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Linux Mint Debian Edition 3 im Betatest: Vor- und Nachteile der Debian-basierten Mint-Edition

29.11.2018 | 13:11 Uhr |

Neben der Ubuntu-basierten Distribution gibt es von Linux Mint eine Debian-Edition (LMDE), die demnächst als neue Version 3 erscheint. Wir haben uns die Betaversion angesehen und zeigen die Unterschiede zur Ubuntu-Variante.

Der Standarddesktop Cinnamon ist eine Eigenentwicklung des relativ kleinen Mint-Teams. Die Entwickler konzentrieren sich vor allem auf Cinnamon und die dafür nötigen Anpassungen an das Betriebssystem. Die restlichen Dateien stammen aus den Ubuntu-Repositorien. Bereits seit 2010 gibt es auch ein Linux Mint auf Debian-Basis (LMDE), aktuell noch Version 2 auf Debian 8. Im Juli 2018 erschien die Beta von LMDE 3 „Cindy“ mit Cinnamon-Desktop, das auf dem aktuellen Debian 9 „Stretch“ basiert.

Die Mint-Entwickler wollen sich damit für die Zukunft absichern. Das Team befürchtet, dass die Desktopentwicklung bei Ubuntu stagnieren könnte oder gar eingestellt wird. Um dem vorzubeugen, dient Debian als zweites Standbein.

Unterschiede zwischen der Ubuntu- und Debian-Basis zeigen sich vor allem bei der Neuinstallation, aber auch im laufenden System gibt es kleinere Abweichungen zu Linux Mint 19 Cinnamon.

Debian statt Ubuntu

Auch Ubuntu nutzt als Grundlage Debian und von Ubuntu spalten sich wiederum einige Projekte wie Kubuntu, Xubuntu oder Linux Mint ab, die sich vor allem bei der Desktopumgebung unterscheiden. Dank solcher Debian-Verwandtschaft sollte es eigentlich kein großes Problem darstellen, den Unterbau auszutauschen. Schließlich gibt es Cinnamon standardmäßig auch für Debian, bisher allerdings nur in der älteren Version 3.2.7. Bei LMDE 3 ist wie bei Linux Mint 19 die aktuelle Version 3.8.8 mit dabei. Die Schwierigkeiten liegen jedoch im Detail. Die Entwickler müssen die Ubuntu-Anpassungen von Debian und teilweise auch die Linux-Mint-Anpassungen von Ubuntu für Debian umsetzen. Um die Arbeit zu reduzieren, verwendet LMDE 3 den stabilen Debian-Zweig. Bei der ersten LMDE-Ausgabe war es noch Debian Testing, was sich aber aufgrund der häufigen Updates als nicht praktikabel erwies.

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Die Installation von LMDE 3

LMDE 3 gibt es in einer 32-Bit-Ausgabe für ältere Rechner und mit 64 Bit, was eine Installation auf Bios- und Uefi-PCs ermöglicht. Das System lässt sich wie Linux-Mint von einer DVD oder einem USB-Stick booten. Im Bootmenü gibt es keine Besonderheiten und auf dem Desktop des Livesystems finden Sie das Icon „Install Linux Mint“. Dieser Installer macht zwar keinen komplett unfertigen, aber doch sehr funktionsarmen Eindruck. Es fragt Benutzernamen und Passwort ab und im nächsten Schritt legen Sie die Zielpartitionen für das neue System fest. Bei unpartitionierter Festplatte bietet der Installer eine automatische Partitionierung an. Dabei entstehen eine Swappartition, eine kleine Systempartition und eine große Home-Partition. Sind bereits Partitionen vorhanden, bietet LMDE keine Parallelinstallation an und es kann auch keine Partitionen verkleinern. Über den Kontextmenüpunkt „Zuweisen zu /“ einer Partition können Sie lediglich den Einhängepunkt festlegen. Die Schaltfläche „Partitionen bearbeiten“ startet den externen Partitionierer Gparted, über den Sie bei Bedarf Partitionen ändern, löschen und erstellen.

Der Standardinstaller von LMDE 3 bietet bei der Partitionierung keine Optionen.
Vergrößern Der Standardinstaller von LMDE 3 bietet bei der Partitionierung keine Optionen.

