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Parrot Anafi im Test: Gute Drohne mit No-Gos

23.08.2018 | 11:46 Uhr |

4K-HDR-Kamera, zusammenklappbar und leicht zu bedienen - die Parrot Anafi kann was. Aber es gibt auch Kritik! Alle Details lesen Sie hier im Test.

Die Parrot Anafi verfolgt ein ähnliches Konzept wie DJI Mavic Pro und Mavic Air - sie ist nämlich ebenfalls zusammenklappbar und dadurch besonders leicht zu transportieren. Auch steckt viel Technik in der kompakten Drohne und sie bietet einige coole Cineshots. Doch es gibt auch Kritik!

Test-Fazit: Parrot Anafi

Die Anafi beeindruckt mit hoher Stabilität und Robustheit. Einen Sturz aus etwa zweieinhalb Metern auf Steinboden hat die Drohne bis auf wenige Kratzer überlebt und funktioniert einwandfrei - das ist natürlich keine Garantie, dass es immer so ist! Uns gefällt, dass die Drohne sehr kompakt gebaut ist und so für den Transport bestens geeignet ist, weil sie einfach im Rucksack verschwindet.

Die Kameraqualität ist in Ordnung, könnte aber besser sein. Positiv ist, dass die Freeflight 6-App viele Einstellungsmöglichkeiten bietet und einige coole Flugmodi an Bord sind. Von denen zwei jedoch nur über In-App-Käufe nutzbar sind - schade! Schade ist auch, dass kein Netzteil inklusive ist und Sie entweder auf Ihr Smartphone-Netzteil zurückgreifen oder eins kaufen müssen - das wäre ein weiterer Aufpreis zu den 700 Euro für die Drohne! Das Aufladen dauert mit vier Stunden recht lang. Immerhin ist die Flugzeit mit bis zu 25 Minuten gut.

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Eine Alternative ist die DJI Mavic Air, die ebenfalls 4K-Videos aufnehmen kann, kompakt gebaut und zusammenklappbar ist. Die Drohne besitzt eine echte, mechanische 3-Achsen-Stabilisierung und alle Flugmodi sind ab Werk integriert. Hinzu kommt eine Umfelderkennung in drei Richtungen durch mehrere Sensoren.

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Parrot Anafi: einklappen und mitnehmen

Um die Anafi flugbereit zu machen, müssen Sie nur die Ausleger ausklappen. Das dauert maximal vier Sekunden - und eingeklappt ist sie in drei Sekunden. Im Lieferumfang ist ein recht stabiles Transport-Case enthalten, in dem Sie die Drohne verstauen und sicher transportieren können. Auch der Skycontroller 3 ist klappbar, hat aber keinen Platz in dem Case.

Parrot Anafi ist kompakt gebaut und zusammenklappbar. Im Lieferumfang ist ein Transport-Case enthalten.
Vergrößern Parrot Anafi ist kompakt gebaut und zusammenklappbar. Im Lieferumfang ist ein Transport-Case enthalten.
© Parrot

Die Drohne im Detail

Größe & Gewicht: Parrot verwendet bei seiner Anafi diverse Carbon-Komponenten, durch die die Drohne besonders leicht wird. Gerade mal 320 Gramm bringt sie auf die Waage. Sie ist aber immer noch schwer genug, um unter die Kennzeichnungspflicht zu fallen, die ab einem Gewicht von 250 Gramm gilt. Heißt: Sie brauchen eine Drohnen-Plakette, ein Drohnen-Führerschein ist aber nicht nötig. Zusammengeklappt misst die Drohne etwa 245 x 65 x 65 Millimeter, ausgeklappt ist die Drohne jetzt 185 Millimeter lang, weiterhin 65 Millimeter hoch und 240 Millimeter breit. Die Drohne ist auch sehr robust. Einen Sturz aus rund 2,5 Metern überlebte die Drohne mit nur wenigen Kratzern!

Geschwindigkeit: Parrot gibt die maximale horizontale Geschwindigkeit mit 55 km/h an. Im Test konnten wir im Sport-Modus regelmäßig auf über 60 km/h beschleunigen. Die maximale vertikale Geschwindigkeit liegt bei über 14 km/h. Es gibt auch einen Film-Modus, bei dem die Drohne deutlich langsamer arbeitet, um möglichst smoothe Kamerabewegungen zu ermöglichen. Uns ist aufgefallen, dass die Drohne sich mit den Standardeinstellungen in beiden Modi extrem langsam bewegt - vor allem um die eigene Achse. Zum Glück können Sie den Speed einstellen. Mehr dazu unter Controller & App.

Flugdrohnen: Was ist erlaubt und was verboten?

Flugzeit & Ladezeit: Die von Parrot angegebene maximale Flugzeit von 25 Minuten können wir bestätigen. Bei konstanter Videoaufnahme mit verschiedenen Kamerafahrten, einigen Flugmanövern und Hochgeschwindigkeitsflügen hielt der Akku im Test regelmäßig zwischen 21 und 25 Minuten.

