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Nvidia Geforce Now für PC (Beta) im Test

19.01.2018 | 18:05 Uhr |

Nvidia Geforce Now, der Streaming-Dienst für PC-Spiele, soll jeden PC oder Mac in eine waschechte Gaming-Maschine verwandeln. Dieser Dienst ist nun vor wenigen Tagen in die Beta gegangen. Wir haben einen Zugang bekommen und das Ganze selbst ausprobiert.

Nvidia Geforce Now kennen vermutlich die Leser, die die Android-TV-Box Shield besitzen: Für rund 10 Euro im Monat können sie nämlich eine bestimmte Auswahl an Spielen aus der Nvidia-Cloud auf den Fernseher streamen und zocken. Die nötige Rechenleistung kommt von Servern, die mit Geforce-GTX-Grafikkarten ausgestattet sind. Dieser Dienst funktioniert im Übrigen ziemlich gut. Wer mehr über das Geforce Now der Shield wissen möchte, dem sei an dieser Stelle unser Testvideo nahegelegt.

Wie erhalte ich Zugang zur Beta von Geforce Now für PC und Mac?

Grundsätzlich ist die Beta von Geforce Now für den PC und Mac für jedermann zugänglich. Obendrein ist sie auch noch kostenlos und setzt auch keine künftigen Kauf- oder Abonnement-Absichten voraus. Um Zugang zu erhalten, müssen sich Interessierte auf einer Warteliste auf der Nvidia-Webseite eintragen: Hier tragen Sie sich für die Warteliste der Geforce-Now-Beta ein

Sobald man in der Liste an der Reihe ist, wird einem der Code dann per Mail zugeschickt, um sich dann das Programm herunterzuladen und zu nutzen. Allerdings konnte uns Nvidia keine konkreten zur Wartezeit machen, sondern es ist von Wochen oder gar Monaten die Rede. Außerdem wurde uns mitgeteilt, dass es schon zum Start der Beta pralle Wartelisten gab. Hier braucht es also viel Geduld und/oder Glück, um Geforce Now selbst ausprobieren zu können.

Nvidia Geforce Now braucht vor allem schnelles Internet

Nun ist es allerdings so, dass Geforce Now nur über eine angeschlossene Shield funktioniert - bis jetzt! Der Dienst kommt jetzt auch für den PC und soll jeden auch noch so alten PC zur Gaming-Maschine machen. Und ja, auch User von Mac-OS-basierten Kisten können Geforce Now benutzen. Nvidia selbst verspricht eine Gaming-Leistung, die mit einer Geforce-GTX-1080 vergleichbar ist, die zu den definitiven High-End-Grafikkarten des Herstellers zählt und somit schon einmal flüssiges Spielerlebnis verspricht.

Zur offiziellen Webseite der Nvidia Geforce Now Beta

Die Oberfläche von Nvidia Geforce Now für den PC und Mac.
Vergrößern Die Oberfläche von Nvidia Geforce Now für den PC und Mac.

Unterstützt das Spiel dann noch den sogenannten "Ultra-Streaming-Modus" von Nvidia, dann werden Spiele in noch höheren Frameraten übertragen, die zwischen 60 und 120 Bilder pro Sekunde liegen und je nach Titel und Umgebungsbedingungen sogar noch höhere Bildraten erreichen können. Die wichtigste Voraussetzung ist eine nicht allzu lahme Internetverbindung: Die Mindestanforderung liegt bei 25 Mbit/s im Download, empfohlen werden allerdings 50 Mbit/s - vor allem, wenn in Full-HD gezockt werden soll.

Durch Nvidia Geforce Now können Sie Ihren betagten Rechner und sogar einen Mac zum Gaming-PC machen und aktuelle Spiele in höchsten Grafikeinstellungen zocken. Fritz hat es mit Playerunknowns Battlegrounds getestet und zeigt, wie PUBG unter Nvidia Geforce Now performt.

Testbericht zu Geforce NOW zum Nachlesen
Alternative zu Geforce NOW: www.youtube.com/watch?v=5Cu8eCOe2ZU (LiquidSky)

In Deutschland kann das allerdings knapp werden in Sachen Internetgeschwindigkeit, wofür Nvidia aber freilich nichts kann. Wer außerdem nicht über das Ethernet-Kabel zocken will, sondern über WLAN, der braucht einen Router, der im 5-GHz-Netz funkt - also quasi den WLAN-ac-Standard beherrscht. In Sachen Hardware müssen mindestens ein Intel Core i3 mit 3,1 GHz und vier Gigabyte Arbeitsspeicher im Rechner stecken sowie eine Grafiklösung, die DirectX 9 unterstützt. Ein System mit MacOS muss genug Videodekodierleistung an den Tag legen, was natürlich auf viele verschiedene Modelle zutrifft. Eine übersichtliche Tabelle und weitere Punkte zu den Systemanforderungen für PC und Mac hat Nvidia auf seiner Webseite zu bieten.

