2363893

Stella Vie: Solar-Auto fährt 130 km/h schnell und 1000 km weit

31.07.2018 | 11:55 Uhr |

Das Solar-Auto Stella Vie machte Halt in München. Nur mit Sonnenkraft fährt es maximal 130 km/h schnell und bis zu 1000 Kilometer weit. PC-WELT fuhr mit und stellt das coole Fahrzeug im Video vor!

Passend zur aktuellen Sommerhitze: Bei einer gemeinsamen Veranstaltung haben Siemens und Chip-Hersteller NXP das fünfsitzige Solarfahrzeug Stella Vie auf dem Siemens Global Learning Campus in München vorgeführt. Ein studentisches Team der Technischen Universität von Eindhoven (Niederlande) hat das nur mit der Kraft der Sonne fahrende Fahrzeug entwickelt. Im Jahr 2017 gewann Stella Vie das wohl härteste Rennen für Solar-Autos, den World Solar Challenge. Dafür fuhr das Auto über 3000 Kilometer durch Australien - ohne Klimaanlage auf unbequemen Sitzen!

Keine Klimaanlage, keine bequemen Sitze, kein Benzin: Nur mit der Kraft der Sonne fährt das Solar-Auto Stella Vie durch die australische Wüste und gewinnt die World Solar Challenge. Siemens und NXP stellten das Auto in München vor. Diese Gelegenheit haben wir genutzt, um den Elektro-Flitzer mal genauer unter die Lupe zu nehmen.


Flacher Flunder mit Solardach: Das gesamte lang gezogene Dach des Fahrzeugs ist mit 326 Solarzellen bedeckt, die ihren Strom in die vorn im Mitteltunnel verbauten Lithium-Ionen-Akkus (13 kWh) schicken. Rund fünf Quadratmeter Solarzellen kommen so zusammen. Ein Heckfenster fehlt, die Insassen blicken also nach vorne oder zur Seite ins Freie.

Blick auf die Rücksitzbank.
Vergrößern Blick auf die Rücksitzbank.

Bis zu 130 km/h schnell: Stella Vie besitzt vorne einen Fahrer- und einen Beifahrersitz und hinten eine rudimentäre und sehr niedrige Sitzbank für drei weitere Passagiere – man sinkt fast bis auf den Fahrzeugboden, wenn man durch die großen seitlichen Türen vorne oder hinten Platz nimmt. Zudem bieten die Sitze keinen Seitenhalt und keinen Komfort.

Kein Fenster nach hinten.
Vergrößern Kein Fenster nach hinten.

Wirklich bequem sitzt oder besser gesagt liegt (das Auto ist nur 1,22 Meter hoch) man also nicht, eine Klimaanlage fehlt ebenfalls, doch dafür erreicht das futuristische Gefährt bis zu 130 km/h und bietet zudem innen richtig viel Platz. Auch der Kofferraum im Heck fällt riesig aus, weil darin keine Akkus Platz finden müssen.

Stella Vie auf dem Siemens-Campus.
Vergrößern Stella Vie auf dem Siemens-Campus.

Bis zu 1000 Kilometer weit: Die Reichweite des Stella Vie hängt natürlich von der Sonneneinstrahlung ab. Bei voller Sonneneinstrahlung und ebener Fahrbahn soll eine maximale Reichweite von 1000 Kilometer möglich sein. Ohne Sonne soll man mit voll aufgeladenen Akkus bis zu 630 Kilometer weit kommen.

Vordersitze.
Vergrößern Vordersitze.

Die Fahrzeugsoftware hilft dem Fahrer beim Optimieren des Fahrstils und der Routenberechnung, damit immer die maximale Sonneneinstrahlung verwendet wird und das Fahrzeug möglichst weit kommt. Zu diesem Zweck berücksichtigt die Software die Helligkeit und die Wetterdaten entlang der Route. Zudem ist das über fünf Meter lange und 1,65 Meter breite Gefährt aerodynamisch vorteilhaft geformt und sehr leicht: 370 Kilogramm wiegt es ohne Insassen.

Wenn es an einem sehr sonnigen Tag gut läuft, erzeugt das Auto sogar mehr Strom als es verbraucht. Bremst das Solarfahrzeug, so rekuperiert es und lädt mit der durch das Bremsen gewonnenen Energie die Akkus weiter auf. Der gespeicherte Strom könnte dann an einen Haushalt abgegeben oder in das Stromnetz eingespeist werden. Ein Einparkassistent hilft nicht nur beim Einparken, sondern sucht auch den idealen Parkplatz unter dem Gesichtspunkt maximale Sonneneinstrahlung. 

