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Snapshots: Stressfreies Testen in virtuellen PCs

25.12.2018 | 10:33 Uhr |

Eines der herausragenden Merkmale, die Virtualbox und andere Virtualisierungslösungen auszeichnen, ist die Möglichkeit, beliebige Snapshots anzulegen und damit den Ist-Zustand einer VM festzuhalten. In der Praxis hat dies viele Vorteile.

Installieren Sie unter Windows 10 eine Anwendung, die nicht so funktioniert, wie sie soll, oder die das System abstürzen lässt, stehen Ihnen mehrere Möglichkeiten offen, um das System wieder auf Vordermann zu bringen. Sie können den Computer mithilfe eines Wiederherstellungs- oder Installationsmediums zurücksetzen, zu einer vorherigen Windows-Variante zurückkehren sowie Windows 10 neu installieren und das Betriebssystem über einen Systemwiederherstellungspunkt restaurieren. Benutzen Sie Windows 10 jedoch in einer virtuellen Maschine, so kommt noch eine weitere, ungleich komfortablere Möglichkeit hinzu – die auch als Snapshots bezeichneten Sicherungspunkte. Was es damit auf sich hat und wie Sie in der Praxis von dieser Funktion profitieren, zeigen wir in diesem Beitrag.

Tutorial: So funktionieren virtuelle PCs mit Virtualbox

Snapshots erleichtern das Leben

Mit Virtualbox virtualisierte Betriebssysteme eignen sich ausgezeichnet, um Anwendungen zu testen, mit den Einstellungen zu experimentieren wie auch tief in das System eingreifende oder aus dubiosen Quellen stammende Tools zu installieren. Funktioniert etwas nicht so, wie es soll, kommen die Snapshots (Englisch für „Schnappschüsse“) ins Spiel: Denn diese Sicherungspunkte enthalten eine Momentaufnahme des kompletten Systems zum aktuellen Zeitpunkt, sodass Sie die ursprüngliche Konfiguration jederzeit wiederherstellen können. Das zugrunde liegende Prinzip erinnert an die bereits angesprochenen Windows-Systemwiederherstellungspunkte. Snapshots sind allerdings um ein Vielfaches flexibler als ihre Windows-Pendants. Insbesondere die Tatsache, dass sich Snapshots von Snapshots erstellen lassen, ist bemerkenswert. Wie viele Snapshots Sie anlegen können, hängt übrigens ausschließlich vom vorhandenen Festplattenspeicher ab. Virtualbox selbst kennt hierbei keinerlei Einschränkungen.

Legen Sie im laufenden Betrieb einen Snapshot der virtuellen Maschine an, wird auch der gesamte Arbeitsspeicher, der der VM zugewiesen wurde, gesichert, was die Größe der Sicherung erhöht.
Vergrößern Legen Sie im laufenden Betrieb einen Snapshot der virtuellen Maschine an, wird auch der gesamte Arbeitsspeicher, der der VM zugewiesen wurde, gesichert, was die Größe der Sicherung erhöht.

Neue Sicherungspunkte anlegen

Bevor Sie tiefgreifende Änderungen an einem virtualisierten Betriebssystem durchführen, sollten Sie umgehend einen neuen Sicherungspunkt anlegen. Ist die VM noch ausgeschaltet, so klicken Sie in Virtualbox oben rechts auf die kleine Pfeilschaltfläche neben „VM-Tools“ und wählen den Befehl „Sicherungspunkte“ aus. Klicken Sie danach auf die Schaltfläche „Erzeugen“, um einen neuen Snapshot anzulegen. Alternativ dazu können Sie aber auch den Eintrag „Aktueller Zustand“ mit der rechten Maustaste anklicken sowie im Kontextmenü den Befehl „Erzeugen“ wählen oder die Tastenkombination Strg-Umschalt-T drücken. Läuft die VM hingegen, klicken Sie in der virtuellen Maschine auf den Menübefehl „Maschine“ und wählen „Sicherungspunkt erstellen“.

