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OC-Tool AMD Ryzen Master: Gratis, sicher & bequem CPU übertakten

28.03.2017 | 16:45 Uhr |

Das neue OC-Tool von AMD soll es Nutzern einfacher machen, aus Ryzen-Prozessoren noch mehr Leistung quetschen zu können. Wie das funktioniert, erklärt dieser Ratgeber.

Neben einer komplett neuen CPU-Generation namens Ryzen hat AMD im März 2017 auch ein passendes, kostenloses Übertaktungs-Tool namens AMD Ryzen Master veröffentlicht. Denn nach eigenen Angaben haben die Ingenieure die Prozessoren so entwickelt, dass sie sich einfach tunen lassen und auch einen guten Spielraum für das Anheben von Taktraten bieten.

Mit den Ryzen-CPUs will AMD endlich wieder zu Intel aufschließen und mit dem Top-Modell Ryzen 7 1800X könnte das sogar gelingen. Zum Preis von 559 Euro bekommt man einen 8-Kerner, der besonders bei der Multi-Core-Performance neue Rekorde aufstellt. Aber wie sieht es mit der Spiele-Leistung und vor allem der Temperatur und dem Stromverbrauch aus? Kann AMD Intel hier wirklich Paroli bieten? Wir haben den neuen AMD Ryzen 7 1800X im Video getestet.

AMD Ryzen mit stets freiem Multiplikator

Eine Besonderheit gibt es gleich vorab: Ab Werk verfügen alle Prozessoren der Ryzen-Generation über einen entsperrten Multiplikator, egal ob der Rechenchip 500 oder 150 Euro kostet. Das war bislang nur einigen ausgewählten Modellen vorbehalten, beispielsweise den FX- und Black-Edition-Vorgängern. Beim Konkurrenten Intel ist das immer noch Fall, denn nur Varianten mit der Endung „K“ oder „X“ in der Produktbezeichnung bieten einen freien Multiplikator.

Alle Prozessoren der Ryzen-Generation besitzen einen entsperrten Multiplikator.
Vergrößern Alle Prozessoren der Ryzen-Generation besitzen einen entsperrten Multiplikator.
© AMD

Der Grund, warum dieser so wichtig ist: Der Wert des Multiplikators bestimmt quasi die Taktfrequenz des Prozessors, indem er den grundlegenden Systemtakt (auch BCLK, also Base Clock genannt) multipliziert - deshalb auch der Name. Beläuft sich dieser Systemtakt beispielsweise auf 100 MHz und der Multiplikator beträgt 36, dann beläuft sich der Takt auf 3,6 GHz (100 x 36 = 3600 MHz = 3,6 GHz). Vereinfacht gesagt genügt also das Anheben des Multiplikators, um die CPU über seine Werkstaktung hinaus zu übertakten. Dass das simple Hochschrauben des Multiplikators aber nur im gewissen Maße ausreicht, werden wir im weiteren Verlauf des Artikels noch erfahren.

AMD Ryzen 7 1800X im Test

Das müssen Sie vor dem Übertakten wissen

Grundsätzlich ist es so, dass sich jeder einzelne Prozessor unterschiedlich gut übertakten lässt, selbst wenn es sich um das gleiche Modell handelt. Kleinste, bauliche Unterschiede sind der Grund dafür. Weiterhin entscheidet nicht nur die CPU, sondern auch die komplette restliche Umgebung über den finalen Grad der Übertaktung: Dazu zählen das Mainboard, der Chipsatz, Arbeitsspeicher und die eigentliche Vorgehensweise beim Overclocking. Bei Ryzen benötigen Sie eine Hauptplatine mit X370-, X300- oder B350-Chipsatz.

Besonders wichtig ist vor allem die Kühlung: Je besser sie ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie die Taktraten erfolgreich erhöhen können und sie auch stabil laufen. Zu empfehlen ist eine große Luftkühlung wie der Thermalright Silver Arrow IB-E-Extreme für rund 93 Euro, der mit einem Dual-Tower-Design und zwei Lüftern für eine ordentliche Wärmeableitung sorgt. Noch besser kühlt natürlich Wasser, weil es besser leitet: Wartungsfreie Kompaktwasserkühlungen wie die Corsair Hydro 110i GT für knapp 130 Euro, die mit einem 280 Millimeter großen Radiator und zwei Lüftern arbeitet, die für einen ständigen Wärmeaustausch sorgt.

