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Pace Link One im Test: Bord-Computer, Notruf & Fahrtenbuch fürs Auto

20.06.2017 | 10:07 Uhr |

Mit Pace Link One rüsten Sie Ihren PKW mit einem Bord-Computer nach, führen in Echtzeit ein Fahrtenbuch und lesen Fehlercodes aus. Bei einem Unfall kann Pace einen automatischen Notruf auslösen – vergleichbar mit dem eCall. Wir stellen Pace vor, zeigen Vorteile und Nachteile und nennen Alternativen.

Pace Link One wird von dem Karlsruher Unternehmen Pace Telematics GmbH entwickelt; es ist aus einem Kickstarter-Projekt hervorgegangen. Pace besteht aus einem Dongle (46 x 27 x 26 mm) für die OBD-II-Buchse im Auto, aus der Pace Car App für iPhone oder Android sowie aus den Cloud-Servern von Pace. Denn ohne Mobilfunkverbindung zu den Pace-Servern funktioniert das System nicht. Der Datenfluss sieht also folgendermaßen aus: OBD-Buchse im Auto > Pace-Dongle > Bluetooth-Verbindung > Smartphone mit der Pace-App für Android/iOS > Pace-Cloud.

Der Pace-Dongle für die OBD-Dose.
Vergrößern Der Pace-Dongle für die OBD-Dose.
© Pace

Die Cloud-Anbindung unterscheidet Pace beispielsweise von der App Torque Pro, die ohne Mobilfunkverbindung und Server funktioniert. Zudem muss Pace immer eine Bluetooth-Verbindung zwischen Smartphone und OBD-Dongle nutzen – im Unterschied zu der Stand-Alone-Lösung Scangauge, die komplett ohne Smartphone funktioniert.

Drive Mode
Vergrößern Drive Mode

Hinweis: Viele der Screenshots in diesem Artikel zeigen das Design von Pace vor dem großen Update vom 15. Juni 2017 auf Version 17.21. Am grundsätzlichen Funktionsumfang von Pace hat dieses Update jedoch nichts geändert.

Installation und Inbetriebnahme

Sie installieren die Pace-App auf Ihrem iPhone oder Android-Smartphone und stecken den Pace-Dongle auf die OBD-Dose Ihres Fahrzeugs. Der Dongle macht einen hochwertigen Eindruck und lässt sich ohne Probleme aufstecken.

Tipp: Denken Sie bei einem Werkstattbesuch daran den Dongle vorher zu entfernen. Damit vermeiden Sie, dass der Dongle in der Werkstatt verloren geht.

Race Mode
Vergrößern Race Mode

Pace liest an der OBD-Buchse diverse Standard-OBD-Werte aus. Nur diese Hersteller-unabhängigen Daten stehen in der Pace-App zur Verfügung. Nicht jedoch Hersteller-spezifische Daten! Sie können mit Pace also zum Beispiel nicht den Füllungsgrad des Dieselpartikelfilters ermitteln und auch keine VTG-„Gymnastik“ mit einem VTG-Turbolader machen. Pace bietet generell keinerlei Möglichkeit um Parameter im Steuergerät zu ändern, sondern Pace verfügt nur über Lese-Funktionen.

Außerdem aktivieren Sie Bluetooth auf dem Smartphone und legen vor allem ein Benutzerkonto für Pace an. Dafür müssen Sie einige Angaben zu Ihrem Fahrzeug (unter anderem dessen FIN) und zu Ihrer Person machen. Sie können auch mehrere Fahrzeuge getrennt voneinander in der App hinterlegen und getrennt dazu die Fahrdaten erfassen lassen.

Die erste Kontaktaufnahme zwischen Pace-App und Dongle (der über einen eigenen Chip samt Speicher und Bewegungssensoren verfügt) dauert einige Zeit, während der der Motor laufen muss. Sie sollten diese Ersteinrichtung also besser nicht vor der Wohnung Ihrer Nachbarn vornehmen, sondern besser auf einem öffentlichen Parkplatz. Damit sich Ihre Nachbarn nicht über den mehrere Minuten laufenden Motor ärgern.

