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Musikserver Mopidy auf Raspberry Pi

07.08.2017 | 14:00 Uhr |

Um die Musiksammlung aus Streamingdiensten in den eigenen vier Wänden über Lautsprecher auszugeben, gibt es unzählige Konzepte. Eine überraschend einfache und preiswerte Lösung besteht aus einem Raspberry Pi und Linux.

Schnell ein paar Titel von Spotify auf dem Soundsystem im Wohnzimmer abspielen? Nicht selten führt der erste Griff dann zum Smartphone, denn wenige Augenblicke später ist eine Verbindung via Bluetooth hergestellt. Doch ungetrübt ist der Musikgenuss auf diese Weise nicht. Kaum erfordert eine andere App die Aufmerksamkeit des Nutzers, wird die Wiedergabe unterbrochen. Und das Smartphone muss dann auch in der Nähe der Anlage bleiben. Ein eigener Multimedia-PC geht im Dauerbetrieb wiederum ganz schön ins Geld. Eine Alternative dazu ist der Raspberry Pi. Er kann direkt per Kabel mit einer Soundanlage oder Boxen verbunden werden. Die zweite und dritte Generation des Ein-Platinen-Computers ist zudem leistungsstark genug, um störungsfrei übertragen zu können. Und er nutzt Wi-Fi oder direktes Ethernet zum Router, um die Musik aus dem Internet abzurufen. Mit der passenden Serversoftware verwandelt sich der kleine Rechner in eine stromsparende und leise Streamingbox.

Mopidy – Musikserver pur

Um Playlisten und Tracks vom Streamingdienst abzurufen, wird ein Musikserver verwendet. Mopidy ist ein solcher Server, der ohne Schnickschnack in Python programmiert wurde. Das Programm kommt ohne grafische Oberfläche aus und kann in einem Terminal gestartet werden. Technisch besteht Mopidy aus einem Daemon für die Musikwiedergabe und einem HTTP-Server. Optional kann das System um grafische Oberflächen ergänzt werden. Mopidy bildet deshalb eine der Basiskomponenten in der Pi Musikbox, aber auch in der Hardware Gramofon, die als preiswerte Alternative zu kommerziellen Streamingsystemen wie Sonos bekannt und gelobt wurde.

Die Einrichtung des Servers erfolgt im Terminal. Zunächst installieren Sie mit folgendem Befehl den öffentlichen Schlüssel für die Quelle:

wget -q -O -https://apt.mopidy.com/mopidy.gpg | sudo apt-key add -

Danach wird die Paketquelle dem Raspberry hinzugefügt:

sudo wget -q -O /etc/apt/sources.list.d/mopidy.list https://apt.mopidy.com/jessie.list

Danach aktualisieren Sie die Paketquellen und installieren das Paket:

sudo apt-get update
sudo apt-get install mopidy mopi dy-spotify

In diesem Beispiel wird die Software gleich mit dem Client für Spotify installiert. Weitere Erweiterungen für den Mopidy-Server finden Sie so:

apt-cache search mopidy

Merken Sie sich einfach die Paketnamen der Erweiterungen, die Sie interessieren, und installieren Sie diese nach.

Um auf Musikdienste zugreifen zu können, müssen Sie die Zugangsdaten eintragen.
Vergrößern Um auf Musikdienste zugreifen zu können, müssen Sie die Zugangsdaten eintragen.

Lesetipp: Raspberry Pi: So klappt die Installation und Einrichtung

Die Konfiguration anpassen

Damit das System funktioniert, muss die Konfiguration angepasst werden. Darin hinterlegen Sie etwa die Zugangsdaten für Spotify. Damit eine Konfigurationsdatei vorliegt, starten Sie den Server im Terminal durch die Eingabe mopidy. Mit Strg-C beenden Sie das Programm sofort wieder. Dann bearbeiten Sie mit

sudo nano /home/pi/.config/mopidy/mopidy.conf

die Konfiguration (wenn Sie statt des Standardnutzers „pi“ einen anderen Nutzer angelegt haben, müssen Sie den Pfad anpassen). Suchen Sie in den Rubriken „mpd“ und „http“ nach den Einträgen für „hostname“. Ändern Sie die Werte auf „0.0.0.0“ ab. Das bedeutet, dass der Server eine beliebige IP-Adresse verwenden kann.