Ein ordentlicher Kühler sollte beim Übertakten Pflicht sein.
Vergrößern Ein ordentlicher Kühler sollte beim Übertakten Pflicht sein.
© Thermalright

Die teurere und wohl aktuell beste Variante sind sogenannte Custom-Loops, also selbst gebaute Wasserkühlungen mit Ausgleichsbehältern und Schlauch- oder Hardtube-Verbindungen. Achten Sie bei den Kühlern allerdings darauf, dass ein Sockeladapter für AM4 enthalten oder kostenlos nachgeliefert wird!

Eine ordentliche Custom-Loop-Wasserkühlung sorgt auch beim Übertakten für niedrige Temperaturen.
Vergrößern Eine ordentliche Custom-Loop-Wasserkühlung sorgt auch beim Übertakten für niedrige Temperaturen.

Eine Warnung müssen wir vorab allerdings aussprechen: Weder PC-WELT, noch die Hardware-Hersteller Ihrer verwendeten Komponenten lassen sich für eventuell missglückte Übertaktungsversuche haftbar machen. Der Vorgang geschieht auf eigene Gefahr und kann bei falscher Vorgehensweise im schlimmsten Fall zum irreparablen Defekt Ihrer CPU und/oder anderen Komponenten führen.

AMD Ryzen 7 1700X im Test

AMD Ryzen Master: Übertakten vom Desktop aus

Das Overclocking-Programm AMD Master Ryzen können Sie auch auf PC-WELT kostenlos herunterladen und ist das einzige offizielle Tool, das die Ryzen-Modelle unterstützt. Das ältere AMD Overdrive ist inkompatibel zu den neuen CPUs. AMD Master Ryzen bietet recht viele Einstellmöglichkeiten: Dazu zählen neben dem Multiplikator auch Dinge wie RAM-Geschwindigkeiten und Versorgungsspannungen.

Das Dashboard des Übertaktungs-Tools AMD Ryzen Master.
Vergrößern Das Dashboard des Übertaktungs-Tools AMD Ryzen Master.

Bevor Sie allerdings nach der Installation das Programm starten, sollten Sie sicherstellen, dass HPET (High Precision Event Timers) in Window 10 aktiviert ist. Bei dieser Option handelt es sich um einen hochpräzisen Zeitgeber, der für korrekte Echtzeitprotokollierungen von Spannungen und Taktraten sorgt. Hierfür klicken Sie sich bis zum Installationspfad von Ryzen Master durch, führen das dortige Skript HPET.bat aus und starten danach das System neu. Denn wenn die Option nicht aktiv ist, kann das Programm keine Übertaktungs-Profile anwenden.

Aktivieren Sie HPET in Windows mit Hilfe des mitgelieferten Skripts, um mit Ryzen Master übertakten zu können.
Vergrößern Aktivieren Sie HPET in Windows mit Hilfe des mitgelieferten Skripts, um mit Ryzen Master übertakten zu können.

Bremsen lösen in den Windows-Energieoptionen

Des Weiteren sollten Sie unter den Windows-Energieoptionen auch noch das Profil „Höchstleistung“ aktivieren, damit das Betriebssystem der CPU freien Lauf lassen kann. Nachdem Sie das Programm öffnen, warnt Sie eine Meldung noch einmal vor den Risiken des Übertaktens und betont, dass Sie AMD nicht für eventuelle Schäden haftbar machen können.

AMD empfiehlt für eine bessere Leistung mit Ryzen-CPUs die Windows-Energieoptionen auf "Höchstleistung" zu stellen.
Vergrößern AMD empfiehlt für eine bessere Leistung mit Ryzen-CPUs die Windows-Energieoptionen auf "Höchstleistung" zu stellen.

