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Linux: Tricks zu Mediaplayer VLC, Libre Office und Linux Clients für Microsoft Exchange

16.02.2018 | 14:14 Uhr |

Der beliebte Mediaplayer VLC ist immer für Überraschungen gut und kann mit einer Android-App gesteuert werden. Zudem geht es in den Softwaretipps um Libre Office und ausnahmsweise mal um Linux-Clients für Microsoft Exchange.

VLC-Player: Fernsteuerung per App

Wenn ein PC mit dem Programm VLC als Videoplayer an einem TV-Gerät angeschlossen ist, dann ist meist eine Fernbedienung nützlich, um nicht für jede Aktion zum PC gehen zu müssen. VLC verfügt über eine schlichte, universelle Fernbedienungsfunktion über eine Webschnittstelle. Es geht aber noch bequemer – per Android-App auf dem Smartphone oder Tablet. Bevor VLC mit einer Android-App im gleichen WLAN Kontakt aufnehmen will, muss der Player jedoch erst entsprechend konfiguriert sein.

Diese Einstellungen sind tief in den Einstellungen vergraben. Im VLC-Player öffnen Sie über „Tools“ beziehungsweise „Werkzeuge“ den Punkt „Einstellungen“ und klicken unten links auf „Einstellungen zeigen -> Alle“. Die gesuchten Optionen finden sich in der Menüstruktur unterhalb von „Interface -> Hauptinterfaces -> Lua“. Dort gibt es Feld „Lua-HTTP -> Passwort“, wo Sie ein beliebiges Passwort eintragen. Ein Klick auf „Speichern“ übernimmt die Einstellungen.

Zurück auf der Programmoberfläche setzt der Menüpunkt „Ansicht -> Interface hinzufügen -> Web“ den Fernsteuerungsserver in Gang. Dieser Schritt ist übrigens immer nötig, bevor VLC eingehende Verbindungen akzeptiert. Auf dem gewünschten Android-Gerät benötigen Sie die App Remote for VLC (Fork) über Google Play . Die Fernsteuerung ist zwar englischsprachig, dafür aber ohne lästige Werbung. Nach dem Start der App sucht diese automatisch nach einer laufenden VLC-Instanz im lokalen Netzwerk. Zur Verbindungsaufnahme ist in der Serververbindung dann nur noch das zuvor vergebene Passwort einzugeben, wenn die Meldung „Requires Authentication“ erscheint.

Remote for VLC (Fork) 0.7.5: Android-App zur Fernsteuerung von VLC über das WLAN. Installation über Google Play

Lesetipp Alleskönner VLC: Das kann der Mediaplayer in Linux

Microsoft Exchange: Zugriff mit Linux

Microsoft Exchange hat sich über die Jahre als Quasistandard für Groupwarelösungen etabliert. Ein häufiges Problem von Umsteigern auf Linux ist die Anbindung des Linux-Desktops mit geeigneten Programmen an einen Exchange- Server im Büro, um E-Mail, Kalendereinträge und Kontakte abzurufen. Für viele Anwender ist Exchange sogar ein Hauptmotiv, keinen Umstieg von Windows zu Linux zu wagen. Inzwischen stehen Linux-Anwender nicht mehr im Regen, denn es gibt mehrere Möglichkeiten, auch ohne parallel installiertes Windows-System oder virtuelle Maschine auf einen Exchange-Server zu kommen. Eine verbreitete Lösung für Thunderbird ist das Add-on Exquilla, das zum Abruf von E-Mails und Kontakten eine Verbindung zwischen Exchange und dem freien Mailprogramm herstellt. Exquilla ist aber nicht Open Source und kostenlos, sondern Shareware. Das Addon ist im offiziellen Erweiterungsverzeichnis für Thunderbird 52.x verfügbar.

Zugriff auf Microsoft Exchange mit Exquilla.
Vergrößern Zugriff auf Microsoft Exchange mit Exquilla.