Hinweis 1: Die Pace App braucht Zugriff auf Ihre Musikblibliothek wie zum Beispiel Apple Music, wenn sie diese integrieren soll. In jedem Fall benötigt Pace aber Zugriff auf die GPS-Funktion des Smartphones, um arbeiten zu können. Gegebenenfalls sollten Sie Pace  auch die Erlaubnis geben Mitteilungen an Ihr Smartphone schicken zu dürfen. Wobei diese während der Fahrt eintreffenden Nachrichten durchaus nerven können.
Hinweis 2: Der Pace-Dongle bekommt über die Mobilfunkverbindung Firmware-Updates. Diese sind aber nur wenige KB groß und belasten Ihr monatliches Mobilfunk-Datenvolumen nicht wirklich.

Ist das Benutzerkonto angelegt, Ihr Fahrzeug erfasst und steht die Verbindung zwischen Dongle und App, dann können Sie zur ersten Fahrt starten. Wichtig: Die App beginnt nicht automatisch mit dem Aufzeichnen, sondern muss vor Fahrtbeginn immer von Ihnen gestartet werden. Wenn man die Pace-App nicht startet, zeichnet sie nicht auf und zeigt auch einen veralteten Standort des Wagens an. Und der OBD-Dongle muss natürlich immer aufgesteckt sein.

Funktionen

Performance Monitor

Während der Fahrt bietet die Pace-App im standardmäßigen Drive Mode mit dem so genannten Performance Monitor einen Überblick über eine Reihe von Betriebsdaten. Diese unterscheiden sich je nach Fahrzeugmodell, bei unserem VW kann Pace zum Beispiel weder die Öl-Temperatur noch den Tankfüllstand ermitteln und somit auch nicht die Restreichweite anzeigen. Wir sehen aber zum Beispiel die Motorlast, den Ladedruck des Turboladers und die Kühlwassertemperatur. Oder die Batteriespannung.
Außerdem zeigt uns Pace die gefahrene Geschwindigkeit an. Auch Geschwindigkeitsbegrenzungen zeigt Pace, soweit diese per GPS zum jeweiligen Fahrzeugstandort ermittelbar sind. Veränderliche Tempo-Limits zeigt Pace also nicht an.

Drive Mode
Vergrößern Drive Mode

Ein Drehzahlmesser und eine Ganganzeige sind ebenso vorhanden wie ein „Eco-Score“, der zeigen soll, wie umweltfreundlich wir unterwegs sind.

Einige dieser Angaben liefert uns natürlich auch die Anzeigen im Armaturenbrett unseres Fahrzeugs. Doch die Angaben in Pace sind genauer als beispielsweise die Kühlwassertemperatur, die sich im Armaturenbrett nach kurzer Zeit immer um einen festen Wert einpendelt, ohne die tatsächlichen Schwankungen wiederzugeben. Und die Geschwindigkeitsanzeige ist in Pace exakter als im immer etwas vorauseilenden Tachometer des Fahrzeugs.

Die Kacheln des Drive Mode kann der Fahrer anpassen.
Vergrößern Die Kacheln des Drive Mode kann der Fahrer anpassen.

Pace zeigt außerdem Straßennamen an, die es GPS-basiert ermittelt. Ebenso kann Pace den auf dem Smartphone laufenden Musikplayer anzeigen. Für Drehzahlmesser und Geschwindigkeitsanzeige sind zusätzlich zur Ziffernanzeige auch Rundinstrumente im Drive Mode vorhanden.

Race Mode
Vergrößern Race Mode

Race Mode

Neben der Standardansicht, dem Drive Mode mit seiner tabellarischen Ansicht, bietet Pace während der Fahrt auch noch einen Racemode. Diesen erreichen Sie, wenn Sie die Drive-Mode-Tabelle nach oben wischen. Jetzt sehen Sie die vergrößerte Darstellung von Geschwindigkeit und Drehzahl, sowie das Tempolimit und der G-Wert. Letztere Anzeige kennt man beispielsweise aus Sportwagen wie von Porsche.

Kartenansicht

Die Kartenansicht wiederum erreichen Sie, indem Sie den Racemode unter der Tabelle nach links ziehen. Jetzt sehen Sie die Position Ihres Autos auf einer Karte.

Drive Mode mit Karte.
Vergrößern Drive Mode mit Karte.

Verbrauchsanzeige

Die Verbrauchsanzeige erscheint, wenn man die kleine Kartenansicht nach links wischt.

Drive Mode mit Verbrauchsanzeige.
Vergrößern Drive Mode mit Verbrauchsanzeige.

Musikplayer

Schieben Sie danach die Verbrauchsanzeige ebenfalls nach links, öffnet sich der integrierte Musikplayer. Allerdings nur auf einem iPhone.

Drive Mode mit Musikplayer.
Vergrößern Drive Mode mit Musikplayer.

