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Synology-NAS unter Linux: Darum lohnt es sich

07.02.2018 | 14:14 Uhr |

Mit seinen NAS-Modellen und dem Linux-basierten Betriebssystem DSM ist dem Hersteller Synology ein großer Wurf gelungen. Die Geräte leisten viel und mit externer Software sind sie noch vielseitiger einsetzbar.

Während Leistungshungrige, Puristen und Bastler ein NAS eher mit einer Platine und kostenfreien Open-Source-Lösungen zusammenbauen, stellt sich diese Frage für die meisten Anwender wahrscheinlich gar nicht. Kommerzielle NAS-Lösungen bieten stimmige Hardware und machen es auch Laien einfach, das System aufzusetzen. Der Einbau der Festplatten ist ohne technisches Geschick im Handumdrehen erledigt und danach genügt ein Knopfdruck, um die Vorzüge des NAS zu nutzen. Das durchdachte und komfortable Betriebssystem DSM hat gewichtigen Anteil daran, dass die Modelle des Hersteller Synology besonders beliebt sind.

„Adieu iCloud“! „Goodbye Google!“

Viele Anwender haben inzwischen Skrupel, ihre Adressen und Telefonnummern einfach bei einem Anbieter in der Cloud zu speichern. Die meisten tun es trotzdem, schließlich scheint für den Smartphone-Zugriff kein Weg an iCloud oder Google vorbeizuführen. Zwar bietet etwa Owncloud/ Nextcloud auch eine Möglichkeit für die Synchronisation solcher Daten, aber diese mächtige Lösung einzurichten, erscheint dann doch etwas zu aufwendig, um ein paar Adressen aktuell zu halten.

Eigentlich unverständlich, dass Synology so wenig Werbung für seine eingebaute Kontakt- und Kalenderverwaltung macht. Damit Sie außerhalb Ihres heimischen Netzwerks Adressen und Termine synchronisieren können, müssen Sie hinter einem DSL-Anschluss mit einem dynamischen DNS-Eintrag arbeiten. Das kann direkt unter der Oberfläche des Systems erledigt werden. Die Einrichtung der Synchronisation ist nicht sonderlich schwierig. Infos dazu gibt’s hier . Kontakte und Termine werden von getrennten Anwendungen verwaltet und synchronisiert. Um Kontakte auszutauschen, installieren Sie aus dem Paketzentrum die Anwendung Card DAV Server. Nach der erfolgreichen Einrichtung finden Sie diese als eigene Anwendung, die direkt gestartet werden kann. Unter den Einstellungen sollten Sie den Zugang mittels HTTPS abschalten, sofern Sie auf der Synology kein Zertifikat abgelegt haben. Über die Einstellungen müssen Sie unter „Berechtigungen“ dann noch den angelegten Anwendern Zugriff auf den Server geben. Die Optionen des Servers sind selbsterklärend. Wenn Sie wollen, können Sie im zentralen Adressbuch nicht nur Kontakte manuell eingeben, sondern auch die Daten aus anderen Quellen importieren. In allen Anwendungen, die auf das Adressbuch zugreifen sollen, müssen Sie den Pfad dazu eingeben. Im lokalen Netzwerk ist das „http://IP-Adresse:8443/addressbooks/users/[BENUTZER]/addressbook/“. Beim Benutzernamen handelt es sich um den User auf der Synology. Nutzen Sie DynDNS oder einen ähnlichen Server, dann verwenden Sie den Domainnamen statt der IP-Adresse. Damit der Zugriff von außen klappt, muss der Port 8443 an Ihrem Router freigeschaltet sein.

NAS-Virtualisierung: So klappt's bei Synology

Die Verwaltung von Kalendern ist im Webdav-Server angelegt. Dieser wird ebenfalls über das Paketzentrum installiert und wird dann anschließend über die Systemsteuerung gestartet. Im Register „Kalender“ aktivieren Sie anschließend den Caldav-Dienst und unter „Kalenderliste“ legen Sie danach einen neuen Kalender an. Um auf den Kalender dann mit einer externen Anwendung zuzugreifen, benötigen Sie natürlich ebenfalls die URL. Diese setzt sich zusammen aus der IP-Adresse der Diskstation oder dem Namen der Domain und wird ergänzt um die Pfadangabe, die Sie aus der Liste der Kalender entnehmen können („Systemsteuerung -> WebDAV -> Kalenderliste anzeigen -> Ort“). Ein gültiger Eintrag könnte etwa „http://ip-adresse/web/Calendar/ stephan/“ lauten. Aktuell gibt es im Internet auch noch Pakete des kleinen Baikal-Kalenders. Allerdings hat sich am Hauptprojekt bereits seit einiger Zeit nichts mehr getan und auf Github warten noch viele Nutzer auf Antworten auf ihre Bugreports, sodass wir von einer Installation derzeit eher abraten.

