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Mit gebrauchter Hardware gegen den Klimawandel

06.06.2019 | 15:00 Uhr | Wolfgang Hörmann

Wer sich für Hardware aus zweiter Hand entscheidet, leistet nicht nur einen wichtigen Beitrag zum schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen und zum Umweltschutz, sondern demonstriert auch, dass sich Technikbegeisterung und ökologisches Handeln keineswegs gegenseitig ausschließen müssen.

Der Klimawandel ist nicht aufzuhalten

„Wir sind in großen Schwierigkeiten mit dem Klimawandel. Der Klimawandel ist schneller als wir, und wir müssen früher als später aufholen, bevor es zu spät ist.“

(Antonio Guterres, UN-Generalsekretär, auf der 24. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen in Kattowitz, Dezember 2018)

Klimawandel und Erderwärmung - ganz aktuell streiten sich Politiker und Wissenschaftler auf der 24. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen in Kattowitz wieder einmal darüber, ob der Mensch ursächlich für diese Misere ist oder nicht, und wenn ja, in welchem Ausmaß.

Zumindest in einem Punkt sind sich jedoch die meisten ernstzunehmenden Köpfe einig. Unser Klima verändert sich spürbar und in rasantem Tempo. Wollen wir diese Entwicklung zumindest abbremsen, wenn wir sie schon nicht mehr aufhalten können, dann muss schnellstmöglich ein radikales Umdenken stattfinden - und zwar nicht nur auf politischer Ebene, sondern bei jedem Einzelnen von uns. In jeder Firma, in jedem Haushalt, in jedem Arbeitszimmer können und müssen wir etwas für unser weltweites Klima tun.

Vor allem der Bereich der Computerhardware findet in puncto Klima- und Ressourcenschutz bisher noch kaum Beachtung beim durchschnittlichen Verbraucher. Und das, obwohl hier ein gigantisches Potenzial verborgen liegt.

Anteil der Computer- und Unterhaltungselektronik am deutschlandweiten Ressourcen- und Energieverbrauch
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© BDEW, EnergieAgentur.NRW, HEA

„Wo im Haushalt bleibt der Strom?“ lautet der Titel einer empirischen Erhebung der EnergieAgentur.NRW von 2016, im Zuge derer mehr als eine halbe Million Verbraucherprofile hinsichtlich ihren Energieverbrauchsdaten ausgewertet wurden.

Die Analyse der Daten zeigt: Fast ein Viertel des gesamten Stromverbrauchs aller Privathaushalte in Deutschland entfällt auf Unterhaltungselektronik und Computerhardware. Mit anderen Worten: Jede vierte verbrauchte Kilowattstunde an Strom in Deutschland fließt durch PCs, Notebooks, Fernseher und Stereoanlagen.

Rechnet man hierzu den Energiebedarf des Herstellungsprozesses mit ein, so wird die Bilanz noch vernichtender. Satte 3000 kWh Energieverbrauch schlagen pro hergestelltem Rechner zu Buche. Damit kann man einen normalen Mittelklasse-PC mehr als 8 Stunden täglich betreiben. Sechs Jahre lang.

Ein kleines Rechenbeispiel

Im Jahr 2018 wurden weltweit rund 258 Millionen PCs verkauft. Bei dem oben genannten Wert von 3000 kWh pro Gerät entspricht dies einem Gesamtwert von 774 Milliarden kWh nur für die Herstellung der Geräte.

Ein durchschnittlicher PKW verbraucht dagegen pro 100 km Fahrstrecke nur rund 60 kWh, käme mit der Energiemenge also 464 Milliarden Kilometer weit. Dies wären 11,6 Millionen Fahrten entlang des Äquators rund um die Erde oder 1.500 Mal eine Fahrt zur Sonne und wieder zurück.

Laut aktueller Statista-Prognose werden diese Werte auch in den nächsten Jahren noch nahezu konstant bleiben. Der Absatz an PCs und Notebooks ist zwar im Allgemeinen rückläufig, allerdings nur im einstelligen Prozentbereich, und damit bei Weitem nicht ausreichend, um bezüglich Energieverbrauch und –verschwendung auf einen grünen Zweig zu kommen.

Statista.de - Prognose zum weltweiten Absatz von PCs von 2009 bis 2022 (in Millionen Stück)
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© Statista.de

Auch die Entsorgung ist problematisch

Haben die Rechner dann schlussendlich ihr Lebens- oder Nutzungsende erreicht, so stellt die fachgerechte Entsorgung derselben die Umwelt vor die nächste Reihe an Problemen. Einen ersten Schritt in die richtige Richtung ist das „Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten“ aus dem Jahr 2015. Dieses regelt umfangreiche Rücknahme-, Entsorgungs- und Nachweispflichten aller Hersteller und Händler.

