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Nvidia beendet umstrittenes Geforce Partner Program

07.05.2018 | 12:17 Uhr |

Nvidia beerdigt das umstrittene Geforce Partner Program und viele Fragen bleiben offen. Ein Überblick.

In einem Blog-Eintrag verkündet Nvidia das Ende des Geforce Partner Program (GPP), welches erst vor wenigen Wochen gestartet war und äußerst umstritten war. Als Grund für das GPP-Ende nennt Nvidia die "Gerüchte, Mutmaßungen und Unwahrheiten" rund um das GPP. Man sehe sich quasi gezwungen, den "Stecker zu ziehen", wie es wortwörtlich heißt. Anstatt gegen die falschen Informationen zu kämpfen, habe man sich entschieden, GPP ganz einzustellen. "GPP hatte das simple Ziel: Sicherzustellen, dass Gamer wissen, was sie kaufen und sie eine klare Wahl treffen können", heißt es in dem Blog-Eintrag.

Vielleicht hat Nvidia aber auch "den Stecker gezogen", weil einflussreiche Hersteller wie Dell und HP dem GPP nicht beitreten wollten. Dies behauptet zumindest die Technik-Website Hard OCP , die bereits die GPP-Ankündigung scharf kritisierte hatte und in der Branche weitere Details zum Programm ausgrub - auch wenn die recherchierten Fakten niemals offiziell bestätigt worden sind. Zudem hat GPP in den letzen Wochen viel Staub aufgewirbelt, der möglicheweise auch die US-Wettbewerbshüter der Federal Trade Comission auf den Plan gerufen hat.  

Nvidia hatte das Geforce Partner Program in einem Blog-Eintrag am 1. März 2018 vorgestellt, dabei aber auch nicht allzu viele Infos darüber verraten. Im Blog-Eintrag war die Rede davon, dass Gamer die "volle Transparenz" darüber erhalten sollen, welche GPU-Plattform und Software sie kaufen und das sie sicher sein sollen, Produkte zu erhalten, die das "Nvidia Geforce"-Versprechen einhalten. Die Partner von GPP sollten einen früheren Zugang zu Nvidia-Technologie und Marketing-Unterstützung erhalten. So weit so gut, allerdings: Weitere Details zum GPP wollte Nvidia nicht öffentlich mitteilen.

Die Hardware-Website HardOCP berichtete kurze Zeit nach der GPP-Vorstellung, dass Nvidia einige Grafikkarten-Partner dazu zwinge, ihre Spiele-Marken exklusiv nur mit Geforce auszuliefern. Als Beispiel wurde Asus aufgeführt. Sollte Asus das GPP unterzeichnen, so hieß es, dürfe Asus bei Grafikkarten seiner "Republic of Gamers"-Marke nur noch Nvidia-GPUs und nicht mehr AMD-GPUs einsetzen. Mitte April enthüllte Asus dann mit Arez tatsächlich eine neue Marke für Radeon-Grafikkarten an. AMD, welches die Entwicklung erst zurückhaltend beobachte, kündigte daraufhin eine eigene GPP-ähnliche Initiative an, die für "echte Transparenz" und "offene Innovation" sorgen soll.

Offen bleibt nach dem ganzen Getöse im Hintergrund, bei dem öffentlich nie Klartext geredet wurde, wie es nun weitergehen wird. Wird die Nvidia-Initiative doch irgendwie weiterleben und werden Grafikkarten-Hersteller bestimmte Marken ihre Produkte nur mit Nvidia-GPUs ausliefern? Sollte GPP doch völlig am Ende sein, wird AMD seine geplante Gegeninitiative einstellen? Wird Asus die Arez-Karten auf den Markt bringen, nachdem auf der US-Seite alle Arez-Spuren mittlerweile gelöscht wurden?

Der HardOCP-Chef Kyle Bennett hat auf Reddit am Wochenende seinen Teil der Geschichte weitererzählt: Nvidia habe ihn seinerzeit vor der Veröffentlichung der GPP-Story gewarnt und seitdem alle Kontakte zu ihm und seiner Website abgebrochen. Er äußert die Befürchtung, dass Nvidia es den Grafikkartenherstellern verbieten könnte, HardOCP künftig mit Test-Grafikkarten zu versorgen. Vielleicht, so Bennett weiter, verbiete Nvidia den Grafikkartenherstellern sogar das Schalten von Werbung auf der Website, was das Ende der Website bedeuten könnte. "Aber das wusste ich, als ich die Geschichte veröffentlichte. Ich weine nicht über vergossene Milch, sondern diskutiere die Fakten der Geschichte", schreibt Bennett.

Lesetipp : Gaming-Hardware 2018: Was haben AMD, Intel, Nvidia & Co. im Technik-Köcher

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