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Marshall Acton und Stanmore – Multiroomlautsprecher

16.07.2018 | 15:56 Uhr |

Darf ruhig lauter spielen als der Homepod: Die Multiroom-Systeme von Marshall überzeugen in Klang, Bedienung und Design.

Wer schon mal auf einem Konzert war, kennt die großen Lautsprecher auf den Bühnen.Vor allem fällt da ein Logo in Form eines Schriftzuges auf: Marshall. Dieser in Schreibschrift geschriebene Name prangt auf dem Frontgitter einer Kiste, die aussieht als könnte ihr nichts anhaben. Genau dieser Oldschool-Look ist legendär und Marshall setzt konsequent auf dieses Design auch bei seinen Lautsprechern für den Heimbereich.

Marshall hat nicht nur einen Lautsprecher im Programm, sondern gleich eine ganze Kollektion. Diese gibt es entweder als reine Bluetooth-Lautsprecher oder zusätzlich mit WLAN als Multiroom-System. Drei Größen sind lieferbar, vom kleinen Acton über den mittleren Stanmore bis zum großen Woburn. Wir haben uns für unseren Test den kleinen Acton und den mittleren Stanmore ins Testlabor geholt.

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Gleiches Konzept für alle drei Baureihen

Das Konzept ist immer das gleiche, ein Tieftöner und zwei Hochtöner in einem klassischen Bassreflexgehäuse, werden von vier Klasse-D-Verstärkern befeuert. Für die Hochtöner sind es beim Acton zweimal 10 Watt und beim Stanmore je 5 Watt mehr. Für den Tieftöner sind es zweimal 30 Watt beim Acton und zweimal 50 Watt beim Stanmore. Das sollte für eine ordentliche Lautstärke ausreichen.

Das Multiroom-System von Marshall präsentiert sich im typischen Look der Bühnenlautsprecher von Marshall mit dem auffälligen Schriftzug.
Vergrößern Das Multiroom-System von Marshall präsentiert sich im typischen Look der Bühnenlautsprecher von Marshall mit dem auffälligen Schriftzug.
© Marshall

Anschluss finden die Multroom-Lautsprecher über WLAN, Bluetooth oder einen analogen Audio-Eingang. Neben Apple AirPlay wird auch Google Chromecast und Spotify Connect direkt unterstützt, weitere Formate über die Google Home App.

Welche Dateiformate unterstützt werden, darüber macht Marshall keine Angaben. AAC, MP3 und Apple Lossles haben wir jedenfalls ohne Problem einsetzen können, so lange es nicht mehr als 16 Bit und 48 kHz hatte. Highres Audio wird leider nicht unterstützt.

Einrichtung

Schaut man sich die Kurzanleitung von Marshall an, benötigt man zum Einrichten die App Google Home. Für iOS-Nutzer gibt es erfreulicherweise einen einfacheren und vor allem schnelleren Weg über die WLAN-Einstellungen im iOS. Hier tauchen nach kurzer Zeit Airplay-Lautsprecher auf und können direkt mit dem hauseigenen WLAN verbunden werden.

Die Steuerung

Was freut man sich als Tester, wenn Audiogeräte richtige Taster und Regler haben. Wer auf ein klassisches Design setzt, kommt um diese Art der Regelung nicht herum. Lautstärke, Bass und Höhen sind mit ordentlichen Drehreglern versehen. Ebenso die Quellenwahl mit sieben Presets und der Eingangswahl. Dank der LED-Markierungen versteht man das sofort und es wirft keine Fragen auf. Zwei Taster sind für Titelsprung und ein Taster den Wechsel zwischen Multiroom und Einzel-Betrieb. Letzteres ist eine super einfache Lösung, um mehrere Marshall-Lautsprecher mit einem Knopfdruck zu koppeln. Bedienung kann so einfach sein.