Tankstellensuche für Benzin und Diesel

Im Drive Mode können Sie auch noch einen Tankstellenfinder starten. Bei Android-Geräten ziehen Sie dazu die Tabelle im Drive Mode nach unten. Auf einem iPhone drücken Sie dagegen länger auf die Drive-Mode-Tabelle. Für die Navigation zur gewünschten Tankstelle nutzt Pace eine der auf Ihrem Smartphone vorhandenen Navigations-Apps.

Tankstellensuche
Vergrößern Tankstellensuche

Fahrtenbuch

Neben diesem Performance Monitor gibt es aber auch einen Timeline Modus, der standardmäßig nach dem Abstellen des Fahrzeugs aktiviert wird, und darauf basierend ein Fahrtenbuch. Darin zeichnet Pace alle Fahrten, die man mit gestarteter Pace-App zurückgelegt hat, auf. Mit Informationen zu Fahrtstrecke inklusive Karte, Abfahrts- und Ankunftszeit und –Ort sowie dem Kraftstoffverbrauch und den Kraftstoffkosten. Die beiden letzteren Werte zeigt uns Pace aber völlig falsch an, die Verbrauchsangaben für unser Fahrzeug waren viel zu niedrig. In der Fahrtenbuchanzeige sind die Fahrten nach Monaten sortiert erfasst. Die Fahrtenbucheinträge lassen sich via Mail, Whatsapp, Cloud-Speicher etc. teilen oder ausdrucken.

Fahrtenbuch
Vergrößern Fahrtenbuch
© Pace

Fehlercodes

Außerdem können Sie mit Pace alle Tankvorgänge erfassen und sich Fehlercodes, sofern vorhanden, anzeigen lassen. Wenn kein Fehlereintrag vorhanden ist, dann sind alle Listenpunkte mit einem grünen runden Haken-Icon versehen. Liegt aber ein Fehlercode vor, so zeigt Pace diesen im Timeline Mode unter seiner zugehörigen Kategorie an. Pace bietet dann auch weiterführende Informationen dazu an.

Fehlercode auslesen.
Vergrößern Fehlercode auslesen.
© Pace

Vorhandene Fehlercodes können Sie auch löschen. Allerdings sollten Sie vorhandene Fehlereinträge nicht einfach nur löschen, sondern das Problem klären und ursächlich lösen lassen.

Fahrzeug-Standort

Über Pace sehen Sie auch den Standort, an dem Sie Ihr Fahrzeug beim letzten Betrieb von Pace abgestellt haben. Im Timeline Modus tippen Sie dazu oben links neben der Standzeit-Angabe auf das Auto-Icon mit Lupe. Daraufhin zeigt Pace den Standort des Wagens sowie Ihren aktuellen Aufenthaltsort an.

Aufgepasst: Beenden Sie die Pace-App und bewegen Sie Ihr Auto danach noch, dann wird dieser neue Standort nicht mehr in Pace angezeigt.

Automatischer Notruf

Pace stellt auch eine Notruf-Funktion zur Verfügung, die den ab April 2018 für alle neu vorgestellten Pkw-Modelle
verpflichtenden eCall vorwegnimmt. Derzeit steht dieser Notruf nur für Deutschland zur Verfügung.

Notruf
Vergrößern Notruf
© Pace

Für die Notruf-Funktion ist im USB-Dongle ein Bewegungssensor verbaut, der die Längs- und Querbeschleunigung misst. Der Chip speichert diese Daten zwei Sekunden vor und einige Sekunden nach einem Ereignis. Ansonsten soll Pace keine Daten auf dem Dongle ablegen, wie uns Pace auf Nachfrage versicherte.

Weisen diese Werte auf einen Unfall hin, informiert der Dongle die App und diese meldet sich über die Mobilfunkverbindung Ihres Smartphones bei einem von Pace angemieteten Callcenter. Falls sich Pace geirrt haben sollte, können Sie über die entsprechende Schaltfläche auf dem Smartphone, die Pace einblendet, sobald es den Notruf starten will, den Notruf auch verhindern. Andernfalls ruft das Callcenter sie an. Nehmen Sie den Anruf entgegen, dann können Sie klären, ob ein Notfall vorliegt und gegebenenfalls Hilfe anfordern. Nehmen Sie den Anruf des Callcenters dagegen nicht an, so informiert das Call Center die Rettungsleitstelle.

