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Neue Tricks und Tools für Gnome, Mate, KDE, XFCE & Co.

07.02.2018 | 14:23 Uhr |

Gnome bekommt diesmal mehr Aufmerksamkeit, denn der Umstieg Ubuntus auf diese Desktopumgebung katapultiert den Anteil Gnomes am Linux-Desktop weit nach vorn. Aber auch KDE Plasma 5 kommt mit seinen Feinheiten nicht zu kurz.

Komorebi: Animierter Hintergrund für Ubuntu

Smartphone und Tablets haben animierte Hintergrundbilder etabliert. Es dauerte nicht lange, bis das Konzept auf den Linux-Desktop portiert wurde. Das Programm Komorebi 2 bringt bewegte Bilder auf den Desktop von Ubuntu und Co. Erfreulicherweise schafft Komorebi 2 nicht nur die Voraussetzungen für Animationen, sondern liefert gleich ein paar Dauerschleifen zum Ausprobieren mit. Allerdings wird nicht jede Ubuntu-Variante unterstützt.

In Linux Mint beispielsweise funktioniert das Programm nicht und Ubuntu 17.10 mit Gnome-Desktop verlangt Nacharbeiten. Komorebi 2 wurde in Ubuntu 16.04 entwickelt und läuft am besten in dieser Distribution. Zudem gibt es nur für 64-Bit-Systeme ein Paket. Zur Installation liefert der Entwickler auf seiner Github-Webseite ( https://github.com/iabem97/komorebi/releases ) ein DEB-Paket zur Installation aus. Dessen Einrichtung mit Abhängigkeiten gelingt einfach mit apt in der Kommandozeile:

sudo apt install ./komorebi-2-64-bit.deb

Der Befehl installiert das lokale Paket aus dem aktuellen Verzeichnis heraus und ersetzt das Tool Gdebi. Falls bereits Ubuntu 17.10 zum Einsatz kommt, ist ein weiterer Schritt nötig: Das Kommando

sudo ln -s /usr/lib/x86_64-linux-gnu/libgtop-2.0.so.11 /usr/lib/x86_64-linux-gnu/libgtop-2.0.so.10

erstellt einen Link zu einer Systembibliothek, die das Programm unter einem bestimmten Dateinamen erwartet, die aber in Ubuntu 17.10 einen geänderten Namen erhalten hat. Danach ist Komorebi 2 über die Dash-Übersichtsseite startklar. Der erste Aufruf ersetzt den herkömmlichen Hintergrund und ein Rechtsklick auf den Desktop erlaubt mit „Change Wallpaper“ die Auswahl einer der mitgelieferten Animationen.

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Spracheingabe: KDE Connect und Swiftkey Keyboard

Sprachsteuerung und Spracheingabe sind auf dem Linux-Desktop weit davon entfernt, brauchbar zu sein. Es gibt aber die Alternative, mit Hilfe der kostenlosen App Swiftkey Keyboard und dem Linux-Programm KDE-Connect das Smartphone zur Spracheingabe zu verwenden. Die beliebte Android-App Swiftkey hat hervorragende Spracherkennungsfähigkeiten für eine Reihe von Sprachen. Die App übersetzt die Stimmeingaben erstaunlich zuverlässig in Tastatureingaben, die wiederum KDE Connect an den Desktop und die aktive Anwendung weitergibt.

So funktioniert die Einrichtung: In Google Play steht das Swiftkey Keyboard zur Installation auf dem Smartphone bereit. Zudem ist dort auch die App von KDE-Connect eine Voraussetzung, die in Google Play verfügbar ist. KDE Connect ist als Komponente der KDE-Arbeitsumgebung in den meisten Linux-Distributionen bereits vorinstalliert. Wenn nicht, findet es sich schnell über den Paketmanager zum Nachinstallieren.

Ist auf dem Smartphone das Swiftkey Keyboard installiert, kann man Texte über KDE Connect diktieren.
Vergrößern Ist auf dem Smartphone das Swiftkey Keyboard installiert, kann man Texte über KDE Connect diktieren.

