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Microsoft-Entwickler erntet Shitstorm nach Mozilla-Kritik

28.01.2019 | 11:03 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Ein Microsoft-Entwickler empfiehlt Firefox, die eigene Gecko-Engine aufzugeben und lieber zu Googles Chromium zu wechseln.

Microsoft-Entwickler Kenneth Auchenberg hat sich mit einem kleinen Tweet am Wochenende einen großen Shitstorm eingehandelt. Sein Tweet war eine Reaktion auf einen Blog-Eintrag von Mozilla vom Dezember 2018. Damals hatte sich Mozilla zu der Entscheidung von Microsoft geäußert, die Microsoft-eigene Rendering-Engine EdgeHTML aufgeben zu wollen und stattdessen in Edge künftig die Google Rendering-Engine Chromium einsetzen zu wollen. Über das Ende von EdgeHTML hatten wir seinerzeit auch ausführlich berichtet.

In dem Tweet schrieb Auchenberg nun: "Gedanke: Es ist Zeit für @mozilla, von ihrem philosophischen Elfenbeinturm herunterzukommen. Das Web wird von Chrome dominiert, wenn sie sich wirklich um das Web kümmern würden, würden sie dazu beitragen, anstatt ein Paralleluniversum aufzubauen, das von weniger als 5% genutzt wird?"

Auchenberg muss geahnt haben, dass seine Meinung durchaus auf Kritik stoßen wird. Denn nur ein paar Sekunden später tweetete er hinterher: "Das ist meine persönliche Meinung."

Tatsächlich löste der Tweet eine wilde Diskussion aus, an der sich vor allem auch diverse namhafte Entwickler beteiligten. Einige verwiesen darauf, dass es nicht gut sei, wenn wichtige Web-Technologien nur noch in einer Hand liegen. "Erinnerst Du dich an IE6", tweetet etwas ein Entwickler und fügt hinzu: "Einen einzigen großen Gatekeeper zu besitzen, der die Implementierung von Standards steuert, ist nicht praktikabel. Wir haben den Fehler schon in der Vergangenheit gemacht."

Open Source schützt nicht vor Monopolen!

Außerdem wird darauf verwiesen, dass Google nicht davor zurückschreckt, mit eher unfairen Mitteln seine Technologien durchzusetzen, etwa indem künstlich die Performance konkurrierender Browser beim Aufruf von Youtube gedrosselt wird. Einem Vorgehen, dem auch Edge zum Opfer fiel.

Andere sehen in Mozilla (mit Gecko) und Apple (mit WebKit), die einzigen verbliebenen Kämpfer für ein offenes Web. Chromium möge Open Source sein, allerdings seien Kontrolle und Vertrauen zwei unterschiedliche Dinge, die für Mozilla allerdings beide eine wichtige Rolle spielen.

Software-Entwickler Nathan Fritz tweetet in Reaktion auf Auchenberg: "Das ist eine schlechte Einstellung. Wir dürfen das Web nicht an Google oder andere überlassen. SIe nutzen bereits ihre Dominanz, um Standards zu diktieren."

Ein anderer Twitter-Nutzer verweist darauf, dass Open Source keine Allheilmittel gegen Monopole sei. Stattdessen sei Wettbewerb wichtig. "Google mag zwar andere auf ihrem Spielplatz spielen lassen, aber am Ende des Tages ist es ihrer", glaubt der Twitter-Nutzer.

Auchenberg verteidigt seine Aussagen

Am Samstag veröffentlichte Auchenberg schließlich einen neuen Tweet: "Heute hat mir das Internet gesagt, dass ich falsch liege. Ich habe einen Nerv getroffen. Es ist Zeit einen Blog-Post zu verfassen." Besagter Blog-Beitrag ist noch nicht im Blog von Auchenberg erschienen.

Dennoch sieht sich Auchenberg weiterhin im Recht. Sein stärkstes Argument, an dem sicherlich auch etwas dran ist: Innovation für das Web entsteht mittlerweile auf einer höheren Ebene, während letztendlich eine Rendering-Engine gesiegt hat. Es mache daher eher Sinn, sich dies einzugestehen und Kraft und Geld in die Weiterentwicklung neuer Web-Standards zu stecken, die mithilfe der Rendering-Engine, die gesiegt hat, realisiert werden.

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