Der Akku bietet übrigens eine Kapazität von 2700 mAh und wird via USB-C aufgeladen. Leider liegt kein Netzteil bei, weshalb Sie dieses zusätzlich kaufen müssen. Oder Sie nutzen ein Netzteil Ihres Smartphones oder Tablets. Auch können Sie es über den USB-Anschluss Ihres PCs aufladen. Im Test haben wir ein herkömmliches Smartphone-Netzteil mit 5V / 2,5A. Bis der Akku voll aufgeladen ist, vergehen rund vier Stunden - das ist lang! Der Akku hat eine maximale Ladeleistung von 24 Watt, Sie könnten mit einem entsprechenden Netzteil den Akku auch schneller laden, aber mit rund zweieinhalb Stunden müssen schon Sie rechnen. Ein zusätzlicher Akku kostet bei Amazon 100 Euro . Hier wäre es besser, wenn Parrot ein eigenes Netzteil beilegen oder zumindest zum Kauf anbieten würde, das auf die eigenen Akkus abgestimmt ist.

Reichweite: Die Verbindung zwischen Controller und Drohne besteht via WLAN mit 2,4 oder 5,8 GHz und ermöglicht eine maximale Reichweite von vier Kilometern. Das ist natürlich nur optimalen Bedingungen und einer störungsfreien Verbindung möglich, in der Praxis war die Verbindung bereits nach einer Distanz von 150 Metern schlecht. Auch hatten wir bei dieser Entfernung schon Bildaussetzer. Drumherum waren aber auch Gebäude, die das Signal stören konnten. Ansonsten ist die Verbindung sehr stabil und die Anafi reagiert schnell auf Befehle. Die Drohne nutzt zur Positionsbestimmung GPS und Glonass.

Skycontroller 3 mit Smartphone.
Vergrößern Skycontroller 3 mit Smartphone.
© Parrot

Controller: Der mitgelieferte Skycontroller 3 bietet kein eigenes Display. Er besitzt eine integrierte, aufklappbare Halterung für ein Smartphone, auf dem Sie die App FreeFlight 6 installieren müssen. Controller und Smartphone werden über ein USB-Kabel verbunden. Auf dem Handy-Display sehen Sie das Livebild der Kamera ohne erwähnenswerte Verzögeung in HD-Auflösung. Der Controller liegt gut in der Hand, ist aber deutlich klobiger als der DJI-Controller einer Mavic Air. Mit 386 Gramm ist er auch etwas schwer.

Kamera und Gimbal der Parrot Anafi

Die Parrot Anafi besitzt einen hybriden 3-Achsen-Gimbal, um Foto- und Videoaufnahmen stabilisiert aufzunehmen. Anders als in den DJI-Drohnen ist der Gimbal nur in zwei Achsen mechanisch stabilisiert, die dritte Achse wird digital stabilisiert. Videos nimmt die integrierte Kamera mit einem 1/2,4-Zoll großen CMOS-Sensor in 4K bei maximal 30 Bildern pro Sekunde auf. Bei Full-HD sind bis zu 60 Bilder pro Sekunde möglich. Mit der Kamera können Sie bei Full-HD-Aufnahmen bis zu 2,8fach verlustfrei zoomen, bei 4K-Videos bis zu 1,4fach. Die Kamera können Sie vertikal um 180 Grad neigen, Sie können demnach auch nach oben filmen, aber nicht seitlich schwenken. Fotos macht die Kamera mit maximal 21 Megapixel und speichert Sie JPEG- oder RAW-Format ab.

Im Test zeigt die Kamera wenig Dynamikumfang und eher blasse Farben. Die Schärfe ist hingegen sehr hoch.

Die Kamera der Anafi können Sie um 180 Grad neigen.
Vergrößern Die Kamera der Anafi können Sie um 180 Grad neigen.
© Parrot

Freeflight 6-App mit Fehlern und Flugmodi über In-App-Käufe

Die für iOS und Android verfügbare App ist selbsterklärend aufgebaut und einfach zu bedienen. Besonders interessant ist, dass Sie in den Einstellungen unter "Steuerung" die Geschwindigkeiten der Drohne anpassen können. Zum Beispiel wie stark sich die Drohne neigt, um noch mehr Geschwindigkeit aufzubauen oder wie schnell die Anafi sich neigt für eine bessere Beschleunigung. Auch können Sie die Drehgeschwindigkeit einstellen, die ab Werk viel zu langsam ist. Unter "Interface" können Sie Ihren bevorzugten Steuerungsmodus auswählen. Und unter "Sicherheit" bestimmen Sie die maximale Höhe von 150 Metern und Entfernung von 2000 Metern bei 2,4 GHz (Standard).

Die App hat jedoch in ihrer Version 1.0.3 einen Bug. Wenn Sie unter "Netzwerk - Wi-Fi range" zwischen 2.4 und 5,8 GHz umschalten wollen, unterbricht die Verbindung zur Drohne und wird nicht wieder aufgebaut, da man nun nichts mehr einstellen kann. Also hier am besten erst einmal nichts verändern!

Flugmodi: Sie haben in der App die Möglichkeit, intelligente Flugmodi auszuwählen. Dazu gehören zum Beispiel Cameraman, Smartdronie oder verschiedene CineShots. Auch können Sie Zeitraffer- und SlowMotion-Videos aufnehmen. Wer die beiden bekannten Flugmodi "Follow Me" und "Flight Plan" nutzen möchte, muss sie über den In-App-Shop kaufen - und das ist für uns ein No-Go! Denn mit knapp 20 Euro pro Flugmodus waren die auch richtig teuer! Parrot hatte wohl ein Einsehen, denn aktuell (Stand: 23. August) kosten die Modi jeweils 1,09 Euro. Das ist zwar noch in Ordnung, bei einem Anschaffungspreis von 700 Euro für die Drohne sollte das nicht sein! DJI integriert diese Funktionen auch ab Werk.

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