Anschließend rufen Sie die KDE-Connect-App auf, gehen auf dem KDE-Desktop in die Systemeinstellungen und dort auf das Symbol „KDE-Connect“. Damit sich Android und der PC gegenseitig sehen können, müssen beide im gleichen Netzwerk sein. Eine Verbindung können Sie sowohl von der Android-App als auch von der Einstellungsseite von KDE-Connect anfordern und bestätigen. Sobald die Verbindung steht, legt man seitens KDE fest, welche Fernsteuerungsmodule aktiv sein sollen. Wichtig ist hier das Modul „Virtuelle Eingabe“ welches das Smartphone zur Tastatur macht. Jetzt funktioniert die Spracheingabe vom Smartphone aus: Dort starten Sie die App KDE Connect und wählen die Funktion „Ferneingabe“ aus.

Statt der regulären Android-Bildschirmtastatur muss dort das Swiftkey Keyboard aktiviert werden. Nach einem Druck auf das kleine Mikrofonsymbol arbeitet Swiftkey mit Spracheingabe und sendet die Eingabe anschließend an KDE, wo sie in der aktuellen Anwendung als Text eingefügt wird.

KDE-Connect: Das Modul „Virtuelle Eingabe“ verwandelt das Smartphone in Tastatur und Maus.
Vergrößern KDE-Connect: Das Modul „Virtuelle Eingabe“ verwandelt das Smartphone in Tastatur und Maus.

KDE Plasma 5: Standardprogramme für Dateitypen

Ein Doppelklick imn KDE-Dateimanager öffnet den jeweiligen Dateityp mit der registrierten Anwendung. Bei einem Rechtsklick auf eine Datei zeigen die Dateimanager in KDE die verfügbaren Anwendungen an, die für den jeweiligen Dateityp in Frage kommen. Es kommt vor, dass sich hier Programme mehrfach eingetragen haben, und nicht alle Einträge sind sinnvoll. Die Liste der Anwendungen, die für einen Dateityp in Frage kommen, ist in den Systemstellungen zum Bearbeiten hinterlegt. Dort gelangt man über den Punkt „Persönliche Informationen -> Anwendungen -> Dateizuordnungen“ zu einer Liste bekannter Dateitypen in einer Baumstruktur.

Nach dem Ausklappen eines Eintrags in der Liste, die nach Kategorien geordnet ist, zeigen sich nach einem Klick darauf auf der rechten Seite die eingetragenen Programme – im Feld „Rangfolge der zugeordneten Anwendungen“.

Mit den seitlichen Schaltflächen können Sie diese Einträge, die sich auch im Dateimanager zeigen, löschen, bearbeiten oder arrangieren.

Bei Dateitypen wie PDF versuchen gleich mehrere Programme, sich diesen Typ zu schnappen.
Vergrößern Bei Dateitypen wie PDF versuchen gleich mehrere Programme, sich diesen Typ zu schnappen.

KDE Plasma 5: Aktive Feststelltasten anzeigen

Während gewöhnliche Tastaturen für den Desktop-PC mit LEDs anzeigen, ob gerade Numlock und Capslock eingeschaltet sind, sparen sich einige neuere Notebooks wie etwa der Lenovo Yoga diese sichtbare Anzeige. Und auch wenn es LEDs zur Statusanzeige gibt, so sind diese nicht immer im Blickfeld. Für KDE Plasma gibt es seit kurzem zur Anzeige von Capslock und Numlock ein Widget (Miniprogramm) für das Panel.

Dieses Widget ist jetzt im offiziellen KDE-Verzeichnis vorhanden und die Installation gelingt deshalb unabhängig von der verwendeten Linux-Distribution einfach über das Applet-Verzeichnis des neuen KDE: Nach einem Rechtsklick auf das KDE-Panel geht es dort auf „Kontrollleiste-Optionen“ und dann zu „Miniprogramme hinzufügen -> Neue Miniprogramme holen -> Neue Miniprogramme herunterladen“. Dieser Menüpunkt stellt eine Verbindung zum Onlineverzeichnis der KDE-Applets her und findet das Widget Key State schnell über das Feld „Suchen“.

