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iPad Mini 5 im Macwelt-Test – Kleines Pad ganz groß

15.04.2019 | 13:32 Uhr |

Darauf haben viele gewartet: Ein neues iPad Mini ist da. Apple steckt aktuelle Technik ins kleinste iPad, und man bekommt sogar einige neue Features. Wir schauen uns das aktuelle iPad Mini genau an.

Fast vier Jahre ließ Apple das kleinste iPad im praktischen Formfaktor unverändert im Programm. Das ist eine sehr lange Zeit und Auguren behaupteten schon mehrmals, dass Apple das iPad Mini absichtlich sterben lassen will, weil es zu viel Marktanteil vom „normal“ großen und teureren iPad wegnehmen würde. Schließlich waren die Mini-Modelle mit ihren 7,9-Zoll-Bildschirmen lange Zeit genauso leistungsfähig wie ein großes iPad, nur eben deutlich günstiger in der Anschaffung . Das dürfte viele Interessenten dazu bewogen haben, zum billigeren Modell zu greifen, doch das wird nun anders. Das iPad Mini in der 5. Generation ist da und Apple positioniert es preislich sogar etwa 100 Euro oberhalb des günstigsten 9,7-Zoll-iPad . Dafür bekommt man allerdings auch mehr Leistung.

Produkt: iPad Mini der fünften Generation
Vorteile: Super-Display im kleinen Gehäuse, Schnellladefunktion
Nachteile: GPS-Chip nur im Cellular-Modell
Preis: ab 450 Euro
Note: 1,8

Design und Ausstattung

Optisch ändert sich auf den ersten Blick nichts. Abmessungen und Gewicht bleiben weitgehend identisch zum iPad Mini 4. Auch die drei Gehäusefarben Silber, Space Grau und Gold sind weiterhin im Programm, wobei unser goldenes Testgerät ziemlich stark Richtung Roségold tendiert. Lediglich beim WiFi-+Cellular-Modell gibt es einen optischen Unterschied: Die Kunststoffabdeckung der LTE-Antennen kommt nun in der Gehäusefarbe lackiert. Das sieht deutlich besser aus.

Mehr tut sich bei der Speicherausstattung. Man hat die Wahl zwischen 64 und 256 GB Flash-Memory. Letztere Option ist ein Novum fürs Mini-iPad. Die Vorversion bot maximal 128 GB. Der Fingerprint-Sensor ist wieder mit an Bord, auf die aktuelle Identifizierungstechnik per 3D-Gesichtserkennung (Face-ID) muss man leider verzichten. Dafür gibt es ein neues Display.

Display

Apple setzt im iPad Mini ein vollständig laminiertes Display ein, das nun einen großen Farbraum (P3) und True-Tone-Fähigkeit bietet. Die Laminierung direkt an die Glasoberfläche sorgt dafür, dass das Display gegenüber früheren Generationen des iPad Mini dünner wird und so mehr Platz im Gehäuse bleibt. Außerdem liegt es näher an der Oberfläche, was einen besseren optischen Eindruck macht, besonders wenn man das Display seitlich betrachtet. Besser sind hier nur noch OLED-Displays. Doch auf diese Display-Technologie müssen alle iPad-Modelle derzeit noch verzichten. Lediglich im iPhone XS und XS Max setzt Apple OLED-Displays ein .

Das neue Display im iPad Mini 5 liefert einen erweiterten Farbraum (P3), doch das Display im Vorgängermodell (iPad Mini 4) war auch schon sehr gut. Einen großen Unterschied messen wir hier nicht mehr.
Vergrößern Das neue Display im iPad Mini 5 liefert einen erweiterten Farbraum (P3), doch das Display im Vorgängermodell (iPad Mini 4) war auch schon sehr gut. Einen großen Unterschied messen wir hier nicht mehr.

