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Softwaredefinierte Rechenzentren: Tipps für die Verwaltung

09.06.2017 | 13:30 Uhr |

Um softwaredefinierte Rechenzentren (Software-Defined Data Center, SDDC) gibt es oft einen großen Hype – und unterschiedlichste Emotionen auf Seiten der IT-Experten. Nur durch disziplinierte Überwachung können SDDCs ihren Wert für Unternehmen beweisen. Doch wie realisiert man das?

Während der Begriff oft mit Marketingsprache und einer auf Verunsicherung abzielenden Kommunikationsstrategie (FUD; Fear, Uncertainty and Doubt) verbunden wird, gibt es auch viele mögliche Anwendungsfälle, die man nicht ignorieren kann. In diesem Artikel soll es vor allem um Tipps zur Verwaltung eines softwaredefinierten Rechenzentrums gehen.

Softwaredefiniertes Rechenzentrum – Definition

Bei einem SDDC handelt es sich um ein Konzept, bei dem alle Elemente der Infrastruktur abstrahiert, gebündelt und automatisiert werden, um als Service bereitgestellt zu werden. Es ist somit eine Erweiterung des Virtualisierungskonzeptes über die primären Komponenten eines Rechenzentrums – Rechner, Netzwerk und Speicher – hinaus.

SDDCs sind eine eindeutige Weiterentwicklung der Virtualisierung: Automatisierung wird für mehr Agilität und Skalierbarkeit hinzugefügt, weitere Rechenzentrums-Komponenten werden gebündelt und dann als Service angeboten. Da die Ressourcen als Service bereitgestellt werden, kann man SDDCs auch als IT als Service (IT-as-a-Service, ITaaS) betrachten.

Die Marktführer in der Virtualisierung, Vmware und Microsoft , sind aufgrund ihrer Beziehung zur Virtualisierung Verfechter von SDDCs. In der Tat hat Vmware softwaredefinierte Technologiefunktionen eingeführt, beispielsweise Vsan, wobei Festplattenspeicher von mehreren Esxi-Hosts zusammengefasst werden.

Man sollte unbedingt beachten, dass Hyperkonvergenz-Lösungen aufgrund der Softwareüberlagerung und der Fähigkeit zur Verwaltung abstrahierter hyperkonvergenter Infrastrukturen ebenfalls hierzu zählen. Auf diese Weise können IT-Experten das gesamte Rechenzentrums-Ökosystem über Konfigurationsänderungen verwalten, d. h. im Prinzip kann man so die eigene Rechenzentrumsinfrastruktur kodieren.

Ein häufiges Problem, mit dem IT-Experten bei SDDCs konfrontiert sind, betrifft das Änderungsmanagement: Die IT-Abteilung muss alle Änderungen selber verwalten, die auf den verschiedenen abstrahierten Schichten auftreten können. IT-Experten können beispielsweise Netzwerke bei Bedarf anpassen und gestalten, indem sie eine Bandbreiten- und Latenz-Richtlinie für einen bestimmten Satz von Anwendungen über einen festgelegten Zeitraum definieren.

Die effiziente und effektive Verwaltung dieser Konfigurationsänderungen und Richtlinien hat für den Erfolg von SDDCs höchste Priorität. Im Idealfall sollten Devops-Prinzipien zum Einsatz kommen, um eine fortlaufende Integration und Bereitstellung von IT-Diensten innerhalb des softwaredefinierten Rechenzentrums sicherzustellen.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Gewährleistung annehmbarer Service-Level-Vereinbarungen für die Stakeholder. Die Möglichkeit der Quantifizierung und Qualifizierung der bereitzustellenden IT-Dienste nimmt IT-Profis verstärkt in die Pflicht, erstklassige IT-Dienste anzubieten. Nur durch disziplinierte Überwachung können SDDCs ihren wahren Wert für Unternehmen beweisen. Doch wie kann man das realisieren?

Verwaltung softwaredefinierter Rechenzentren

Wenn es um die Verwaltung von SDDCs geht, stellt die Anwendung der gleichen Grundsätze, die mit der Verwaltung von herkömmlichen virtuellen Umgebungen verbunden sind, einen guten Ausgangspunkt dar. Das Dart-Framework skizziert diese Grundsätze:

  • Discover (Erkennen): Dieser einfache Grundsatz sollte IT-Experten beim Verständnis der Integrität und Risiken ihrer virtuellen Assets leiten. Zunächst sollte man eine Ausgangsbasis bezüglich Integrität und Risiken der Umgebung erstellen. Sobald man einen Überblick über die vorhandenen Komponenten der Umgebung hat und die Integrität und möglichen Risiken der einzelnen Komponenten sowie deren Verbindung zu den zugehörigen Anwendungen und Diensten kennt, kann man beginnen, die auftretenden Änderungen der Umgebung zu verwalten.

  • Alert (Warnung): Wichtig: Es muss sichergestellt sein, dass IT-Experten nicht die ganze Zeit vor dem Monitor verbringen. Unwichtiges sollte herausgefiltert werden, damit nur die wichtigsten Informationen angezeigt werden. Die hervorgehobenen Informationen sollten es ermöglichen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

  • Remediate (Beseitigen): Ziel ist es, das Rechenzentrum schnellstmöglich wieder in einen arbeitsfähigen Zustand zu versetzen. Für einen Virtualisierungs-Administrator bedeutet das einen Wettlauf gegen die Zeit. Jede Minute Ausfallzeit von einer Anwendung oder einem System bedeutet verpasste Gelegenheiten und häufig Umsatzverluste. Als IT-Experten werden wir dafür bezahlt, diese Probleme nicht nur zu beheben, sondern sie auch schnell zu beheben.