Ein neues Widget zeigt im KDE-Panel an, wenn eine der Feststelltasten aktiviert ist.
Vergrößern Ein neues Widget zeigt im KDE-Panel an, wenn eine der Feststelltasten aktiviert ist.

Gnome und Blyr: Weichzeichner für den Desktop

Beim Einblenden des Unity-Dashs legt sich das Fenster der Übersichtsseite transparent über den Desktop und lässt den Hintergrund verschwimmen. Dieser Effekt lässt sich auch in Gnome mit dessen Anwendungsübersicht nachbilden. Die Gnome-Erweiterung „Blyr“ legt einen Weichzeichner beim Aufruf der „Aktivitäten“ in Gnome über den Hintergrund. Eigentlich wäre die Erweiterung einfach per Klick nach dem Besuch der Webseite https://extensions.gnome.org/extension/1251/blyr in Gnome installiert. Aber so simpel ist die Sache momentan nicht, weil Browser wie der Firefox keine Gnome-Shell-Integration mehr haben. Momentan zeigen die Browser beim Besuch der Seite die Meldung, dass es kein Browser-Add-on gibt. Auf bestehenden Gnome-Desktops verlangt deren Nachrüstung in Ubuntu und Fedora etwas Handarbeit:

1. Zuerst macht die Installation der angebotenen Firefox-Erweiterung von https://extensions.gnome.org oder auch von https://addons.mozilla.org/en-US/firefox/addon/gnome-shell-integration den Browser fit für Gnome.

2. Gnome selbst braucht auch noch die neue Komponente chrome-gnome-shell als Ergänzung. Die gibt es mittlerweile in Ubuntu 17.10 und Fedora 26 in den Standard-Paketquellen. Mit dem Kommando

sudo apt-get install chrome-gnome-shell

ist es beispielsweise in Ubuntu installiert. Danach funktioniert nach einem Neustart des Firefox-Browsers die Aktivierung von Gnome-Erweiterungen wieder per Klick auf den angezeigten Kippschalter.

Die Gnome-Erweiterung Blyr hinterlegt die Übersichtsseite „Aktivitäten“ mit einem Weichzeichnereffekt im Stil von Unity.
Vergrößern Die Gnome-Erweiterung Blyr hinterlegt die Übersichtsseite „Aktivitäten“ mit einem Weichzeichnereffekt im Stil von Unity.

Lesetipp Gnome: Fedora und Ubuntu Gnome im Überblick

Ubuntu-Anmeldung: Light DM mit Gnome verwenden

Die Anmeldung am Linux-System übernimmt auf der grafischen Oberfläche der Display-Manager, der den Willkommensbildschirm mit Eingabemaske sowie mit Menüs für die gewünschte Sprache und Desktopumgebung bietet. Ubuntu 17.10 arbeitet mit GDM, dem schlichten Display-Manager von Gnome 3.26. Noch gibt es aber einen Weg zurück zum gewohnten Anmeldebildschirm. Verschiedene Desktopumgebungen bringen ihren eigenen Display-Manager mit – nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern um die Programmbibliotheken der Desktopumgebung zu nutzen.

Der Display-Manager GDM kann wie Gnome bereits mit Wayland umgehen und ist nicht mehr auf Xorg angewiesen. Er folgt der Philosophie von Gnome, die in den letzten Jahren eine sehr schlichte Oberfläche bevorzugt hat.

Obwohl Ubuntus eigener Display-Manager Light DM mit dem offiziellen Ende von Unity ebenfalls auf dem Abstellgleis gelandet ist, gibt es den ansprechenden Willkommensbildschirm noch. Denn Ubuntu Mate setzt ihn weiter in Form der Abspaltung Slick-Greeter ein und hat ihn in den Standard-Paketquellen platziert.

Dieser Willkommensbildschirm kann auch zusammen mit Gnome verwendet werden. Es gilt dabei nur zu beachten, dass die Bildschirmsperre in Gnome dann auch nicht mehr über GDM funktioniert, sondern über den Slick-Greeter.