Die Solarzellen.
Vergrößern Die Solarzellen.

Keine Spiegel: Stella Vie besitzt keine Außenspiegel und auch keinen Innenspiegel. Stattdessen sind Kameras verbaut, deren Bild der Fahrer auf zwei Bildschirmen links und rechts vom Lenkrad sieht. Sie sollen ein größeres Sichtfeld ermöglichen, als es bei klassischen Außenspiegeln der Fall wäre. Direkt vor dem Fahrer befindet sich ein weiterer Bildschirm, der dem Fahrer die wichtigsten technischen Daten zum Betriebszustand liefert. So sieht der Fahrer nicht nur die gefahrene Geschwindigkeit, sondern zum Beispiel auch, ob das Fahrzeug gerade die Batterien auflädt oder aber Strom verbraucht. Den aktuellen Ladestand der Akkus hat der Fahrer ebenfalls immer im Blick. Zudem empfängt der Fahrer auf dem Bildschirm auch X-to-Car-Daten, also beispielsweise Informationen von Ampeln, die dem Auto mitteilen, wann sie von Rot auf Grün oder umgekehrt umschalten.

Das Cockpit.
Vergrößern Das Cockpit.

Straßen-Zulassung: Das Stella Vie hat eine niederländische Straßenzulassung, das Solar-Auto darf also auf öffentlichen Straßen fahren. Damit das Auto wenigstens grundlegende Crash-Sicherheit bietet, besteht seine Karosserie aus hochfester Karbonfaser, wie man es beispielsweise auch vom BMW i3 oder vom Rahmen des BMW 7er kennt. Dazu kommen noch Aluminium-Rahmenteile. Airbags fehlen allerdings, nur Sicherheitsgurte sind vorhanden. Im Stella Vie mit 130 km/h über die Autobahn zu rauschen dürfte also durchaus ein etwas beängstigendes Gefühl bei den fast liegenden Insassen auslösen.

Innenraum.
Vergrößern Innenraum.

Von außen hört man fast nichts von dem Solar-Auto – Elektro-Autos sind nun einmal leise. Ausgenommen Elektro-Rennwagen: So laut wie der ebenfalls elektrisch betriebene Pikes-Peak-Renner von Volkswagen und Goodwood ist Stella Vie also nicht.

Innenraum.
Vergrößern Innenraum.

Sitzt man dagegen im Auto, hört man durchaus das Abrollen beziehungsweise Quietschen der Räder und der Karosserie und natürlich auch die Windgeräusche. Nur der Motorsound fehlt eben.

Großer Kofferraum hinten.
Vergrößern Großer Kofferraum hinten.

Fazit: Wir haben mit Stella Vie eine Runde über den Siemens-Campus in Neu-Perlach gedreht. Stella Vie gibt einen faszinierenden Ausblick auf die Zukunft des Fahrens. Völlig unabhängig von Ladestationen und langen Ladezeiten beim Aufladen eines E-Fahrzeugs bewegt man sich absolut ökologisch nur mit der Kraft der Sonne fort. Falls Sie das Auto übrigens kaufen wollen: Fehlanzeige. Doch einige der darin erprobten Techniken könnten durchaus in kommerzielle Fahrzeuge einziehen. Beispielsweise die Kommunikation zwischen Autos untereinander und zwischen Autos und Verkehrsinfrastruktur wie Ampeln oder Baustellenanhängern.

Großer Kofferraum hinten.
Vergrößern Großer Kofferraum hinten.

Chip-Herstelle NXP und Siemens nutzen die Präsentation von Stella Vie, um die Kommunikation zwischen Fahrzeugen aller Art und der Verkehrsinfrastruktur zu demonstrieren. Dabei geht es zum Beispiel darum, dass Verkehrsampeln ihre Anzeige und die Zeit bis zum nächsten Umschalten an das Auto senden, damit dieses möglichst ohne lange Wartezeiten an den Ampeln flüssig durchfahren kann. Aber auch Geschwindigkeitsbegrenzungen, Baustellen oder Warnungen vor kreuzenden Fußgängern werden an das Fahrzeug geschickt. In der Praxis funktioniert das so: An einem Baustellenanhänger befindet sich ein Sender, der in Echtzeit seine Warnung an kompatible Fahrzeuge und an die Verkehrsmanagementzentrale schickt.

Von vorne.
Vergrößern Von vorne.

PC-WELT Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
2363893