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NAS-Virtualisierung: So klappt's bei Synology

21.04.2017 | 08:28 Uhr |

Auf ausgewählten NAS-Systemen von Synology lässt sich die Docker-App installieren. Sie ermöglicht die Nutzung Zehntausender virtualisierter Anwendungen.

Schritt 1: Container anstatt virtuelle Maschinen

Synology verfolgt in Sachen Virtualisierung eine gänzlich andere Strategie als Qnap. Anstatt – wie Sie es auch von Ihrem PC gewohnt sind – komplette Betriebssysteme in virtuellen Maschinen (VMs) laufen zu lassen, setzt Synology auf die Nutzung virtualisierter Apps und Anwendungen. Diese als Container bezeichneten Elemente werden dann in der App Docker ausgeführt. Der Vorteil dieser Variante: Sie müssen nur diejenigen Anwendungen, die Sie auch wirklich benötigen, einspielen, sodass die Ressourcen des Netzwerkspeichers nicht über Gebühr belastet werden. Im Gegenzug müssen Sie aber ein wenig mehr Zeit investieren, da der Umgang mit Containern nicht immer einfach ist. Nutzer mit Linux-Kenntnissen sind hier ganz klar im Vorteil.

Ob Sie auf Ihrem Synology-Gerät die Docker-App überhaupt nutzen können, finden Sie heraus, indem Sie auf www.synology.com/de-de oben auf „NAS“ klicken und sich im Bereich „Apps“ für „Paketzentrum“ entscheiden. Wählen Sie in der linken Spalte „Dienstprogramme“ aus und klicken Sie dann auf das „Docker“-Icon. Unter den Bildschirmfotos und einer Kurzbeschreibung sind alle unterstützten Synology-Geräte aufgeführt, darunter die Diskstation-Modelle DS716+II , DS216+ und DS415+ . In diesem Workshop kommt die Synology Diskstation DS716+II mit 2 GByte RAM zum Einsatz. Weniger als 2 GByte Arbeitsspeicher machen in der Praxis keinen Sinn. Dies gilt insbesondere dann, wenn Sie vorhaben, mehrere virtualisierte Anwendungen, etwa einen Webserver, den pfiffigen Downloadmanager Pyload sowie Plex Media Server oder Kodi parallel auf dem NAS-System laufen zu lassen.

Überblick: Virtualisierung von NAS-Systemen

Schritt 2: Docker-App auf NAS installieren

Schritt 2: Docker-App auf NAS installieren
Vergrößern Schritt 2: Docker-App auf NAS installieren

Da die Docker-App standardmässig nicht installiert ist, müssen Sie diese Komponente manuell einspielen. Geben Sie die IP-Adresse des Synology-Geräts in Ihren Browser ein, um die Konfigurationsoberfläche zu öffnen. Loggen Sie sich mit dem Administratorkonto ein und klicken Sie auf das Desktopsymbol „Paket-Zentrum“. Wählen Sie in der linken Spalte den Eintrag „Dienstprogramme“ aus und klicken Sie dann bei der Docker-App auf die Schaltfläche „Installieren“, damit das Paket heruntergeladen und anschließend automatisch auf der Synology-NAS eingespielt wird.

Nach der Installation klicken Sie auf die Schaltfläche „Öffnen“, um die App zu starten. Markieren Sie im Willkommensdialog die Option „Diese Warnung nicht mehr anzeigen“ und schließen Sie den Hinweis auf die Hilfedatei mit einem Klick auf das „X“-Symbol. Sie werden nun automatisch zum Bereich „Überblick“ geleitet, in dem Ihnen die „CPU-Auslastung“, die „RAM-Auslastung“ und die Liste der aktiven Container – die nach dem ersten Start natürlich leer ist – angezeigt wird. Um später direkt über den Desktop auf die App zugreifen zu können, öffnen Sie das „Hauptmenü“, klicken das Docker-Symbol mit der rechten Maustaste an und wählen „Zum Desktop hinzufügen“.

Interessant ist, dass Synology auch die Virtualisierung des eigenen Betriebssystems Diskstation Manager (DSM) gestattet. Auf diesen Sonderfall gehen wir im Kasten ein. Die wichtigste Information vorweg: Die DSM-Virtualisierung lässt sich nicht nur mit Docker bewerkstelligen. Denn für NAS-Systeme, die Docker nicht unterstützen, und dazu gehört unter anderem das beliebte Modell Diskstation 416 play, stellt Synology die App Virtual DSM Manager bereit.

