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Data Privacy – so bleiben Sie (fast) anonym im Netz

19.05.2017 | 11:00 Uhr |

86 Prozent der Deutschen sind im Internet unterwegs. Und wir alle hinterlassen dort digitale Fußspuren. Viele nehmen das teils unbekümmert, teils unwissend hin. Entweder sind die Folgen oder in den meisten Fällen die Alternativen nicht ausreichend bekannt. Wichtig ist jedoch, sich der Konsequenzen bewusst zu sein, und grundlegende Schutzmechanismen zu kennen.

Wenn intime Fotos von Prominenten an die Öffentlichkeit geraten oder ein Amerikaner von der Erpressung durch sein Smart-TV berichtet, fühlt sich das sehr weit weg an. Doch spätestens dann, wenn auf Shodan, der Suchmaschine des IoT, im Videostream ein Einfamilienhaus in München oder die Aufzeichnung eines Babyfons zu sehen sind, sollten wir uns Gedanken um den Schutz unserer Privatsphäre im Netz machen.

Der erste Schritt dahin ist, die Wirkungsweise der Cyberkriminalität zu verstehen.

Das kann mit Ihren Daten passieren

Vor Jahrzehnten nahmen Kriminelle ein hohes Risiko auf sich, um mit Banküberfällen an meist klägliche Ausbeute zu kommen. Im Internet können Hacker heute mit vergleichsweise geringem Risiko große Geldsummen erbeuten. Diese hohen Beträge kommen meist durch Erpressung oder Verkauf gestohlener Daten zusammen. Dazu beschaffen sich Cyberkriminelle persönliche Daten zum Beispiel über Phishing-Attacken , die diese über gefälschte Webseiten, Apps oder E-Mails abgreifen. Auch Spyware, also Programme, die ohne das Wissen des Nutzers Daten ausspionieren, sind weit verbreitet.

Die wohl lukrativste Masche der Hacker ist die sogenannte Ransomware : Dateien, Programme oder ganze Geräte werden blockiert – ob Smartphone, PC, die vernetzte Heizung oder der intelligente Kühlschrank. Gleichzeitig wird damit gedroht, die Daten zu löschen oder das Gerät nicht wieder freizugeben, wenn nicht innerhalb einer bestimmten Frist Lösegeld bezahlt wird. Welche Auswirkungen zum Beispiel eine nicht funktionierende Heizung im Winter haben kann, ist leicht auszurechnen.

Doch Cyberkriminelle verkaufen ausspionierte Daten nicht nur. Gestohlene Bankdaten werden genutzt, um sich selbst Geld zu überweisen oder auf Online-Shoppingtour zu gehen. Und sind ausreichend Daten zu einer Person vorhanden, können Hacker digital die Identität dieser Person annehmen und in deren Namen Straftaten begehen.

Um die eigenen Daten zu schützen, gibt es verschiedene Möglichkeiten und Regeln, die Sie beachten sollten:

1. Passwörter richtig nutzen

Die Basis für mehr Schutz im Netz bilden starke Passwörter . Doch laut LeakedSource, einem kostenpflichtigen Dienst für die Suche nach gehackten Daten, sind die häufigsten Passwörter „123456“, „passwort“, „quertz“ sowie der Name des Portals bei dem man sich einloggt, also etwa „Yahoo“.

Diese Art Passwörter sind natürlich ein gefundenes Fressen für Cyberkriminelle. Besser sind Passwörter, die folgenden Kriterien entsprechen bzw. Folgendes enthalten:

• Acht bis zehn Zeichen

• Großbuchstaben

• Kleinbuchstaben

• Symbole

• Nummern

Nicht zu vergessen sind hier vernetzte Geräte wie eine Webcam oder ein Smart-TV. Die Produkte werden mit einem Standardpasswort ausgeliefert – das muss sofort ausgetauscht werden.

Doch selbst ein besonders sicheres Passwort ist nutzlos, wenn Nutzer damit nicht sorgfältig umgehen: Passwörter dürfen nie auf dem Gerät selbst gespeichert werden, insbesondere in öffentlichen WLANs ist Vorsicht geboten und gerade die Zugangsdaten für Online-Banking, soziale Netzwerke oder Online-Shops sollten mit größter Sorgfalt behandelt werden.

2. Öffentliches WLAN ist tabu für private Daten

Öffentliche WLANs oder Internetcafés sind für alle Nutzer zugänglich – und damit auch für Hacker. In diesem Umfeld sollten Nutzer daher nie Online-Banking oder Online-Shopping durchführen oder vertrauliche Daten eingeben wie Passwörter oder persönliche Informationen.

