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Edge-Browser: Jetzt radikal besser dank Chromium

05.06.2020 | 10:10 Uhr | Peter Stelzel-Morawietz

Bis auf die Bezeichnung ändert sich am neuen Microsoft-Browser praktisch alles – und das ist auch gut so. Endlich ist Edge im Vergleich mit Google Chrome wieder konkurrenzfähig. Wir zeigen, was die neue Version bietet und besser kann als die bisherige.

Microsoft hat seinen neuen Browser Edge auf Chromium-Basis schon Mitte Januar fertiggestellt. Weil die neue Version aber noch nicht über das Windows Update verteilt wurde, haben ihn bislang nur wenige Anwender genutzt. Vielmehr stand er nur als Download zur Verfügung, man musste also selbst aktiv werden.

Kürzlich hat Microsoft mit der automatischen Verteilung begonnen. Trotzdem dürfte es noch Wochen dauern, bis wirklich alle Rechner mit Windows 10 über die interne Aktualisierung Edge Chromium erhalten. Wer möchte, bekommt den neuen Browser immerhin sofort.

Das Warten auf den neuen Browser hat sich gelohnt

Was aber ist nun so anders beim neuen Edge? Außer dem Namen praktisch alles, denn die Software zum Surfen basiert nicht mehr auf dem früheren proprietären HTML-Renderer, sondern wie die Browser Google Chrome, Opera und Vivaldi auf dem Open-Source-Browser Chromium . Vor dieser Umstellung waren Chrome, Opera und Vivaldi dem alten Edge bei Geschwindigkeit, Webstandards und Erweiterungen deutlich überlegen. Edge auf eine neue Basis zu stellen war daher überfällig.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen, das belegen auch unsere Messwerte in der Tabelle unten. Edge auf Chromium-Basis hängt seinen Vorgänger in vier von fünf Benchmarks (Ares 6, Basemark Web 3.0, Jetstream 2, Speedometer 2.0, WebXPRT 3) nicht nur deutlich ab, sondern liegt praktisch auch gleichauf mit Google Chrome. Das ist nicht verwunderlich, schließlich haben beide nun ja die gleiche Basis. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Prüfungen HTML5 Test, CSS3 Test und Ringmark, welche die Unterstützung der wichtigsten Webstandards untersuchen: Edge und Chrome in den Versionen 80.0 schneiden auch hier deutlich besser ab als der frühere Microsoft-Browser mit Edge HTML.

Benchmark / Webstandard-Test

Edge 80.0 (Chromium)

Edge 44 (Edge-HTML)

Chrome 80.0

Ares 6 (Millisekunden)

30,6

105

30,2

Basemark Web 3.0 (Punkte)

602

268

593

Jetstream 2 (Punkte)

88616

läuft nicht

89255

Speedometer 2.0 (Punkte)

85

51,7

89,4

WebXPRT 3 (Punkte)

162

171

157

HTML5 Test (Punkte)

531

492

531

CSS3 Test (Prozent)

65

41

65

Ringmarkt (Prozent)

94,4

94,1

94,1

Edge und Chrome: Gleiche Basis, unterschiedliche Programme 

Edge bietet im Gegensatz zu Chrome mehrere Modi oder Profile, die das Webtracking abgestuft verhindern. Dazu kommen diverse weitere Feineinstellungen, die im Bild nicht dargestellt sind.
Vergrößern Edge bietet im Gegensatz zu Chrome mehrere Modi oder Profile, die das Webtracking abgestuft verhindern. Dazu kommen diverse weitere Feineinstellungen, die im Bild nicht dargestellt sind.

