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Linux und Mac – ein geniales Gespann

02.06.2017 | 11:50 Uhr |

Bei einem alleinerziehenden Vater von zwei Teenagern türmt sich im Haushalt ein bunter Gerätepark mit unterschiedlichsten Systemen. Mein beruflicher Alltag wird zwar von Mac-Hardware dominiert, aber mit Linux passt alles unter einen Hut.

Nicht nur aus beruflicher Neugier habe ich eine lange Reise durch die Welt der Betriebssysteme hinter mir. Vor 16 Jahren fing ich an, mich ernsthaft mit Linux zu beschäftigen. Eigentlich mehr aus einer Laune heraus – als Alternative zum Windows-Einerlei. Das erste Ausprobieren führte dann schnell zum Löschen von Windows-Partitionen und dem Produktiveinsatz von Linux auf allen Arbeitsrechnern. Dennoch haben mich Mac-Rechner fasziniert, seit ich in den 90er-Jahren einen der ersten iMacs gekauft hatte. Der stand längst im Keller und verstaubte, als es an der Zeit war, mal was Neues von Apple zu probieren. Das endete mit der Anschaffung des ersten Macbooks, dem dann im Laufe der Zeit einige Modelle folgten. Für mich ist das Macbook Pro in Sachen Haltbarkeit, Verarbeitung und Wiederverkaufswert ganz weit vorn. Und Linux ist genial, weil es perfekt mit ihm zusammenarbeitet.

Tipp: Die besten Linux-Distributionen für alte Hardware

Statt teurer Apple-Hardware Linux nutzen

Apple beherrscht es perfekt, seinen Kunden einzureden, dass sich der wahre Nutzen seiner Geräte erst dann einstellt, wenn auch das passende Zubehör angeschafft wird – zum Beispiel Time Capsule.

Es wird von Apple als idealer Partner für das hausinterne Backupprogramm Time Machine positioniert. Im Kern ist Time Capsule eine Netzwerkfestplatte und eine WLAN-Basisstation. Time Machine auf dem Mac ist ohne Zweifel praktisch, weil es automatisch im Hintergrund seine Arbeit erledigt und auch mit den Besonderheiten des Macs zurechtkommt wie etwa dem Rechtesystem. Für die zweite Komponente gibt es dagegen in unserem Haushalt keine Verwendung. WLAN-Basis ist eine Fritzbox. Für eine einfache Netzwerkfestplatte ruft Apple einen stolzen Preis auf.

Das muss preiswerter gehen und tut es auch. Eine externe Festplatte und ein Raspberry Pi samt Gehäuse erfüllen den gleichen Zweck. Die Einrichtung ist gar nicht so schwer. An Hardware benötigen Sie einen Raspberry samt Netzteil und eine externe Festplatte, die ausreichend Kapazität bieten sollte, da Time Machine Backups über einen längeren Zeitraum aufbewahrt. Am schnellsten läuft die Datensicherung ab, wenn der Raspberry per Ethernet-Kabel mit dem Router, in diesem Fall der Fritzbox, verbunden wird. Auf dem Mac wird die externe Platte mit Apples Dateisystem formatiert und dann ausgeworfen. Mit

apt-get install hfsprogrs hfsplus

installieren Sie auf dem Raspberry ein Paket, um das Apple-Dateisystem lesen zu können. Verbinden Sie die externe Platte mit dem Raspberry und lassen Sie sich anzeigen, wie der Datenträger eingebunden wurde (etwa mitsudo /sbin/parted). In einem Terminal legen Sie dann einen Mountpunkt an und editieren die Datei „fstab“:

sudo mkdir -p /media/tm
sudo nano /etc/fstab

Der Eintrag dort sieht etwa wie folgt aus (abzuändern auf die bei Ihnen zutreffenden Werte):

/dev/sda2 /media/tm hfsplus force,rw,user,auto 0 0

Der Befehl

sudo mount -a

bindet die externe Platte dann ein. Jetzt muss auch noch ordentlich Software installiert werden – darunter der Avahi-Daemon und Netatalk. Dies wird dann kompiliert und ermöglicht die Kommunikation zwischen dem Mac und der externen Platte.