Im eigentlichen Menü angekommen wechselt der Prozessor in den integrierten OC-Modus, sobald Sie einen der angezeigten Parameter ändern. In diesem Fall deaktiviert der Prozessor die standardmäßigen vorgegebenen Maximalwerte in Sachen Thermik und Spannung. Das bedeutet auch das Aus für die Turbo-Techniken Precision Boost und XFR (Extended Frequency Range), die normalerweise vollautomatisch für höhere Taktraten sorgen.

AMD Ryzen 7 1700 im Test

CPU-Werte in Echtzeit im Blick behalten

Auch eine Echtzeitprotokollierung ist in Ryzen Master möglich, indem Sie links oben auf den kleinen Pfeil drücken und sich die aktuellen Werte unter „Aktuell“ anzeigen lassen. Jeder einzelne Kern wird inklusive Takt im rechts abgebildeten Diagramm in der oberen Hälfte mit einer eigenen Farbe gekennzeichnet. In der unteren Hälfte des Diagramms zeigt die Software die aktuelle Betriebstemperatur an. Falls letztere aber bereits im wenig aufwendigen Desktop-Betrieb schon bei weit über 60 Grad Celsius liegen, dann sollten Sie vor dem Overclocking definitiv über eine neue Kühlung nachdenken.

Ryzen Master bietet auch eine Echtzeit-Protokollierung an.
Vergrößern Ryzen Master bietet auch eine Echtzeit-Protokollierung an.

Profile anlegen und speichern

Zu Beginn befindet sich Ryzen Master im Tab mit dem Titel „C“ (für Current, also aktuell), wie Sie unten links feststellen werden. Hierbei handelt es sich um die Standardwerte der CPU, die sich nicht verändern lassen. Um das zu tun, müssen Sie in eines der vier angezeigten Profile wechseln. Jede Veränderung an den Parametern übernimmt das Programm nur nach einem Klick auf die Schaltfläche „Übernehmen“, die dann rechts oben erscheint.

Erste Schritte: Multiplikator erhöhen

Für den Anfang sollten Sie erst einmal den Multiplikator erhöhen. Im AMD Ryzen Master ist das in 25-MHz-Schritten möglich. Es gibt tatsächlich fünf Möglichkeiten, um die Taktfrequenz anzuheben, wie beispielsweise den gelben Schieberegler noch oben oder unten zu schieben oder durch ein Klicken auf die Pfeile neben der aktuellen Taktrate. Alternativ können Sie den gewünschten Takt auch einfach in das Zahlenfeld eintippen. Hierbei ist zu beachten, dass nach einem Klick alle CPU-Kerne die eingegebene Frequenz übernehmen.

Das Anheben des Multiplikators wirkt sich auf alle CPU-Kerne aus.
Vergrößern Das Anheben des Multiplikators wirkt sich auf alle CPU-Kerne aus.

Wir empfehlen, den Takt in nur kleinen Schritten zu je 50 MHz anzuheben und danach die CPU mit einem aufwendigen Test wie Cinebench R15 zu belasten. Erst so finden Sie heraus, ob der Chip mit den eingestellten Werten auch tatsächlich stabil läuft.

Offiziell: AMDs Ryzen 5 CPUs ab dem 11. April verfügbar

Veränderung der CPU-Spannung für noch mehr Leistung

Ab einem bestimmten Punkt ist aber Schluss mit der Erhöhung des Multiplikators. Das bemerken Sie, wenn das System während des Stabilitätstest abstürzt oder sich nach den Einstellungen seltsam verhält. Dann sollten Sie einen Schritt beim Multiplikator zurückgehen und die Einstellungen im entsprechenden Profil speichern. Um jetzt noch höhere Taktraten zu erreichen, müssen Sie zusätzlich die CPU-Spannung (auch Vcore genannt) anheben.

Im AMD Ryzen Master lässt sich das in 0,00625 Volt großen Schritten erledigen. Überschreiten Sie nicht die Grenze von 1,45 Volt, da diese Spannung kräftig an der Lebensdauer der CPU nagt. Aber 1,4 Volt sollten noch sicher sein. Auch hier gilt wieder: Steigern Sie in kleinen Schritten die Spannung und prüfen Sie die CPU auf Stabilität, danach können Sie den Multiplikator auch um einen Schritt erhöhen und wiederum testen. Haut diese Kombination nicht hin, dann erhöhen Sie die Spannung noch etwas, testen sie und erhöhen danach wieder den Multiplikator mit einem abschließenden Benchmark.