Es bietet einen Testzeitraum von 60 Tagen, dann wird ein Obolus von zehn US-Dollar pro Jahr fällig. Nach der Installation findet sich das Add-on unter „Extras -> Exquilla für Microsoft Exchange“. Nach Berichten von Anwendern funktioniert es aber nicht mehr mit allen Versionen des Exchange-Servers und nicht mehr zuverlässig mit Office 365, aber der Testzeitraum lässt zumindest einen Langzeitversuch zu.

Falls das Add-on die Zusammenarbeit mit Exchange verweigert, gibt es noch eine weitere Möglichkeit: Hiri ist ein neuerer Client für Exchange, Office 365 und Outlook.com. Das Programm kann Mails, den Kalender, Aufgaben und Kontakte von Exchange abrufen und verwalten. Auch Hiri ist nicht Open Source, sondern Shareware. Der Testzeitraum beträgt 14 Tage und eine Registrierung kostet 39 US-Dollar pro Jahr. Die Installation ist in Ubuntu vergleichsweise einfach als Snappaket möglich.

Dieses Programm ist Shareware und verbindet sich mit Exchange, Office 365 und Outlook.com.
Vergrößern Dieses Programm ist Shareware und verbindet sich mit Exchange, Office 365 und Outlook.com.

Exquilla 52.3: Add-on für Thunderbird 52.x für den Zugriff auf Exchange-Server, deutschsprachige Shareware (10 US-Dollar pro Jahr), Download unter https://addons.mozilla.org/de-DE/thunderbird/addon/exquilla-exchange-web-services
Hiri 1.3.2: Grafischer Linux-Client für Exchange, Office 365 und Outlook.com, englischsprachige Shareware (39 US-Dollar pro Jahr), Download unter https://www.hiri.com

Libre Office: Alle Dateisperren aufheben

Libre Office sperrt geöffnete Dateien, damit das Dokument nicht versehentlich mehrfach geöffnet wird. Wenn Libre Office abstürzt, der Rechner mit noch geöffneten Dokumenten abgeschaltet wird, dann kann es vorkommen, dass die Dateien gesperrt bleiben. Geöffnete Dokumente sperrt Libre Office auf eine ganz einfache Weise. Im gleichen Verzeichnis legt die Office-Suite zu jedem aktuell geöffneten Dokument eine versteckte Datei mit 0 Byte an, die einen Namen nach dem Schema

.~lock.[Dateiname].odt#

bekommt. Es handelt sich um eine Textdatei, in welcher der Name des Benutzers steht, der das Dokument gerade geöffnet hat, sowie der Hostname und der komplette Pfad. Beim Schließen des Dokuments entfernt Libre Office diese versteckte temporäre Datei wieder und gibt das Dokument damit frei.

Versteckten Dateien im gleichen Verzeichnis will Libre Office nicht zur Bearbeitung öffnen.
Vergrößern Versteckten Dateien im gleichen Verzeichnis will Libre Office nicht zur Bearbeitung öffnen.

Findet Libre Office eine Datei dieser Art in einem Verzeichnis, geht es immer davon aus, dass dieses Dokument bereits geöffnet ist, und gibt einen Warnhinweis aus. Das Dokument kann dann als Kopie, im Nur-Lesen-Modus oder nach einer Bestätigung auch bearbeitend geöffnet werden. In größeren Dokumentarchiven kommt es im Laufe der Zeit immer dazu, dass mehrere Dateisperren zurückbleiben. Um diese systematisch zu finden, hilft folgender Befehl in der Kommandozeile:

find . -type f -name .~lock\*

Ausgehend vom aktuellen Verzeichnis listet dieser Befehl alle versteckten Sperrdateien von Libre Office in der Ordnerstruktur auf. Mit dem Kommando

find . -type f -name .~lock\* -exec rm -i {} \;

ist es möglich, diese Dateien gleich zu löschen. Dieser Befehl fragt aber vor jeder Löschaktion noch einmal nach.

Lesetipp LibreOffice 5.4: Neue Funktionen für Writer, Calc

Ubuntu LTS: Neues Libre Office installieren

Es kann dauern, bis aktuelle Programmversionen wie etwa das aktuelle Libre Office in die Paketquellen einer Linux-Distribution aufgenommen werden. Bei Ubuntu gibt es neue Versionsnummern von Programmen erst mit dem Schritt auf eine neue Ausgabe der Distribution. Ubuntu LTS mit Langzeitunterstützung bleibt deshalb fünf Jahre bei der gleichen Version von Libre Office.

