2382684

Polizei: Gesichtserkennung am Bahnhof ist erfolgreich

12.10.2018 | 14:02 Uhr |

Die Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz funktioniert zuverlässig, sagt die Bundespolizei. Jetzt geht es um die dauerhafte Einführung an ausgewählten bundesweiten Bahnhöfen.

Die Bundespolizei hat ihre Testphase für das erste Teilprojekt "Biometrische Gesichtserkennung"  am Berliner Bahnhof Südkreuz (Pilotprojekt "Sicherheitsbahnhof Berlin Südkreuz") am 31. Juli 2018 nach einjährigem Testbetrieb abgeschlossen. Jetzt hat die Bundespolizei ihren Abschlussbericht vorgelegt. Das Fazit der Bundespolizei: Das Projekt zur Gesichtserkennung war erfolgreich.

Testanordnung: Die Bundespolizei testete die Gesichtserkennungssysteme von drei Herstellern auf deren Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit. Über 300 Testpersonen, darunter auch Angehörige der Bundespolizei, erklärten sich bereit, an dem Projekt mitzuwirken, indem sie regelmäßig den Testbereich im Bahnhof Südkreuz passierten. Die eingesetzten Systeme glichen dabei die Gesichter mit einer eigens dafür angelegten Datenbank ab, in welcher Bilder der Probanden hinterlegt waren.

Fazit: Nach Abschluss des Projekts zur biometrischen Gesichtserkennung am Bahnhof Berlin Südkreuz und der Auswertung der vorliegenden Testergebnisse könne ein positives Resümee gezogen werden. Mit einer durchschnittlichen Trefferquote von mehr als 80 Prozent konnte die Software die Testpersonen erkennen. Das heißt: In über 80% der Fälle wurden die Testpersonen durch die Systeme zuverlässig erkannt. Weitere Optimierungen und höhere Trefferraten sind der Polizei zufolge technisch möglich. Die Falschtrefferraten (z.B. System erkennt Person A, es handelt sich jedoch um Person B) liegt durchschnittlich bei unter 0,1%. Das bedeute, dass bei 1000 Abgleichen auf einem Bahnhof lediglich ein einziger Abgleich durch das System fehlerhaft erkannt werde. Dieser Wert lasse sich aber durch Kombination verschiedener Systeme technisch auf bis zu 0,00018% und damit auf ein verschwindend geringes Maß reduzieren.

Hierbei war es der Polizei zufolge egal, ob eine oder mehrere Personen den Testbereich durchschreiten oder das äußerliche Erscheinungsbild durch Kleidung, Schal oder Brille veränderten - die Systeme würden Gesichter zuverlässig erkennen. Die Erkennung würde bei Tag und Nacht funktionieren - sowohl mit guten Vergleichsbildern als auch mit Bildern schlechterer Qualität.

Künftiger Einsatz realistisch

Als Ergebnis bleibe festzuhalten, dass Verfahren zur Gesichtserkennung künftig die polizeiliche Arbeit wesentlich unterstützen können und so einen enormen Mehrwert aufweisen würden. Nach dem erfolgreichem Abschluss des Tests sei nun zu entscheiden, unter welchen Bedingungen und in welchem Umfang die Technik künftig zum Einsatz kommen soll. Hierbei müssen auch der Datenschutz und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung beachtet werden. Die dafür erforderlichen Gespräche werden jetzt zeitnah aufgenommen. Der Bundesinnenminister spricht sich dafür aus, im Falle einer Einführung zunächst eine klarstellende Rechtsgrundlage im Bundespolizeigesetz zu schaffen, aus der die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für den Einsatz von Systemen zur Gesichtserkennung und sonstiger intelligenter Videoüberwachung klar hervorgehen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer: „Die Systeme haben sich in beeindruckender Weise bewährt, so dass eine breite Einführung möglich ist. Wir können damit in bestimmten Bereichen die Polizeiarbeit noch effizienter und effektiver gestalten und damit die Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger verbessern.“ Und der Präsident des Bundespolizeipräsidiums, Dr. Dieter Romann, sagt: „Die Technik erleichtert es, Straftäter ohne zusätzliche Polizeikontrollen zu erkennen und festzunehmen. Dies bedeutet einen erheblichen Sicherheitsgewinn.“

Die getesteten Systeme sollen dabei jedoch nur alarmieren, nicht entscheiden. Einer Alarmierung folgt in jedem Fall eine Bewertung durch Polizistinnen oder Polizisten, ob der automatisch generierte Treffer ein polizeiliches Einschreiten erfordert und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Der Test geht in eine neue Runde: In einem zweiten Teilprojekt soll ein intelligentes Videoanalysesystem für die Behandlung und Auswertung verschiedener Gefahrenszenarien erprobt werden. Dabei sollen unter anderem Gefahrensituationen wie das Erkennen hilflos liegender Personen oder stehengelassener Gegenstände automatisiert erkannt und gemeldet werden.

Gesichtserkennung wie Face ID – kann sie Komfort, Sicherheit, Privacy leisten?

PC-WELT Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
2382684