Über das Optionsmenü oberhalb des Passwortfelds kann aber auch der Slick-Greeter eine Gnome-Session mit Xorg oder mit Wayland starten. Zum Wechsel installiert man in einem Terminalfenster mit

sudo apt-get install slick-greeter

den alternativen Display-Manager. Nach der Installation wird das System noch abfragen, welcher Display-Manager ab jetzt zum Einsatz kommen soll. In diesem textbasierten Dialog wählen Sie „LightDM“ aus. Nach einem Neustart des Systems ist der Austausch komplett. Um später wieder zurück zu GDM zu wechseln, ist lediglich der Aufruf von

sudo dpkg-reconfigure gdm

nötig.

Slick-Greeter: Der Display-Manager funktioniert als Ersatz für GDM, nutzt aber kein Wayland.
Vergrößern Slick-Greeter: Der Display-Manager funktioniert als Ersatz für GDM, nutzt aber kein Wayland.

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Gnome-Autostart: Einträge bearbeiten

Systembastler haben es mit Gnome etwas schwerer, den Desktop an die eigenen Wünsche anzupassen, denn Gnome ist vergleichsweise unflexibel. So gibt es beispielsweise keine komfortable Möglichkeit, über die Gnome-Einstellungen oder über Gnome-Tweak selbst definierte Autostart-Einträge zu erzeugen. Ein anderes Tool kommt für diesen Zweck zu Hilfe: Das Programm „Stacer“ gehört zur Kategorie der Optimierungstools. Unbedarfte Anwender könnten mit diesem Tool viel kaputt-„optimieren“, aber zum Anlegen von Autostart-Einträgen ist Stacer uneingeschränkt zu empfehlen und eine tolle Ergänzung für Gnome 3.X. Stacer liegt für Ubuntu und Debian auf der Github-Webseite des Entwicklers als DEB-Paket vor und für Fedora als RPM-Paket ( https://github.com/oguzhaninan/Stacer/releases ) in jeweils 64 Bit. Nach der Installation über den jeweiligen Paketmanager, die auf der Projektwebseite kurz und bündig erklärt ist, ruft man das Tool auf, das unter dem Raketen-Icon einen Verwaltungsdialog für Autostart-Einträge zeigt. Mit wenigen Klicks ist hier ein neuer Eintrag erzeugt.

Die zugehörige Datei wird übrigens im Autostart-Ordner „~/.config/autostart“ angelegt und der eingetragene Befehl nach der Anmeldung am Desktop ausgeführt.

Die Verwaltung der Autostart-Einträge erlaubt die Ergänzung beliebiger Programme.
Vergrößern Die Verwaltung der Autostart-Einträge erlaubt die Ergänzung beliebiger Programme.

Gnome-Programme: Kaskadierende Fenster

Gnome 3.x misst in seiner Benutzerführung Programmfenstern im Vollbildmodus große Bedeutung bei. Wenn mehrere Fenster geöffnet sind, wäre es trotzdem nützlich, alle Fenster auf dem Desktop übersichtlich übereinander anzuordnen. Auch für diese Funktion, an die sich vor allem Anwender von Windows 10 gewöhnt haben dürften, gibt es in Gnome eine Erweiterung. Wenn Firefox bereits wieder darauf dressiert ist, Gnome-Shell-Erweiterungen ganz einfach im Browser zu aktivieren, so ist die Funktion schnell eingerichtet: Unter https://extensions.gnome.org/extension/1240/cascadewindows liegt Cascade Windows im offiziellen Erweiterungsverzeichnis bereit.

Übrigens gibt es für die kaskadierende Anordnung der Fenster auch einen Hotkey: Die Kombination aus Windows-Taste und C ordnet die Fenster stapelweise an.

Cascade Windows: kaskadierende Anordnung der Programmfenster per Hotkey wie unter Windows.
Vergrößern Cascade Windows: kaskadierende Anordnung der Programmfenster per Hotkey wie unter Windows.
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