Libre Office als Snap installieren und ausführen.
Vergrößern Libre Office als Snap installieren und ausführen.

Während Ubuntu 17.10 schon Libre Office 5.4 in den Paketquellen führt, verharrt das Office-Paket in Ubuntu 16.04 noch bei Version 5.1. Im Fall von Libre Office helfen inoffizielle Paketquellen weiter, denn die Bürosoftware ist so populär und essenziell, dass sich hier genügend Entwickler und Tester finden, um unabhängig von der offiziellen Ubuntu-Entwicklung frischere Pakete bereitzustellen.

Traditionelle Installation: Einen Weg für fortgeschrittene Anwender, das derzeit aktuelle Libre Office 5.4 in Ubuntu zu installieren, liefert ein inoffizielles Repository (PPA). Für dessen Einrichtung genügen in einem Terminalfenster diese beiden Befehle:

sudo add-apt-repository ppa:libreoffice/libreoffice-5-4
sudo apt-get update

Ein installiertes Libre Office 5.1 wird dann beim Aufruf von

sudo apt-get dist-upgrade

automatisch auf den neuen Stand gebracht.

Die Installation über ein Repository hat den Nachteil, dass eine bisherige Version von Libre Office überschrieben wird. Möchte man wegen eines unerwarteten Bugs dann doch wieder zurück zur älteren Version aus den Standard-Paketquellen, sind damit einige Schritte verbunden:

Die zwei Kommandos

sudo apt-add-repository--remove ppa:libreoffice/libreoffice-5-4
sudo apt-get update

entfernen das PPA wieder und

sudo apt-get install libreoffice

installiert Libre Office aus den offiziellen Quellen.

Installation per Snap: Eine neue, einfachere Methode, Libre-Office in Ubuntu LTS zu installieren, ist mit Snappaketen möglich. Dabei handelt es sich um abgeschottete Container, die alle Dateien eines Programms enthalten und deshalb mit installierten Systembibliotheken und vorhandenen Programmversionen nicht in Konflikt geraten. So installiert

sudo snap install libreoffice

die neuere Version 5.3 von Libre-Office als Snap. Ein kosmetisches Problem ist dabei, dass Ubuntu installierte Snaps noch nicht im Anwendungsmenü des Desktops anzeigt.

Die als Snap installierten Office-Anwendungen müssen also manuell über das Terminal gestartet werden: libreoffice.writer startet den Writer, libreoffice.calc die Tabellenkalkulation und libreoffice.draw das Zeichenprogramm.

Libre-Office-Formatvorlagen: Zurück zum Standard

Libre Office liefert ein umfangreiches Set an Formatvorlagen aus. Hat man diese Vorlagen geändert und möchte doch wieder die ursprünglichen Formatierungen, dann gibt es einen Weg zurück zum Standard. Zuerst öffnet die Taste F11 oder ein Klick auf „Vorlagen – Formatvorlagen“ die Liste der Vorlagen.

Vorlagen zurücksetzen: Fehler bei Änderungen lassen sich auflisten und rückgängig machen.
Vergrößern Vorlagen zurücksetzen: Fehler bei Änderungen lassen sich auflisten und rückgängig machen.

Dort klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die gewünschte Vorlage, die zurückgesetzt werden soll, und wählen den Menüpunkt „Ändern“.

Im jetzt angezeigten Dialog verwenden Sie das Untermenü „Verwalten“. Im unteren Bereich des Dialogs zeigt der Dialog im Feld „Enthält“ die Formatabweichungen dieser Vorlage vom Standard. Steht hier beispielsweise „grün“, unterscheidet sich die Schriftfarbe dieser Vorlage vom ursprünglichen Wert. Um diesen Wert zurückzusetzen, gehen Sie im gleichen Dialog auf das Untermenü „Schrifteffekt -> Schriftfarbe“ und klicken auf die Schaltfläche „Standard“. Abhängig davon, welche Formate der Vorlage vom Standard abweichen, kann man auf diese Weise alle angezeigten Abweichungen rückgängig machen.

