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Linux Mint: Grundlagen und Optimierung, so nutzen Sie Mate optimal.

04.10.2018 | 14:00 Uhr |

Auf Mate verzichtet keine große Distribution mehr. Der Desktop macht mit einfacher Basisbedienung bei opulenter Konfigurierbarkeit vieles richtig und gefällt Einsteigern wie Bastlern. In Linux Mint sucht er aber seine Rolle zwischen Cinnamon und XFCE.

Mate ist ein traditioneller Desktop, der aber mit ähnlichem Ehrgeiz wie Cinnamon für moderne Nutzer und Hardware weiteroptimiert wird. Dennoch ist die Standortbestimmung der Mate-Oberfläche unter Linux Mint problematischer als etwa im Ubuntu-Umfeld. Ubuntu Mate trifft dort auf Nutzer, die einen klassischen Desktop jenseits von Gnome oder KDE bevorzugen. Dieses Motiv bedient aber unter Linux Mint bereits der Vorzeigedesktop Cinnamon bestens. Und wer ein möglichst sparsames System sucht, wird bevorzugt zum noch schlankeren und außerdem noch reiferen XFCE-Desktop greifen. Mate ist zwar ebenfalls anspruchslos, liegt aber mit gut 400 MB RAM ab Anmeldung doch deutlich über XFCE. Unterm Strich hat die Mate-Edition zwischen den sehr ähnlichen Desktops Cinnamon und XFCE wenig Argumente, vielleicht noch die besten durch seinen Dateimanager Caja. Der Artikel erklärt die Einrichtung von Mate und seine besonderen Merkmale.

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Die Optik des Mate-Desktops

Die Standardleiste unten zeigt nach der Installation das Startmenü (Applet „mintMenu“), einige Favoritenstarter, die Taskliste (Applet „Fensterliste“), ferner die typischen Benachrichtigungs-, Netzwerk-, und Lautstärkeapplets sowie die Datumsanzeige. Systemleisten sind mit selbst gewählter Appletbestückung an allen vier Bildschirmrändern möglich – in ganzer Länge oder auf den Inhalt gekürzt (ohne Option „Ausdehnen“). Die Einrichtung ist aber hakeliger als bei Cinnamon und XFCE (siehe unten). Mate hat wie jedes Desktop-Linux eine Konfigurationszentrale, die sich hier „Steuerzentrale“ nennt und im Hauptmenü unter „System“ erscheint. Der Programmname lautet mate-control-center. Hier sind die typischen Applets zur Geräteeinrichtung (Bildschirm, Drucker), Systemaktualisierung, Benutzerverwaltung oder Sprachunterstützung zu finden. Viele Desktopanpassungen können Sie aber bei Mate direkt und intuitiv über Kontextmenüs an den Elementen erledigen.

Wechselnde Gewänder: Themes bringen ein anderes Farbschema auf den Mate-Desktop.
Vergrößern Wechselnde Gewänder: Themes bringen ein anderes Farbschema auf den Mate-Desktop.

Das „Erscheinungsbild“: Der wichtigste Punkt der Steuerzentrale für optische Anpassung ist „Erscheinungsbild“. Das Register „Hintergrund“ legt das Desktopbild fest, eine Einstellung, die Sie am einfachsten auch durch Rechtsklick am Desktop erreichen („Hintergrund des Schreibtischs ändern“). Im Register „Thema“ gibt es diverse Themes für Fenster und Menüelemente. Während in Cinnamon und XFCE erst der zusätzliche Punkt „Fenster“ (XFCE: „Fensterverwaltung“) die Optik abrundet, ist dies in Mate sehr praktisch an Ort und Stelle gelöst: Der Knopf „Anpassen“ erlaubt innerhalb des gewählten Themas die Feineinstellung von Fensterinhalt und Fensterrahmen. Zur visuellen Kontrolle verwenden Sie am besten ein geöffnetes Dateimanager-Fenster, das das Ergebnis des angepassten Themas sofort anzeigt. Es empfiehlt sich, ein selbst zusammengestelltes und gelungenes Schema mittels „Speichern unter“ zu sichern, um bei misslungenen Änderungen wieder zur Vorlage zurückkehren zu können.

Die „Fenstereinstellungen“: Den Punkt „Fenster“ gibt es auch in der Mate-Steuerzentrale, hier aber – abgesehen von der Position der Titelleistenknöpfe – ohne optische Funktionen. Hier können Sie aber einstellen, ob ein Fenster beim Mouse-over den Eingabefokus erhalten soll (Register „Verhalten“) und ob die Einrastfunktion aktiv sein soll (Register „Platzierung“).

