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Apple Watch Series 3: (Fast) ewiger Akku für 60 Sportarten

16.10.2017 | 16:55 Uhr |

Wir haben die Apple Watch in einem Langzeittest auf Herz und Nieren geprüft. Lohnt sich der Umstieg auf die neue Version?

Rein äußerlich hat sich an der Apple Watch Series 3 nichts geändert, bis auf den roten Punkt auf der digitalen Krone. Dieser ist der LTE-Version vorbehalten und soll die neue Version von den Non-LTE und den Vorgängern gleich auf den ersten Blick unterscheiden. Wegen eines kleinen roten Kleckses auf der rechten Seite würde sich der Umstieg definitiv nicht lohnen. Die meisten Änderungen haben sich im Inneren ereignet und diese können sich sehen lassen.

Apple Watch Series 3: Dank LTE immer erreichbar

Sinn und Zweck der Series 3 ist eine (relative) Selbständigkeit vom gekoppelten iPhone. Zwar muss man die meisten Synchronisationen und Updates nach wie vor in der Nähe des iPhones und angelegt an die Ladestation vollziehen, den Rest erledigt die Uhr jetzt alleine. Die eingebaute eSIM lässt sich leicht bei der Koppelung aktivieren. In unserem Test war ein kurzes Gegenhalten eines QR-Codes von der Telekom notwendig, danach ist die Uhr für die Verbindung ins mobile Netz vorbereitet. Telefonieren und Simsen geht genau so selbstverständlich wie unterschiedliche Benachrichtigungen der Dritt-Apps. Eine wichtige Grundvoraussetzung dafür: das gekoppelte iPhone muss für Telefonate und SMS zumindest eingeschaltet, für weitere Benachrichtigungen der Dritt-Apps auch online sein. Wir haben eine Probe aufs Exempel gemacht und das iPhone komplett zu Hause gelassen. Abgesehen von ein paar Verschluckern bei WhatsApp , die bei der vorletzten Version der App noch vorhanden waren, hatten wir die Benachrichtigungen und Anrufe auf der Watch erhalten, die auch auf dem iPhone angekommen sind. Telefonieren in der Münchner Innenstadt, wo ein Sendemast neben dem anderen steht, ist an sich keine hohe Kunst, doch wir haben die Watch auf eine Wanderung in die Bayerischen Alpen mitgenommen. Mitten im Nirgendwo, also an der deutsch-österreichischen Grenze, klang das Gespräch klar und deutlich, ohne irgendwelche Abbrüche oder Probleme. Eher unfreiwillig haben wir die Aussage von Apple und der Telekom bestätigt, die eSIM kann noch kein Roaming, sprich, waren wir kurz im österreichischen A3 mit der Apple Watch eingewählt, bekamen wir kurze Zeit später nur eine Mobilbox-Benachrichtigung, aber keinen Anruf durchgestellt.

Anmerkung : Auch die Apple Watch aus dem Jahr 2015 und Apple Watch Series 2 können sich vom gekoppelten iPhone emanzipieren, aber nicht in dem Ausmaß, wie das bei der Apple Watch 3 der Fall ist. Erkennt die Watch nämlich eine bekannte WLAN-Verbindung, wählt sie sich ins Netz ein, obwohl das iPhone nicht in der Nähe ist und kann so Benachrichtigungen empfangen. Grundvoraussetzungen dafür: Das eigene iPhone ist online, man hat sich ins WLAN schon mal mit dem iPhone eingewählt und der Router soll mit der Frequenz von 2,4 GHz funken – die WLAN-Chips der Apple Watch in allen drei Generationen verstehen sich noch nicht auf 5 GHz .

Unterhaltung mit der Apple Watch 3

Die Idee von Apple für die neue Generation der Watch war, alle Funktionen mitzugeben, die zumindest für einige Zeit dem Nutzer das iPhone ersetzen helfen. Mit der eSIM bzw. LTE-Verbindung sind alle Konnektivitätsfragen erschlagen, was noch fehlt: Eine gehörige Portion Unterhaltung während einer Jogging-Stunde oder im Fitness-Studio – dazu kommen wir nun. Dank der Bluetooth-Verbindung konnte man schon mit den Vorgängern einschlägige Kopfhörer zum Training mitnehmen und das iPhone im Locker lassen. Mit watchOS 4 hat Apple die Mediathek-Verwaltung etwas umgestaltet: Zum einen ist die Wiedergabe-Steuerung der iPhone-Medien nur mit der Komplikation „Wiedergabe“ möglich, aus der App „Musik“ ist diese komplett verschwunden. Zum anderen kann man mehrere Playlists mit der Watch synchronisieren, sprich, die Musik-Dateien sind auf der Watch geladen und können unabhängig vom iPhone abgespielt werden. Das ist insbesondere bei der Apple Watch 3 LTE sinnvoll, bietet doch dieses Modell statt 8 satte 16 GB Speicher an, so sind mehrere Stunden der Musikbeschallung auch ohne iPhone gewährleistet. So muss man nicht fürchten, unterwegs das Highspeed-Datenvolumen schneller als erwartet ausgeschöpft zu haben, die wichtigsten Playlist sind stets auf die Uhr synchronisiert.

