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Mehr Spiele für Steam: Die neue Beta bringt Windows-Spiele auf Linux.

11.12.2018 | 15:02 Uhr | Thorsten Eggeling

Mit der neuen Betaversion des Steam-Clients lassen sich jetzt auch etliche prominente Windows-Spiele unter Linux spielen. Damit wird die Anzahl der verfügbaren Spiele weiter vergrößert.

Die Spieleplattform Steam ( www.steampowered.com ) lässt sich bereits seit 2013 auch unter Linux nutzen. Um das Angebot zu vergrößern, arbeitet der Steam-Hersteller Valve an einer neuen Version des Steam-Clients für Linux – oder genauer: an einer Ergänzung unter dem Namen „Steam Play“. Eine Betaversion ist seit August 2018 verfügbar. Die Technik dahinter ist nicht neu. Windows-Spiele werden über eine Kompatibilitätsschicht mit dem Namen Proton ausgeführt, die auf Wine basiert ( www.winehq.org ). Entwickler müssen das Spiel nicht extra für Linux anpassen, weil Proton für die Umsetzung der Programmaufrufe von Windows auf Linux zuständig ist. Dazu kommt noch eine Implementierung der Schnittstellen DirectX 11 und 12 über die Software Vulkan ( www.khronos.org ), die für eine Verbesserung der Grafikleistung sorgt. Proton ist Open Source, der Quellcode steht für andere Entwickler unter https://github.com/ValveSoftware/Proton bereit.

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1. Voraussetzungen für Steam unter Linux

Aktuelle Spieletitel machen intensiven Gebrauch von den Fähigkeiten der Grafikkarte. Für ein optimales Spielerlebnis muss im PC ein aktueller Grafikchip von Nvidia oder AMD arbeiten. Nur für anspruchslose Spiele kann auch der in die CPU integrierte Grafikchip genügen, etwa Intel HD Graphics. Die CPU-Leistung ist für Spiele nicht ganz so wichtig. Hier genügt beispielsweise ein Intel Core i3. Schneller ist allerdings besser. Das Gleiche gilt auch für die Festplatte. Spiele laden oft sehr große Dateien. Eine Festplatte am SATA-III-Anschluss (6 GBit/s) ist empfehlenswert, eine SSD noch besser. Das von Valve bevorzugte Betriebssystem ist Ubuntu 18.04. Ältere Versionen und andere Linux-Distributionen funktionieren wahrscheinlich trotzdem, was aber nicht gewährleistet ist. Wir haben unsere Tests daher auch unter Ubuntu 16.04 durchgeführt und dabei keine Probleme festgestellt.

Damit die Grafikkarte ihre beste Leistung liefern kann, muss ein optimierter Treiber des Herstellers installiert sein. Valve empfiehlt für Nvidia-GPUs die Version 396.54 oder höher. Bei Ubuntu 18.04 ist die Version aus dem Standardrepositorium jedoch älter. Um den Treiber zu aktualisieren, führen Sie in einem Terminal diese drei Befehlszeilen aus:

sudo add-apt-repository ppa:graphics-drivers/ppa
sudo apt update
sudo apt upgrade

Bei Redaktionsschluss stand die Version 410.66 für Ubuntu 14.04 bis 18.10 zum Download bereit. Suchen Sie im Dash oder über „Aktivitäten“ nach „Anwendungen & Aktualisierungen“ und wechseln Sie auf die Registerkarte „Zusätzliche Treiber“. Aktivieren Sie die aktuellste Version des Nvidia-Treibers und klicken Sie auf „Änderungen anwenden“. Starten Sie Ubuntu nach Abschluss der Installation neu.

Besitzer anderer Grafikchips aktivieren verbesserte Treiber – sofern angeboten – ebenfalls unter „Zusätzliche Treiber“. Bei AMD/Intel-Chips müssen außerdem einige Programmbibliotheken aktualisiert werden. Dazu verwenden Sie diese drei Befehlszeilen:

sudo add-apt-repository ppa:paulo-miguel-dias/pkppa
sudo apt dist-upgrade
sudo apt install mesa-vulkan-drivers mesa-vulkan-drivers:i386

Die Vorabversion fordern Sie in den Einstellungen des Steam-Clients unter „Account“ an.
Vergrößern Die Vorabversion fordern Sie in den Einstellungen des Steam-Clients unter „Account“ an.

