2262488

Merkel-Selfie: Flüchtling klagt nicht weiter gegen Facebook

27.03.2017 | 16:25 Uhr |

Ein Selfie mit Bundeskanzlerin Merkel wurde dem syrischen Flüchtling Anas Modamani zum Verhängnis.

Nach seiner Ankunft in Deutschland machte der syrische Flüchtling Anas Modamani ein Selfie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das Foto machte Anas nicht nur berühmt und brachte den 19-Jährigen unter anderem aufs Cover des Stern-Jahresrückblicks. Das Bild wurde dem jungen Flüchtling auch gleichermaßen zum Verhängnis.

Vor allem über Facebook wurde das Bild für Verleumdungen und ausländerfeindliche Hetze benutzt. Fake-News behaupteten, Anas sei am Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt beteiligt gewesen und unter anderem für den brutalen Überfall auf einen Obdachlosen in München verantwortlich. Die frei erfundenen Behauptungen führten dazu, dass Anas von Menschen angefeindet wurde und sich sogar mehrere Tage in der Wohnung eines Freundes verstecken musste, weil rechtsradikale Facebook-Nutzer behaupteten, er sei Terrorist.

Anfang Januar hatte Anas genug und zog gegen Facebook vor Gericht. Anas verlangte eine einstweilige Verfügung, die Facebook dazu bringen sollte, alle bereits veröffentlichten Verleumdungen zu seiner Person zu löschen. Die Veröffentlichung neuer Inhalte sollte Facebook ebenfalls verhindern.

Mit seiner Klage hatte Anas jedoch kein Glück. Anfang des Monats entschied das Landgericht Würzburg, dass Facebook sich die Verleumdungen von Dritten nicht zu eigen gemacht habe. Aus diesem Grund könne der Konzern auch nicht zu einer Unterlassung gezwungen werden. Als nächsten rechtlichen Schritt hätte Anas nun Berufung beim Oberlandesgericht Bamberg einlegen können. Darauf verzichtet der Flüchtling jedoch. Anas will sich eigenen Aussagen zufolge lieber auf seine Deutschprüfungen konzentrieren.

Anas scheut außerdem die Übernahme der Prozesskosten der Gegenseite, die sich jetzt bereits auf rund 2.000 Euro belaufen dürften. Darüber muss sich der Syrer jedoch keine Sorgen machen. Gegenüber Spiegel Online bestätigte ein Facebook-Sprecher, dass man die Kosten gegenüber Anas nicht geltend machen wolle.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2262488