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Nvidia Geforce RTX 2080 & 2080 Ti im Test: Schnell, innovativ & teuer

19.09.2018 | 20:55 Uhr |

Die Nvidia Geforce RTX 2080 (Ti) geht mit einer revolutionären Grafikprozessor-Architektur an den Start. Was bringen die neuen Recheneinheiten, die Licht und Schatten per Strahlenverfolgung berechnen und Kanten mit Künstlicher Intelligenz glätten? Und wie schnell sind die hauseigenen Founders Editions mit der 2080(Ti)-GPU in praxisnahen Spiele-Tests? Wir verraten es Ihnen - denn am Ende zählen im Game die FPS.

So viele neue Techniken gab es schon lange nicht mehr bei einer neuen Grafikprozessor-Generation zu bestaunen: Die Grafikchip-Architetur des Nvidia Geforce RTX 2080 (Ti) verknüpft das gängige Rasterisation-Rendering mit zwei zusätzlichen Techniken: Strahlenverfolgung (Ray Tracing) und Künstliche Intelligenz (Tensor AI). In den Mittelpunkt stellt Nvidia dabei das Raytracing - daher auch das "RTX" im Namen, das "GTX" ablöst. Die Fertigungstechnik "schrumpft" von 16 auf 12 Nanometer, was in der Regel in mehr Leistung bei reduziertem Stromverbrauch mündet. 

Turing-GPU-Architektur: Mehr Shader-Einheiten (Turing SM) + Raytracing-Kerne (RT Core) + KI (Tensor Core)
Vergrößern Turing-GPU-Architektur: Mehr Shader-Einheiten (Turing SM) + Raytracing-Kerne (RT Core) + KI (Tensor Core)
© Nvidia

Die RTX-Modelle sind die ersten Gaming-Grafikkarten mit GDDR6-Videospeicher, der für deutlich mehr Bandbreite als die GDDR5-Variante sorgt. Und SLI löst Nvidia durch NVLink ab. Die von den Profi-Modellen übernommenen Technik für den Multi-GPU-Betrieb erlaubt die 50fache Datenübertragungsrate und den dynamischen Zugriff jeder Karte im Verbund auf den Videospeicher aller anderen Karten. Aber auch bei der Rohleistung sattelt Nvidia drauf. Im Vergleich zu den Vorgängermodellen 1080 und 1080 Ti steigt die Anzahl der Shader-Einheiten um 15 sowie 25 Prozent auf 2944 respektive 3584. Alle technischen Daten finden Sie in der folgenden Tabelle:

Nvidia Founders Edition

RTX 2080 Ti

GTX 1080 Ti

RTX 2080

GTX 1080

Architektur

Turing

Pascal

Turing

Pascal

Fertigung

12nm FinFET

16nm FinFET

12nm FinFET

16nm FinFET

GPU

TU102

GP102

TU104

GP104

Basistakt

1350 MHz

1480 MHz

1515 MHz

1607 MHz

Boosttakt

1.635 MHz

1582 MHz

1800 MHz

1733 MHz

Shader

4352

3584

2944

2560

TMUs

272

224

184

160

ROPs

88

88

64

64

RT-Kerne

68

keine

46

keine

Tensor-Kerne

544

keine

368

keine

SP-Leistung

14,2 TFlops

11,5 TFlops

10,6 TFlops

8,2 TFlops

Speicher

11 GB GDDR6

11 GB GDDR5X

8 GB GDDR6

8 GB GDDR5X

Anbindung

352 Bit

352 Bit

256 Bit

256 Bit

Takt

1750 MHz

1375 MHz

1750 MHz

1250 MHz

Bandbreite

616 GB/s

484 GB/s

448 GB/s

320 GB/s

TDP

260 Watt

250 Watt

225 Watt

180 Watt

Marktstart

20.09.2018

09.03.2017

20.09.2018

20.06.2016

Preis

1260 Euro

700 Euro

850 Euro

600 Euro

Leistungs-Vergleich RTX 2080 (Ti) versus GTX 1080 (Ti)

Im 3DMark Firestrike Ultra kommt die RTX 2080 Ti Founders Edition auf 8280 Punkte und ist damit knapp 19 Prozent schneller als die GTX 1080 Ti. Einen vergleichbaren Vorsprung fährt die 2080 Ti bei den Extreme- und Standard-Einstellungen ein. Im Duell zwischen den Founders Editions der RTX 2080 und GTX 1080 kann der Turing-Chip mit 6435 Punkten ein Leistungsplus von rund 25 Prozent verbuchen. Doch kommen wir zu den praxisnahen Spiele-Benchmarks:

Im Rennspiel F1 2018 messen wir beispielsweise beim RTX 2080 Ti 101, 162 sowie 201 Bilder pro Sekunde, Angaben mit den Auflösungen UHD, WQHD sowie Full-HD. Der GTX 1080 Ti kommt auf 73, 122 sowie 156 Bilder/s. Damit liegt der 2080 Ti knapp 35, 30 sowie 24 Prozent in Front. Die folgende Bildgalerie zeigt, wie sich die RTX 2080 (Ti) im Vergleich zur 1080 (Ti) und zur AMD Radeon Vega 64 in weiteren aktuellen Spielen wie Far Cry 5 und Dauerbrennern wie GTA 5 schlägt, alle Messungen stammen von unserer US-Schwester PC-World :

Raytracing & KI: Innovativ, aber mangels Spielen nicht bewertbar

Es ist ein mutiger und innovativer Schritt von Nvidia, bei der Berechnung von Computergrafik zusätzlich Raytracing und Künstliche Intelligenz in Form des maschinelles Lernens einzusetzen. Die neuen Techniken ermöglichen Entwicklern ein realistischeres Spieleerlebnis - insbesondere bei der Licht- und Schattenberechnung. Allerdings ist das ein Versprechen auf die Zukunft. Ob und wie effizient Spieleentwickler die neuen Techniken nutzen und wie gut das die Bildqualität verbessert, lässt sich mangels Spielen derzeit nicht überprüfen.