Dateimanager Krusader: Ordner abgleichen

Nicht ohne Grund hat das KDE-Programm Krusader den Ruf, der mächtigste Dateimanager für den Linux-Desktop zu sein. Einige der fortgeschrittenen Funktionen erschließen sich nicht gleich und sind in Untermenüs vergraben – etwa die nützliche Ordnersynchronisation, die Verzeichnisse auch über das Netzwerk abgleichen kann. Die Synchronisationsfunktion in Krusader ist besonders nützlich für manuell erstellte Backups und für den Abgleich von Verzeichnissen auf externen Medien. Sie befindet sich im Menü „Extras -> Ordner abgleichen“. Dabei übernimmt Krusader die aktuell geöffneten Verzeichnisse im linken und rechten Fenster in den Orderabgleich, der zunächst sein eigenes Fenster öffnet.

Diese nützliche Funktion im Dateimanager Krusader bringt Verzeichnisse auf den gleichen Stand.
Vergrößern Diese nützliche Funktion im Dateimanager Krusader bringt Verzeichnisse auf den gleichen Stand.

Hier lassen sich etliche Optionen zum Abgleich einstellen. Standardmäßig bezieht die Synchronisation Unterordner ein und vergleicht einzelne Dateien anhand des Namens und Änderungsdatums. Diese Optionen sind auf der zuerst angezeigten Menüseite „Abgleich“ bereits vorausgewählt. Unter „Allgemein“ und „Erweitert“ warten Feineinstellungen zum Abgleich, etwa Datei- und Datumsfilter. Ein Klick ganz unten auf „Vergleichen“ führt zuerst eine Analyse der Ordnerinhalte durch, synchronisiert aber noch keine Dateien. Stattdessen zeigt das Dateifenster in der Mitte eine Liste aller Dateioperationen zur Überprüfung an. Erst der Klick auf die Schaltfläche „Abgleichen“ führt den Abgleich tatsächlich aus.

Tipp: Der Ordnerabgleich von Krusader eignet sich auch vortrefflich, um Dateien über das Netzwerk zwischen Linux-Rechnern abzugleichen. Denn Krusader kann über das Netzwerkpräfix

fish://[Adresse]

direkt über SSH auf das Dateisystem eines SSH-Servers zugreifen.

Firefox im Container: Mehrfachanmeldung bei Onlinediensten

Bisher war es nur über ein Inkognito-Fenster möglich, sich in Firefox zweimal an einem Onlinedienst wie Google Mail anzumelden. Eine neue Containerfunktion erlaubt die mehrfache Anmeldung über abgeschottete Browserinstanzen. Um Container zu nutzen, ist erst noch die Installation eines Add-ons nötig, das die Mozilla Foundation selbst erstellt hat. Die Firefox Multi-Account Containers liegen unter https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/multi-account-containers zur Installation bereit. Ein neues Icon in der Menüleiste steuert die momentan noch durchgehend englischsprachige Erweiterung.

Firefox Multi-Account Containers: Einzelne Container sind jeweils eigene Identitäten.
Vergrößern Firefox Multi-Account Containers: Einzelne Container sind jeweils eigene Identitäten.

Nach einer kurzen Erklärung in einer Diashow ist die Funktion einsatzbereit. Ein Klick auf das neue Icon öffnet ein Untermenü, das nun die Kategorien „Privat“, „Arbeit“, „Banking“ und „Einkaufen“ anbietet. Ein weiterer Klick auf eine Kategorie öffnet einen neuen, farbig hinterlegten Tab.

Lesetipp Browser-Benchmark: Mit diesen Browsern surfen Sie am schnellsten

Diese Tabs sind als eigenständige Sitzungen voneinander getrennt und erlauben das mehrfache Anmelden an Diensten mit unterschiedlichen Identitäten.

Die Namen der Kategorien sind natürlich nur Vorschläge und lassen sich durch einen Klick auf „Edit Containers“ nach Belieben umbenennen.

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