2. Steam installieren

Für Steam benötigen Sie ein Benutzerkonto. Wenn Sie noch keins besitzen, gehen Sie auf https://store.steampowered.com , klicken rechts oben auf „Anmelden“ und dann auf „Registrieren“. Die Nutzung des Steam-Clients ist kostenlos und es gibt auch einige Gratisspiele. Kosten fallen erst an, wenn Sie ein Spiel in den Warenkorb legen und den Kaufprozess abschließen. Die erworbenen Lizenzen sind in Ihrem Steam-Konto gespeichert und bleiben bei einem Wechsel der Plattform oder des PCs erhalten.

Die Clientsoftware laden Sie über die Schaltfläche „Steam installieren“ und dann „Steam jetzt installieren“ herunter oder alternativ über die direkte Downloadadresse www.pcwelt.de/RtGRxu . Öffnen Sie den Download von Firefox aus mit „Anwendungsinstallation“ (Ubuntu 18.04) oder „Software-Installation“ (Ubuntu 16.04). Danach installieren und starten Sie das Programm. Sollten benötigte Programmpakete auf dem PC fehlen, fordert der Steam-Client die Installation automatisch an.

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3. Steam konfigurieren

Nach dem Start des Steam-Clients melden Sie sich bei Ihrem Konto an. Gehen Sie im Menü auf „Steam –› Settings –› Interface“, stellen Sie als Sprache für die Oberfläche „Deutsch“ ein, klicken Sie auf „OK“ und dann auf „Restart Steam“. Wechseln Sie dann über „Steam –› Einstellungen –› Account“ zur Betaversion des Clients und bestätigen Sie den Neustart der Software. Gehen Sie auf „Steam –› Einstellungen –› Steam Play“ und aktivieren Sie das Häkchen vor „Enable Steam Play für supported titles“, „Enable Steam Play for all titles“ sowie „Dieses Tool statt der spielespezifischen Auswahl von Steam nutzen“.

Aktivieren Sie die Optionen wie dargestellt, dann können Sie auch Spiele ausprobieren, die Valve bisher noch nicht getestet hat.
Vergrößern Aktivieren Sie die Optionen wie dargestellt, dann können Sie auch Spiele ausprobieren, die Valve bisher noch nicht getestet hat.

Abschließend klicken Sie auf „OK“ und dann auf „Neu starten“. Damit haben Sie die neuen Betafunktionen der Software aktiviert, die dafür sorgen, dass bei Bedarf automatisch die Komponenten der Kompatibilitätsschicht heruntergeladen und eingerichtet werden.

Nach einem Klick auf „Shop“ suchen Sie nach Spielen. Im Shop können Sie die Anzeige über „Spiele –› SteamOS + Linux“ nach nativen Linux-Spielen filtern. Einen Filter für Steam-Play-kompatible Spiele gibt es bisher nicht. Eine Liste finden Sie aber in einem Blogbeitrag der Steam-Community . Offiziell unterstützt werden beispielsweise bekannte Titel wie Doom, Quake, Final Fantasy VI oder Tropico 4.

Zum Ausprobieren installieren Sie beispielsweise das kostenlose Spiel Fallout Shelter. Wechseln Sie dann auf „Bibliothek“. Beim Eintrag „Fallout Shelter“ sehen Sie den Hinweis „Läuft auf diesem Computer via Steam Play“, der bei nativen Linux-Spielen fehlt.

Wie viele Spiele über Steam Play unter Linux funktionieren, lässt sich zur Zeit nicht exakt beziffern. Wer Steam bisher unter Windows nutzt, kann die vorhandenen Steam-Spiele in der Bibliothek einfach ausprobieren. Als Linux-Nutzer sollten Sie jedoch nur Spiele kaufen, die auf der offiziellen Kompatibilitätsliste stehen.

Spielen mit Playonlinux

Mit Hilfe von Wine lassen sich viele Windows-Anwendungen und auch Spiele unter Linux starten. Das kann völlig problemlos funktionieren, in vielen Fällen sind aber spezielle Anpassungen nötig. Playonlinux ( www.playonlinux.com ) ist ein Konfigurationswerkzeug für Wine, das die Installation von Software vereinfacht.

Sehen Sie zuerst unter www.playonlinux.com/de/supported_apps.html nach, ob das gewünschte Spiel unterstützt wird. Installieren Sie das Tool über die Paketverwaltung („playonlinux“). Nach dem Start klicken Sie auf „Installieren“ und dann auf „Spiele“. Wählen Sie das gewünschte Spiel aus und klicken Sie auf „Installieren“. Folgen Sie den Anweisungen des Assistenten. Wenn Sie dazu aufgefordert werden, geben Sie den Pfad der gemounteten Original-Spiele-CD/DVD oder zu den Setupdateien auf der Festplatte an.

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