Reverse Raytracing: Die Berechnung der Strahlenverfolgung beginnt bei der Sicht des Spielers (Camera) und endet bei der Lichtquelle. Das reduziert den Rechenaufwand enorm, da nur die für den Spieler sichtbaren Strahlen einer Lichtquelle berechnet werden müssen.
Vergrößern Reverse Raytracing: Die Berechnung der Strahlenverfolgung beginnt bei der Sicht des Spielers (Camera) und endet bei der Lichtquelle. Das reduziert den Rechenaufwand enorm, da nur die für den Spieler sichtbaren Strahlen einer Lichtquelle berechnet werden müssen.
© Henrik (CC)

Stand heute sind nur elf Spiele mit Raytracing-Unterstützung angekündigt, darunter immerhin Toptitel wie Battlefield V, Metro Exodus und Shadow of the Tomb Raider. Gleiches gilt für die KI-gestützte Technik Deep Learning Super Sampling (DLSS), eine neue Methode der Kantenglättung. Aktuell sind lediglich 25 Spiele mit DLSS in Planung. Unbekannt ist derzeit auch noch, wie viel Bilder/s die naturgetreuere Grafik per Raytracing und DLSS kostet. Allein der Overhead dürfte 3D-Leistung fressen und auch bei der Treiber-Optimierung hat Nvidia noch viel Arbeit vor sich. 

Leistungsaufnahme: 2080 (Ti) stromhungriger als 1080 (Ti)

Beim Nvidia Geforce RTX 2080 (Ti) sind aufgrund der zusätzlichen Recheneinheiten fürs Raytracing und Maschinenlernen mit 13,6 (18,6) Milliarden deutlich mehr Transistoren verbaut als beim Vorgänger 1080 (Ti), der "nur" aus 7,2 (12) Milliarden besteht. Deswegen kann die fortschrittlichere 12-Nanometer-Fertigung der RTX-Chips bei der Energiebilanz nicht ganz den Transistorenzuwachs ausgleichen:

Leistungsaufnahme der Testplattform unter Volllast (roter Balken) und im Bereitschaftszustand (blauer Balken). Quelle: PCWorld.com
Vergrößern Leistungsaufnahme der Testplattform unter Volllast (roter Balken) und im Bereitschaftszustand (blauer Balken). Quelle: PCWorld.com
© PCWorld

Die Testplattform mit dem RTX 2080 Ti verbraucht unter Volllast 482 Watt und damit knapp 16 Prozent mehr als mit der 1080 Ti. Ein vergleichbarer Mehrverbrauch von rund 14 Prozent besteht zwischen der 2080 und der 1080. Im Bereitschaftsmodus sind alle Grafikkarten des Testfeldes mit Werten zwischen 51 bis 69 Watt recht nahe beieinander.

Geforce RTX 2080 (Ti): Konkurrenzlos hohe Preise

Die Nvidia Geforce RTX 2080 Founders Edition geht zu einem Listenpreis von 850 Euro an den Start, kostet also 250 Euro respektive gut 40 Prozent mehr als die GTX 1080 zum Marktstart im Juli 2016. Noch krasser langt Nvidia bei der RTX 2080 Ti zu, die mit 1260 Euro exakt 80 Prozent mehr kostet als die 1080 Ti zum Erstverkaufstag am 9. März 2017. Die Gründe für die schamlos hohen Preise sind schnell aufgezählt:

Die Nachfrage scheint größer zu sein als die Angebotsmenge.
Vergrößern Die Nachfrage scheint größer zu sein als die Angebotsmenge.
© Nvidia

Erstens weil Nvidia sich das mangels Konkurrenz ungestraft erlauben kann. Zweitens will der Hersteller die immensen Kosten für das Design - angeblich stecken zehn Jahre Entwicklungzeit in der Architektur - und die Fertigung schnell wieder einspielen. Drittens liegen massenhaft GPUs der 10er-Generation auf Halde, die sich aufgrund des abflauenden Interesses von Minern für Geforce-Grafikkarten angesammelt haben. Die will Nvidia natürlich nicht verramschen und versucht durch den deutlichen Preisunterschied zwischen 1080(Ti)- und 2080(Ti)-Grafikkarten das Preisniveau zu stützen.

Fazit: Die Nvidia Geforce RTX 2080 Ti ist die aktuell schnellste Gaming-Grafikkarte, die je nach Spiel und Auflösung bis zu 35 Prozent höhere Bildraten als der Vorgänger 1080 Ti bietet. Das Leistungsplus kostet Sie allerdings einen Aufpreis von satten 80 Prozent und das stattliche Sümmchen von knapp 1300 Euro. Im Preis enthalten ist natürlich die Option auf eine hübschere Grafik durch die Raytracing- und KI-Einheiten. Wie gut die Grafik dann wirklich in Spielen ausschaut und welche Leistungseinbußen Sie dafür in Kauf nehmen müssen, bleibt abzuwarten.

Aktuell kaufen Sie also die Katze im Sack. Daher kommt die 2080 (Ti) derzeit nur für leistungshungrige Spieleentusiasten mit dickem Geldbeutel in Frage. Vernünftige Gamer warten erst einmal ab, bis Spiele mit Raytracing- und DLSS-Unterstützung auf den Markt kommen. Und Zocker mit limitiertem Budget sollten die Preisentwicklung von 1080(Ti)-Grafikkarten im Auge behalten.    

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