Schritt 3: Aus rund 22.000 Images auswählen

Schritt 3: Aus rund 22.000 Images auswählen
Vergrößern Schritt 3: Aus rund 22.000 Images auswählen

Klicken Sie links auf die Schaltfläche „Registrierung“, gelangen Sie zur Auswahl der unterstützten Images. Derzeit stehen im Repository „Docker Hub“ rund 22.000 solcher Elemente zur Auswahl. Die Liste ist übrigens anhand der Bewertung sortiert, sodass Sie auf einen Blick sehen, welche Images sich in der Docker-Community größter Beliebtheit erfreuen. Aktuell sind das Ubuntu, Nginx und MySQL. Möchten Sie ein weiteres Repository integrieren, klicken Sie oben auf „Einstellungen“, wählen „Hinzufügen“, geben die geforderten Informationen ein und sichern die Änderungen mit „Bestätigen“. Sinn macht dies allerdings nur für versierte Anwender, die wissen, welchen Quellen sie vertrauen können. In diesem Workshop beschränken wir uns auf das offizielle Repository.

Schritt 4: Nach Images suchen

Schritt 4: Nach Images suchen
Vergrößern Schritt 4: Nach Images suchen

Keine Frage: Das Blättern durch eine Liste mit knapp 22.000 Einträgen ist sehr mühsam. Sie können Images aber auch durch die Eingabe von Suchbegriffen finden. Tippen Sie den Begriff in die Suchleiste ein, zum Beispiel „tvheadend“, „pyload“ oder „plex“, werden in der Liste nur noch diejenigen Images angezeigt, die zum Suchbegriff passen. Eine weitere Möglichkeit führt über die Docker-Hub-Webseite .

Nachdem Sie ein neues, kostenloses Benutzerkonto angelegt haben, können Sie im Angebot stöbern. Haben Sie auf „Docker Hub“ ein interessantes Image gefunden, geben Sie die Bezeichnung in die Suchleiste der Docker-App ein, um herauszufinden, ob das Paket überhaupt auf einem Synology-Netzwerkspeicher läuft.

Schritt 5: Weitere Informationen zu Images

Schritt 5: Weitere Informationen zu Images
Vergrößern Schritt 5: Weitere Informationen zu Images

Möchten Sie mehr über ein Image erfahren, klicken Sie in der Docker-App das blaue Symbol, das neben dem Namen platziert ist, an. Daraufhin wird die entsprechende Docker-Hub-Webseite im Browser geladen. Welche Informationen an dieser Stelle angeboten werden, hängt einzig und allein vom Entwickler ab. Während etwa die Macher des Docker-Images „Ubuntu“ alle wichtigen Informationen veröffentlichen, beschränken sich die Angaben zu „writl/pyload“ auf das Nötigste, beispielsweise die Zugangsdaten, die standardmäßig beim Zugriff auf das Web-Interface verwendet werden.

DSM-Virtualisierung mit Virtual DSM Manager

Für ausgewählte NAS-Systeme, die die Docker-App nicht unterstützen, stellt Synology die App Virtual DSM Manager zur Verfügung. Damit können Sie zwar keine Docker-Container verwenden, dafür lässt sich das DSM virtualisieren. Installieren Sie die App aus dem Paket-Zentrum, starten Sie Virtual DSM Manager und folgen Sie den Anweisungen des Assistenten, um einen neuen Virtualisierungscluster anzulegen. Wählen Sie das gewünschte Volume und die Netzwerkschnittstelle aus und fahren Sie mit „Weiter“ fort. Ist der Cluster angelegt, klicken Sie links auf „Virtuelle Maschine“, wählen „Erstellen“, legen die Spezifikationen fest, darunter „Name“, „Arbeitsspeicher“ sowie „Virtuelle Festplatte“, und fahren mit „Weiter“ fort. Wählen Sie dann die Benutzerkonten aus, die Zugriff auf DSM in der VM erhalten sollen, laden Sie die Image-Datei herunter, aktivieren Sie die Option „Virtuelle Maschine nach Erstellung einschalten“ und beenden Sie die Einrichtung mit einem Klick auf „Übernehmen“.

Synology-Betriebssystem virtualisieren
Vergrößern Synology-Betriebssystem virtualisieren

Sobald in der Liste der virtuellen Maschinen unter „Status“ der Eintrag „Läuft“ zu sehen ist, klicken Sie auf die Schaltfläche „Verbinden“ und wählen die IP-Adresse aus. Sie werden vom Einrichtungsassistenten in Empfang genommen und können das virtualisierte DSM nun so konfigurieren wie das „echte“ Betriebssystem. Maximal lassen sich bis zu sieben DSM-Instanzen virtualisieren, zum Lieferumfang eines Synology-Geräts gehört jedoch nur eine Lizenz.