Neben dem klassischen Schwarz, sind die Lautsprecher von Marshall auch in einem dezenten creme Ton zu bekommen.
Vergrößern Neben dem klassischen Schwarz, sind die Lautsprecher von Marshall auch in einem dezenten creme Ton zu bekommen.
© Marshall

Natürlich gibt es auch eine passende App, mit der man dann unter anderem den Lautsprechern einen Namen geben kann.

Der Sound

Marshall legt mit seiner großen Bühnenerfahrung die Ansprüche an einen sehr guten Sound besonders hoch. Der kleine Acton soll immer den Anfang machen und der Stanmore darf zeigen, was er besser kann.

Also beginnen wir den Soundcheck auch gleich mit Live-Musik von New Order. Auf NOMC15 starten New Order untypisch mit dem orchestralen Vorspiel aus dem Rheingold – 136 Takte in Es-Dur. Leise fängt der Song an, die Live-Atmosphäre ist durch das Schreien des Publikums deutlich zu hören. Das macht der kleine Acton sehr überzeugend. Klarer Sound, ordentlicher Bass. Das geht so gleich bei "Singularity" weiter. Die Stimme von Bernard Sumner steht überzeugend im Raum, das Keyboard steht zusammen mit dem Schlagzeug aktiv dahinter. Etwas flacher wird es mit dem poppigen Song "Tutti Frutti". Hier zeigt der größere Stanmore deutlich mehr Fülle. Wobei man zur Ehrenrettung sagen muss, dass dieser Song etwas schwach abgemischt ist. Mit dem letzten und wohl bekanntesten Hit von New Order verlassen wir dann das Album: "Blue Monday". Raue Gitarre, markanter Schlagzeugrhythmus. Ein Titel, den man laut spielen muss – und dann geht das eigentlich am überzeugendsten mit den Stanmore. Aber das verwundert auch nicht.

Unser letztes Live-Album kommt von Depeche Mode – "Live in Berlin" mit perfekten DM-Sound. "Welcome to my World" führt gefühlvoll und rhythmisch in das Konzert ein. Der Acton macht den Anfang und wir vermissen nichts. Trocken, direkt, setzt er einen musikalischen Punkt. Außer dass Stanmore von allem mehr bietet, weiß der Acton hier sehr gut zu gefallen.

Die Marshall-Lautsprecher überzeugen mit ihrem warmen vollen Klang, der zu einer Vielzahl von Musikgenres passt.
Vergrößern Die Marshall-Lautsprecher überzeugen mit ihrem warmen vollen Klang, der zu einer Vielzahl von Musikgenres passt.
© Marshall

Unser nächster Titel "Heaven" ist mit seinem hart angeschlagenen Klavier ein ruhiges Stück. Die warme Klangabstimmung ist hier wohltuend und nimmt auch Dave Gahan die Schärfe aus der Stimme. Ebenso wie bei "Halo". Da kommt maximal Live-Atmosphäre rüber. Zum Abschluss lassen wir es mit "Just can´t get enough" so richtig rocken. Bei dem Titel kann ein Lautsprecher nicht genug Membranfläche und Volumen haben. Dem Acton werden daher sehr schnell die Grenzen aufgezeigt. Aber auch der Stanmore kommt hier an seine Grenzen. Er klingt zwar sehr viel souveräner, man merkt aber doch, dass auch er kein riesiger Lautsprecher ist. Mit seinem einzelnen 5 ¼ Zoll Basslautsprecher kann auch er nicht zaubern.

Die Trip-Hop-Urgesteine von Massive Attack sollen zeigen, ob das Marshall-Duo partytauglich ist. Das letzte Album "Ritual Spirit EP" mag nicht das fetzigste Album sein, mit seinem rauen Sound ist es aber wunderbar für Bassfreunde. Gleich der erste Titel überzeugt voll mit dem kleinen Acton. Schön trocken und rau schlägt der Bass, die hellen Parts des Stücks, die den Sound abrunden, werden nicht vernachlässigt. Das merkt man auch deutlich beim nächsten Titel "Ritual Spirit". Die extrem hohe Stimme von Azekel und die Percussion werden sehr schön aufgelöst und nicht zu hart wiedergegeben.