Links der Ryzen 7 1700X vor der Übertaktung, rechts danach.
Vergrößern Links der Ryzen 7 1700X vor der Übertaktung, rechts danach.

AMD: Ryzen wird durch Patches noch schneller in Spielen

CPU-Kerne für mehr Takt deaktivieren

AMD Ryzen Master bietet Ihnen zusätzlich die Möglichkeit, CPU-Kerne paarweise zu deaktivieren. Nach Angaben von AMD kann das zu besseren Übertaktungsergebnissen führen, alternativ können Sie diese Option als Stromsparmaßnahme einsetzen. Ein Ryzen 7 1800X lässt sich also auch nur mit bis zu zwei aktiven Kernen betreiben. Diese Änderung setzt allerdings einen Neustart des Systems voraus. Nach dem Reboot müssen Sie warten, bis sich Ryzen Master automatisch startet, was durchaus etwas Zeit in Anspruch nehmen kann. AMD rät davon ab, das Tool eigenmächtig zu starten, weil das ansonsten den Start der ersten Programminstanz verhindert und die Deaktivierung der Kerne nicht erfolgen kann.

Wenn Sie mit weniger Kernen leben können, dann führen Sie die weiter oben aufgezählten Schritte fürs Übertakten durch. Tatsächlich profitieren aktuelle Spiele noch nicht allzu stark von vielen Rechenkernen, sondern von hohen Taktraten. Multimedia-Anwendungen hingegen verrichten ihren Dienst flotter, wenn mehr Kerne zur Verfügung stehen.

Im Ryzen Master lassen sich CPU-Kerne auch paarweise deaktivieren, um noch bessere OC-Ergebnisse zu erreichen oder einfach nur Strom zu sparen.
Vergrößern Im Ryzen Master lassen sich CPU-Kerne auch paarweise deaktivieren, um noch bessere OC-Ergebnisse zu erreichen oder einfach nur Strom zu sparen.

Arbeitsspeicher übertakten

Ebenfalls mit an Bord ist die Möglichkeit, seinen Arbeitsspeicher zu übertakten. Denn Ryzen profitiert tatsächlich von schnellem RAM. Auch hier stellt Ryzen Master eine recht einfache Bedienoberfläche zur Verfügung, die sich unter der CPU-Spannungskontrolle befindet. Dort lassen sich der RAM-Takt anheben, während sich die Speicher-Timings und -Latenzen reduzieren. In der Regel geht die Anhebung des Arbeitsspeicher-Taktes mit höheren Speicher-Timings einher, allerdings ist das nicht immer der Fall. Tatsächlich lässt sich ein höherer Arbeitstakt sogar realisieren, ohne die Timings zu ändern oder sie sogar zu reduzieren. Auch hier kommt es wieder stark auf die Speichermodule, -Chips und das Mainboard an.

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AMD Ryzen 7 1700X übertaktet

Für diesen Artikel haben wir mit Hilfe von AMD Ryzen Master einen AMD Ryzen 7 1700X übertaktet. Unser System lieft stabil mit rund 3,9 GHz (anstelle von 3,5) bei einem Vcore von 1,3875. Zu unserer Testumgebung: Wir nutzen eine Kompakt-Wasserkühlung mit einem 240 Millimeter großen Radiator auf einer offenen Testplattform - mehr Details zur Hardware finden Sie im Artikel "So testet PC-WELT Desktop-Prozessoren". Im Benchmark Cinebench R15 erhalten wir auf diese Weise im Multi-Core-Ergebnis 1631 Punkte, während ein regulär getakteter 1800X auf "nur" 1575 Punkte kommt. Zum Vergleich: Der 1700X erreichte in unserem Test mit seinem Standard-Takt 1515 Punkte.

In Cinebench R15 erhalten wir dank der Übertaktung ein besseres Ergebnis als ein 1800X!
Vergrößern In Cinebench R15 erhalten wir dank der Übertaktung ein besseres Ergebnis als ein 1800X!

Ryzen 7 1800X Benchmark-Weltrekord

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