Unabhängig davon, wie Sie vorgegangen sind, wird Ihnen jetzt der Dialog „Erzeugt einen Sicherungspunkt der virtuellen Maschine“ angezeigt. Tippen Sie unter „Name des Sicherungspunktes“ eine Beschreibung ein, etwa Snapshot Windows 10 Neuinstallation. Die „Beschreibung des Sicherungspunktes“ ist optional und spielt eigentlich nur eine Rolle, wenn Sie mit Dutzenden von Snapshots hantieren. Die Eingabe von Datum und Uhrzeit ist nicht erforderlich, weil diese Informationen automatisch eingetragen werden. Schließen Sie den Dialog mit „OK“. Als Nächstes legt Virtualbox den Sicherungspunkt an, was nur wenige Sekunden dauert. Installieren Sie daraufhin eine Software oder experimentieren Sie mit den Einstellungen herum und legen Sie im Folgenden einen neuen Snapshot an.

Die Verwaltung der Snapshots erledigen Sie in Virtualbox im Bereich „Sicherungspunkte“. Markieren Sie einen Eintrag und klicken Sie auf „Eigenschaften“, werden im unteren Bereich nicht nur die von Ihnen eingegebenen Beschreibungen, sondern auch Detailinformationen und sogar eine Vorschaugrafik des VM-Desktops angezeigt.

Tipp: Auch wenn es problemlos möglich ist, den aktuellen Zustand einer laufenden VM in einem Snapshot festzuhalten, sollten Sie Sicherungspunkte ausschließlich von ausgeschalteten VMs anlegen. Der Grund: Erstellen Sie einen Snapshot einer laufenden VM, so wird auch der komplette Arbeitsspeicher gesichert, was sich negativ auf die Größe der Sicherungsdatei auswirkt. Wie groß die bereits angelegten Snapshots sind, finden Sie durch einen Blick in das VM-Speicherverzeichnis heraus.

Tipp: Virtualbox vs. Vmware vs. Hyper-V - Der beste virtuelle PC

Snapshots wiederherstellen

Die Rückkehr zu einem früheren Sicherungspunkt ist im Handumdrehen erledigt.
Vergrößern Die Rückkehr zu einem früheren Sicherungspunkt ist im Handumdrehen erledigt.

Denkbar einfach können Sie eine virtuelle Maschine mithilfe eines Sicherungspunkts zurücksetzen. Bitte nicht vergessen: Sämtliche Änderungen, die in der Zwischenzeit durchgeführt wurden, werden dabei ebenfalls rückgängig gemacht. Zudem werden alle Dateien, die auf der virtuellen Festplatte gespeichert wurden, gelöscht. Fahren Sie das Gastbetriebssystem herunter, markieren Sie jetzt in der Liste der Sicherungspunkte den gewünschten Snapshot und klicken Sie auf „Wiederherstellen“. Virtualbox will dann von Ihnen wissen, ob ein neuer Sicherungspunkt angelegt werden soll. Bestätigen Sie mit einem Klick auf „Zurückkehren“, um die ältere VM-Konfiguration zu laden.

Interessant ist, dass jeder Snapshot auf seinem direkten Vorgänger basiert, sodass alle Sicherungspunkte schlussendlich auf die Original-VM zurückgehen. Möchten Sie hingegen einen anderen Pfad einschlagen, beispielsweise um eine „Was-wäre-wenn“-Situation durchzuspielen, fahren Sie bitte das Gastbetriebssystem herunter und stellen Sie den ersten Sicherungspunkt wieder her. Legen Sie nun einen neuen Snapshot an, so basiert dieser wiederum auf der Original-VM und nicht auf den anderen Sicherungspunkten.

Folgendes Beispiel soll das Prinzip veranschaulichen: Sie haben von Windows 10 einen Snapshot angelegt, der die Bezeichnung Windows 10.1 trägt, und danach einen weiteren Sicherungspunkt erzeugt, der Windows 10.1a heißt. Stellen Sie dann den Speicherpunkt Windows 10.1 wieder her und legen Sie einen neuen Snapshot an, ist dieser unabhängig von der Sicherung Windows 10.1a. Das Löschen nicht mehr benötigter Snapshots ist ebenfalls möglich. Dazu markieren Sie den gewünschten Eintrag in der Liste, klicken auf „Löschen“ und bestätigen die Nachfrage mit „Löschen“.

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