  • Troubleshoot (Problembehandlung): IT-Experten sollten die wirklichen Probleme ins Visier nehmen statt Fehlalarmen oder Folgeproblemen nachzujagen. Sie sollten in der Lage sein, die Ursache eines Problems in einer virtuellen Umgebung möglichst schnell zu erkennen – und somit eines potenziellen Problems im SDDC – um es auch möglichst schnell zu beheben.

Für die Verwaltung von SDDCs ist es wichtig, dass IT-Experten die Relevanz des Dart-Frameworks erkennen. Jedoch erfordert das Änderungsmanagement in Zeiten einer kontinuierlichen Dienstbereitstellung in Bezug auf SDDCs erweiterte Fähigkeiten. Das ergänzende Soar-Framework kann hierbei helfen:

Secure (Sicher)

Der Begriff Sicherheit umfasst alle Verhaltensweisen, die einer IT-Umgebung schaden können. Nur weil die Ressourcen in einer virtuellen Umgebung abstrakt sind, bedeutet dies nicht, dass man gegen Sicherheitsangriffe und -verstöße immun ist. Sicherheitsangriffe zielen letztendlich darauf, Zugang auf Daten-, Anwendungs- und Benutzerebenen zu erlangen und diese unter Kontrolle zu bringen. Dementsprechend müssen IT-Experten verschiedene Ebenen über mehrere Bereiche hinweg schützen. Das Nist Cybersecurity Framework ist hier ein guter Ansatzpunkt.

Optimize (Optimieren)

Das Prinzip der Optimierung erfordert ein klares Ziel vor Augen. Um die Geschäftsziele erfolgreich umzusetzen, sollten IT-Experten die Wechselwirkungen zwischen den IT-Ökosystemen, das Verhalten des Anwendungspakets und der Abhängigkeiten von Systemen innerhalb und außerhalb deren Einflussbereichs verstehen. Diese Kompetenzen werden durch die Fokussierung auf ein Endziel erzwungen. Eine Falle, die alle IT-Profis vermeiden sollten, ist es daher, zu viel zu wollen. Mit anderen Worten: Eine Optimierung für alles und jeden endet in der Regel in Enttäuschung, da die Dienstqualität für alle Beteiligten leiden kann.

Automate (Automatisieren)

Die Automatisierung ist für SDDC-Umgebungen besonders wichtig, um von den inhärenten Vorteilen der Skalierbarkeit und Flexibilität zu profitieren. Dies erfordert detaillierte Kenntnisse und umfassende Erfahrung für eine bestimmte Aufgabe, da diese Aufgabe vollständig in ein Workflow-Skript, eine Vorlage oder einen Blueprint integriert werden muss. Automatisierung wie auch Optimierung konzentriert sich auf das Verständnis der Interaktionen zwischen IT-Ökosystemen, das Verhalten des Anwendungspakets und die Abhängigkeiten zwischen den Systemen, um die Vorteile von Skaleneffekten und Effizienz den allgemeinen Geschäftszielen unterordnen zu können. Automatisierung folgt damit der für IT-Experten geltenden Vorgabe der stetigen Steigerung von Effizienz und Effektivität.

Skripts, Vorlagen und Blueprints sind Mittel der IT-Automatisierung. Sie bilden das aus Verfahren und Methoden bestehende Grundgerüst eines IT-Experten. Idealerweise basiert die Automatisierung auf Best Practices und bewährten IT-Methoden. Leider kann man dabei nicht immer zwischen guten und schlechten Praktiken unterscheiden. Daher kann die Automatisierung von schlechten Praktiken zu großen Problemen führen, die sich über das Rechenzentrum skalieren.

IT-Experten sollten aus diesem Grund die Automatisierung so einfach wie möglich („stupid simple“) halten. Sie sollten zuerst einen begrenzten Bereich automatisieren – gemäß dem Mantra: „Füge der produktiven Rechenzentrumsumgebung keinen Schaden zu“. Anschließend sollten IT-Experten den Automatisierungsprozess überwachen, um sicherzustellen, dass jeder Schritt wie erwartet ausgeführt wird. Schließlich sollte man die Ergebnisse analysieren und die gewonnenen Erkenntnisse nutzen, um die nötigen Anpassungen am Automatisierungsprozess vorzunehmen.

Report (Bericht)

Die Berichterstellung fasst Daten, Analysen und protokollierte Ereignisse in einer Übersicht zusammen, die wichtige Fakten hervorhebt, anhand derer Endbenutzer eine schnelle und dennoch fundierte Entscheidung treffen können. Und obwohl es kein Geheimnis ist, dass die Berichterstellung weder glamourös ist noch einen Adrenalin-Kick auslöst, so bietet sie dennoch entscheidende Vorteile, insbesondere wenn es um die Verwaltung von SDDCs geht.

SDDCs unterliegen ständigen Veränderungen. Sie müssen daher zusätzlich zu diesen Frameworks in der Lage sein, die Erwartungen der Business-Stakeholder und Endbenutzer zu erfüllen. In SDDCs existieren keine Silos mehr, da die IT-Abteilung IT als Dienst bereitstellt. Damit werden Zuständigkeiten für bestimmte Bereiche (die Silos in typischen Netzwerken oder Systemen) verschwimmen, da die Dienste als Ganzes bereitgestellt werden. IT-Experten müssen lernen, diese Ressourcen kontinuierlich zu überwachen und zu verwalten, da die Stakeholder erwarten, diese Dienste nach Bedarf nutzen zu können.

Fazit

In Bezug auf SDDCs gibt es viel Begeisterung (und manch anhaltende Berührungsängste). Die Beherrschung und Anwendung der hier skizzierten Dart- und Soar-Frameworks kann dabei helfen, in Bezug auf softwaredefinierte Rechenzentren der Zeit voraus zu sein.

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