Plex auf der Synology installieren

Um fremde Pakete installieren zu können, müssen Sie die Sicherheitsstufe herunterschalten.
Vergrößern Um fremde Pakete installieren zu können, müssen Sie die Sicherheitsstufe herunterschalten.

Der Medienserver Plex hat sich in den vergangenen Jahren eine engagierte und treue Fangemeinde erobert. Auf der Synology ist dessen Installation nicht schwierig. Anders als die Software zur Synchronisation der Termine stammt Plex aber nicht aus den offiziellen Quellen. Um das Paket installieren zu können, müssen Sie erst die Einrichtung von Drittpaketen erlauben. Öffnen Sie dazu in der DSM-Oberfläche das Paketzentrum und klicken Sie dort auf „Einstellungen -> Allgemein -> Vertrauensebene -> Jeder Herausgeber“.

Je nach Modell hat Synology in seinen Geräten unterschiedliche Prozessoren verbaut. Wenn Sie sich nicht sicher sind, welcher Typ in ihrem NAS werkelt, besuchen Sie das Wiki . Dies ist wichtig für den nächsten Schritt: Auf der Downloadseite von Plex https://www.plex.tv/de/downloads/ können Sie zwar sofort Synology als Plattform einstellen, müssen dann aber das zum Prozessor passende Paket wählen. Im DSM-Paketzentrum finden Sie dann den Schalter „Manuelle Installation“. Wählen Sie diese Option und navigieren Sie zum heruntergeladenen Paket von Plex. Mit „Weiter“ startet die Installation. Ist die Einrichtung auf dem Gerät erfolgreich verlaufen, erhält Plex einen eigenen Eintrag unter den Anwendungen und kann gestartet werden. Jetzt steht einer individuellen Einrichtung Ihres Servers nichts mehr im Wege.

Test: Sechs Netzwerkspeicher (NAS) im Vergleich

Synology als Ziel für Linux-Backups

Um einen Kalender in externen Anwendungen einzubinden, benötigen Sie die genaue URL.
Vergrößern Um einen Kalender in externen Anwendungen einzubinden, benötigen Sie die genaue URL.

Am Thema Backup unter Linux haben sich in den vergangenen Jahren einige Entwickler versucht. Meist handelt es sich lediglich um grafische Aufsätze für Werkzeuge wie tar und rsync. Rsync ist der Klassiker, um Daten extern zu kopieren und zu sichern. Die Synology kann dabei als Ziel für ein Backup über das Netz dienen. Dazu müssen Sie rsync unter DSM aber erst einmal einschalten. Rufen Sie die Systemsteuerung auf und gehen Sie unter „Dateidienste“ zum Register „rsync“. Klicken Sie dort auf „rsync-Dienst aktivieren“.

Anschließend wählen Sie den Schalter „rsync-Konto bearbeiten“, um Konten anzulegen, die den Service einsetzen dürfen. Dazu vergeben Sie einen Benutzernamen und ein Passwort. Damit wird es möglich, dass auch Nutzer, die kein eigenes Konto auf der Diskstation besitzen, den Dienst zur Datenübertragung einsetzen können. Die Datensicherung selbst ist dann nicht mehr schwer. Allerdings bietet rsync so viele Optionen, dass es sinnvoll ist, sich einmal die Manpages dazu anzusehen. Der Basissyntax sieht dabei so aus:

rsync -av [Quelle] [Ziel]  

Damit die Daten vom Linux-System auf der Synology landen, könnten Sie das NAS-Backupverzeichnis unter Linux mounten. Es geht aber auch ohne Mounten:

rsync -av /home/ [benutzer]@[NASIP]::[Zielordner] 

Diese spezielle Syntax sichert das Home-Verzeichnis des aktuellen Nutzers ohne Umwege auf dem Synology-NAS.

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