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NAS-Virtualisierung: So klappts mit Qnap

25.04.2017 | 08:32 Uhr |

Ausgewählte NAS von Qnap verstehen sich ebenfalls auf die Virtualisierung von Betriebssystemen. Möglich macht es die App Virtualization Station.

Schritt 1: Virtualisierung mit Qnap-App

Qnap, der neben Synology zweite namhafte Hersteller von NAS-Systemen, bietet mit der App Virtualization Station eine native Virtualisierungslösung an. Der Vorteil gegenüber PC-Software: Die App läuft direkt auf der NAS, die wiederum rund um die Uhr in Betrieb ist, sodass die virtuellen Maschinen (VMs) jederzeit zur Verfügung stehen. Und auch die Tatsache, dass ein NAS-System um ein Vielfaches mehr Speicherplatz bietet als ein Computer, spricht für dieses Art der Virtualisierung. Für den Einsatz im Privatbereich konzipierte NAS-Systeme von Qnap verfügen in den meisten Fällen lediglich über 1 GByte Arbeitsspeicher. Für die Virtualisierung aktueller Betriebssysteme ist das zu wenig. Qnap zufolge müssen mindestens 2 GByte RAM zur Verfügung stehen. In der Praxis stellt dies jedoch das absolute Minimum dar. Wer vorhat, diese Funktion regelmäßig zu nutzen, kommt also nicht um das manuelle Aufrüsten des NAS-Arbeitsspeichers herum, beispielsweise auf 8 GByte.

Auf welchen NAS-Systemen von Qnap die App Virtualization Station verwendet werden kann, erfahren Sie auf der Webseite qnap.com/de-de/app_center/ , indem Sie auf „Virtualization Station“ klicken und einen Blick auf den Beschreibungstext werfen. In diesem Workshop kommt das 2-Bay-Modell Qnap TS-251+ zum Einsatz. Das Gerät ist mit zwei jeweils 3 TByte großen Festplatten ausgestattet, die als JBOD konfiguriert sind, damit der maximale Speicherplatz zur Verfügung steht. Zudem haben wir den Arbeitsspeicher auf 8 GByte aufgerüstet.

Grundkonfiguration Qnap-NAS: Der erste Start

Schritt 2: Virtualization Station installieren

Schritt 1: Virtualisierung mit Qnap-App
Vergrößern Schritt 1: Virtualisierung mit Qnap-App

Da die Virtualisierung von Betriebssystemen nicht zu den Hauptanwendungsgebieten eines NAS-Systems gehört, ist die App Virtualization Station auf Netzwerkspeichern von Qnap standardmäßig nicht installiert. Ihre erste Aufgabe besteht also darin, diese Komponente zunächst einmal einzuspielen. Das ist weder kompliziert, noch zeitaufwändig. Starten Sie einen Browser, geben Sie die IP-Adresse Ihres Qnap-Systems in die Adresszeile ein und drücken Sie die Eingabetaste, um die bekannte Konfigurationsoberfläche zu laden. Klicken Sie anschließend in der linken Spalte auf die Schaltfläche „Anmelden“, tippen Sie Ihre Zugangsdaten ein und bestätigen Sie mit einem weiteren Klick auf „Anmelden“.

Klicken Sie auf das Desktop-Icon „App Center“, um die herstellereigene Paketverwaltung zu öffnen. Die App Virtualization Station finden Sie im Bereich „Dienstprogramme“. Alternativ dazu können Sie aber auch oben rechts auf das Lupe-Symbol klicken und den Begriff „Virtualization“ eintippen. Ein Klick auf das App-Symbol öffnet eine Detailseite, auf der Ihnen einige Screenshots, eine Kurzbeschreibung sowie Informationen zur Versionsnummer und Anzahl der Downloads angezeigt werden. Um die App Virtualization Station auf Ihrem Qnap-System einzuspielen, klicken Sie auf die Schaltfläche „Installieren“. Nach einer kurzen Wartezeit, während der die App vom Server des Anbieters heruntergeladen und anschließend eingespielt wird, ist Virtualization Station einsatzbereit. Schließen Sie das „App Center“.