Gleich sind die Browser trotzdem jedoch keineswegs. Während Google seine Software auch dazu nutzt, die Nutzer zu tracken und diverse Daten abzugreifen, bietet Microsoft jetzt besseren Datenschutz. Dazu verfügt Edge Chromium über drei Modi, die das Tracking unterschiedlich stark einschränken. Voreingestellt ist die Option „Ausgewogen (Empfohlen)“. Weniger restriktiv ist „Einfach“, welche die meisten Tracker auf allen Webseiten durchlässt. Umgekehrt blockiert „Streng“ die meisten Tracker, allerdings funktionieren manche Webseiten oder Teile davon mit dieser Einstellung möglicherweise nicht mehr. Detaillierte Infos zum Tracking-Schutz im neuen Edge liefert Microsoft hier

Möchten Sie Ihre Wahl nachträglich ändern, rufen Sie über die drei Punkte ganz rechts neben der Adressleiste die „Einstellungen“ auf und wählen darin „Datenschutz und Dienste“. Unterhalb der drei Hauptmodi können Sie die Sicherheitseinstellungen feintunen.

So können Sie beispielsweise über „Blockierte Tracker“ und „Ausnahmen“ individuell anpassen, welche Inhalte erlaubt beziehungsweise verboten sein sollen. Außerdem können Sie Edge durch Aktivieren der entsprechenden Funktion anweisen, beim Gebrauch des Privatmodus automatisch auf „Streng“ umzuschalten.

Etwas unscheinbar, aber durchaus wichtig sind ganz unten die „Dienste“: Der „Microsoft Defender Smartscreen“ und der „Webdienst zum Beheben von Navigationsfehlern“ sollen vor schädlichen Webseiten und Downloads schützen, beide sind per Default bereits eingeschaltet. Den Schutz vor potenziell unterwünschten Apps dagegen müssen Sie manuell einschalten.

Siehe auch:   So schnell ist der neue Edge (Chromium)

So installieren Sie den neuen Microsoft-Browser sofort

Die Synchronisierung erleichtert die Browsernutzung auf mehreren Geräten, dabei werden auch persönliche Daten von Microsoft in der Cloud gespeichert.
Vergrößern Die Synchronisierung erleichtert die Browsernutzung auf mehreren Geräten, dabei werden auch persönliche Daten von Microsoft in der Cloud gespeichert.

Ob die neue Edge-Version auf Ihrem Rechner bereits installiert ist, klären Sie mit einem Blick unten in die Taskleiste. Erscheint dort bereits das neue mehrfarbige Browser-Logo, haben Sie die Chromium-Version schon. Das blaue kleine „e“ weist dagegen auf die alte Edge-Version hin, die Sie über den Link www.microsoft.com/edge gegen die neue austauschen können.

Unter Windows 10 ist die korrekte Version für Ihren PC automatisch ausgewählt, Download und Setup können Sie also sofort starten. Falls Sie Edge für eine ältere Windows-Version oder Mac-OS, Android oder iOS benötigen, klicken Sie auf den kleinen blauen Pfeil rechts und treffen Ihre Auswahl. Mehr zu Edge auf anderen Plattformen und Geräten lesen Sie im Kasten unten auf dieser Seite.

Nach dem Setup zeigen die „Ersten Schritte“ die neuen Funktionen und führen durch einige wichtige Grundeinstellungen. Dazu gehört die Möglichkeit, ob und gegebenenfalls welche Browserdaten Sie geräteübergreifend über ein Onlinekonto bei Microsoft synchronisieren möchten. Praktisch ist diese Funktion insbesondere, wenn Sie Edge auf mehreren Computern beziehungsweise auch auf Ihrem Mobiltelefon verwenden.

All dies können Sie in den Einstellungen später und jederzeit wieder ändern. 

Edge für viele Plattformen

Der neue Edge Browser läuft auf verschiedenen Windows- Versionen, dem Mac sowie auf Android- und iOS-Geräten. Linux fehlt derzeit noch.
Vergrößern Der neue Edge Browser läuft auf verschiedenen Windows- Versionen, dem Mac sowie auf Android- und iOS-Geräten. Linux fehlt derzeit noch.