Schritt 6: Docker-Images herunterladen

Schritt 6: Docker-Images herunterladen
Vergrößern Schritt 6: Docker-Images herunterladen

Um ein Docker-Image herunterzuladen, markieren Sie den entsprechenden Eintrag und klicken auf die Schaltfläche „Download“. Im daraufhin geöffneten Dialog „Tag auswählen“, können Sie die gewünschte Versionsnummer auswählen oder sich für „latest“ entscheiden, wenn Sie den aktuellsten Build nutzen wollen. Nach diesem Muster laden Sie alle Images, die Sie verwenden wollen, auf Ihren Synology-Netzwerkspeicher herunter. Den Downloadfortschritt können Sie im Bereich „Abbild“ nachverfolgen. Die Zahl, die neben „Abbild“ angezeigt wird, signalisiert übrigens die Anzahl der aktuell laufenden Downloads. Der Vollständigkeit halber wollen wir erwähnen, dass Sie im Bereich „Abbild“ über „Hinzufügen“ Images auch durch Angabe der URL herunterladen können. Zudem lassen sich bereits lokal gespeicherte Images verwenden.

Tutorial: Synology-NAS einrichten und verwenden

Schritt 7: Grundlegende Container-Einstellungen

Schritt 7: Grundlegende Container-Einstellungen
Vergrößern Schritt 7: Grundlegende Container-Einstellungen

Nachdem Sie die Images heruntergeladen haben, müssen diese Abbilder in Docker-kompatible Container umgewandelt werden. Markieren Sie im Bereich „Abbild“ ein Image und klicken Sie auf die Schaltfläche „Starten“. In diesem Beispiel wählen wir „ubuntu:latest“. Im Dialog „Erweiterte Einstellungen“ geben Sie bei „Containername“ eine beliebige Bezeichnung ein und legen fest, ob dieser Container mit hoher Priorität ausgeführt werden soll. Direkt darunter schalten Sie „Ressourcenbeschränkung aktivieren“ ein und geben die „CPU-Priorität“ und den „Speichergrenzwert“ an. Welche Parameter Sie auswählen, hängt ausschließlich davon ab, wie speicherhungrig der Container ist. In diesem Beispiel entscheiden wir uns für „Mittel“ und „1024 MB“.

Schritt 8: Weiterführende Container-Einstellungen

Schritt 8: Weiterführende Container-Einstellungen
Vergrößern Schritt 8: Weiterführende Container-Einstellungen

Klicken Sie auf die Schaltfläche „Erweiterte Einstellungen“, stehen Ihnen zusätzliche Konfigurationsmöglichkeiten zur Verfügung, darunter die Möglichkeit, Verzeichnisse zu mounten und Portweiterleitungen einzurichten. Letzteres ist erforderlich damit die Daten, die am Synology-Gerät ankommen, dem richtigen Container zugewiesen werden können. Da sich diese Einstellungen von Container zu Container unterscheiden, können wir Ihnen keine allgemeingültigen Anweisungen geben. Solche Informationen sollten im Normalfall auf der Informationsseite (siehe Schritt 5) im sogenannten Dockerfile aufgeführt sein. Haben Sie alle Einstellungen angepasst, klicken Sie auf „Weiter“. Aktivieren Sie die Option „Diesen Container nach Abschluss des Assistenten ausführen“ und bestätigen Sie mit „Übernehmen“.

Schritt 9: Verwaltung der Container

Schritt 9: Verwaltung der Container
Vergrößern Schritt 9: Verwaltung der Container

Die Verwaltung aller eingerichteten Container erfolgt im gleichnamigen Bereich. Hier sehen Sie auch die aktuelle CPU- und RAM-Auslastung der aktuell laufenden Container. Um eine der virtualisierten Anwendungen zu starten oder zu stoppen, markieren Sie den entsprechenden Eintrag, klicken auf die Schaltfläche „Aktion“ und entscheiden sich für den gewünschten Befehl. In der Praxis hilfreich ist, dass sich Container duplizieren lassen. So etwas spielt etwa dann eine Rolle, wenn Sie eine virtualisierte Anwendung nach Ihren Wünschen konfiguriert haben und Sie ein wenig mit den erweiterten Einstellungen experimentieren möchten. Dazu klicken Sie auf „Einstellungen“ und wählen „Einstellungen duplizieren“. Geben Sie eine Bezeichnung ein und bestätigen Sie mit „Auswählen“.