Wenn die Installation und das Kompilieren geklappt haben, ist die meiste Arbeit erledigt. Denn dann ist es nur noch ratsam, einen Benutzer für die Datensicherung anzulegen. Schließlich muss nur noch eine Konfigurationsdatei angepasst werden.

Netatalk ist ein wichtiger Baustein für alle Linux-Systeme, die Serveraufgaben für einen Mac bereitstellen sollen. Es gibt für viele Systeme fertige Pakete, gelegentlich muss eines kompiliert werden.
Vergrößern Netatalk ist ein wichtiger Baustein für alle Linux-Systeme, die Serveraufgaben für einen Mac bereitstellen sollen. Es gibt für viele Systeme fertige Pakete, gelegentlich muss eines kompiliert werden.

Mit Linux drucken: Mac und Windows

In einem modernen Haushalt mit mehreren Personen gibt es drei typische Herausforderungen:

1. Internetzugang für alle: Darum kümmert sich die Fritzbox.

2. Gemeinsamer Zugriff auf Musik und Filme: Die Herausforderung ist dank Spotify, Netflix und Co. eigentlich keine mehr. Für das Wohnzimmer übernimmt ein kleiner Raspberry die Aufgabe, Titel von Spotify auf das Soundsystem zu übertragen.

3. Drucken für alle: Grundsätzlich könnte ja jeder einen an seinem Rechner angeschlossenen Drucker freigeben. Nur können die anderen dann natürlich nur drucken, wenn der Rechner eingeschaltet ist. Das ist auf die Dauer keine Lösung. Und auch hier erweist sich Linux als der Brückenbauer zwischen den Welten schlechthin. Ein Thin Client, der früher diese Aufgabe übernommen hat, wurde bereits vor einiger Zeit in den Ruhestand geschickt. Ersetzt hat ihn ebenfalls ein Raspberry, der per Ethernet mit dem Heimnetz verbunden ist. Der Drucker ist über seine USB-Schnittstelle mit dem Rechner verbunden. Damit Mac und Windows ihn finden, wurde der Drucker über Cups freigegeben.

Cups kommt unter Linux und Mac als Druckerserver zum Einsatz. Ein Klick beim Sharing und der Drucker steht unter Windows und Mac zur Verfügung. Auch Apples Airplay funktioniert.
Vergrößern Cups kommt unter Linux und Mac als Druckerserver zum Einsatz. Ein Klick beim Sharing und der Drucker steht unter Windows und Mac zur Verfügung. Auch Apples Airplay funktioniert.

Dazu sind auf dem Raspberry Pi einige Pakete notwendig:

sudo apt-get install avahi-daemon cups cups-pdf python-cups

Danach muss noch die Konfiguration des Druckerservers angepasst werden, damit dieser nicht mehr nur über die lokale Schnittstelle Druckaufträge entgegennimmt. Über die Weboberfläche von Cups fügt man dann den Drucker hinzu und gibt ihn frei. Das Praktische daran ist, dass auf diese Weise auch das von Apple auf seinen Tablets verwendete Airprint mitaktiviert wird.

Siehe auch: Linux für jeden Zweck und jeden Anwender - der große Überblick

Das Macbook – ein perfektes Linux-Notebook

Linux auf dem Mac laufen zu lassen, ist dank Virtualisierer problemlos möglich, allerdings auf die Dauer aus Leistungsgründen keine ideale Lösung. Die Installation auf dem Macbook ist aber nicht besonders schwierig. Zunächst müssen Sie Ubuntu startfähig auf einem USB-Laufwerk installieren. Dazu laden Sie sich eine aktuelle Version in Form einer ISO-Datei auf Ihren Rechner. Anschließend benötigen Sie Unetbootin . Das Programm gibt es für Linux, Mac und Windows. Es dient allein dem Zweck, die ISO-Datei so auf den Stick zu kopieren, dass dieser bootfähig ist, und unterstützt dabei eine riesige Zahl von Distributionen. Wenn Sie also beispielsweise lieber Kubuntu oder Linux Mint installieren wollen, geht das auch. Hat das Programm seine Arbeit erledigt, probieren Sie den Stick einfach aus, etwa dadurch, das Sie einen Windows-Rechner mit ihm starten. Auf dem Mac muss jetzt erst einmal Platz für das zweite System geschaffen werden. Das Festplattendienstprogramm von Mac-OS X macht das Anlegen einer neuen Partition ganz einfach. Wie viel Platz man dem zweiten System einräumt, ist natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Bei mir teilen sich die Systeme die Platte brüderlich.