Auf der Download-Seite www.microsoft.com/edge steht der neue Browser für vier Windows-Versionen (10, 8 beziehungsweise 8.1 und 7), für Mac-OS sowie für Mobilgeräte mit dem Android- oder iOS-Betriebssystem zur Verfügung. Offenbar möchte Microsoft Edge auch dadurch populärer machen, dass man ihn auf (fast) allen Geräten nutzen kann. Wer möchte, kann seine Browser-Einstellungen und -Daten wie oben auf dieser Seite beschrieben geräteübergreifend über ein Onlinekonto bei Microsoft synchronisieren. Von den größeren Plattformen fehlt aktuell nur noch Linux, eine Version für dieses Betriebssystem ist laut Microsoft in Vorbereitung.

Progressive Web App, Surfprofile, Netflix in 4K und Add-ons 

Google als Progressive Web App (PWA): Links die Web-Applikation ohne die üblichen Funktionen zur Browserbedienung, daneben das PWA-Icon zum Starten auf dem Desktop.
Vergrößern Google als Progressive Web App (PWA): Links die Web-Applikation ohne die üblichen Funktionen zur Browserbedienung, daneben das PWA-Icon zum Starten auf dem Desktop.

Eine der Neuerungen von Edge ist die Unterstützung der sogenannten Progressive Web Apps (PWA). Dabei handelt es sich ein „Mittelding“ zwischen Applikation im Browser (Web App) – ein Beispiel ist die Onlineversion von Microsoft Outlook – und „richtiger“ Software auf dem Computer oder Smartphone. Tatsächlich werden die PWAs auf dem PC installiert und wie Desktop-Programme gestartet, dann aber greifen sie wie eine Webapplikation auf das Internet zu.

So erstellen Sie Progressive Web Apps

Um eine Webseite als Progressive Web Apps (PWA) zu installieren und zu verwenden, tippen Sie zunächst wie gewohnt die URL in die Edge-Adresszeile, beispielsweise www.google.com/maps . Danach drücken Sie Enter und klicken oben rechts auf die drei Punkte und anschließend auf „Apps –› Installieren Sie Google Maps“ (im Beispiel) –› Installieren“.

Auf den ersten Blick wechselt die Anwendung nur vom Browser- in den App-Modus und erzeugt auf dem Desktop eine Start-Verknüpfung. Tatsächlich aber handelt es sich um eine auf Ihrem PC installierte App, zu erkennen am Dateipfad in den „Eigenschaften“ über das Kontextmenü. Deinstallieren lassen sich die Desktops- PWAs über „Apps –› Apps verwalten“ und das „Löschen“-Kreuz im Browser.

Praktisch greifen lässt sich das Konzept, wenn man es einmal ausprobiert. Sinn machen Progressive Web Apps vor allem bei solchen Internetseiten, bei denen wie beispielsweise bei Google Maps vor allem die Anwendung im Vordergrund steht und Sie die Bedien- und Steuerelemente des Browsers gar nicht benötigen.

Teilweise erstaunlich gut funktioniert die Edge-eigene Vorlesefunktion von Webinhalten. Dazu öffnen Sie im Browser eine Seite mit Textinhalten und klicken auf das erste Symbol rechts von der Webadresse („Plastischen Reader öffnen“). Daraufhin wechselt die Darstellung in den Lesemodus, der die anderen Elemente der Webseite ausblendet. Mit einem Klick auf „Laut vorlesen“ startet die Stimme am Textanfang, daran ändert auch das Markieren eines bestimmten Textabsatzes nichts. Sie können allerdings mit der Vorspulen-Funktion oben in der Mitte schnell zum jeweils nächsten Absatz weiterspringen. Ist Ihnen das Vorlesetempo zu schnell oder zu langsam, passen Sie es über die „Optionen“ rechts an.