Webfrontend

Sie können alle Pace-Daten auch über eine Webfrontend im Browser einsehen. Gerade die Verwaltung des Fahrtenbuchs samt nachträglicher Einträge lässt sich über das übersichtlichere Webfrontend besser realisieren.

Pace kostet 120 Euro beziehungweise 119 Euro. Im Preis sind der OBD-Dongle und die Nutzung aller Online-Funktionen enthalten. Die App laden Sie sich kostenlos von App Store oder Google Play herunter. Hier können Sie prüfen, ob Ihr Fahrzeug unterstützt wird. Weitere Kosten wie eine monatliche oder jährliche Gebühr fallen derzeit nicht an.

Vorteile

Das Fahrtenbuch ist für alle Fahrer spannend, die ein Fahrtenbuch aus steuerlichen oder beruflichen Zwecken führen müssen. Bevor Sie das Fahrtenbuch von Pace nutzen, sollten Sie mit Ihrem Steuerberater oder Finanzamt aber klären, ob es konform zu den gesetzlichen Forderungen ist.

Falls Sie die Betriebskosten Ihres Fahrzeugs genauer überwachen wollen – zum Beispiel, weil Sie eine Fahrgemeinschaft bilden – könnte die Erfassung der Tankvorgänge wertvoll sein.

Für Technik-verliebte Autofahrer sind natürlich Angaben wie Drehzahl, Kühlwassertemperatur oder Motorlast interessant. Zumal immer mehr Automobil-Hersteller in die Unsitte verfallen und die Kühlwassertemperaturanzeige komplett weglassen.

Das Auslesen der Fehlercodes kann eine erste Orientierung sein, sollte aber mit Vorsicht verwendet werden und nicht zu unüberlegten Selbsthilfeaktionen führen.

Der automatische Notruf ist sicherlich kein Nachteil. Ob er im Ernstfall tatsächlich zuverlässig funktioniert, weiß der Fahrer allerdings erst im Nachhinein…

Nachteile

Akku-Belastung

Zunächst einmal leert Pace den Akku des Smartphones. Durch die App selbst und durch die Bluetoothverbindung. Vor allem aber durch den durchgehend eingeschalteten Bildschirm. Wer den Smartphone-Akku gerne im Auto auflädt, dürfte davon wenig begeistert sein. Zwar können Sie die Akku-Belastung in den Einstellungen von Pace etwas beeinflussen, aber an dem grundsätzlichen Problem ändert das nichts.

Pace saugt kräftig am Akku.
Vergrößern Pace saugt kräftig am Akku.

Wir hatten mit Pace 20 Prozent Akku-Verbrauch auf unserem iPhone 6 auf 54 km und zirka 49 Minuten Fahrzeit, wenn das Display angeschaltet ist. 13 Prozent betrug der Akkuverbrauch auf 117 km bei ausgeschaltetem Display.

Trafficverbrauch nach mehreren Tagen.
Vergrößern Trafficverbrauch nach mehreren Tagen.

Display-„Überfüllung“

Wer außerdem sein Smartphone zur Navigation benutzt, beispielsweise mit Google Maps, Here WeGo oder Apple Karten, der hat keinen Bildschirm für den Performance Monitor von Pace frei. Allenfalls das Fahrtenbuch oder das Aufzeichnen der Fehlercodes sowie die Notruffunktion machen dann noch Sinn.

Datenschutz

Pace will sehr viele Daten über Auto und Fahrer wissen. Zudem übermittelt Pace alle Daten auf Cloudserver von Pace und legt ein vollständiges Bewegungsprofil über Sie an (laut Pace unterstehen diese Server den deutschen Datenschutzbestimmungen). Außerdem kann Ihr Partner oder jede andere Person, die Ihr entsperrtes Smartphone in die Hand bekommt, genau sehen, wo Sie wann gefahren sind. Das kann zu unerfreulichen Diskussionen führen. Außerdem können Sie nie ausschließen, dass die über Sie angelegten Bewegungs- und Fahrzeugdaten bei einem Rechtsstreit gegen Sie verwendet werden. Wie dieses Beispiel eines BMW-Fahrers zeigt.

Pace räumt selbst ein, dass es Pace-Daten auch Dritten zur Verwendung anbieten will. Hier denkt Pace beispielsweise an Versicherungen, die entsprechende Telematik-Tarife anbieten. Die Versicherer könnten dann Ihren Kunden Pace zur Verfügung stellen, wenn die Versicherer im Gegenzug die Fahrdaten für die Berechnung des Versicherungstarifs verwenden dürfen. Das könnte dann so ablaufen, dass Pace die Fahrdaten der Kunden in einen Score umrechnet und diesen dann an den Versicherer übermittelt. Der Versicherer berechnet darauf basierend den Versicherungstarif.