Der Ultra Streaming Modus von Nvidia soll kompatible Spiele mit 60 bis 120 Bildern pro Sekunde übertragen.
Vergrößern Der Ultra Streaming Modus von Nvidia soll kompatible Spiele mit 60 bis 120 Bildern pro Sekunde übertragen.

Nur eigene Spiele als Stream möglich

Allerdings gibt es einen bedeutenden Unterschied zur Shield-Version: Es sind (zumindest aktuell während der Beta-Phase) keinerlei Spiele im Monatsabo inklusive. Das bedeutet, dass Sie die Spiele, die Sie zocken möchten, tatsächlich auch selbst besitzen müssen. Außerdem funktioniert der Dienst auch nicht mit jedem x-beliebigen Spiel, sondern es muss von Geforce Now unterstützt werden. In der Beta sind das aktuell über 160 Spiele. Nvidia meinte aber zu uns, dass sie natürlich aktiv daran arbeiten, noch viele weitere Games hinzuzufügen.

Haben Sie einmal ein Spiel in Geforce Now gestartet, muss es nicht mehr "heruntergeladen" und "installiert" werden.
Vergrößern Haben Sie einmal ein Spiel in Geforce Now gestartet, muss es nicht mehr "heruntergeladen" und "installiert" werden.

So funktioniert Nvidia Geforce Now

Nvidia Geforce Now funktioniert folgendermaßen: Ein Gaming-Server, der mit Geforce-GTX-Grafikkarten ausgestattet ist, steht in einem Nvidia-eigenen Rechenzentrum - allein drei davon gibt es in Europa. Und zwar in Amsterdam, Frankfurt und London. Mit diesem verbinden Sie sich über ein kleines Programm über ein von Nvidia eigens fürs Game-Streaming geschaffene Cloud-Netzwerk. Hier setzt der Hersteller also nicht auf bereits vorhandene Cloud-Strukturen wie von Google oder Amazon. Denn das Geforce-Now-Netzwerk ist ausschließlich dazu da, um Spiele möglichst ohne spürbare Latenz zu übertragen. Andere Übertragungen oder Services wären da also hinderlich.

Nvidia bietet ein eigenes, weltweites Netzwerk für seinen Streaming-Dienst an.
Vergrößern Nvidia bietet ein eigenes, weltweites Netzwerk für seinen Streaming-Dienst an.
© Nvidia

In Geforce Now selbst werden Ihnen die verschiedenen Spiele angezeigt, die Sie streamen können. Unterstützt werden aktuell Titel von den Plattformen Steam, Uplay, Battle.Net und von einigen anderen, kleineren Anbietern wie beispielsweise von Epic Games. Die Games sind nach verschiedenen Kategorien sortiert wie zum Beispiel Free-to-Play oder Action. Aber wie wir bereits erwähnt haben, Sie müssen das jeweilige Spiel, dass Sie streamen möchten, auch selbst auf einer der vorhin erwähnten Gaming-Plattformen besitzen.

Früher teuer, heute gratis – die besten Free-to-Play-Spiele

Gaming-PC aus der Cloud mit gewohnter Handhabung

Im Prinzip installieren Sie die gewünschten Spiele wie geohnt, nur eben auf dem Geforce-Now-Rechner.
Vergrößern Im Prinzip installieren Sie die gewünschten Spiele wie geohnt, nur eben auf dem Geforce-Now-Rechner.

Haben Sie sich für ein Spiel entschieden, stellt ein Klick auf "Installieren" die Verbindung zum Server her. Je nach Plattform des Spiels taucht dann zuerst das gewohnte Login-Fenster auf, wie in der unteren Abbildung zum Beispiel von Steam. Loggen Sie sich mit Ihren Zugangsdaten ein und Sie haben dann direkt Zugriff auf Ihre Bibliothek. Wählen Sie das Spiel dort nochmal aus und installieren es wie am heimischen Gaming-PC. Alle Spiele sollten im Normfall in nur wenigen Augenblicken spielbar sein, auch wenn angeblich erst noch der Download von mehreren Gigabyte nötig ist.

Nicht alles hat im Test einwandfrei funktioniert: Call of Duty: WWII wollte sich einfach nicht installieren lassen.
Vergrößern Nicht alles hat im Test einwandfrei funktioniert: Call of Duty: WWII wollte sich einfach nicht installieren lassen.

