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Schlaue Waagen: Phicomm Smart Scale vs. iHealth Lina

25.01.2018 | 17:43 Uhr |

Wer sein Gewicht kontrollieren will, benötigt neben der Waage vor allem eine gute Dokumentation. In digitalen Zeiten funkt das Messgerät seine Ergebnisse an das iPhone.

Die Hausärztin des Autoren war über dessen Blutbild begeistert. Nur kleinere Ausschläge beim LDL-Cholesterin, nichts Ernstes. Normal nach der Weihnachtszeit. Über den Blutdruck war sie aber eher entsetzt und ordnete sofort eine 24-Stunden-Messung an, deren Ergebnis eine deutliche Aufforderung ergab: Runter mit dem Gewicht. Und zwar sofort.

Natürlich kann man auch ohne permanente Kontrolle durch die Waage an Gewicht verlieren, wenn man die Grundregel beherzigt, mit der Nahrung weniger Energie aufzunehmen, als man sie durch Grundumsatz und Bewegung verbraucht. Der Rest kommt von allein und Apps wie Arise helfen beim Kalorienzählen und protokollieren ungemein weiter. Aber wenn man das Gewicht und seinen Verlauf im Detail kennt, fällt das Abspecken leichter. Auch umgekehrt gilt: Will oder muss man Gewicht zulegen (Schwangerschaft, Muskelaufbau, nach längerer Krankheit) sollte das (mehrmals) tägliche Wiegen zur Routine werden. Alle anderen brauchen keine Waage.

Die iHealth Lina setzt bei der Verbindung auf Bluetooth
Vergrößern Die iHealth Lina setzt bei der Verbindung auf Bluetooth
© iHealth

Wir nehmen dafür gleich zwei, aber nicht, weil viel viel hilft, sondern zu Vergleichszwecken. Im Test sind die beiden smarten Waagen iHealth Lina (49,95 Euro) und Phicomm Smartscale (99 Euro), die beide vor allem einen Vorteil bringen: Sie protokollieren die Messwerte mit Hilfe unseres iPhones und führen somit deutlich vor Augen, wo man bei seinem Projekt Gewichtsänderung steht.

Die Smartscale S7 von Phicomm misst mit acht Elektroden den Körperfettanteil
Vergrößern Die Smartscale S7 von Phicomm misst mit acht Elektroden den Körperfettanteil
© Phicomm

Die beiden Testkandidaten haben aber einige wesentliche Unterschiede, weswegen wir keinen konkreten Testsieger (und damit auch -verlierer) küren werden. Denn die Phicomm Smartscale misst auch noch unseren Körperfettanteil und verbindet sich mit dem iPhone per WLAN. Letzteres hat den Vorteil, dass wir das Telefon nicht ins Badezimmer mitnehmen müssen und somit eine Ausrede entfällt, die Messung mal sein zu lassen. Die iHealth Lina hingegen ermittelt nur unser Gewicht und nimmt dieses per Bluetooth-Verbindung auf. Das heißt, man kann das iPhone nicht allzuweit entfernt ablegen und wir bekommen nur eine teilweise Vermessung unseres Körpers hin. Dafür kostet die iHealth Lina keine 50 Euro, während die Phicomm  Scale S7 die unverbindliche Preisempfehlung von 99 Euro trägt. Nicht getestet, aber erwähnenswert: iHealth hat mit der Core noch ein Modell im Angebot, dass den Anteil des Körperfetts ermitteln kann, diese Waage kostet gut 80 Euro.

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Draufstellen, ablesen, abnehmen

Die Benutzung der Waagen ist recht einfach erklärt: Barfuß draufsteigen und das in beiden Fällen gut erfassbare Display mit ihren jeweils weißen Ziffern ablesen. Die jeweiligen Apps nehmen die Daten entgegen.

