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Retropie – alte Games als ROM auf dem Raspberry Pi zocken

29.12.2017 | 14:37 Uhr |

Ob C64, Super Nintendo oder Amiga - das Lieblingsspiele-System von damals im Raspberry-Pi-Gewand: Mit geringem Aufwand und minimalen Kosten holen Sie sich ein Stück Nostalgie zurück ins Wohnzimmer.

Mit dem Raspberry Pi lässt sich nicht nur der alte Desktop-PC ersetzen oder das Zuhause überwachen . Eigentlich ist der Einsatz als Emulator älterer Spiele-Juwelen in Gestalt des Retropie ein alter Hut. Doch seit den Anfängen des Retropie-Projekts hat sich viel getan. Neue Raspberry-Modelle wie der Raspberry Pi 3 verfügen über mehr Leistung und schaffen selbst anspruchsvolle Spiele auf Playstation-1-Grafik-Niveau. Der Installationsprozess des Retropie-Betriebssystems wurde vereinfacht. Dafür sind nach der Installation aber leider ein paar mehr Handgriffe als früher nötig. Doch keine Bange! Wir führen Sie Schritt für Schritt zur eigenen Retropie-Konsole, komplett eingerichtet mit Ihren Lieblingsspielen.

Das brauchen Sie für Ihren Retropie

  • Raspberry Pi – wir empfehlen den Raspberry Pi3 Model B für maximale Performance, der Raspi 2 genügt notfalls auch, vom ersten Raspberry Pi und dem Winzling Raspberry Zero raten wir nicht zuletzt aufgrund der wenigen USB-Ports und der geringen Leistung ab;
    sinnvolles Zubehör: in jedem Fall ein Case zum Schutz Ihrer Nostalgie-Konsole (es gibt dafür Dritthersteller, aber auch ein offizielles Case für den Raspi )

  • Stromkabel für den Raspberry Pi  

  • SD-Karte mit wenigstens 8 GB Speicher ( gibt es günstig im Preisvergleich )

  • HDMI-Kabel zum Anschließen an den Monitor ( auch günstig im Preisvergleich )

  • Gamepad mit USB-Anschluss und/oder CompetitionPro (optional, aber sehr empfehlenswert)

  • zum Einrichten sollte eine USB-Tastatur greifbar sein;
    wenn Sie den Pi 2 hernehmen, erleichtert ein WLAN-Stick die Arbeit ungemein, der Raspberry 3 hat WLAN schon an Bord;
    ohne WLAN-Anbindung ist ein USB-Stick nötig, ferner benötigen Sie in jedem Fall einen SD-Karten-Leser am PC oder Notebook, über welchen Sie die Installation abwickeln

Tipp: Sollten Sie von den obigen Komponenten (fast) keine besitzen, lohnt sich eventuell ein Komplett-Set mit Raspberry, Kabel, Hülle und Speicherkarte.

Die vier USB-Ports unseres Retropie sind schnell belegt.
Vergrößern Die vier USB-Ports unseres Retropie sind schnell belegt.
© Benjamin Schischka

Retropie einrichten

Laden Sie zunächst das Retropie-Image herunter. Achtung: Es gibt zwei Versionen – eine für den Raspberry Zero und Raspberry Pi 1 und eine für Raspberry 2 und 3. Wählen Sie die passende aus, um Fehlermeldungen zu vermeiden.

Installieren Sie das kostenlose Mini-Programm Etcher. Es schreibt für Sie das Retropie-OS auf die SD-Karte. Legen Sie dazu die SD-Karte ein, starten Sie Etcher und wählen Sie den Retropie-Image-Download. Etcher kann das Image gepackt verwenden – Entpacken ist also nicht notwendig. Wählen Sie die SD-Karte aus und klicken Sie auf „Flash!“. Wenn das Programm fertig ist, packen Sie die SD-Karte in den Raspberry.

Verbinden Sie den Raspberry Pi mit dem Fernseher oder Monitor per HDMI-Kabel. Stecken Sie den USB-Controller und die Tastatur ein und danach das Stromkabel – der Raspberry sollte nun booten und Sie nach ein bis zwei Minuten in das noch fast leere Hauptmenü führen. Dort warten noch keine Spiele. Zuerst steht aber die Konfiguration des Controllers an.

