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Tesla überwacht Fahrer nicht per Eye-Tracking - Musk war dagegen

15.05.2018 | 13:04 Uhr |

Tesla baute kein Eye-Tracking oder andere Maßnahmen zur Fahrer-Überwachung ein, obwohl einige Tesla-Techniker das gefordert haben. Damit hätte der Autopilot sicherer werden können. Musk entschied sich aber dagegen.

Bei Tesla hatte es laut einem Bericht des Wall Street Journal bereits vor dem tödlichen Unfall mit einem Tesla und aktiviertem Autopilot im März 2018 eine interne Diskussion darüber gegeben, ob Tesla Eye-Tracking und/oder verbesserte Lenkradsensoren in seine Elektro-Fahrzeuge zur Unterstützung des Auto-Piloten einbauen soll. Einige Ingenieure hätten das damals gefordert, damit der Autopilot die Fahrer besser kontrollieren könne. Mit Eye-Tracking und den Lenkradsensoren würde der Autopilot sofort erkennen, dass der Fahrer nicht mehr aufmerksam hinter dem Lenkrad sitzt – wie es trotz aktiviertem Autopiloten vorgeschrieben und notwendig ist – und dann den Wagen notfalls bis zum Stillstand abbremsen. In der Vergangenheit gab es immer wieder Berichte, wonach Tesla-Fahrer während der Fahrt schliefen oder den Fahrersitz verlassen haben.

Tesla habe laut dem Bericht auch schon mit Zulieferern gesprochen, die die benötigten Komponenten liefern müssten. Allerdings hätten sich die Verantwortlichen, also vor allem Tesla-Chef Elon Musk, gegen die Einführung dieser Überwachungsinstrumente entschieden. Laut Wall Street Journal sprach sich Tesla aus drei Gründen gegen Eye-Tracking und Co aus: Die Überwachungssysteme könnten nicht zuverlässig genug funktionieren, sie könnten zu teuer sein und die Fahrer könnte es nerven, wenn sie ständig durch eine Kamera und andere Sensoren überwacht würden.

Musk hat den Zeitungsbericht auf Twitter kommentiert.

Der Tesla-Chef dementiert vehement, dass Kostengründe gegen die Einführung des Eye-Tracking gesprochen hätten. Stattdessen betont Musk, dass er sich nur deshalb gegen Eye-Tracking entschieden habe, weil diese Überwachungsmethode nicht effektiv genug sei. Das Wall Street Journal beruft sich aber auf namentlich nicht genannte Quellen aus dem Tesla-Konzern, die sagen, dass Musk sich aus Kostengründen gegen diese zusätzlichen Überwachungsmaßnahmen ausgesprochen habe.

Für das Eye-Tracking hätte man eine Kamera verbauen müssen, die ständig die Augen des Fahrers filmt. Zusätzlich wären auch Infrarotsensoren erforderlich. Die andere Überwachungslösung wären zusätzliche Sensoren im Lenkrad gewesen, die überwachen sollten, ob der Fahrer das Lenkrad wirklich in den Händen hält.

Das ist zwingend notwendig, denn anders als die von Tesla selbst gewählte Bezeichnung „Autopilot“ suggeriert, besitzt der Tesla eben keinen Autopiloten, der das Fahrzeug autonom steuert und bremst. Stattdessen ist der Autopilot einfach nur ein Fahrer-Assistenzsystem wie es auch Audi, BMW und Daimler anbieten, um nur einige Beispiele zu nennen. Also eine Kombination aus ACC, Spurhalte- und Spurwechsel-Assistent und Notbrems-Assistent oder Stau-Pilot sowie ähnlichen Fahrer-Assistenzsystemen, die die Basis für das spätere autonome Fahren bilden.

Derzeit verbaut Tesla nur einen Sensor im Lenkrad, der kleine Lenkradbewegungen erkennt. Wenn der Tesla-Fahrer seine Hände nicht dauerhaft am Lenkrad hat, warnt ihn der Tesla wiederholt. Reagiert der Fahrer immer noch nicht, dass bremst der Autopilot den Wagen selbstständig ab und parkt ihn am Fahrbahnrand. Der Fahrer muss den Tesla dann erst neu starten um den Autopiloten wieder einschalten zu können. Dieser derzeit von Tesla verbaute Lenkradsensor lässt sich aber überlisten, indem der Fahrer ab und zu kurz das Lenkrad antippt. Deshalb hätten Tesla-Ingenieure eben darüber nachgedacht, einen genaueren Sensor einzubauen.

General Motors verbaut zum Beispiel ein Kamera-basiertes Überwachungssystem namens Super Cruise. Die Kamera überwacht dort ständig das Gesicht des Fahrers, um sicherzustellen, dass er aufmerksam den Verkehr beobachtet. Im Gegenzug darf der Fahrer aber die Hände vom Lenkrad nehmen.

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