslos die Fahrerin sich verhielt – der Tesla verrät also das Fehlverhalten seiner Fahrerin.

Laut dem Polizeibericht war eine 28 Jahre alte Frau am 11. Mai 2018 mit einem Tesla Model S auf dem Highway in South Jordan im US-Bundesstaat Utah unterwegs, als sie um 18.38 Uhr Ortszeit auf einen Feuerwehr-LKW auffuhr, der vor einer roten Ampel wartete. Der Unfall als solcher wäre wohl keine Erwähnung wert – der Tesla wurde zwar völlig zerstört, der Fahrer des Feuerwehrfahrzeugs erlitt aber nur ein Schleudertrauma und die Tesla-Fahrerin brach sich trotz der Schwere des Unfalls nur den rechten Fuß – wenn die Fahrerin gegenüber der Polizei nicht ausgesagt hätte, dass sie den Autopilot von Tesla aktiviert hatte. Und damit wird die Sache spannend.

Tesla sagt klipp und klar, dass der Fahrer eines Tesla bei aktiviertem Autopilot jederzeit das Verkehrsgeschehen überwachen und eingreifen können muss. Die Unfallverursacherin räumte gegenüber der Polizei aber ein, dass sie vor dem Aufprall auf ihr Telefon geschaut habe. Zeugen sagten gegenüber der Polizei zudem aus, dass der Tesla nicht gebremst und auch sonst keinerlei Maßnahmen ergriffen habe, um den Unfall zu vermeiden; der Tesla versuchte also zum Beispiel kein Ausweichmanöver.

Techniker von Tesla lasen die im Fahrzeug gespeicherten Daten aus; die Aufzeichnungen des Tesla waren vollständig erhalten und sie überführen die Fahrerin beziehungsweise legen ihr Fehlverhalten offen. Demnach hatte die Fahrerin die Fahrer-Assistenzsysteme Autosteer und die Traffic Aware Cruise Control mehrmals während der letzten Fahrt aktiviert. Die Software des Tesla registrierte, dass die Fahrerin über ein Dutzend Mal ihre Hände vom Lenkrad des Tesla Model S nahm. In zweien dieser Fälle befanden sich die Hände der Fahrerin jeweils für mehr als eine Minute nicht am Lenkrad. Erst nachdem der Autopilot ein optisches Warnsignal abgab, legte die Frau wieder ihre Hände auf das Lenkrad. Doch jedes Mal nahm die Frau ihre Hände bereits nach wenigen Sekunden wieder vom Lenkrad weg.

Feuerwehrauto und Tesla Model S.
Vergrößern Feuerwehrauto und Tesla Model S.
© South Jordan Police Department in Utah

Genau eine Minute und 22 Sekunden vor dem Unfall schaltete die Fahrerin wieder Autosteer und Cruise Control ein und nahm nach zwei Sekunden die Hände wieder vom Lenkrad. Bis zum Unfall berührte die Frau das Lenkrad nicht mehr, 80 Sekunden lang war das Model S also ohne Lenkeingriff der Fahrerin auf dem Highway unterwegs. Diese Daten aus dem Speicher des Tesla stimmen mit der Aussage der Fahrerin überein, die angab, vor dem Unfall auf ihr Handy geschaut zu haben.

Der Tesla Model S fuhr mit rund 60 Meilen, also rund 96 km/h, auf das Feuerwehrauto auf, das vor einer auf Rot stehenden Ampel wartete. Diese Geschwindigkeit hatte die Fahrerin selbst im Autopilot eingestellt. Wie ebenfalls aus den vom Tesla aufgezeichneten Daten hervorgeht, bremste die Frau erst Sekundenbruchteile vor dem Unfall.

Die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) schickte ein Untersuchungsteam zum Unfallort. Die örtliche Polizei bedankte sich bei Tesla für die Unterstützung.

Unfälle wie dieser mit dem Feuerwehrauto dürften die Diskussion darüber anheizen, weshalb Tesla kein Eye-Tracking und keine bessere Lenkradüberwachung in seine Fahrzeuge einbaut, um derartiges Fehlverhalten zu unterbinden. Zumal der Autopilot Tesla-Fahrer immer wieder zu leichtsinnigem Verhalten verführt: Sie verlassen während der Fahrt den Fahrersitz oder schlafen während der Fahrt.

Tesla-Chef Elon Musk reagierte via Twitter dünnhäutig. Er beklagte sich, dass es ein Tesla-Unfall, der nur einen gebrochenen Fußknöchel zur Folge hat, in die Schlagzeilen schafft, aber über die 40.000 Verkehrstoten durch Autounfälle in den USA im Jahr 2017 nichts geschrieben wird. Wobei Musk mit einem Hinweis allerdings recht hat: Es ist bemerkenswert, wenn man mit fast 100 km/h auf einen LKW auffährt und sich als PKW-Fahrer nur einen Knöchel bricht.

Im Sommer 2016 gab es den ersten tödlichen Unfall mit einem Tesla mit aktiviertem Autopilot. Kurz darauf soll ein Tesla mit eingeschaltetem Autopilot ein Gebäude gerammt haben. Im März 2018 gab es einen weiteren tödlichen Unfall mit einem Tesla, bei dem ebenfalls der Autopilot eingeschaltet war.

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