Controller konfigurieren

Halten Sie dazu eine beliebige Taste für einige Zeit gedrückt – bei unserer Einrichtung mussten wir sogar ein paar Tasten gleichzeitig gedrückt halten. Lassen Sie rechtzeitig los, sonst belegen Sie versehentlich schon die erste Taste mit der gedrückt gehaltenen Taste. Nun belegen Sie nacheinander alle Tasten auf Wunsch. Retropie schlägt eventuell mehr Tasten vor, als Ihr Controller hat. Keine Panik: Dann einfach eine beliebige Taste gedrückt halten, um den Vorgang zu überspringen. Der Button, den Sie als „A“ belegt haben, schließt die Einrichtung am Ende ab. Weitere Controller fügen Sie hinzu, indem Sie „Start“ drücken und danach „Configure Input“.

Spiele auf dem Retropie installieren

Stecken Sie nun einen in Fat32 oder NTFS formatierten USB-Stick in den Raspberry – nachdem Sie im Stick einen leeren Ordner namens „retropie“ (ohne Anführungszeichen) erstellt haben. Warten Sie ein wenig – der Retropie erstellt nun eine Ordnerstruktur für ROMs. „ROM“ steht für „Read Only Memory“ und meint die Spielmodule. Wenn Sie den USB-Stick danach unter Windows betrachten, finden Sie reichlich leere Unterordner wie „c64“ oder „snes“. Ziehen Sie die Games gepackt in den passenden Unterordner. Also eine ROM für den Super Nintendo muss in den Ordner „snes“ (steht für „Super Nintendo Entertainment System“). Commodore-64-ROMs müssen in „c64“, und so weiter.

Das System ist bequem, hat aber ein paar Besonderheiten. So ist manchmal nicht klar, welchen Emulator man wählen soll. Beispielsweise gibt es mehrere MAME-Emulatoren. Das Problem lösen Sie im Einzelfall durch Recherche. Bei uns hat etwa der Ordner „arcade“ gute Dienste geleistet. Dort versammelten wir einige alte Titel wie „Galaga“ und Retropie fragte uns erst beim Spielstart nach dem gewünschten Emulator.

Die ROMs bekommen Sie als Download im Internet – aber Achtung: Sie müssen das Original besitzen, ansonsten gilt das Spiel als Raubkopie! Gerade ältere Titel fallen jedoch oft (nicht immer!) unter den Begriff „Abandonware“. Die Rechteinhaber drücken ein Auge zu; manchmal ist nicht mal mehr klar, wer eigentlich die Rechte hat. Verlassen können Sie sich darauf aber nicht. Noch ein wichtiger Hinweis zum Thema ROM-Download: Manche Portale sind unseriös und wollen Ihnen im Extremfall sogar Malware unterjubeln. Seien Sie auf der Hut und halten Sie Ihren Virenscanner aktuell!

Wenn die Spiele auf dem Stick sind, stöpseln Sie diesen in den Retropie und warten die Übertragung ab. Der Raspberry verschiebt die Games automatisch zu den jeweiligen Emulatoren. Die Änderung wird aber erst nach einem Neustart der Emulatoren sichtbar. Hangeln Sie sich dazu über „Start“ und „Quit“ zu „Restart Emulationstation“. Ein kompletter System-Neustart ist nicht notwendig. Nun sehen Sie neue Menüpunkte – die emulierten Konsolen/Systeme mit den jeweiligen Games, die Sie zuvor in das ROM-Verzeichnis gepackt haben. Sollten Spiele fehlen, haben Sie diese eventuell falsch eingeordnet oder eine falsche Version heruntergeladen. Sollten ganze Emulatoren fehlen, gibt es ein paar Möglichkeiten. Entweder passen alle Spiele eines Unterordners nicht in diesen Unterordner – Sie haben vermutlich System-fremde Games reingeschoben oder die Spiele wurden von Ihnen entpackt oder sie sind fehlerhaft. Ebenfalls möglich: Der Emulator ist noch nicht aktiviert. Es ist leider ein Nachteil neuerer Retropie-Versionen, dass einige Emulatoren nicht standardmäßig aktiv sind. Darunter der beliebte VICE-Emulator für Commodore 64.

