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Nest Outdoor Camera IQ: Außenüberwachung mit Gesichtserkennung

08.05.2018 | 13:24 Uhr |

Schlaue Überwachung für den Außenbereich: Die Qualität der Nest Outdoor Camera IQ hat aber ihren Preis – auf Dauer.

Vor gut einem Jahr hatten wir bereits die Nest Outdoor Cam getestet, im Winter die  Nest Indoor Cam IQ und nun hat die Alphabet-Tochter Nest Outdoor Camera IQ veröffentlicht und somit sein Portfolio komplettiert.

IQ ist relativ, müssen wir vorausschicken. Denn damit verbindet die Überwachungskamera vor allem in der Cloud abrufbare Algorithmen, die der Erkennung von Gesichtern dienen. Intelligent ist es gewiss auch, nur bestimmte Bereiche in die Beobachtung aufzunehmen. Doch diese Intelligenz hat ihren Preis, der über den Anschaffungswert der Kamera von 379 Euro hinausgeht. Denn um diese Services auf Dauer nutzen zu können, benötigt man ein Abo von Nest Aware, das ab 5 Euro pro Monat oder 50 Euro im Jahr kostet. Wie nützlich das ist, muss man letztendlich selbst entscheiden, Nest gibt Käufern immerhin einen kostenlosen Monat mit – schlau vom Anbieter, denn einmal angetastet, wird man sich von den smarten Funktionen nach einem Monat Betrieb nicht mehr trennen wollen.

Die drei Abo-Modelle von Nest Aware
Vergrößern Die drei Abo-Modelle von Nest Aware

Doch gegenüber der Nest Outdoor , die eine ähnliche Beschränkung aufweist und erst mit Abo so richtig sinnvoll ist, hat die Nest Outdoor Cam IQ noch einige weitere Verbesserungen. So ist die Kamera weit wuchtiger geworden, was aber ihrer Funktionalität zu Gute kommt.

Starkes Signal auf der Terrasse

In unserem letzten Test hatten wir angemerkt , dass wir von außen nicht immer ein gutes Signal bekommen und damit nur sehr pixelige Aufnahmen, der Router stand hinter einer Fassadendämmung und einer Dreifachverglasung, was den Anschluss der Kamera natürlich schwierig macht. Das Problem gehört der Vergangenheit an, Nest hat deutlich leistungsstärkere MIMO-Antennen eingebaut, die uns stets ein hervorragendes Signal geben und damit verbunden die höchste Auflösung bei den Aufnahmen bescheren. 1080p und HDR sind auch live kein Problem.

Eine weitere wichtige Neuerung, die ebenso zu einem etwas wuchtigeren Gehäuse führt: Die Lautsprecher sind deutlich besser geworden – der Hersteller behauptet "15 mal" –  ebenso wie die Mikrofone empfindlicher. Dank einer nennenswert niedrigeren Latenz ist es uns nun besser möglich, die Nest Cam als Gegensprechanlage zu nutzen. Beeindruckt die Familie, verwundert die Katze und sollte im Zweifelsfall einen Einbrecher, der sich gerade an der Tür zu schaffen macht, von seinem Tun abhalten. Denn sobald man über die Kamera spricht, leuchtet rund um deren Objektiv auch noch ein heller LED-Ring auf, der deutlich macht: "Hallo, Sie werden gefilmt!"

Sicherheitsvorkehrungen bei Montage und Bauart

Nun lässt sich ein professioneller Einbrecher von so etwas nicht abschrecken, er steckt einfach die Kamera ab, das Speichermedium ein und verrichtet weiterhin sein Tag- respektive Nachtwerk. Das funktioniert bei der Nest Outdoor Cam IQ aber nicht, denn der Speicher ist komplett in die Cloud verlegt und eben nicht lokal vorhanden. Abstecken lässt sich die Kamera auch nicht so ohne Weiteres. Der Grund dafür ist die an die Wand festgeschraubte Bodenplatte, in der die Kamera fest eingeschnappt ist. Lösen kann man die Verbindung nur mit einem passenden Werkzeug, worauf wir hier nicht näher eingehen. Und einfach vor dem Einbruch die Kamera aus der Stromversorgung abstecken oder das Kabel durchtrennen, geht auch nicht, wenn sie so montiert ist, wie Nest das vorschlägt: Nämlich das USB-C-Kabel für die Stromversorgung durch die Mauer geführt und von hinten in die Halterung gefädelt.

Bohren unerlässlich: Gut zu sehen der Durchgang für das USB-C-Kabel (links). Wir haben einen Platz im Rosenspalier für unseren Test auserkoren.
Vergrößern Bohren unerlässlich: Gut zu sehen der Durchgang für das USB-C-Kabel (links). Wir haben einen Platz im Rosenspalier für unseren Test auserkoren.

Auf derartige Hochsicherheitsaspekte verzichten wir in unserem Test, denn ungern würden wir durch die Fassade und die Dämmung bohren. Wir haben auf unserem Reihenhausgrundstück ohnehin das Problem, dass wir aufpassen müssen, wohin wir die Kamera blicken lassen. Denn der Privatbereich der Nachbarn ist natürlich tabu und auch öffentlichen Grund dürfen wir nicht einsehen lassen. Also kommt die Nest Cam  Outdoor IQ in die Rosen, respektive an die Trennwand, an der sie hochranken, und filmt unsere Terrasse - und auch nur die.

Das Kabel kommt von hinten in die Kamera, optional durch die Wand. Dann die Kamera in die Halterung einclippen - nur noch schwer ablösbar.
Vergrößern Das Kabel kommt von hinten in die Kamera, optional durch die Wand. Dann die Kamera in die Halterung einclippen - nur noch schwer ablösbar.