Schritt 3: Virtualization Station starten

Schritt 3: Virtualization Station starten
Vergrößern Schritt 3: Virtualization Station starten

Klicken Sie auf das – automatisch auf dem Desktop eingerichtete – Icon „Virtualization Station“, um die soeben installierte App zu öffnen. Nach dem ersten Start werden Sie von einer Hinweismeldung begrüßt, die Sie darauf hinweist, dass Virtualization Station standardmäßig den Port 8088 zur Kommunikation verwendet. Klicken Sie auf die Schaltfläche „OK“, um fortzufahren.

Die App führt nun einen schnellen Test durch, bei dem ermittelt wird, ob das Qnap-Gerät die grundlegenden Systemanforderungen erfüllt: aktuellste Version des QTS-Betriebssystems, Unterstützung der Intel-Virtualisierungs-Technologie und mindestens 2 GByte Arbeitsspeicher.

Schritt 4: Auswahl des Verzeichnisses

Schritt 4: Auswahl des Verzeichnisses
Vergrößern Schritt 4: Auswahl des Verzeichnisses

Nach dem Test werden Sie vom Einrichtungsassistenten begrüßt, der Sie Schritt für Schritt durch die Konfiguration führt. Klicken Sie auf die nach rechts weisende Pfeilschaltfläche, steht im ersten Arbeitsgang die Wahl des Standardordners, in dem alle VM- und ISO-Images gespeichert werden, auf dem Programm. In diesem Beispiel legen wir unter dem Verzeichnis „Download“ einen Unterordner namens „Virtualisierung“ an. Dazu markieren wir das Verzeichnis „Download“, klicken auf die Schaltfläche „Unterordner erstellen“, geben „Virtualisierung“ ein und bestätigen mit „Erstellen“. Klicken Sie anschließend auf die nach rechts weisende Schaltfläche.

Schritt 5: Konfiguration der Netzwerkkarte

Schritt 5: Konfiguration der Netzwerkkarte
Vergrößern Schritt 5: Konfiguration der Netzwerkkarte

Damit die virtualisierten Betriebssysteme über das Netzwerk mit der physischen Infrastruktur – und dazu gehört sowohl das eigene LAN als auch das Internet –kommunizieren können, muss ihnen eine Netzwerkschnittstelle zugewiesen werden. Hierbei kommt in der Virtualization Station ein virtueller Switch zum Einsatz. Dabei wird standardmäßig der Betriebsmodus „Überbrückt“ gewählt. Diese Einstellung können Sie nach der Konfiguration bei Bedarf anpassen. Klicken Sie auf die nach rechts zeigende Pfeilschaltfläche, werfen Sie einen Blick auf die Zusammenfassung und schließen Sie die grundlegende Einrichtung mit einem Klick auf „Fertigstellen“ ab.

Von der CD/DVD zum ISO: 1:1-Kopien von Installationsmedien herstellen

Seit der Veröffentlichung von Windows 8 stellt Microsoft das jeweils aktuellste Betriebssystem zum Download bereit . Was aber, wenn Sie eine ältere Windows-Version in einer VM laufen lassen möchten, zum Beispiel Windows 7 oder gar Windows XP? Sind Sie im Besitz der Original-Installationsmedien, können Sie ganz einfach ein eigenes Image erzeugen.

1:1-Kopien von Installationsmedien herstellen
Vergrößern 1:1-Kopien von Installationsmedien herstellen

Die dazu benötigte Software CD BurnerXP ist kostenlos zu haben. Zudem ist das Programm sehr einfach zu bedienen, sodass auch Nutzer, die keinerlei Erfahrung mit dem Kopieren von CDs/DVDs haben, rasch zum Ziel gelangen. Nach der Installation des Kopier- und Brenntools legen Sie den Original-Installationsdatenträger in das Laufwerk ein und klicken in der Software auf „Medium kopieren oder speichern“ und „OK“. Aktivieren Sie im folgenden Dialog die Option „Festplatte“, geben Sie einen Dateinamen ein und wählen Sie als „Dateityp“ den Eintrag „ISO“ aus. Klicken Sie dann auf „Medium kopieren“, damit CD BurnerXP eine 1:1-Kopie des Datenträgers im ISO-Format auf dem Rechner speichert.