Die „Schreibtischeinstellungen“: Dieser Punkt der Steuerzentrale aktiviert unter „Schreibtisch“, welche Icons Sie am Desktop sehen wollen. Ansonsten handelt es sich an dieser Stelle um weitere Fensteroptionen: Unter „Fenster“ definieren Sie den Fenstermanager, indem Sie den Standard „Marco + Komposit“ auf den Open-GL-Kompositor „Compiz“ umschalten. Der ermöglicht sehr verspielte Fenstereffekte, die Sie über „Compiz konfigurieren“ im Detail steuern. Dieses Tool CCSM ist auch in der Steuerzentrale als „CompizConfig Settings Manager“ anzutreffen.

Da Sie der Compiz-Fenstermanager standardmäßig gleich mit dem gewöhnungsbedürftigen Effekt „Wackelige Fenster“ empfängt, ist es der erste Weg, dies unter „Effekte“ abzuschalten.

Tipp: Linux Mint: Das macht die Distribution so erfolgreich

Das Hauptmenü

Die Mate-Systemleiste nutzt standardmäßig von vier möglichen Menüapplets das großzügige „mintMenu“ („Advanced Menu“). Es zeigt eine Liste der wichtigsten Speicherorte, Abkürzungen zu Punkten der Systemadministration und natürlich die kategorisierte Liste der installierten Anwendungen mit Suchfunktion. Ein Klick auf „Favoriten“ rechts oben wechselt die Ansicht zu einem verkürzten Menü mit bis zu zehn eigenen Programmverknüpfungen.

Wer das Hauptmenü aufräumen will, findet nach Rechtsklick und „Einstellungen“ minutiöse Anpassungsoptionen über Inhalt und Aussehen. Über die Registerkarte „Module“ können Sie das Menü stark reduzieren, indem Sie etwa „Orte“ (Verzeichnisse) oder „System“ ausblenden. An gleicher Stelle gibt es Transparenzeffekte, während auf der Registerkarte „Thema“ eigene Farbdefinitionen vorgesehen sind. Auch das Menüsymbol und der Name lassen sich unter „Hauptknopf“ individuell bestimmen.

Für das „Advanced Mate Menu“ gibt es außerdem einen Menüeditor (Mozo), mit dem Sie das komplette Anwendungsmenü und dessen Kategorien inhaltlich bearbeiten, umsortieren oder ausmisten. Der Menüeditor ist am schnellsten durch Rechtsklick auf das Menü und die Option „Menü bearbeiten“ zu erreichen, erscheint aber auch als Punkt „Hauptmenü“ in der Steuerzentrale. Mozo ist im Vergleich mit Menulibre (XFCE) und dem Cinnamon-Menu-Editor das eindeutig übersichtlichste Tool dieser Spezies.

Neben dem großen und anpassungsfähigen Mate-Menü als Leistenapplet gibt es auch noch ein pragmatisches Minimenü nach Alt-F1.
Vergrößern Neben dem großen und anpassungsfähigen Mate-Menü als Leistenapplet gibt es auch noch ein pragmatisches Minimenü nach Alt-F1.

Desktop als Dateiablage

Wie Cinnamon und XFCE versteht auch Mate den Desktop als klassische Dateiablage. Der Rechtsklick am Desktop zeigt daher die Optionen „Ordner anlegen“ und „Starter anlegen“. Für einen Programmstarter müssen Sie nur einen Namen angeben und den Programmbefehl. Das passende Symbol für den Starter holt sich Mate automatisch. Zur Ausrichtung der Desktopsymbole verwenden Sie nach Rechtsklick die Option „Anordnung fixieren“. Wie fast bei jeder Desktop-Linux gibt es nach Rechtsklick auch das Angebot „Hintergrund des Schreibtischs ändern“.

Symbolleisten anpassen und neu anlegen

Mate bietet kein zentrales Tool zur Leistenbearbeitung. Alle optischen und inhaltlichen Optionen der Symbolleisten sollen direkt an Ort und Stelle nach Rechtsklick über die Optionen „Zur Leiste hinzufügen“, „Eigenschaften“, „Verschieben“ sowie „Aus der Leiste entfernen“ erledigt werden. Ein neue Leiste erstellen Sie ebenfalls mit Rechtsklick auf eine bereits bestehende, indem Sie „Leiste anlegen“ wählen. Der kleine Dialog, den Sie über die „Eigenschaften“ starten, bietet alles zur Positionierung und Größe, zum Ausblendverhalten und zur optischen Verfeinerung.

Das „Verschieben“ von Applets ist zum Teil knifflig: Die meisten Applets zeigen diese Option beim Rechtsklick, andere wie die „Fensterliste“ haben ein eigenes Kontextmenü, das dominiert. Hier kommen Sie nur durch genauesten Rechtsklick knapp links des Applets an den gewünschten Leistenkontext.