Haben Sie die Erweiterung für Spotify installiert, finden Sie in der Konfigurationsdatei einen entsprechenden Abschnitt. Dort müssen Sie die Zugangsdaten für Ihren Premiumzugang eintragen, damit die Verbindung funktioniert. Ähnlich verfahren Sie mit Zugängen zu anderen Diensten.

Die Einträge sind auskommentiert. Entfernen Sie deshalb das „#“ am Beginn jeder Zeile. Mit Strg-X speichern Sie die Datei.

Sie können den Server danach erneut mit mopidy oder als Dienst mitsudo service mopidy start starten. Erhalten Sie eine Fehlermeldung, muss der Service erst aktiviert werden:

sudo dpkg-reconfigure mopidy

Versuchen Sie es dann erneut. Um den Server zu stoppen und erneut zu starten, benutzen Sie sudo service mopidy stop. Läuft der Server, dann ist dessen Oberfläche überall im lokalen Netz über die Adresse „ http://[Raspberry-IP]:6680 “ zu erreichen. Voraussetzung dafür ist, dass in der Konfigurationsdatei im Abschnitt „http“ die Option „enabled“ auf „true“ gesetzt wurde.

Zeigt der Browser diesen Platzhalter an, läuft Mopidy und kann genutzt werden.
Vergrößern Zeigt der Browser diesen Platzhalter an, läuft Mopidy und kann genutzt werden.

Die Wiedergabe steuern

Mopidy kümmert sich als Server um den Abruf des gewünschten Musiktitels aus der Bibliothek und dessen Wiedergabe auf dem System.

Sie benötigen aber noch einen Client, um die Wiedergabe zu steuern, um etwa Playlisten zu verwalten. Hier herrscht kein Mangel an möglichen Oberflächen. Eine davon ist etwa der Mopidy-Musicbox-Webclient. Da Python auf dem System installiert ist, richten Sie den Client mit einem Kommando auf dem System ein:

pip install Mopidy-MusicBox-Webclient

Wenn Sie den Client direkt auf dem Raspberry ausführen wollen, öffnen Sie einen Browser und geben in die Adresszeile http://localhost:6680/musicbox_webclient ein. Die Oberfläche lässt keine Wünsche offen und ist responsiv. In der grundlegenden Bedienung und Aufteilung ist die Oberfläche dem Webclient von Spotify sehr ähnlich. Sie können aber auch Musik auf Ihr Android-Tablet oder Smartphone streamen. Im Playstore von Google finden Sie dazu beispielsweise die App Mpdroid. Hier müssen Sie in den Einstellungen lediglich die Adresse Ihres Raspberry eintragen, damit der Client den Server findet.

Mopidy ist so flexibel und vielseitig, dass fortgeschrittene Nutzer, die etwas Arbeit an Konfigurationsdateien investieren, auch die Wiedergabe von Streams in verschiedenen Räumen realisieren können. Dazu ist aber zusätzlich eine App notwendig, die synchrone Streams im Netzwerk verteilen kann, etwa Snapcast. Da Mopidy auch auf anderen Linuxsystemen funktioniert, muss es nicht unbedingt ein Raspberry sein. Die grundlegenden Arbeiten an der Konfiguration sind identisch. Dem Raspberry wurde hier nur der Vorzug gegeben, weil er besonders stromsparend arbeitet.

Auch interessant: Homeserver bauen mit Raspberry, Banana, Odroid, Cubieboard & Co.

Raspbian als Voraussetzung

Dieser Artikel geht davon aus, dass auf Ihrem Raspberry die neueste Version von Raspbian installiert ist. Über dessen Tool raspi-config, das Sie im Terminal auch nach der Installation noch aufrufen können, lässt sich die Audioausgabe steuern. Voreingestellt ist die Nutzung des HDMI-Ausgangs für die Klangwiedergabe, sofern eine Kabelverbindung besteht.

Ansonsten kann in den „Advanced Options“ auch ein anderer Ausgabeweg eingestellt werden. Um zu testen, ob die Soundwiedergabe auf dem Raspberry funktioniert, öffnen Sie einfach ein Terminal und geben dort

aplay /usr/share/sounds/alsa/Front_Center.wav

ein. Wenn Sie jetzt eine Ausgabe über die angeschlossenen Boxen oder das Soundsystem hören, ist alles in Ordnung und der Einrichtung von Mopidy steht nichts im Weg.

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