Beim  aktuellen Call of Duty: WWII Multiplayer ist es uns allerdings passiert, dass Steam das Spiel tatsächlich herunterladen musste, und zwar mit etwa 35 bis knapp 50 Megabyte pro Sekunde - jedoch wurden wir immer wieder ohne Fehlermeldung wieder auf unseren lokalen Rechner geschmissen, weshalb wir diesen Titel zum Testzeitpunkt gar nicht erst ausprobieren konnten. Hier macht sich also deutlich der Betastatus bemerkbar. Übrigens haben Sie auch wie gewohnt Zugriff auf Ihre Spielstände, sofern Sie die Cloud-Speicherung der entsprechenden Plattformen nutzen.

Dieser Netzwerktest erfolgt immer beim erstmaligen Start eines Spiels.
Vergrößern Dieser Netzwerktest erfolgt immer beim erstmaligen Start eines Spiels.

Bei den Spielestreams handelt es sich streng genommen einfach nur um eine Videoübertragung im H264-Codec. Das Bild wird standardmäßig in der nativen Auflösung Ihres Monitors gestreamt, das Maximum ist aktuell noch 1920 x 1080 Pixel. Und damit Sie basierend auf Ihrem aktuellen Standort immer die beste Anbindung haben, erfolgt beim ersten Start eines Spiele-Streams ein Netzwerk-Test, der Sie dann mit dem optimalen Rechenzentrum verbindet.

PUBG auf einem Office-Notebook zocken

Jetzt gehts dann auch endlich ans Zocken! Wir entscheiden uns für PUBG (Playerunknown's Battlegrounds), weil es sich dabei um einen aktuell extrem beliebten Titel handelt. Außerdem haben wir es viel gespielt, weshalb wir also recht gut einschätzen können, ob es - zumindest für uns - spürbare Unterschiede zum lokalen Gameplay gibt. Natürlich wird dabei nicht auf einem Rechner gedaddelt, der das Spiel sowieso schon flüssig stemmen könnte, sondern auf einem drei Jahre alten Office-Notebook von Fujitsu: Darin stecken ein Intel Core i5-4210M mit zwei Kernen und vier Threads sowie einer Taktrate von maximal 3,2 Gigahertz, 16 Gigabyte DDR3-Arbeitsspeicher, eine 512 GB große SSD und die in der CPU integrierte Grafiklösung Intel HD Graphics 4600. Der 14 Zoll große Bildschirm löst mit maximal 1600 x 900 Pixel auf. Sie können also unschwer erkennen, dass es sich hierbei definitiv nicht um ein Gaming-Notebook handelt.

Wir zocken über ein angeschlossenes LAN-Kabel, weil das Notebook nur den WLAN-n-Standard beherrscht und somit lediglich im 2,4-GHz-Funknetz unterwegs sein kann. Wir haben es aber trotzdem ausprobiert und es war noch akzeptabel, wenn man mal von den regelmäßigen Lags (wenn das Spielgeschehen für einen Augenblick einfach einfriert) absieht.

Fürs Zocken über WLAN sollte es laut Nvidia ein Router und Endgerät mit WLAN-ac sein - es funktioniert aber auch so, allerdings nicht perfekt.
Vergrößern Fürs Zocken über WLAN sollte es laut Nvidia ein Router und Endgerät mit WLAN-ac sein - es funktioniert aber auch so, allerdings nicht perfekt.

Unsere Eindrücke vom Streaming-Gameplay

Sobald wir im Spielmenü angekommen sind, schauen wir uns zuerst die Spieleinstellungen an: Hier steht in den Grafikoptionen alles auf der Qualitätsstufe "Ultra" bei einer Auflösung von 1280 x 720 Pixel. Wer will, der kann hier natürlich auch die Grafik problemlos umstellen - aber die standardmäßigen Einstellungen sind von Nvidia getestet und empfohlen, weshalb es mit anderen Auflösungen oder Grafikoptionen zu einem veränderten Spielerlebnis kommen könnte.

Wer mag kann die von Nvidia empfohlenen Grafikeinstellungen auch ändern, allerdings kann sich dadurch auch das Spielerlebnis verschlechtern.
Vergrößern Wer mag kann die von Nvidia empfohlenen Grafikeinstellungen auch ändern, allerdings kann sich dadurch auch das Spielerlebnis verschlechtern.

Jetzt zum Spiele-Stream selbst: Ehrlich gesagt wirkt das gesamte Gameplay auf uns leicht ruckelig. Das Bild könnte auch etwas schärfer sein, denn in unseren Augen wirkt es einfach verwaschen. Das liegt natürlich daran, dass der Videostream des Spiels komprimiert wurde, um eine flotte Übertragung zu gewährleisten. Und durch dieses Herunterrechnen leidet die allgemeine Bildqualität. Die Latenz ist aber unserer Meinung nach nicht wirklich spürbar - das hat Nvidia tatsächlich gut hinbekommen. Aber an dieser Stelle noch einmal der Hinweis: Der Dienst ist ja immer noch in der Beta, das finale Ergebnis ist das hier also noch nicht.