Schritt 6: Einstellungen optimieren

Schritt 6: Einstellungen optimieren
Vergrößern Schritt 6: Einstellungen optimieren

Nun startet die App Virtualization Station. Schließen Sie die Hinweismeldung und klicken Sie in der linken Spalte auf „Präferenzen“. In diesem Bereich können Sie die in den letzten beiden Schritten getroffenen Einstellungen anpassen. Möchten Sie etwa separate Unterordner für ISO-Dateien und Festplattenabbilder definieren, legen Sie die entsprechenden Verzeichnisse im Abschnitt „Standardordner“ fest. Ist der standardmäßig verwendete TCP-Port 8088 bereits anderweitig belegt, können Sie nach einem Klick auf „Porteinstellungen“ die neue Portnummer festlegen. Ungemein hilfreich: Nutzen Sie einen UPnP-fähigen Router, können Sie die Portweiterleitung direkt aktivieren.

NAS-Know-How: Neun Tipps für den Netzwerkspeicher

Schritt 7: ISO-Dateien in Ordner kopieren

Schritt 7: ISO-Dateien in Ordner kopieren
Vergrößern Schritt 7: ISO-Dateien in Ordner kopieren

Ihre nächste Aufgabe besteht darin, die Abbilder der Betriebssysteme, die virtualisiert werden sollen, auf das Qnap-Gerät zu kopieren. Wie bereits erwähnt, müssen diese Images im Format ISO vorliegen. Möchten Sie ein Betriebssystem, von dem Sie die Installations- CD/DVD besitzen, virtualisieren, müssen Sie die ISO-Datei mit einem Zusatz-Tool wie der pfiffigen Freeware CDBurnerXP erstellen. Wie Sie dabei vorgehen, lesen Sie im Kasten.

Schritt 8: Betriebssystem virtualisieren

Schritt 8: Betriebssystem virtualisieren
Vergrößern Schritt 8: Betriebssystem virtualisieren

Um nun ein Betriebssystem zu virtualisieren, klicken Sie in Virtualization Station in der linken Spalte unter „VM-Verwaltung“ auf „VM erstellen“. Nun stehen Ihnen verschiedene Vorlagen zur Auswahl. Für einen Großteil der aktuellen Betriebssysteme ist die Vorlage „medium“ (zwei CPU-Kerne, 2 GByte RAM und 80 GByte Speicherplatz) ausreichend. Möchten Sie der VM hingegen weniger Speicherplatz zuweisen, klicken Sie auf »Neue Vorlage«, tippen eine Bezeichnung ein, etwa „medium-60 GB“, passen die Parameter an und speichern die benutzerdefinierte Vorlage mit einem Klick auf „Erstellen“. Klicken Sie dann neben der neuen Vorlage auf „Erstellen“.

Schritt 9: Neue VMs anlegen

Schritt 9: Neue VMs anlegen
Vergrößern Schritt 9: Neue VMs anlegen

Verpassen Sie der VM eine aussagekräftige Bezeichnung, etwa „Windows-10-Pro“, und wählen Sie dann „Betriebssystemtyp“ und „Version“ aus. Falls gewünscht, können Sie bei „VNC-Kennwort“ ein Passwort eingeben, das bei jeder Verbindung mit einem VNC-Client abgefragt wird. Klicken Sie neben „CD-Abbild“ auf die Ordnerschaltfläche, wählen Sie die gewünschte ISO-Datei aus und bestätigen Sie mit „OK“. Legen Sie dann über „Festplattenabbildort“ den Speicherort der neuen VM fest. Überprüfen Sie noch einmal alle Einstellungen und bestätigen Sie mit einem Klick auf „Erstellen“. Auf gleichem Wege richten Sie weitere VMs ein.