Schritt 10: Informationen zu den Containern

Schritt 10: Informationen zu den Containern
Vergrößern Schritt 10: Informationen zu den Containern

Weiterführende Informationen zu den Containern erhalten Sie nach einem Klick auf die Schaltfläche „Details“. Möchten Sie beispielsweise wissen, über welchen TCP-Port Sie auf das Webinterface eines laufenden Containers zugreifen, werfen Sie im Register „Überblick“ einen Blick auf den Bereich „Port-Einstellungen“. Über das Register „Prozesse“ rufen Sie die Liste der Komponenten auf, die von diesem Container verwendet werden. Das „Protokoll“ informiert über alle Systemereignisse und über „Terminal“ rufen Sie die Kommandozeile auf. Letzteres ist für alle ambitionierten Anwender von Interesse, die sich mit der manuellen Konfiguration mittels Linux-Shell-Befehlen auskennen und tiefer ins System eintauchen möchten.

NAS-Know-How: Neun Tipps für den Netzwerkspeicher

Schritt 11: Konfiguration nachträglich anpassen

Schritt 11: Konfiguration nachträglich anpassen
Vergrößern Schritt 11: Konfiguration nachträglich anpassen

Die in den Schritten 7 und 8 gezeigte Konfiguration der Container können Sie nachträglich anpassen. Einzige Voraussetzung ist, dass die virtualisierte Anwendung vorher gestoppt wurde. Anschließend klicken Sie den Eintrag im Bereich „Container“ mit der rechten Maustaste an und wählen „Bearbeiten“. Im folgenden Dialog stehen Ihnen dann die entsprechenden Funktionen zur Verfügung. Sinn macht diese nachträgliche Konfiguration, wenn Ihnen während der Nutzung einer virtualisierten Anwendung auffällt, dass der zur Verfügung gestellte Arbeitsspeicher nicht ausreicht. Übertreiben dürfen Sie es mit der RAM-Zuteilung aber nicht, da es ansonsten negative Auswirkungen auf die NAS-eigenen Dienste und Apps haben kann.

Schritt 12: Container und Images löschen

Schritt 12: Container und Images löschen
Vergrößern Schritt 12: Container und Images löschen

Haben Sie nach einiger Zeit festgestellt, dass Sie einen Container nicht mehr benötigen, können Sie ihn ganz einfach entfernen. Wechseln Sie zum Bereich „Container“, stoppen Sie die laufende Anwendung, klicken Sie auf die Schaltfläche „Aktion“ und wählen Sie „Löschen“. Bestätigen Sie die Nachfrage mit „Löschen“. Um auch das dazugehörige Image zu entfernen, wechseln Sie zum Bereich „Abbild“, markieren den Eintrag, klicken auf „Löschen“ und bestätigen mit „Ja“. Alle Aktionen, die mit dem Betrieb von Containern im Zusammenhang stehen, schreibt die Docker-App in das „Protokoll“, sodass Sie alle Änderungen nachverfolgen können.

Synology-Betriebssystem virtualisieren

Das auf jedem Synology-Netzwerkspeicher laufende Betriebssystem Diskstation Manager (DSM) lässt sich ebenfalls virtualisieren. Dadurch ist es etwa möglich, auf einem NAS-System eine zweite DSM-Instanz in einer virtuellen Maschine laufen zu lassen. In der Praxis ist diese Sonderform der Virtualisierung insbesondere für experimentierfreudige Anwender interessant, die regelmäßig an der Konfiguration feilen und permanent Apps aus Community-Repositories ausprobieren möchten – ohne dadurch die Stabilität des „echten“ Betriebssystems zu gefährden. Lizenzrechtliche Probleme gibt es keine, da im Kaufpreis Ihres Synology-Geräts eine Lizenz zur DSMVirtualisierung enthalten ist.

DSM-Virtualisierung mit Virtual DSM Manager
Vergrößern DSM-Virtualisierung mit Virtual DSM Manager

Um das Betriebssystem mit Docker zu virtualisieren, müssen Sie zunächst über „Systemsteuerung, Netzwerk, Netzwerk-Schnittstelle, Verwalten, Open vSwitch-Einstellungen“ die Option „Open vSwitch aktivieren“ einschalten. Wechseln Sie anschließend in der Docker-App zum Bereich „DSM“ und klicken Sie auf „Hinzufügen“. Die grundlegende Einrichtung des virtualisierten Synology-Betriebssystems läuft exakt so ab, wie in Schritt 7 beschrieben. Einzige Ausnahme ist, dass sich der zur Verfügung gestellte Arbeitsspeicher nicht vorgeben lässt. Aktivieren Sie „Verknüpfung auf Desktop erstellen“ und „Webseite“, um sich den Zugriff auf das virtualisierte DSM zu vereinfachen, und folgen Sie den weiteren Schritten des Assistenten. Wechseln Sie dann über die Desktop-Verknüpfung zur virtualisierten Betriebssysteminstanz und fahren Sie mit der grundlegenden DSM-Einrichtung fort.

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