Dieser Screenshot stammt von der gestreamten Version des populären Spiels Playerunknown's Battlegrounds. Das Bild wirkt etwas verwaschen und unscharf, da die Videoübertragung komprimiert werden muss.
Vergrößern Dieser Screenshot stammt von der gestreamten Version des populären Spiels Playerunknown's Battlegrounds. Das Bild wirkt etwas verwaschen und unscharf, da die Videoübertragung komprimiert werden muss.

Vorab-Fazit zur Nvidia Geforce Now Beta

Nvidia Geforce Now für den PC steckt zwar noch in der Beta, aber es macht schon jetzt Spaß. Allerdings muss man vor allem bei der Bildqualität Kompromisse eingehen.  Wie viel der Service kosten wird konnte uns Nvidia bisher noch nicht sagen. Eventuell sind es aber auch wieder 10 Euro im Monat wie für die Shield-Version auch. Der Hersteller schwieg sich ebenfalls darüber aus, wie lange die Beta laufen wird, da man das Feedback der Betatester einfach abwarten und sich dann erst entscheiden möchte.

Deshalb unsere Frage: Wie viel Euro würden Sie für einen solchen Spiele-Streaming-Dienst im Monat ausgeben? Und was halten Sie von Geforce Now allgemein?

Geforce Now für PC (Beta) vs Liquidsky

Liquidsky ist genauso wie Geforce Now ein Gamestreaming-Dienst, der es erlaubt, Spiele mit hohen Grafikeinstellungen auch auf schwächeren Rechnern zu spielen. Im Gegensatz zu Geforce Now für PC erhält der Nutzer dabei einen virtuellen Windows-10-Rechner in der Ferne, auf dem neben Steam auch „normale“ Anwendungen installiert werden dürfen oder einfach nur gesurft werden kann. Denn auch bei Liquidsky ist man über eine Hochgeschwindigkeitsleitung ans Internet angeschlossen, so das Gigabyte-große Spiele binnen Sekunden auf dem virtuellen Rechner landen oder eben auch mit Turbo-Geschwindigkeit im Internet gesurft und Inhalte heruntergeladen werden können.

Im Praxis-Test konnte uns Liquidsky überzeugen: Auf dem bewusst schwach ausgewählten Testrechner liefen auch aktuelle Top-Spiele mit hoher Grafikqualität und wir konnten kaum eine Latenz bei der Übertragung der Steuerungssignale feststellen. In der Großansicht des Desktops war es auf dem schwachen Rechner so, als würde man auf einer Hochleistungsmaschine arbeiten. Den kompletten Praxis-Test finden Sie in diesem Beitrag,

Allerdings: Ähnlich wie bei Geforce Now für PC bemerkten wir auch bei Liquidsky eine teils „verwaschene“ Grafik, weil diese eben bei der Übertragung auf den lokalen PC komprimiert werden muss. Das könnte sich über die Zeit ändern. Die Server für europäische Nutzer stehen übrigens in London und Frankfurt.

Ein Vorteil von Liquidsky: Der Dienst kann nicht nur auf einem PC genutzt werden, sondern auch über eine Android-App auf einem Smartphone oder Tablet. Damit lassen sich also PC-Spiele auch auf einem Androiden spielen, wobei wir den Einsatz eines Spielecontrollers empfehlen. Eine App für iOS soll noch folgen. Im Gegensatz zu Nvidias Geforce Now für PC funktioniert Liquidsky auch mit einer viel größeren Anzahl an Steam-, Origin- und Blizzard-Spielen. Auf Wunsch kann man sogar Spiele anderer Anbieter auf dem virtuellen Rechner installieren und spielen. Der Nvidia-Dienst befindet sich halt derzeit noch in der Beta-Phase  und die Spielmöglichkeiten werden sicherlich auch dort im Laufe der Zeit anwachsen.

Ein Nachteil von Liquidsky: Für die Nutzung von Liquidsky fallen Kosten an, der Dienst will sich ja schließlich finanzieren. Bei der ersten Anmeldung darf der Dienst 20 Minuten lang kostenlos genutzt werden. Für eine Einmalzahlung von 9,99 US-Dollar kann dann 25 Stunden gespielt werden. Oder man zahlt 19,99 US-Dollar pro Monat und darf dann 80 Stunden spielen.

Mehr Infos finden Sie hier auf liquidsky.com.
 

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