Schritt 10: Gast-Betriebssystem installieren

Schritt 10: Gast-Betriebssystem installieren
Vergrößern Schritt 10: Gast-Betriebssystem installieren

Markieren Sie in der linken Spalte unter "VM-Liste“ den gewünschten Eintrag. Im Hauptfenster werden Ihnen nun die wichtigsten Informationen angezeigt. Klicken Sie auf die Schaltfläche „Starten“, um das Gast-Betriebssystem in einer virtuellen Maschine zu installieren. Um die Installation, die im Browser durchgeführt wird, zu beaufsichtigen, klicken Sie auf „Konsole“ und „Verbinden“, tippen das VNC-Passwort ein und bestätigen mit „Eingeben“. Anschließend installieren Sie das Betriebssystem auf gewohnte Art und Weise. Per Klick auf die linke Pfeilschaltfläche rufen Sie übrigens die Funktionsleiste auf.

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Schritt 11: Per Browser auf die VM zugreifen

Schritt 11: Per Browser auf die VM zugreifen
Vergrößern Schritt 11: Per Browser auf die VM zugreifen

Möchten Sie auf eine der bereits eingerichteten VMs zugreifen, öffnen Sie den Browser und geben die IP-Adresse des Qnap-Systems gefolgt von der Portnummer 8088 ein. Auf der daraufhin angezeigten Webseite klicken Sie auf „Anmelden“ und loggen sich mit Ihrem NAS-Benutzerkonto ein. Anschließend stehen Ihnen im Browser die gleichen Funktionen zur Verfügung wie in der App Virtualization Station: Wählen Sie eine VM aus, klicken Sie auf „Konsole“ und „Verbinden“, geben Sie das Kennwort ein und bestätigen Sie mit „Eingeben“, um mit dem virtualisierten Betriebssystem zu arbeiten. Alternativ dazu können Sie aber auch die Anwendung UltraVNC auf Ihrem PC installieren. Hierbei müssen Sie allerdings die Portnummer 5900 verwenden.

Schritt 12: VM-Konfiguration nachträglich ändern

Schritt 12: VM-Konfiguration nachträglich ändern
Vergrößern Schritt 12: VM-Konfiguration nachträglich ändern

Sie können die bei der erstmaligen Einrichtung festgelegten Parameter der virtuellen Maschine jederzeit anpassen. Dazu müssen Sie das Gastbetriebssystem allerdings vollständig herunterfahren. Wechseln Sie dann zur App Virtualization Station, markieren Sie in der linken Spalte unter „VM-Liste“ den gewünschten Eintrag und klicken Sie im Hauptfenster auf „VM-Einstellungen“. Im folgenden Dialog können Sie dann nahezu alle Parameter, darunter Arbeitsspeicher, Festplattengröße und Tastaturlayout an Ihre Wünsche anpassen. Sichern Sie die Änderungen mit einem Klick auf „Übernehmen“ und starten Sie die virtuelle Maschine neu.

Importieren von VMs: Virtualbox und Vmware Workstation

Sehr interessant ist, dass Virtualization Station nicht nur mit dieser App generierte VMs unterstützt. Auch der Import virtueller Maschinen ist möglich. So etwas ist für alle Nutzer interessant, die die Virtualisierung bisher auf ihrem PC genutzt haben, etwa mit Virtualbox oder Vmware Workstation. Unterstützt werden die VM-Formate OVA, OVF und VMX.

Virtualbox und Vmware Workstation
Vergrößern Virtualbox und Vmware Workstation

Klicken Sie in Virtualization Station auf „Importieren & Exportieren“, aktivieren Sie oben „Importieren“, wählen Sie „Vom PC“ aus und geben Sie den Pfad zur Datei an. Nach einem Klick auf „Weiter“ wird die VM analysiert. Müssen Anpassungen durchgeführt werden, etwa eine Verringerung der CPU-Kerne, informiert Sie der Dialog darüber. Die im Bereich „Erweiterte Einstellungen“ zusammengefassten Parameter können Sie nach Belieben anpassen. Klicken Sie auf die Schaltfläche „Importieren“, um mit der Dateiumwandlung zu beginnen. Dieser Vorgang kann – abhängig von der Größe der Original-VM – durchaus zehn Minuten und länger dauern. Eine Fortschrittsanzeige informiert über die ungefähre Dauer. Nach Abschluss des Vorgangs klicken Sie auf „VM-Konsole“, um die VM zu starten.

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