Ein weiteres, aber lösbares Problem ist die Tatsache, dass Mate zwar mehrere Leisten ermöglicht, aber die erste Leiste als Standard ansieht. Das macht etwa das Einrichten einer zweiten Leiste als Starterdock etwas kniffliger als etwa unter XFCE. So geht es trotzdem:

1. Klicken Sie rechts auf die bestehende Leiste und auf „Leiste anlegen“. Durch Rechtsklick auf die neue leere Leiste und die Option „Eigenschaften“ bestimmen Sie die Ausrichtung und Größe. Alle Einstellungen werden im noch leeren Leistenobjekt unmittelbar am Desktop angezeigt.

2. Für ein Starterdock erreichen Sie die attraktivste Optik, wenn Sie unter „Hintergrund“ die Option „Einfärben“ wählen und als „Stil“ den Schieberegler auf „Durchsichtig“ setzen. Damit wird die Leiste voll transparent und zeigt nur noch die Starterverknüpfungen.

3. Die Bestückung der Leiste erfolgt am einfachsten über das Startmenü: Ein dort rechts angeklicktes Programm zeigt unter anderem die Option „Zur Leiste hinzufügen“. Die Starter landen jetzt allerdings vorläufig in der ersten Leiste.

4. Wenn Sie ein Startericon in der Hauptleiste rechts anklicken, können Sie dieses mit „Verschieben“ nun in die neue Leiste verlegen.

Ein Konfigurationstool für Systemleisten fehlt: Alle Funktionen werden durch Kontextmenüs direkt vor Ort angeboten.
Vergrößern Ein Konfigurationstool für Systemleisten fehlt: Alle Funktionen werden durch Kontextmenüs direkt vor Ort angeboten.

Die Leisten lassen sich mit annähernd 50 verschiedenen Applets bestücken. Zu empfehlen ist der „Arbeitsflächenumschalter“: Der Wechsel zum nächsten virtuellen Desktop ist auch mit den Tastenkombinationen Strg-Alt-Cursor rechts/links möglich, aber die Miniübersicht in der Systemleiste kann per Drag & Drop Programmfenster auf andere Desktops ziehen. Nach Rechtsklick auf den „Arbeitsflächenumschalter“ und die Option „Einstellungen“ ist die Anzahl der Arbeitsflächen einstellbar.

Eine wichtige Ergänzung beim Einsatz von virtuellen Arbeitsflächen ist eine Option des Applets „Fensterliste“: Die zeigt standardmäßig nur die Tasks der aktuellen Arbeitsfläche an, kann aber auch sämtliche „Fenster aller Arbeitsflächen“ anbieten. Das lässt sich nach einem (sehr zielgenauen) Rechtsklick knapp links der Fensterliste über die „Einstellungen“ einstellen.

Zur Verwaltung von Notizen bietet Mate die Anwendung Tomboy. Es gibt aber auch eine anspruchslose Alternative. Das Applet „Klebezettel“ platziert kleine Zettel in definierbarer Größe, Schrift und Farbe auf den Desktophintergrund. Die Zettel blenden sich beim Klick auf das Applet oder auf den Desktop automatisch aus.

Wichtige Tastenkombinationen

Eine Übersicht der voreingestellten Hotkeys finden Sie im Hauptmenü unter „Steuerzentrale –› Tastenkombinationen“. Hier besteht auch die Möglichkeit, eigene Tastenkombinationen zu definieren.

Standards wie Strg-C|V|X oder Strg-Alt-F1 (Konsole) erwähnt die nachfolgende Liste nicht.

Hotkeys

Windows-Taste

öffnet das Hauptmenü

Alt-F1

einfaches Anwendungsmenü unterhalb des Mauszeigers

Alt-F2

Ausführen-Dialog mit Autovervollständigung

Alt-F7

verschiebt das aktuelle Programmfenster mit dem Mauszeiger

Alt-F8

ändert die die Größe des aktuellen Programmfensters

Alt-F9

minimiert das aktuelle Fenster in die Taskleiste

Alt-F10

maximiert das aktive Programmfenster

Strg-Alt-D

minimiert alle Fenster und zeigt den Desktop

Strg-Alt-L

sperrt den Bildschirm und aktiviert den Bildschirmschoner

Strg-Alt-Entf

öffnet Auswahldialog der Beenden-Optionen

Strg-Alt-Cursor-rechts

wechselt zur nächsten Arbeitsfläche

Strg-Alt-Cursor-links

wechselt zur vorherigen Arbeitsfläche

Druck

Screenshot des gesamten Bildschirms

Alt-Druck

Screenshot des aktiven Programmfensters

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