Kleinere Unterschiede bestehen hier: Die Phicomm-App meldet gleich per Push-Nachricht, dass sie neue Daten empfangen hat und ob man diese nun seinem Konto gutschreiben will. Die iHealth-App hingegen versteckt die empfangenen Daten ein wenig, intuitiv will man immer erst die App starten und dann auf die Waage steigen. Das ist aber nicht notwendig, die beiden Waagen speichern Messwerte und übertragen sie bei der nächsten Verbindung auf das iPhone.

Verlaufsgrafik der Daten in der Phicomm-App. Das Ziel (gestrichelte Linie) ist frei definierbar.
Vergrößern Verlaufsgrafik der Daten in der Phicomm-App. Das Ziel (gestrichelte Linie) ist frei definierbar.

Dort muss man aber die Messwerte in beiden Fällen manuell entgegennehmen und bekommt sie nicht automatisch gut geschrieben, das ist durchaus sinnvoll. Denn so können auch mehrere die Waage nutzen, etwa Familienmitglieder oder andere Mitbewohner. Die beiden Apps gehen hier etwas unterschiedlich vor. Während die Phicomm-App direkt aus ihrem Hauptmenü einen empfangenen Messwert einem bestimmten Konto zuordnen lässt, muss man in der iHealth-App erst den Nutzer wechseln. Besser ist aber ohnehin, dass jeder Nutzer der Waage seine eigene App pflegt und auf seinem eigenen iPhone die Ergebnisse ausfiltert. Immerhin: In beiden Apps kann man versehentlich aufgenommene Werte löschen, intuitiv aus der Liste mit einem Wisch nach links.

Sehr geringe Fehler

Von unseren eigenen Werten haben wir im Test schon beim Import einige ignoriert respektive gelöscht. Aber nicht, weil sie uns gerade nicht in den Kram passten, sondern weil wir austesteten, wie genau die Waagen messen. Gefühlt natürlich etliche Kilo zu viel, aber wie wir an unterschiedlichen Standorten sehr schön erkennen, ist der zufällige Fehler der Messungen sehr gering – egal wo die Phicomm Scale im Bad oder die iHealth Lina im Büro stehen, immer kommt der gleiche Wert raus. Das kennen wir von unserer bisherigen Badezimmerwaage, einer etwa zehn Jahre alten Soehnle, ganz anders: Da konnte der Standort einen Unterschied von zwei Kilo ausmachen, unmittelbar hintereinander aufgenommene Messwerte divergierten auch schon um ein Pfund. Abweichende Ergebnisse bekommen wir nur, wenn wir einmal im Bad und einmal auf dem Wohnzimmerteppich messen, aber das liegt im Rahmen der Erwartung. Um derartige Diskrepanzen zu reduzieren, legt iHealth optionale Plastikfüße für den Teppich bei, das macht sogar auf der Büroauslegwaage einen geringen, aber messbaren Unterschied aus.

Die Daten - auch von anderen Gesundheitsgeräten des Herstellers - lassen sich bequem aus der iHealth-App exportieren.
Vergrößern Die Daten - auch von anderen Gesundheitsgeräten des Herstellers - lassen sich bequem aus der iHealth-App exportieren.

Wichtig ist natürlich auch, sich zur etwa gleichen Uhrzeit und vor allem im gleichen Zustand zu wiegen. Also etwa immer vor dem Frühstück oder unmittelbar vor dem Schlafengehen. Wer Fortschritte nach sportlicher Betätigung sehen will, sollte vor dem Wiegen auch erstmal den Durst löschen. Ein wenig dehydriert bekommt man zwar erst einmal bessere Ergebnisse, am nächsten Tag dafür einen vermeintlichen Rückschlag in Form von Gewichtszunahme.

Beide Apps zeigen im Verlauf der Gewichtskurve in der X-Achse das Datum der Messung, will man genauer über die Uhrzeit Bescheid wissen, muss man sich die Liste des Messprotokolls zeigen lassen. Besser wäre es, etwa auf einen Punkt in der Kurve drücken zu können und neben dem Datum auch die Uhrzeit sehen zu können – und vielleicht noch die Bemerkung, die man selbst eingegeben hat. Das geht bei der iHealth nur über die Listenansicht, die Phicomm-Ergebnisse können wir nicht weiter kommentieren.