Die True-Tone-Funktion sorgt dafür, dass sich der Farbeindruck auf dem Display dem Umgebungslicht anpasst. Dazu verfügt das iPad Mini über auf der Frontseite integrierte Farbsensoren. Sie messen ständig das Umgebungslicht, nicht nur in der Intensität, sondern auch in der vorherrschenden Farbe. Durch die Sensordaten versucht das Betriebssystem den Farbeindruck auf dem Display zu korrigieren, sodass beispielsweise bei kaltem Kunstlicht möglichst auch auf dem Display ein kälterer Farbeindruck entsteht. Das gleiche gilt für warmes Licht, etwa bei Kerzenschein. Es soll ein ähnlicher Effekt sein, als wenn man ein weißes Blatt Papier in der Hand hält, hier ändert sich der Weißpunkt des reflektierten Lichts ja ebenfalls mit dem Umgebungslicht.

Die True-Tone-Funktion passt die Display-Farben dem Umgebungslicht an. Profis können sie in den Einstellungen auch abschalten.
Vergrößern Die True-Tone-Funktion passt die Display-Farben dem Umgebungslicht an. Profis können sie in den Einstellungen auch abschalten.

Das funktioniert in der Praxis recht gut. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die True-Tone-Funktion die Farben verändert. Grafikprofis, die meist unter exakt definiertem Umgebungslicht arbeiten, finden das sicher nicht gut. Für diese Anwendungsfälle kann man die True-Tone-Funktion in den Display-Einstellungen abschalten.

Das True-Tone-Display wird überhaupt erst mit einem erweiterten Farbraum möglich und so bekommt man nun den großen DCI-P3-Farbumfang, der aus dem Profi-Kino-Bereich kommt. Im Test merken wir das im Vergleich zu älteren iPad-Modellen deutlich. Die Farben von Fotos oder Videos wirken natürlicher, Farbsäume bei sanften Verläufen sind fast nicht mehr erkennbar.

500 cd/qm gibt Apple als maximale Helligkeit des Displays an, wir messen 499,69 cd/qm, Punktlandung! Auch das maximale Kontrastverhältnis liegt mit über 800:1 auf einem ordentlichen Niveau. Viel mehr lässt sich nur mit OELD-Displays erreichen, weil diese beim Schwarzwert unschlagbar sind. Auch die Homogenität liegt mit 85 Prozent auf einem sehr guten Niveau.

Kamera

Das iPad Mini 5 bringt auch Neuigkeiten bei den integrierten Kameras. Während die rückwärtige Kamera mit 8 Megapixeln Auflösung unverändert bleibt, verbessert Apple die Frontkamera, die man meist für Facetime-Videoanrufe und für Selfies benutzt. Statt eines 1,2-Megapixel-Sensors im Vormodell (und im günstigsten 9,7-Zoll-iPad) kommt nun ein Sensor mit 7 Megapixel zum Einsatz. Das ist eine deutliche Verbesserung. Auch wenn man ein iPad sicher nur selten für Selfies in der Öffentlichkeit verwendet, beim Videochat macht sich die neue Kamera positiv bemerkbar. Im Test wirkt das Bild sichtbar schärfer, kontrastreicher und farblich ausgeglichener.

Die Kamera im iPad Mini (rechts) liefert eine erstaunliche Bildschärfe und eine gute Farbtreue. Die kommt fast an das derzeitige Kamera-Topmodell heran, das Apple in iPhone XS und XS Max verwendet (links).
Vergrößern Die Kamera im iPad Mini (rechts) liefert eine erstaunliche Bildschärfe und eine gute Farbtreue. Die kommt fast an das derzeitige Kamera-Topmodell heran, das Apple in iPhone XS und XS Max verwendet (links).
Die neue Frontkamera verfügt über einen 7-Megapixel-Sensor (links) und liefert deutlich bessere Ergebnisse als die 1,2-Megapixel-Kamera des Vorgängermodells (rechts)
Vergrößern Die neue Frontkamera verfügt über einen 7-Megapixel-Sensor (links) und liefert deutlich bessere Ergebnisse als die 1,2-Megapixel-Kamera des Vorgängermodells (rechts)

