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Urteil: Behörden dürfen keine Fingerabdruck-Freischaltung erzwingen

24.02.2017 | 16:30 Uhr |

Polizei und Behörden können Smartphone-Besitzer in einigen Fällen nicht zwingen, ihr Mobilgerät per Fingerabdruck zu entsperren.

Verschlüsselte Mobilgeräte, die nur mit dem Fingerabdruck ihres Besitzers entsperrt werden können, stellen Polizei und Ermittlungsbehörden zunehmend vor Probleme. In einem aktuellen Fall in den USA wurden bei einer Durchsuchung nach Kinderpornografie mehrere iPhones beschlagnahmt. Da die Ermittler keinen Zugriff auf die Daten auf den Geräten hatten und die Geräte auch nicht zuordnen konnten, wollten sie deren mutmaßliche Besitzer zwingen, die Smartphones mit ihrem Fingerabdruck zu entsperren.

Dieses Vorgehen ist rechtswidrig, urteilte in dieser Woche ein Gericht in Chicago . Das erzwungene Freischalten per Fingerabdruck, das so genannte „forced fingerprinting“, verstoße in diesem Fall sowohl gegen den vierten (Schutz vor staatlichen Übergriffen) als auch den fünften Zusatzartikel (niemand muss in einer Untersuchung gegen sich selbst aussagen) der Verfassung der Vereinigten Staaten. Laut der richterlichen Erklärung sind erzwungene Fingerabdruck-Freischaltungen Teil einer großangelegten Regierungsstrategie im Kampf gegen die Verbreitung von verschlüsselten Geräten.

Das Urteil gegen erzwungene Fingerabdrücke gilt jedoch nur in diesem speziellen Fall. Die beschlagnahmten iPhones konnten hier keinem Besitzer zugeordnet werden. Die Strafverfolgungsbehörden wollten daraufhin alle Personen, die sich im Gebäude aufhielten, zwingen, ihre Fingerabdrücke an den Geräten zu probieren.

Wenn Smartphones ihren Besitzern eindeutig zugeordnet werden können und diese für Ermittlungen beschlagnahmt wurden, dürfen die Behörden auch die Freischaltung per Fingerabdruck fordern. 2014 urteilte das Bezirksgericht in Virginia Beach in einem solchen Fall zugunsten der Behörden.

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