Die Kamera filmt dabei permanent – und lädt das Ergebnis in die Cloud auf unser Nest-Aware-Konto hoch. So lange wir bezahlen, respektive im Textzeitraum, können wir uns auf dem iPhone den kompletten Film der letzten fünf Tage ansehen – je nach Netzqualität mit bis zu 1080p und tagsüber in HDR. Etwas teurere Varianten des Abos halten die Aufzeichnung zehn oder gar 30 Tage vor.

Damit wir aber nur die wesentlichen Dinge per Push-Nachricht auf das Handy bekommen, können wir einstellen, bei welchen Ereignissen die App uns per Push (oder E-Mail) alarmiert und einen kurzen Clip zum Ansehen bereit hält.

Eindrücke aus der App
Vergrößern Eindrücke aus der App

Das sind natürlich Bewegungen aller Art – was wir in unserem Setting aber recht schnell wieder abstellen, da der Wind die Rosenzweige bewegt und damit die Aufnahme triggert. Die Kamera reagiert aber auch auf beliebige Geräusche – Musik aus dem Keller genügt dafür. Doch kann man auch den Geräusche-Trigger etwas spezifizieren und erst durch Hundegebell oder menschliche Stimmen den Push-Alarm auslösen lassen.

Gesichtserkennung in der Cloud

Vor allem aber erkennt die schlaue Kamera Personen. Wenn eine solche im Gesichtsfeld der Optik auftaucht, zoomt das Bild auch mit bis zu 12-facher Vergrößerung darauf – und verfolgt sich bewegende Personen sogar im Film. Hier erkennen anhand der Bilder, wer da auf der Terrasse sich aufhält, wenn wir den Clip ansehen, doch die Nest Outdoor Cam IQ weiß das auch sofort und ordnet Gesichter bekannten Personen zu. Sobald die Algorithmen ein neues Gesicht erkennen, geben wir in der Nest-App diesem Gesicht einen Namen und werden fortan mitsamt Profilbild informiert, wer da erkannt wurde – auch auf der Apple Watch.

Person erkannt - nach dem Zuweisen eines Namens kennt die KI uns. Wir können anschließend Alarme von bekannten Personen ausschließen und bekommen Push-Nachrichten nur dann, wenn sich Fremde auf der Terrasse aufhalten.
Vergrößern Person erkannt - nach dem Zuweisen eines Namens kennt die KI uns. Wir können anschließend Alarme von bekannten Personen ausschließen und bekommen Push-Nachrichten nur dann, wenn sich Fremde auf der Terrasse aufhalten.

Leider können wir das Profilbild nicht ändern, die App nimmt einfach das beim ersten Vorkommen aufgenommene Foto – beim Montieren und Einrichten haben wir aber ein bisschen sparsam in die Linse geschaut … Auch ein bisschen schade: Das „neue“ Gesicht, das die Nest des Abends entdeckt haben will, kennen wir sehr wohl – können es aber nur als neues Gesicht speichern und nicht dem bekannten Profil der Tochter zuordnen.

Die hervorragende Infrarotkamera zeigt schwarz-weiße Katze auf blauem Polster hinten grünen Rosenzweigen vor roter Hauswand.
Vergrößern Die hervorragende Infrarotkamera zeigt schwarz-weiße Katze auf blauem Polster hinten grünen Rosenzweigen vor roter Hauswand.

Ansonsten sind die Nachtaufnahmen aber von großer Brillanz: Sehr gut sehen wir, wie es sich die schwarz-weiße Katze auf dem dunkelblauen Polster von Mitternacht bis morgens um vier gemütlich macht. Na, gut, nachts sind alle Katzen grau, die Kontraste aber sehr gut.

Alarmbereiche nur per Webbrowser

Auf die Gesichtserkennung müssten wir nach dem Ende des Abos verzichten und auch darauf, Alarmbereiche definieren zu können. Diese legen wir aber nicht in der App fest, wir müssen dafür den Webbrowser bemühen. In anderen Settings kann auf diese Art und Weise sich etwas entfernte Bereiche speziell vornehmen und sich immer melden lassen, wenn sich dort etwas bewegt. Wenn der Wind Zweige oder Sonnenschirme im Vordergrund bewegt, bekommen wir also nicht ständig eine Meldung – wenn sich hinten am  Schuppen aber etwas regt, wo sich nichts regen sollte, springt der Alarm an. Wir nutzen die Funktion, um Bereiche, die nicht zu unserem Grundstück gehören, von der Überwachung auszunehmen. Mit gefilmt werden die dennoch, weshalb man in jedem Fall beachten soll, die Kamera Datenschutz konform anzubringen.

Die Kamera genügt laut Hersteller dem Standard IP66, sie ist also staub- und wasserdicht und lässt sich in einem Temperaturbereich von -40 °C bis 45 °C betreiben, das sollte für die meisten Zwecke genügen.

Fazit

Die Nest Outdoor Cam IQ bringt gegenüber dem Vorjahresmodell ohne Gesichtserkennung und Zoom deutliche Fortschritte bei Bild, Ton und Sicherheitsfunktionen. Auch als Gegensprechanlage lässt sie sich nun bestens nutzen. Der Preis von 379 Euro ist aber auch recht hoch, dafür bekommt man solide Technik, die einfach einzurichten und zu bedienen ist. Bei der Anschaffung sollte man sich aber im Klaren sein, dass man für den sinnvollen Einsatz mindestens 50 Euro im Jahr für den Cloudspeicher und die Gesichtserkennung investieren muss.

 

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