Apple Pencil

Ebenfalls ein Novum fürs iPad Mini ist die Unterstützung für den Apple Pencil der ersten Generation. Dieser wird per Lightning-Anschluss direkt am iPad aufgeladen und verbindet sich automatisch bei der ersten Benutzung mit dem iPad Mini. Im Test klappte das einwandfrei. Die Leistung des neuen iPad ist zudem mehr als ausreichend, um handschriftliche Notizen oder Zeichnungen zu erfassen. Verzögerungen oder ein Nachziehen konnten wir selbst bei sehr schnellen Bewegungen des Pencil im Test so gut wie nicht feststellen.

Auch wenn das iPad Mini wegen des kleineren Bildschirms sich nicht als optimales Werkzeug für Grafiker und Künstler erweist, ist die Möglichkeit, den Apple Pencil überhaupt zu benutzen, eine deutliche Bereicherung. Dass man den leistungsfähigeren Pencil 2 nicht verwenden kann, ist zwar schade, aber zu verschmerzen. Ein Profi würde eh auf die iPad-Pro-Modelle zurückgreifen. Alle anderen dürften mit den Möglichkeiten des Pencils der ersten Generation erst einmal gut auskommen .

Akkulaufzeit und Ladezeit

Kommen wir zu unseren ersten Messungen. Apple gibt die Akkulaufzeit des neuen iPad Mini unverändert mit zehn Stunden an. In der Praxis hängt das natürlich immer davon ab, wie man das iPad benutzt. Die Bildschirmhelligkeit dürfte hier ein großer Faktor sein, genauso wie die CPU-Auslastung. Aufwändige 3D-Spiele bei voller Helligkeit dürfte jeden Akku in kürzester Zeit leer saugen. Wir testen wie immer zwei verschiedene Szenarien. Eine Art Worst-Case-Fall stellt die Wiedergabe von Videos bei voller Bildschirmhelligkeit dar. Hier läuft das neue iPad Mini in unserem Test knapp sechs Stunden. Ein guter Wert, mit dem sich Mini-iPad durchaus mit einem iPad Air messen kann. Im zweiten Test stellen wir die Displayhelligkeit auf 50 Prozent und rufen in einer Schleife ständig bestimmte Webseiten in Safari auf. Hier schaltet sich das neue iPad Mini nach etwas mehr als acht Stunden ab. Ebenfalls ein sehr guter wert, damit läuft es sogar gut eine Stunde länger als das iPad Air 2.

Knapp 5 Ah misst unsere Software als Akkukapazität für das iPad Mini 5. Gut drei Stunden braucht das beiliegende 10-Watt-Ladegerät, um es wieder voll aufzuladen.Mit einem USB-Typ-C-Ladegerät und Adapterkabel sollte es schneller gehen.
Vergrößern Knapp 5 Ah misst unsere Software als Akkukapazität für das iPad Mini 5. Gut drei Stunden braucht das beiliegende 10-Watt-Ladegerät, um es wieder voll aufzuladen.Mit einem USB-Typ-C-Ladegerät und Adapterkabel sollte es schneller gehen.

Beim Aufladen messen wir gleichzeitig die Akkukapazität. Nach 3 Stunden und 13 Minuten ist der Akku wieder voll. Unsere Messelektronik gibt dabei knapp 5000 mAh für die Akkukapazität aus. Das deckt sich mit den Angaben zum iPad Mini 4. Den Akku hat Apple also nicht vergrößert. Wie Ein Reddit-Nutzer festgestellt hat , ist das neue iPad Mini auch schnellladefähig. Dazu muss man allerdings ein USB-Typ-C Ladegerät und ein spezielles Lightning-Adapterkabel benutzen. Die Ladezeit dürfte sich dadurch in etwa halbieren.