Was noch fehlt: Apple hat auf der Keynote im September versprochen, Apple Music auch für die Apple Watch freizuschalten. Zusammen mit einem Datentarif und beliebigen Kopfhörern ist das eine perfekte Kombination für unterwegs. Bis zu Redaktionsschluss war der Dienst jedoch nicht verfügbar, so konnten wir diesen nicht ausprobieren. Bis Ende Oktober soll der volle Zugriff auf Apple Music aber möglich sein.

Was uns persönlich generell bei watchOS fehlt, ist eine vernünftige Podcast-App, die selbständig die neuesten Sendungen mit der Uhr synchronisiert. Zwar hat Apple eigene Podcast-App mit iOS 11 gründlich überarbeitet, die Neuerungen betrafen meistens das Aussehen der App, neue Funktionen sind nicht hinzugekommen. Die kostenlose App „Overcast“ hat eine kurze Zeit den Apple-Watch-Sync angeboten, der Entwickler Marco Arment hat sich dazu entschlossen, das Feature wieder zurückzuziehen. Demnach dürfen auf der Apple Watch fast keine Apps außer Workout-Apps im Hintergrund laufen, was eine gute Podcast-App somit unmöglich macht.

Akku-Laufzeiten

Laut dem letzten Teardown von iFixit hat sich der Akku in der letzten Apple Watch Series 3 etwas verbessert: Hat die Apple Watch Series 2 eine Batterie mit 1,03 Whr (273 mAh bei 3,77 V) , hat die Series 3 nun einen Akku mit 1,07 Whr (279 mAh bei 3,82 V). Anmerkung: Wir haben die Apple Watch Series 3 als auch Series 2 in der kleineren Ausführung, also 38 mm Displaydiagonale. Die größere Uhr mit 42 mm Diagonale soll also noch robusteren Akku aufweisen. Wir haben den Akku bei mehreren Szenarien beansprucht: Einmal als eine „normale“ Apple Watch ohne jegliche LTE-Funktionalitäten, das iPhone war ständig in der Nähe. Bei diesem Szenario haben wir nicht schlecht gestaunt: Bei der normalen Nutzung mit den üblichen Benachrichtigungen, Musik-Steuerung und einmal oder zweimal eine Stunde Training musste die Uhr nur jede zweite Nacht an die Ladestation, erst gegen Abend des zweiten Tages wollte die Apple Watch 3 die Gangreserve einschalten. Im Vergleich dazu reicht die ein Jahr alte Apple Watch 2 für anderthalb Tage Nutzung. In einem selbständigen Betrieb mit der aktivierten LTE-Verbindung sind die Akku-Laufzeiten vergleichbar mit denen der Apple Watch 2: Mit Telefonaten unterwegs, Trainings und Benachrichtigungen reichte eine Ladung der Series 3 locker für einen Tag, meist konnte man den zweiten Tag einigermaßen gut bis zu Nachmittag verbringen, ab dann musste die Apple Watch Series 3 an die Ladestation. Was jedoch die neue Version der Apple Watch bzw. deren Akku an ihre Grenzen bringt, ist die wechselnde Verbindung an unterschiedliche Sende-Masten: Eine rund zweistündige Reise mit dem Zug (ohne das dazugehörende iPhone) hat der Uhr rund 30 Prozenpunkte der Akku Ladung gekostet, selbst zwei Stunden Training mit aktiver Pulsmessung, GPS-Tracking und LTE-Verbinung waren nicht so energiehungrig. Nach einem solchen Training hatten wir beispielsweise rund 25 Prozentpunkte der Ladung weniger.

Apple Watch Akku Laufzeiten
Vergrößern Apple Watch Akku Laufzeiten
Akku-Laufzeiten
Vergrößern Akku-Laufzeiten

Was die Zukunft noch bringt

Bereits mit watchOS 4 hat Apple die Liste der verfügbaren Sportarten extrem erweitert: Unter „Sonstige“ finden sich mittlerweile mehr als 60 unterschiedliche Trainings. Mit der neuen Version kommt auch ein neuer Sensor mit dazu, der die Höhenunterschiede genauer messen kann. Wer auf der neuen Watch die Aktivität-App durchgescrollt hat, hat wohl die neue Angabe „Treppensteigen“ bemerkt, das sind die ersten Spuren des neuen Sensors. Besonders für alle Outdoor-Trainings wie Joggen, Klettern oder Wandern wird das spannend, Apple gibt auch an, die Schnittstelle an die Entwickler freigegeben zu haben. Diese müssen die neuen Funktion nur implementieren.

Fazit

Wer noch eine Apple Watch der ersten Generation hat, für den würde sich der Umstieg nur wegen den verbesserten Akku-Laufzeiten lohnen. Auch eine LTE-Version lässt sich als eine „normale“ Uhr mit dem anderen Anbieter betreiben. Die Apple Watch Series 3 mit  LTE-Verbindung ist besonders für diejenigen interessant,   für die ein iPhone in den Händen oder in der Hosentasche lästig sein kann: Ohne Kabel, zwei oder drei Zubehör-Teile und eben ein iPhone losjoggen zu können und dabei nichts Wichtiges zu verpassen, kann auch ein Luxus sein, an den man sich aber relativ schnell gewöhnt. Die Apple Watch Series 3 kann jedoch das iPhone bei einer Unterhaltung unterwegs und für den ganzen Tag nicht komplett ersetzen, aber das wollen wahrscheinlich die Wenigsten...

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