Außerdem denk Pace an Werkstätten, denen mit Pace die Wartung – und Überwachung des Kunden-Fahrzeugs erleichtert wird. Der Gedanke dahinter: Sie installieren Pace und Ihre Werkstatt kann auf die Fehlercodes zugreifen, wenn während der Fahrt ein Problem auftritt. Für die Werkstatt wäre Pace damit ein wichtiges Mittel zur Kundenbindung. Sie als Fahrer werden damit aber zum gläsernen Kunden. So könnte es sein, dass Sie die Werkstatt frühzeitig zum nächsten Inspektionstermin drängt, obwohl Sie eigentlich erst noch einen Preisvergleich bei anderen Werkstätten dafür einholen wollten.

Pace wirbt vor allem auch mit dem Auslesen der Fehlercodes. Das soll die Fehlerdiagnose erleichtern und damit Kosten sparen. So einfach ist die Sache aber nicht. Der Fehlercode an sich grenzt ein Motorproblem nur ein beziehungsweise er ist eine Art Symptom, die konkrete Ursache muss aber erst noch ein findiger Mechatroniker finden. Der berüchtigte VW-Fehlercode P0299 – Ladedruck sporadisch unterschritten zum Beispiel kann eine Fülle von Ursachen bei Dieselfahrzeugen haben: Ein von einem Marder durchgebissener Turboladerschlauch, eine defekte Unterdruckdose, ein klemmendes VTG-Gestänge, oder gar einen zerbröselnden DPF? Wenn Ihnen also Pace, Torque Pro oder Scangauge einen Fehlercode ausgibt und Sie damit zur nächsten Werkstatt fahren, kann das trotzdem eine teure Try&Error-Reparaturorgie zur Folge haben, wenn die Werkstatt ungeschickt zu Werke geht. Das würde Ihnen ohne die Daten von Pace, Torque Pro oder Scangauge nicht anders ergehen. Viel wichtiger als Apps oder OBD-Dongle ist hier eine kompetente – eventuell freie – Werkstatt, die Sie nicht abzockt.

Alternativen

Mit Torque Pro können Sie sich ebenfalls alle von Pace erfassten Motordaten in der App anzeigen lassen und sogar noch einige weitere technische Daten, die Pace nicht erfasst. Im Unterschied zu Pace gibt es hier keine Cloudverbindung, Ihre Daten bleiben also hoffentlich auf dem Smartphone. Torque Pro kostet deutlich weniger als Pace, nämlich 3,55 Euro für die App und zirka 20 Euro für einen passenden OBD-Adapter. Allerdings bietet Torque Pro weder ein Fahrtenbuch noch eine Notruf-Funktion. Und auch Torque Pro leert den Smartphone-Akku. Wir stellen Torque Pro hier ausführlich vor. Von Torque gibt es auch eine Gratis-Version mit weniger Funktionen.

Unser Favorit für die Überwachung wesentlicher Motordaten ist immer noch Scangauge beziehungsweise das preiswertere Scangauge E. Scangauge bietet einen unschlagbaren Vorteil: Es erfordert kein Smartphone, sondern besitzt ein eigenes Display und wird über die OBD-Dose mit Strom versorgt. Somit leert es nicht Ihren Smartphone-Akku, belegt nicht dessen Display und sendet vor allem keine Daten durch die Welt. Alle Fahrzeugwerte bleiben auf dem Scangauge in Ihrem Fahrzeug. Sie müssen auch kein Benutzerkonto anlegen, sondern bleiben völlig anonym. Zeigt das Scangauge einen Fehlercode an, dann geben Sie diesen einfach bei Google ein und wissen danach genauso viel oder wenig Bescheid wie mit Pace. Beide Scangaugemodelle verrichten seit vielen Jahren ohne einen einzigen Ausfall und ohne jegliche Probleme ihre Arbeit in unseren Fahrzeugen. Nachteile des Scangauge sind die fehlende Exportmöglichkeit und das Fehlen eines Fahrtenbuchs. Eine Notruffunktion bietet Scangauge ebenfalls nicht.