CPU- & GPU-Performance

Eine wichtige Neuerung im iPad Mini 5 ist der eingebaute Hauptprozessor und die Grafikeinheit. Apple greift hier auf das derzeit jüngste Modell „A12 Bionic“ zurück. Der gleiche Chips kommt beispielsweise in den iPhone-Modellen XS, XS Max und XR zum Einsatz. Nur die iPad-Pro-Modelle verfügen über den noch leistungsfähigeren A12X-Chip, der vor allem mehr Geschwindigkeit bei der Grafikausgabe bietet.

Die Kollegen von iFixit haben das neuen iPad Mini 5 bereits zerlegt. Auf der Hauptplatine sind alle notwendigen Komponenten untergebracht. Gut erkennt man den Apple-A12-Chip. Er enthält auch 3 GB LPDDR4X DRAM.
Vergrößern Die Kollegen von iFixit haben das neuen iPad Mini 5 bereits zerlegt. Auf der Hauptplatine sind alle notwendigen Komponenten untergebracht. Gut erkennt man den Apple-A12-Chip. Er enthält auch 3 GB LPDDR4X DRAM.
© iFixit.com

In unseren Benchmark-Messungen liegt das iPad Mini 5 in etwa auf dem Niveau des iPhone XS, bei 3D-Grafiktests teilweise sogar darüber. Das mag an der besseren Kühlung im iPad liegen, der Chip wird vermutlich etwas höher getaktet oder reduziert die Taktfrequenz aufgrund von Überhitzung bei Dauerlast etwas später als im iPhone. Insgesamt sind die Werte beeindruckend. Ob beim Surfen auf aufwendigen Webseiten mit viel Javascript-Code, bei 3D-Spielen oder komplexen AR-Anwendungen, das iPad Mini bleibt im Test immer flüssig und reagiert flott. Es ist nun wieder auf der Höhe der Zeit und kann überall mühelos mithalten.

WLAN, LTE und Bluetooth

Alle iPad-Mini-Modelle kommen nun mit Bluetooth 5.0. Die neue Version soll eine  höhere Reichweite und mehr Datendurchsatz ermöglichen. Darüberhinaus hat man wie immer die Wahl zwischen einem reinen WiFi-Gerät und einer Version, die Daten auch per Mobilfunk (LTE) übertragen kann. Die Betonung liegt hier auf „Daten“, denn das so genannte „WiFi + Cellular“ kann ohne ein zusätzliches iPhone in der Nähe keine SMS verschicken/empfangen und auch keine Telefonanrufe entgegennehmen/initiieren. Das trifft leider auch auf WhatsApp zu. Einen technischen Grund gibt das dafür nicht, es ist schlicht eine Apple-Philosophie, diese Funktionen ausschließlich auf den iPhone-Modellen zuzulassen. Schade!

Wichtig: Wer das iPad Mini auch als Navigationsgerät, zum Beispiel im Auto benutzen möchte, sollte die WiFi+Cellular-Version kaufen, denn nur hier gibt es auch den GPS-Chip für die genaue Ortsbestimmung.

Preise & Fazit

Das Basismodell mit 64 GB Speicher kostet mit 450 Euro genau 100 Euro mehr, als das Basismodell des 9,7-Zoll-iPad. Allerdings: Man bekommt doppelt soviel Speicher und einen deutlich schnelleren Prozessor. Dass Apple alle anderen iPad-Mini-Modelle aus dem Programm genommen hat, deutet darauf hin, dass man das kleine iPad eben nicht mehr als Einstiegsgerät ansieht, sondern viel eher als Aufstieg oder Zwischenstation zu den Pro-Modellen . Packt man alle Optionen dazu, also 256 GB Speicher, das LTE-Modul, den Apple Pencil und ein Smart-Cover landet man bei über 900 Euro. Ein stolzer Preis, aber auch ein tolles Gerät im praktischen Formfaktor!

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