Und was macht der größere Stanmore? Auch mit Trip-Hop ändert sich die Grundcharakteristik nicht. Durch die größere Membranfläche und das größere Volumen sind jetzt nur höhere Schallpegel möglich. Einfach voller und kräftiger machen sie mehr Spaß.

Akustische Instrumente sind manchmal eine harte Nuss für kleine Lautsprecher. Und so lassen wir ein großes Jazz Orchester auf den Acton los. Gregory Porter darf die "Mona Lisa" von Nat King Cole schmettern und wir freuen uns über eine gelungene Vorstellung. Sehr präsent steht Gregory im Raum, wunderbar warm und voll, könnte man nicht meinen einen so kleinen Lautsprecher vor sich zu haben. Mit dem nächsten Titel "Smile" machen wir weiter und unser persönlicher "smile" setzt sich fort. Beim Umschalten auf den größeren Stanmore wird erst klar – da geht noch mehr. Das Orchester macht jetzt richtig Druck, für aktives Musikhören ist der Stanmore der viel bessere Partner für großen Jazz.

Ein perfektes Bedienkonzept sind die klassischen Drehregler. Das ist einfach zu verstehen, da wird eine Steuerungs-App eigentlich arbeitslos.
Vergrößern Ein perfektes Bedienkonzept sind die klassischen Drehregler. Das ist einfach zu verstehen, da wird eine Steuerungs-App eigentlich arbeitslos.
© Thomas Bergbold

Und kleiner Jazz? Da darf José James ran mit seiner Interpretation von Billie Holiday. Bass, Schlagzeug, Piano und die markante Stimme von José James. Das kann der Acton ganz ausgezeichnet. Der größere Stanmore macht das Ganze nur größer und vor allem lauter.

Empfehlung

Die zwei Multiroom-Lautsprecher von Marshall hinterlassen einen überzeugenden Eindruck. Es sind ehrliche Boxen, sie übertreiben nicht und die warme Abstimmung gefällt für viele Musikgenres.

In den Maximalpegeln ist selbst der größere Stanmore begrenzt. Hier hatten wir zuletzt kräftigere Lautsprecher aus den USA im Testlabor. Nur ein Punkt hat uns wirklich enttäuscht, die Unterstützung von Audioformaten. Zwar gab es keine Probleme mit verlustfrei komprimierter Musik, aber Highres Audio mit 24Bit wird leider nicht unterstützt. Das hätten wir in der Preisklasse schon erwartet.

Richtig begeistern können die Marshall-Lautsprecher bei der Bedienung. Es ist so einfach und vor allem benötigt man nicht mal die App. Selbst die Koppelung mehrerer Lautsprecher geht über einen Knopfdruck. Das ist vorbildlich.

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Acton Multi-Room

Preis:

349,- €

Note:

1,9 gut

Alternativen:

Denon HEOS 1, Sonos Play:1, Teufel ONE S

Vorteile:

sehr guter Klang und Verarbeitung, sehr gute Bedienung am Gerät, gute Steuerungs-App

Negativ:

kein Highres-Audio

Anschlüsse:

Klinke Stereo, Bluetooth 4.2, WLAN

Stanmore Multi-Room

Preis:

449,- €

Note:

1,7 gut

Alternativen:

Beoplay A6, Teufel Stereo M, Sonos Play:5, Denon Heos 5, Riva Festival

Vorteile:

sehr guter Klang und Verarbeitung, sehr gute Bedienung am Gerät, gute Steuerungs-App

Negativ:

kein Highres Audio

Anschlüsse:

Klinke Stereo, Bluetooth 4.2, WLAN

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