Mit Unetbootin landet eine Distribution erst einmal als bootfähiges System auf dem USB-Stick. Mit Zusatzsoftware lässt sie sich dann auf dem Mac installieren.
Vergrößern Mit Unetbootin landet eine Distribution erst einmal als bootfähiges System auf dem USB-Stick. Mit Zusatzsoftware lässt sie sich dann auf dem Mac installieren.

Um Ubuntu dann auf dem Mac installieren zu können, wird noch ein Bootmanager benötigt, der auf die Besonderheiten des Mac eingeht. Refind ist ein Bootmanager, der sich in das System einbindet und nach dem Start die Auswahl ermöglicht. Da Mac-OS X (in dem sehr viel Unix steckt, genauso wie in Linux selbst) es nicht gern hat, wenn der Nutzer an sensiblen Bereichen wie dem Systemstart herumfummelt, ist die Einrichtung des Bootmanagers in den aktuellen Mac-OS-Versionen komplizierter, aber auch in fünf Minuten erledigt. Damit sind die Vorarbeiten erledigt. Der Mac wird neu gestartet und der USB-Stick erscheint im neuen Bootmanager als Eintrag. Nachdem das Linux-System läuft, können Sie es in aller Ruhe ausprobieren und auf Wunsch dann installieren. Refind kann übrigens auch auf anderen Systemen eingesetzt werden und ersetzt bei Bedarf den Bootmanager –auch auf einem Windows-PC.

Viele Linux-Tools laufen auf dem Mac

Mit einem Werkzeug wie Homebrew und dessen Benutzerschnittstelle können viele Linux-Programme direkt unter Mac-OS X genutzt werden.
Vergrößern Mit einem Werkzeug wie Homebrew und dessen Benutzerschnittstelle können viele Linux-Programme direkt unter Mac-OS X genutzt werden.

Das Betriebssystem des Mac ist Unix-artig. So nutzt der Mac beispielsweise intern ebenfalls das Drucksystem Cups. Das macht viele Dinge leichter. Das Wissen über Interna des Betriebssystems kann oft einfach analog auf das jeweils andere System übertragen werden. Und die technologische und konzeptionelle Nähe führt auch dazu, dass sich viele Linux-Werkzeuge direkt auf einem Mac weiternutzen lassen. Möglich wird das über eine eigene Paketverwaltung mit dem Namen Homebrew. Sie nutzt die auf dem Mac ohnehin installierten Script-Sprachen und kompiliert viele bekannte und weniger bekannte Linux-Programme direkt aus den Quellen. Das System ist so clever programmiert, dass auch absolute Linux-Einsteiger damit zurechtkommen. Auch wenn es fast albern erscheint: Für Homebrew gibt es sogar eine App – typisch Mac-Nutzer eben.

Über Plattformen hinweg arbeiten

Ich nutze meine Rechner in erster Linie für das Schreiben. In der Zusammenarbeit mit Auftraggebern müssen die unterschiedlichsten Formate abgeliefert werden. Redaktion eins wünscht sich nur ODT-Dateien von Libre Office, während die nächste auf Microsoft-Office-Formaten besteht.

Deswegen schreibe ich alle meine Texte in Markdown. Das ist eine Auszeichnungssprache für Textdateien –ein wenig wie HTML, nur viel einfacher. Am Ende nutze ich einen Konverter wie Pandoc , der dann einfach aus den Textdateien die Formate erzeugt, die sich die Auftraggeber wünschen. Da auf meinem Dateiserver ohnehin Linux läuft, habe ich dann auch gleich ein Script geschrieben, das in regelmäßigen Intervallen geänderte Dateien über Pandoc konvertiert. So habe ich stets einen aktuellen Zwischenstand.

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