Mehrere Benutzer in einer App - nur bedingt sinnvoll. Denn nur einer schreibt in Apple Health
Vergrößern Mehrere Benutzer in einer App - nur bedingt sinnvoll. Denn nur einer schreibt in Apple Health

Unter Strom gesetzt – ein bisschen

Kommen wir nun zu einem Feature, das die Phicomm Scale in diesem Vergleich exklusiv hat: Vermessung des Körperfetts. Zu diesem Zweck schickt sie einen nicht spürbaren Strom über zwei angebrachte Elektroden auf der Waage in die Beine und wenn man den Barren für die Hände aufgenommen hat, einen solchen auch in die Arme. Dabei misst die Elektronik den Widerstand des Gewebes und zieht damit Rückschlüsse auf das Körperfett. Das ist nur dann einigermaßen genau, wenn man immer unter den gleichen Bedingungen misst, etwa vor dem Duschen. So kann man allenfalls Veränderungen erkennen, absolute Werte kann man mit dieser Methode aber nicht gewinnen, aber immerhin Richtwerte.

Was Phicomm mit Hilfe von Big Data aus den Messdaten berechnet, gefällt uns nur bedingt.
Vergrößern Was Phicomm mit Hilfe von Big Data aus den Messdaten berechnet, gefällt uns nur bedingt.

Unser Ergebnis behagt uns gar nicht und obwohl die App aus oben genannten Gründen auch einräumt, kein medizinisches Gerät zu sein und somit keine Diagnosen garantieren zu können, sehen die errechneten Werte plausibel aus. Plausibel hoch – wir müssen also ran an den Speck.

BMI auch nicht sonderlich aussagekräftig

Neben Werten für das Körperfett ermittelt die Waage auch solche für das Gewicht der einzelnen Extremitäten und natürlich den berühmten wie umstrittenen Body-Mass-Index (BMI). Diesen berechnet auch die iHealth aus der von uns angegebenen Körpergröße. Der BMI allein sagt aber wenig aus, die demnächst wieder beim Superbowl tätigen menschlichen Schränke dürften alle BMIs weit über die 30 aufweisen, die als Grenze zur Fettleibigkeit definiert ist. Bei uns spuckt der Algorithmus aber auch noch ein um 13 Jahre höheres biologisches Alter aus, zu viel Fett, zu wenige Muskeln, bei Footballern ist es umgekehrt. Ein wenig ratlos lässt uns aber die Einschätzung der App über den Allgemeinzustand zurück: "Ihr Körperstatus ist nicht so gut. Sie befinden sich in einem fast normalen Zustand." Wie jetzt? Nicht so gut oder fast normal? Oder ist nicht so gut fast normal? Wir sehen: Einen echten Mediziner kann keine App ersetzen, allenfalls unterstützen.

Fazit

Wer eine Waage benötigt, um sein Gewicht zu kontrollieren, ist mit einer smarten Lösung gewiss gut bedient, da diese die Protokollierung der Messwerte akkurat und unbestechlich übernimmt. Für den Einstieg tut es eine etwas rudimentärere Lösung wie die iHealth Lina auf alle Fälle, den Aufpreis für die Körperfettmessung kann man sich sparen. Gut gefällt an der iHealth die App, die Gesundheitsdaten auch mit anderen Produkten des Herstellers austauscht (etwa Blutdruckmessgeräten). Nicht so gut bei beiden Lösungen: Die Daten werden auf Server der Hersteller geladen. Diese sichern zwar strengsten Datenschutz zu, viel verloren wäre aber nicht, würden sie Daten ausschließlich auf einem verknüpften Gerät speichern. Phicomm verspricht mit Hilfe von umfangreicher Datenanalyse in der Cloud (Big Data), aus den Messwerten überhaupt Aussagen zu Vitalfaktoren machen zu können. iHealth hingegen verspricht so einfache Übermittlung der Daten an Mediziner, das wäre mit lokaler Vorhaltung aber ebenso möglich.

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