PKW: Fehlercode löschen und Notlauf abschalten

Vodafone bietet mit Drivexone ebenfalls eine Analyse-App für PKWs an , diese kostet aber neben dem Anschaffungspreis von 79 Euro auch noch eine monatliche Gebühr von drei Euro. Das Vodafone-Angebot ist relativ uninteressant und derzeit ohnehin nicht verfügbar – vermutlich aufgrund mangelndem Kundeninteresses. O2 hat sein ähnliches Angebot Car Connection bereits wieder eingestellt. Eine weitere Alternative zu Pace ist Carly, das allerdings nur Marken-spezifisch funktioniert und nicht alle bekannten Automobil-Hersteller unterstützt.

Verbrauchsanzeige im Detail.
Vergrößern Verbrauchsanzeige im Detail.

Fazit: Für wen lohnt sich Pace und für wen nicht?

Im Test funktionierte Pace großenteils einwandfrei. Sowohl im Drive Mode als auch im Race Mode und in der Timeline. Auch die diversen Zusatzfunktionen wie Tankstellensuche oder Standort anzeigen klappten ohne Probleme. Außerdem konnten wir den Musik Player innerhalb von Pace starten.

Ausgenommen die völlig falsche Kraftstoffverbrauchsanzeige arbeitete Pace also zu unserer Zufriedenheit. Allerdings stören die vielen Mitteillungen, die uns die App während der Fahrt schickt – diese sollte man besser abschalten. Ganz besonders stört uns aber der schwindende Akku-Ladestand, wenn wir Pace betreiben.

Pace versteht sich als Komplettlösung für Bord-Computer, Notruf, Fahrtenbuch und Fehlerspeicherüberwachung und will sich damit von weniger umfangreichen Alternativen wie Torque Pro oder Scangauge unterscheiden. Ein pauschales Urteil darüber, ob Pace eine bessere Lösung als Torque Pro oder Scangauge ist, ist unseres Erachtens nicht möglich. Sondern man muss hier nach Nutzertypen unterscheiden.

Sie legen Wert auf Datenschutz/Privatsphäre: Nein

Sie legen Wert auf Ihre Privatsphäre, wollen nicht überwacht werden und möchten nicht, dass auf irgendwelchen Servern Bewegungs- und Profil-Daten über Sie gespeichert werden? Ihnen leuchtet grundsätzlich nicht ein, weshalb die Motorbetriebsdaten Ihres Fahrzeugs durchs Internet gefunkt werden sollen, wenn man diese Daten doch auch ohne Internetverbindung auslesen kann? Dann Hände weg von Pace!

Für Profis und ambitionierte Schauber: Nein

Sie sind (semi)-professioneller Schrauber und brauchen viele Motordaten? Sie wollen vielleicht sogar Einstellung im Steuergerät manipulieren? Dann ist Pace zu wenig leistungsfähig für Sie, Sie benötigen stattdessen die Hersteller-spezifische Software zum Auslesen und Beschreiben des Steuergerätes. Beispielsweise VCDS für Volkswagenfahrzeuge.

Für Technik-begeisterte Fahrer: Ja

Sie sind ein begeisterter Fahrer und wollen einen gewissen technischen Hintergrund kennen lernen und/oder eine erste Hilfestellung vor einem Werkstatttermin erhalten? Dann ist Pace für Sie interessant. Alternativen sind aber Torque Pro und Scangauge.

Sie benötigen ein Fahrtenbuch: Ja

Sie müssen ein Fahrtenbuch führen, eventuell für mehrere Fahrzeuge? Dann ist Pace einen Blick wert. Wobei es nur für diesen einen Zweck auch alternative Apps gibt, die dann jeweils weniger kosten.

Sie wollen die Sprachsteuerung benutzen: Nein

Derzeit können Sie Pace nicht per Sprachbefehl bedienen. Die gesamte Bedienung erfolgt via Touchscreen.

Alle Auto-Tests der PC-WELT auf einen Blick

Sie fahren ein Fahrzeug mit einem modernen Infotainmentsystem wie Audi Connect oder BMW ConnectedDrive ? Dann haben Sie vermutlich etliche der Funktionen von Pace bereits zur Verfügung, inklusive Notruf. Hier sollten Sie prüfen, ob Pace eine zusätzliche Funktion bietet, die Sie benötigen und die Sie mit einer anderen preiswerten App nicht realisieren können.

Alle Auto-Test-Videos der PC-WELT: Audi, BMW, Daimler, Carplay, Android Auto

Akku-Verbrauch von Pace, wenn Here keine Konkurrenz macht.
Vergrößern Akku-Verbrauch von Pace, wenn Here keine Konkurrenz macht.
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