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Mobiles Web oder mobile Apps - was ist die Plattform der Zukunft?

30.10.2017 | 15:00 Uhr |

Wir verbringen heute durchschnittlich zwei Stunden jeden Tag mit Apps. Und bis zum Jahr 2021 wird sich die Zahl der Smartphones verdoppeln auf 6,3 Milliarden. Das mobile Web wird weiterhin bestehen - aber mit mobilen Apps wird es niemals mithalten können.

Es ist, als würde man 3-D mit 2-D vergleichen. Beide haben ihren Zweck und Platz, aber das eine bietet unbestritten den höheren Informationswert. Für viele Marken ist die App das primäre digitale Portal, während das mobile Web als Sprungbrett für die Zielgruppe dient, als Instrument für bessere Auffindbarkeit.

Viele Marken betrachten Apps jedoch weiterhin eher als Ergänzung oder als ästhetisches i-Tüpfelchen für die Marke denn als Umsatztreiber. Ist Mobile kein zentraler Teil einer Marke, dann ist nachvollziehbar, warum die Investition in mobile Apps als nicht besonders signifikant erscheint. Das würde jedoch heißen, einen bedeutenden Vertriebskanal und eine zunehmend signifikante finanzielle Perspektive zu verpassen.

Aus Handys wurden Handheld-Computer (oder Smartphones), gleichzeitig haben sich auch die Kunden weiterentwickelt, viel weiter als der durchschnittliche Einzelhändler sich vermutlich vorstellt. Nie waren die Erwartungen höher. Auf der gleichen progressiven Kurve und gleichermaßen stark wuchsen jedoch auch die Möglichkeiten, Kunden zu binden und von dem eigenen Produkt zu begeistern.

Apps sind ausgestattet mit Funktionen und Technologien, die dabei helfen, Verbrauchern ein besseres Nutzererlebnis zu bieten. Die heutigen Kunden erwarten ein straffes und effizientes Markenerlebnis. Für alle Marken gilt gleichermaßen: Nicht die direkten Branchenwettbewerber setzen Maßstäbe, sondern die Start-up Tech-Szene. Lädt ein Kunde beispielsweise die Topshop-App herunter, vergleicht er sie nicht mit der App von Zara. Vielmehr vergleicht er sie mit dem Nutzererlebnis auf Facebook oder Snapchat, kurz, mit den besten Apps, die der App-Store zu bieten hat und die er täglich nutzt. Die Marken müssen ihre Erwartungshaltung an die ihrer Kunden anpassen.

Privatkundenbanken sind ein gutes Beispiel für eine digitale Strategie, die an die Denkweise der Digital Natives angepasst wurde. So können Bankkunden mittlerweile ein Konto direkt über Mobile eröffnen. Ist das bei der aktuellen Bank nicht möglich, werden diese Kunden vermutlich zu einer anderen Bank wechseln, die ihnen ein einfacheres Nutzererlebnis bietet.

Auch wenn die Treue von Kunden in Bezug auf Funktionen zunehmend schwindet, Loyalität kann durch Apps auf einer tieferen Ebene aufgebaut werden als im mobilen Web. Je mehr Informationen eine Marke von ihren Kunden sammelt, desto besser kann sie Inhalte und das Nutzererlebnis an die Interessen des einzelnen Kunden anpassen. Von Push-Benachrichtigungen, die auf dem Standort basieren, über Wunschlisten bis hin zu Ad-hoc-Updates bieten Apps ein dynamisches Portal für Kundenbindung, oder auch, um auf das Beispiel vom Anfang zurückzukommen, ein 3-D-Erlebnis im Vergleich zu einem 2-D-Erlebnis.

Diese Dynamik ist ein weithin beobachtbares Phänomen, das nicht auf mobile Spiele oder soziale Medien beschränkt ist. Innovative Sicherheitsfunktionen wie Touch-ID / Single-Touch-Identifizierung und Sprachaktivierung haben den Apps von Privatkundenbanken sowie Aktienhandels-Apps anhaltendes Wachstum beschert. AR (Erweiterte Realität)-Funktionen geben Möbelkäufern die Möglichkeit, sich ihre neuen Möbel anzusehen, bevor sie überhaupt auch nur einen Fuß in das Geschäft gesetzt haben. Reisende erhalten mit Apps wie Revolut, Transferwise und N26 immer sofort die besten Tauschkurse und checken am Flughafen mit ihren Smartphones als Bordkarte ein. Während das mobile Web als schnelle und einfache Informationsquelle dient, waren mobile Apps der Katalysator für Veränderungen im Nutzerverhalten.

Erstaunlicherweise hört man von fassungslosen Veteranen der Branche immer noch die Worte „aber die App-Stores sind schon so überfüllt“. Niemand würde der Vorstandsetage davon abraten, eine eigene Webseite zu entwickeln, weil es ja schon so viele Webseiten gibt auf der Welt. Das wäre komplett irrsinnig. Vielmehr haben Vermarkter für ihre Webseiten intelligente SEO-Strategien entwickelt. Die App-Branche hat ihre eigenen Richtlinien für ASO (App-Store-Optimierung)-Strategien. Bedenkt man, dass über 80 Prozent der mit Mobile verbrachten Zeit auf das Konto mobiler Apps gehen, und dass die Zahl der Smartphones sich bis zum Jahr 2021 auf 6,3 Mrd. verdoppeln wird, ist die Frage nicht, ob Sie eine App haben sollten, sondern wie Sie eine erfolgreiche App-Strategie entwickeln.

App-Stores sind gerade 9 Jahre alt (das erste iPhone wurde vor 10 Jahren vorgestellt). Im Vergleich zu dem, was man über das Web wusste, waren alle Informationen über App-Daten absolut überschaubar. Neun Jahre später jedoch wissen wir, das Jahr 2016 brachte ein Wachstum der mit Apps verbrachten Zeit von 150 Milliarden Stunden im Vorjahresvergleich. Das sind insgesamt über 900 Milliarden Stunden.

Und während die Branche noch das mobile Web mit Multiscreen diskutierte, waren die Verbraucher schon etliche Schritte weiter und nahmen mobile Apps bereits dankbar an.

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