Dennoch landen Jahr für Jahr unzählige Tonnen Elektroschrott in dubiosen Recyclingbetrieben der Entwicklungsländer, wo fern jeglicher Umweltstandards die wertvollen Rohstoffe aus den Geräten entfernt werden. Doch auch bei „fachgerechtem“ Recycling wird immer noch eine große Menge an Energie und Wasser verbraucht sowie CO2 freigesetzt.

Professionelle Wiederaufbereitung bekämpft das Problem an der Wurzel

Refurbishing: Konsequente Abfallvermeidung statt teures Recycling

Der einzig sinnvolle Weg – sowohl aus ökonomischer als auch aus ökologischer Sicht – ist eine konsequente Abfallvermeidung. Und genau diesen Ansatz verfolgen die professionellen Refurbisher.

Was ist Refurbishing?

Google Translate spuckt als Übersetzung des Wortes „refurbished“ schlichtweg den deutschen Begriff "renoviert" aus. Dies bringt den Sachverhalt schon ziemlich gut auf den Punkt. Etwas detaillierter ausgedrückt versteht man unter dem Begriff „Refurbishing“ alle nötigen Arbeitsschritte, um ein gebrauchtes Gerät wieder in einen einwandfreien optischen und technischen Zustand zu versetzen.

Unter Refurbishing versteht man also die professionelle Wiederaufbereitung von elektronischer Hardware. Nach Abschluss aller Arbeitsschritte werden die so wieder aufbereiteten Geräte als Gebrauchtgeräte verkauft.

Woher kommen die Geräte?

Bei Notebooks und PCs auf dem Refurbished-Markt handelt es sich in den allermeisten Fällen um hochwertige Businessgeräte, welche in puncto Robustheit, Langlebigkeit und Leistung den herkömmlichen Consumergeräten weitaus überlegen sind. Die im Schnitt zwei bis drei Jahre alten Geräte stammen als sogenannte Rückläufer aus Firmen-Leasing-Verträgen. Banken, Versicherungen und große Firmen kaufen ihre Geräte in aller Regel nicht, sondern leasen diese in Tausender-Stückzahlen inklusive der dazugehörigen Service-Verträge. Die Leasingnehmer bleiben dadurch technisch immer auf dem neuesten Stand und müssen sich keine Gedanken um die Beschaffung identischer Geräte machen, wenn eines einmal ausfallen sollte.

Wie funktioniert die Wiederaufbereitung?

Im ersten Arbeitsschritt werden alle Geräte einer ausführlichen Sichtprüfung unterzogen. Werden hier defekte Teile identifiziert, werden sie ausgetauscht. Das muss sehr sorgfältig geschehen, denn schon kleinste Kratzer im Gehäuse können aus einem Computer in Top-Qualität einen B-Ware-Rechner machen, der den hohen Erwartungen vieler Kunden nicht genügen würde.

Wiederaufbereitung gebrauchter PCs erfolgt sehr sorgfältig
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© Fotolia / Mike Fouque

Werden dagegen keine nennenswerten äußerlichen Beschädigungen und Mängel sichtbar, dann geht es weiter zur technischen Prüfung. Hierbei wird jedes Bauteil genauestens überprüft. Angefangen von der Tastatur, über die Display-Scharniere bis hin zu Festplatte, RAM und Prozessor. Wurden alle Tests bestanden, wird das vom Kunden gewünschte Betriebssystem installiert.

Ganz am Ende der Wiederaufbereitung steht dann die gründliche Reinigung, bei der das Gerät sowohl innen als auch außen auf Hochglanz gebracht wird, bevor es schließlich verpackt und an den Kunden ausgeliefert wird.

Was passiert mit den Daten?

Datenschutz hat beim Refurbishing gebrauchter Hardware oberste Priorität. Alle Geräte, die nach dem Ende der ersten Nutzungsdauer von Unternehmen veräußert werden, haben daher eine zertifizierte Datenlöschung hinter sich. Das ist zum einen notwendig, damit niemand unbefugt sensible Unternehmensdaten rekonstruieren kann, zum anderen kann so der Käufer eines Gebraucht-PCs aber auch wirklich sicher sein, dass sein Rechner frei von jeglicher Schadsoftware ist.

Warum sich wiederaufbereitete Geräte gleich vierfach lohnen

Neugeräte haben enormen Wertverfall

Der Wertverfall von Computern mit Windows oder Linux als Betriebssystem ist enorm. Als Faustregel gilt, dass diese PCs und Notebooks pro Jahr rund die Hälfte ihres aktuellen Wertes einbüßen. Ein Computer, der einmal 1.000 Euro gekostet hat, ist also vier Jahre später nur noch 125 Euro wert. Wäre der Windows- oder Linux-PC als Kapitalanlage gedacht gewesen, hätte man in dieser Zeit demnach einen sensationellen Verlust von 87,5 Prozent gemacht.

