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Orbital Reflector: Künstler will nutzlosen Satelliten ins All schießen

06.09.2018 | 10:41 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Der Künstler Trevor Paglen will einen Satelliten ins All schießen, der völlig nutzlos sein soll: ein das Sonnenlicht reflektierendes Kunstwerk, das die Menschen zum Denken anregen soll. Einige Wissenschaftler sind darüber verärgert.

Ein Weltraum-Satellit ist eine teure Sache. Deshalb haben Satelliten immer eine Aufgabe, die die immensen Kosten rechtfertigt: Wetterbeobachtung, Weltraumerforschung, Navigationssysteme, Erforschung der Umweltverschmutzung oder Spionage/militärische Zwecke. Nur einfach mal so, ohne konkreten Grund, schießt man einen Satelliten eigentlich nicht ins All. Doch genau das plant Trevor Paglen, wie die Süddeutsche Zeitung in ihrer Online-Ausgabe schreibt.

Trevor Paglen ist ein US-Künstler. Der Satellit, den Paglen zusammen mit dem Nevada Museum of Art Mitte November 2018 ins All transportieren lassen will, hört auf den Namen Orbital Reflector. Er soll keinerlei Aufgaben im klassischen Sinne erfüllen, sondern einfach nur die Erde umkreisen und dabei leuchten beziehungsweise glänzen. Denn der Satellit soll ein Kunstwerk sein, das die Menschen zum Denken anregen soll. 1,3 Millionen Dollar kostet dieses Kunstwerk, für das Paglen auch auf Kickstarter warb.

Derzeit kreisen laut SZ über 1800 Satelliten ums die Erde. Im erdnahen Weltall ist es also ganz schön eng, viel Weltraumschrott umkreist die Erde und droht im Einsatz befindliche Satelliten oder auch die ISS zu beschädigen. Und jetzt soll bei diesem ganzen Gedränge noch ein weiterer Satellit dazukommen, der überhaupt keinen Zweck erfüllt. Das lässt einige Astronomen aufstöhnen; sie kritisieren, dass ein Satellit ohne Zweck gestartet wird, der dann auch noch besonders hell am Himmel leuchtet. Zumal mit Humanity Star bereits im Januar 2018 ein derartiges fliegendes Kunstwerk ins All geschossen wurde. Dieser ebenfalls völlig zweckfreie Satellit ist allerdings längst verglüht. Die fliegende „Disco-Kugel“ reflektierte das Sonnenlicht besonders gut und war deshalb von der Erde aus gut zu sehen – unnötige Lichtverschmutzung war deshalb der Vorwurf, mit dem sich die Verantwortlichen von Humanity Star konfrontiert sahen.

Ob Orbital Reflector im November 2018 ins All starten wird, hängt von der Entscheidung der US-Behörde FCC (Federal Communications Commission) ab. Stimmt diese dem Satellitenstart zu, dann transportiert eine Falcon-9-Rakete von Elon Musks Weltraumunternehmen SpaceX den Cubesat mit dem nicht nutzwertorientierten Orbital Reflector darin ins All. Orbital Reflector würde sich dann in seiner 575 Kilometer hohen Umlaufbahn um die Erde aus Cubesat heraus zu einem 30 Meter langen Ballon entfalten. Er besitzt eine spiegelnde Oberfläche, die die Sonnenstrahlen so stark reflektieren soll, das man Orbital Reflector von der Erde aus ohne Hilfsmittel sehen können soll – also ebenfalls ein Beitrag zur Lichtverschmutzung.

Paglen hält dagegen und betont, dass sein Satellit nach einigen Wochen ohnehin in der Atmosphäre verglühen würde. Kunst müsse zudem auf der Erde ja auch keinem Zweck dienen, weshalb dann im Weltraum?

Elon Musk hat übrigens auch schon ein völlig zweckfreies Flugobjekt ins Weltall geschickt: seinen Roadster. Der kreist aber nicht im vergleichsweise dicht belagerten Orbit um die Erde, sondern dringt weit in die Tiefe des Weltalls vor. Dort ist genügend Platz.


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