3. Digitale Wachhunde: Firewall, Antivirenprogramm und Updates

Neben der eigenen Wachsamkeit sollten Surfer auf digitale Helfer setzen: Die Installation einer Firewall und eines Antivirenprogramms auf dem PC, Smartphone und Tablet ist absolut notwendig für den Schutz der persönlichen Daten auf diesen Geräten. Auch die regelmäßige Aktualisierung dieser Software sollten Sie nicht vergessen.

Gleiches gilt für System-Updates, die das Betriebssystem von PC oder Smartphone vorschlägt. Diese enthalten wichtige Aktualisierungen der Sicherheitsfunktionen. Bei der Ausstattung mit entsprechender Sicherheitssoftware sollten auch sämtliche weiteren vernetzten Geräte wie Smart TV oder vernetztes Heizsystem berücksichtigt werden. Da auf diesen Geräten selbst kein Sicherheitsprogramm aufgespielt werden kann, werden sie zentral über den Router geschützt.

4. Digitalen Fußabdruck löschen

Webseiten laden automatisch sogenannte Cookies auf den PC oder das Smartphone herunter, um dort eine Art digitalen Fußabdruck zu hinterlassen. Mit deren Hilfe können sich Webseiten daran erinnern, wie viel Zeit ein Nutzer beim letzten Besuch auf der Seite verbracht hat, welche Inhalte ihn besonders interessiert haben und wie oft er auf welche Links geklickt hat.

Um diese Erinnerung zu verhindern, empfiehlt es sich, im Internetbrowser die automatisierte Löschung der Cookies einzustellen. Auch Tools wie CCleaner helfen, die Cookie-Historie zu bereinigen.

5. Mit „https“ auf der sicheren Seite

Die Abkürzung „https“ in der URL einer Webseite steht für HyperText Transfer Protocol Secure. Sie weist auf ein besonderes Kommunikationsprotokoll im Internet hin, das Daten sicher und verschlüsselt überträgt. Vor allem beim Online-Banking oder beim Bezahlvorgang in Online-Shops sollten Nutzer auf diese Abkürzung in der Adresszeile sowie auf das geschlossene Schloss-Symbol in der Statuszeile des Browsers achten.

6. Sicher und inkognito surfen

Um die eigenen Daten und die Privatsphäre zu schützen, kann es sinnvoll sein, den sogenannten privaten Modus zu nutzen. Er verhindert das Speichern von Cookies, Passwörtern oder besuchter Webseiten in der Browser-Historie. Diese Einstellung können Sie bei allen gängigen Browser-Diensten vornehmen: Ist Google Chrome an der Taskleiste angeheftet, können Sie über einen Klick mit der rechten Maustaste die Option „Neues Inkognito Fenster“ aufrufen. Im Internet Explorer ist dies unter „Einstellungen – Sicherheit - In Private Browsing“ möglich. Mozilla Firefox bietet ebenfalls unter „Einstellungen“ die Öffnung eines „privaten Fensters“.

7. Sicheres Suchen

Die Google Suche sagt viel über das Nutzerverhalten aus – die Daten werden von Google ausgewertet und weiterverwendet. Zum Beispiel erhalten Nutzer passende Werbung zu eingegebenen Suchbegriffen angezeigt. Wer dem entgehen möchte, kann alternative Suchmaschinen wie DuckDuckGo nutzen. Das Programm verspricht, keine Suchanfragen zu speichern und für die Privatsphäre seiner Nutzer zu sorgen.

8. Die Tür zum Darknet: Tor

Google weiß viel, aber längst nicht alles. Das „sichtbare“ und für Suchmaschinen auffindbare Internet ist eigentlich nur die Spitze des Eisbergs aller digital verfügbaren Inhalte. Unendlich viel größer ist das sogenannte Darknet. Es ist der verschlüsselte Teil des Internets und wird sowohl von der „bösen“ als auch von der „guten“ Seite genutzt: Während zum Beispiel Drogen-Deals darüber abgewickelt werden, nutzen auch Menschenrechtsaktivisten dieses Werkzeug, um sicher kommunizieren zu können.

Die Tür zum Darknet ist der Internetbrowser Tor . Wer im Internet absolut anonym unterwegs sein möchte, kann darauf zurückgreifen. Tor ist eine Art Netzwerk virtueller Tunnel, mittels derer sich Nutzer im Netz bewegen und mit anderen sicher kommunizieren können.

Tor erfordert jedoch eine große Rechenleistung, daher kann die Nutzung gerade bei einer schlechten Internetverbindung zu Schwierigkeiten wie einem langsamen Seitenaufbau führen.

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