Etwas weniger dramatisch sieht es hingegen bei Apple-Computern aus. Apple-Rechner verlieren im Gegensatz zu anderen wieder schnell veräußerbaren Konsumartikeln unterdurchschnittlich an Wert. Der Preis eines gut erhaltenen Mac liegt auch vier Jahre nach Kauf immerhin noch bei rund der Hälfte des Neupreises.

Geräte sind auch gebraucht noch auf dem Stand der Technik

Aktuell stößt die Hardwareentwicklung vor allem in Sachen Taktung und Geschwindigkeit an physikalische Grenzen, deren Ausweitung noch lange nicht serienreif ist. Seit einiger Zeit ist daher ein Trend zu beobachten, dass grundlegende Hardware-Anforderungen auch für neuere Software relativ konstant bleiben.

Jüngstes Beispiel hierfür ist das Betriebssystem Windows 10. Dieses gibt sich im Wesentlichen mit der gleichen technischen Grundausstattung zufrieden wie die Vorgängerversionen. Vor allem gewerbliche Anwender können diesen Umstand gewinnbringend für sich nutzen, da sie in der Regel mit ihrem Computer ausschließlich im Internet surfen, typische Office-Programme nutzen und E-Mails schreiben. Die Systemanforderungen von E-Mail-Clients, Browsern, Word, Excel und Co. sind so gering, dass selbst ein zehn Jahre alter PC mit Einkernprozessor und 800 MHz Taktfrequenz noch immer ausreicht, um flüssig arbeiten zu können.

Wiederaufbereitung schont den Geldbeutel

Natürlich gibt es auch schon fabrikneue Notebooks für 250 Euro pro Stück. Bei der Ausstattung muss man dann freilich gewaltige Abstriche machen. Statt eines leistungsstarken Intel Core- i5-Prozessors gibt es in dieser Preisklasse lediglich eine müde Intel Atom-CPU. Statt vier nur zwei Gigabyte Arbeitsspeicher, und ein gängiges Betriebssystem wie Windows oder gar ein optisches Laufwerk sucht man meist ebenfalls vergeblich.

Legt man jedoch Wert auf leistungsfähige Hardware, die gleichzeitig auch bezahlbar sein soll, dann führt kein Weg an einem professionell wiederaufbereiteten Gerät aus zweiter Hand vorbei. Nur durch professionelles Refurbishing ist es möglich, robuste und leistungsstarke Businesshardware bei einem Preisvorteil von ca. 85 Prozent gegenüber dem Neupreis zu erhalten.

Wiederaufbereitung kostet keine Ressourcen und kaum Energie

Das wichtigste Argument, warum man die konsequente Benutzung von wiederaufbereiteter Hardware der Anschaffung von Neugeräten generell vorziehen sollte, ist jedoch der äußerst geringe Energie- und Ressourcenaufwand im Zuge der Aufbereitung.

Wiederaufbereitung benötigt keine neuen Ressourcen und nur wenig Energie
Vergrößern Wiederaufbereitung benötigt keine neuen Ressourcen und nur wenig Energie
© Fotolia / vege

Die technische Funktion aller Komponenten einmal vorausgesetzt, sind neben Putz- und Reinigungsmitteln keinerlei Ressourcen notwendig, und das Gerät startet so gut wie klimaneutral in sein zweites Leben. Auch der Energieaufwand einer Aufbereitung beschränkt sich mit dem Ausblasen per Druckluft sowie dem abermaligen Postversand auf ein Minimum verglichen mit dem Energieeinsatz einer Neuproduktion.

Fazit: Sind Second-Hand-Computer also eine Chance für das Weltklima?

Wenn man sich also für Hardware aus zweiter Hand entscheidet, dann leistet man nicht nur einen wichtigen Beitrag zum schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen und zum Umweltschutz, sondern demonstriert auch, dass sich Technikbegeisterung und ökologisches Handeln keineswegs gegenseitig ausschließen müssen.

Sicherlich kann man den Klimawandel allein durch den Kauf gebrauchter und wiederaufbereiteter Hardware nicht gänzlich aufhalten. Jeder Einzelne von uns kann aber seinen Beitrag dazu leisten, dass wir die Erderwärmung doch noch in den Griff bekommen bevor es zu spät ist.

Der Kauf wiederaufbereiteter Hardware ist ein kleiner Schritt von vielen in die richtige Richtung.

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