Spieleklassiker am Retropie zocken
Vergrößern Spieleklassiker am Retropie zocken
© Benjamin Schischka

So aktivieren Sie den C64-Emulator VICE für Ihren Retropie

An dieser Stelle ist es extrem nützlich, eine WLAN-Verbindung aufzubauen. Falls Sie ein älteres Raspberry-Modell verwenden, nutzen Sie zumindest temporär einen WLAN-USB-Stick. Navigieren Sie in die Retropie-Einstellungen („Configuration“) und wählen Sie dort „Retropie Setup“. Anschließend „Update RetroPie Setup Script“ und dann ein paar Mal die Wahl bestätigen. Danach wählen Sie „Manage Packages“ und suchen dort „123 VICE“. Bestätigen Sie und entscheiden Sie sich für „Install from binary“. Der Vorgang dauert ein paar Minuten. Danach führen Sie einen Neustart durch und der Commodore 64 sollte im Menü auftauchen, sofern Sie bereits passende Spiele in den c64-Ordner gepackt haben.

Bei VICE müssen Sie noch ein paar kleine Einstellungen tätigen, bevor es losgehen kann. Über die „A“-Taste gelangen Sie ins VICE-Menü. Dort unter „Machine settings“ und „Joystick settings“ wählen Sie die Steuerung aus. Wer über Tastatur spielen mag, kann sein „Keyset“ auch selbst definieren.

Mini-FAQ zum Retropie

➤ Wie kann ich Spiele löschen?
 
Über „Configuration“ im Hauptmenü und dort „File Manager“. Navigieren Sie zu „Retropie, ROMs“. Löschen funktioniert über die Taste F8 – eine USB-Tastatur sollte also angeschlossen sein.
 
➤ Wo schalte ich den Retropie aus?
 
Einen Ausschalter gibt es nicht. Einfach Stromverbindung kappen.
 
➤ Hilfe, wie kann ich speichern?
 
Das variiert je nach Emulator. Beim Super Nintendo drücken Sie den rechten Schulterknopf und „Select“ gleichzeitig. Zum Laden drücken Sie den linken Schulterknopf plus „Select“. Beim C64 (VICE) speichern Sie über das Emulator-Menü („A“ drücken) und laden dort auch Spielstände. Löschen Sie alte Spielstände über den „File Manager“ genauso, wie Sie Spiele löschen würden.

➤ Welche Systeme werden vom Retropie unterstützt?

  • 3do

  • Amiga

  • Amstrad CPC

  • Apple II

  • Atari 2600

  • Atari 7800

  • Atari 800 and 5200

  • Atari Jaguar

  • Atari Lynx

  • Atari ST-STE-TT-Falcon

  • Coco

  • Colecovision

  • Commodore 64/VIC-20/PET

  • Daphne

  • Dragon

  • Dreamcast

  • Famicom Disk System

  • Game Boy Advance

  • Game Boy Color

  • Game Boy

  • GameCube

  • Game Gear

  • Game & Watch

  • GemRB

  • Genesis/Megadrive

  • Intellivision

  • Love

  • Macintosh

  • Master System

  • MESS

  • MSX

  • Neo Geo Pocket Color

  • Neo Geo Pocket

  • Nintendo 64

  • Nintendo DS

  • Nintendo Entertainment System

  • OpenBOR

  • Oric

  • PC Engine

  • PC

  • Playstation 1

  • Playstation 2

  • PSP

  • Sam Coupe

  • Saturn

  • ScummVM

  • Sega 32X

  • Sega CD

  • SG 1000

  • Super Nintendo Entertainment System

  • TI-99

  • TRS-80

  • Vectrex

  • VideoPac / Odyssey 2

  • Virtual Boy

  • Wii

  • Wonderswan Color

  • WonderSwan

  • Zmachine

  • ZX Spectrum

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