Praktisch ist die Audiofunktion auch unterwegs, beispielsweise im Auto oder zu Fuß. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe hatte Edge für Android allerdings noch Beta-Status, in dem der Browser Deutsch als Vorleseoption nicht unterstützte.

Über unterschiedliche Profile surft jedes Familienmitglied am Windows-PC mit seinen eigenen Daten. Sie eignen sich zudem zur Trennung von privaten und geschäftlichen Daten.
Vergrößern Über unterschiedliche Profile surft jedes Familienmitglied am Windows-PC mit seinen eigenen Daten. Sie eignen sich zudem zur Trennung von privaten und geschäftlichen Daten.

Profile bieten die Möglichkeit, die Arbeit von mehreren Personen am gleichen PC oder private und von geschäftlichen Dingen zu trennen. Edge Chromium separiert dabei Favoriten, Passwörter, Verlauf, Adressen, Zahlungsinformationen und weitere sensible Daten. Die Profile lassen sich lokal oder in der Cloud speichern, neue Profile erstellen Sie über „Einstellungen –› Profile –› Profil hinzufügen“. Der Wechsel gelingt am schnellsten, indem Sie rechts oben im Browserfenster auf das Profil-Icon klicken und ein anderes Profil aufrufen. Als einziger Browser unterstützt derzeit Edge auf dem PC 4K-Videos von Netflix, alle übrigen streamen nur bis Full HD. Voraussetzung für die hochauflösende Wiedergabe ist das Netflix Premium-Abo zum Preis von monatlich 15,99 Euro. Dass Edge Chromium einen Dark Mode mit dunkler Oberfläche (Icon oben rechts) und einen Bild-im-Bild-Videomodus mitbringt, versteht sich fast von selbst.

Das leistet der neue Edge Chromium: Fazit und Ausblick

Viel schneller, besserer Datenschutz und diverse neue Funktionen, nicht zuletzt auch durch die Möglichkeit, nun einfach die Erweiterungen aus dem Chrome Webstore zu nutzen. Der Microsoft-Browser ist kaum wiederzuerkennen.

Soweit der Status quo. Darüber hinaus dürfte die neue Edge-Version anders als bisher schneller weiterentwickelt werden. Der Softwarekonzern hat bereits angekündigt, seinen Browser künftig ebenso im Sechs-Wochen-Zyklus zu aktualisieren, wie das auch beim Chromium-Unterbau geschieht. Dann würde Edge auch hinsichtlich neuer Funktionen endlich wieder vorne dabei sein. 

Neue Funktionen mit über 100.000 Add-ons

Zusätzliche Funktionen: Weil der neue Edge und Google Chrome auf der gleichen Basis aufbauen, lassen sich nun auch die vielen Chrome-Add-ons im Microsoft-Browser installieren.
Vergrößern Zusätzliche Funktionen: Weil der neue Edge und Google Chrome auf der gleichen Basis aufbauen, lassen sich nun auch die vielen Chrome-Add-ons im Microsoft-Browser installieren.

Für den bisherigen Edge gab es nur wenige Add-ons, die die Browserfunktionen erweitern konnten. Das ändert sich mit der neuen Version schlagartig: Zum einen stellt Microsoft selbst bereits ein substanzielles Angebot zur Verfügung – Mitte März umfasste der Store  schon rund 1500 dieser Add-ons. Weil darüber hinaus Edge und Chrome mit Chromium auf der gleichen Code-Basis aufbauen, lassen sich nun auch die (fast) unzähligen Erweiterungen aus Googles Chrome Webstore  installieren und nutzen. Dazu müssen Sie nur einmal über die drei Punkte rechts oben im Browserfenster die Seitenleiste öffnen und darin auf „Erweiterungen –› Lassen Sie Erweiterungen aus anderen Stores zu –› Zulassen“ klicken. Nun können Sie die Chrome-Add-ons über „Hinzufügen –› Erweiterung hinzufügen“ problemlos nachinstallieren.

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