Zweites Installationstool: Über das Menü und „Administration –› Install Linux Mint (Calamares)“ lässt sich ein zweites Installationstool starten. Das Tool kommt bereits bei einigen Linux-Distributionen zum Einsatz, beispielsweise bei Manjaro und Netrunner. Calamares bietet einige Funktionen mehr als der Standardinstaller. Sie können Festplatten partitionieren, Partitionsgrößen ändern und die Systempartition verschlüsseln. Das Home-Verzeichnis alleine lässt sich nicht verschlüsseln.

Nach Auswahl von Sprache, Standort und Tastatur erfolgt die Auswahl der Zielfestplatte. Es gibt eine Option für die Parallelinstallation, bei der sich eine der vorhandenen Partitionen verkleinern lässt. Bei der manuellen Partitionierung löschen oder erstellen Sie Partitionen und legen die Einhängepunkte selbst fest.

Calamares bietet in etwa die Funktionen des Ubuntu-Installers bei Linux Mint 19 und macht einen stabilen Eindruck. Es ist daher schwer verständlich, warum die Mint-Entwickler den funktionsreduzierten LMDE-Installer als Standard bevorzugen. Zur Zeit gibt es keine genauen Informationen darüber, ob auch in Zukunft beide Installer mitgeliefert werden oder ob der Standardinstaller mehr Funktionen erhält.

Der alternative Installer Calamares zeigt ähnliche Optionen wie das Ubuntu-Tool von Linux Mint 19.
Vergrößern Der alternative Installer Calamares zeigt ähnliche Optionen wie das Ubuntu-Tool von Linux Mint 19.

Software und Kernel in LMDE 3

Eine neue Debian-Version erscheint alle zwei Jahre, Updates für Sicherheitslücken gibt es fünf Jahre lang. Das ist ähnlich wie bei Ubuntu LTS und hat den gleichen Nachteil: Sie müssen relativ lange auf neue Softwareversionen warten. Sie erhalten dafür aber ein sehr stabiles System, das außerdem als etwas schneller als Ubuntu gilt. Einige wichtige Softwarepakte stammen direkt aus dem Linux-Mint-Repository, beispielsweise der Cinnamon-Desktop sowie das bei Linux Mint 19 neue Timeshift, über das Sie Sicherungspunkte erstellen können. Firefox ist in LMDE 3 etwas aktueller als bei Debian, Sie erhalten jedoch die Langzeitversion (ESR, Extended Support Release), für die es nicht so häufig Updates gibt wie für Firefox unter Ubuntu. Der Kernel ist auf dem Stand 4.9.0 (Mint 19: 4.15.0) und bei Libre Office gibt es die Version 5.2.7.2 (Mint 19: 6.0.2.3). Sie können aber das vorinstallierte Flatpak ( https://flathub.org ) verwenden, um neuere Software zu installieren.

Nutzer des „normalen“ Linux Mint sind es gewohnt, optimierte Treiber für Nvidiaoder AMD-Grafikchips komfortabel über die Treiberverwaltung zu installieren. Bei LMDE gibt es die nicht und die Installation muss manuell erfolgen (siehe: https://wiki.debian.org/NvidiaGraphicsDrivers ). Die gebräuchlichsten Firmwarepakete richtet LMDE dafür automatisch ein. WLAN- oder Bluetooth-Adapter, die darauf angewiesen sind, sollten daher problemlos laufen.

LMDE kompensiert außerdem einige Debian-Defizite bei der Multimedia-Unterstützung. Fehlende Codecs installieren Sie über den „Willkommens-Bildschirm“ unter „Erste Schritte“. Klicken Sie einfach unter „Multimedia Codecs“ auf „Starten“. Es ist allerdings auch der VLC Media Player standardmäßig vorinstalliert, der von Haus aus alle Audio- und Videocodecs mitbringt.

LMDE versus Standard-Mint

Wer LMDE 3 einige Tage verwendet, dem fällt der Debian-Unterbau nicht weiter auf. Fast alles sieht aus und funktioniert wie bei Linux Mint 19. Die meisten Nutzer werden aber die Nachteile wie die umständlichere Installation, zum Teil veraltete Software sowie kompliziertere Treibereinrichtung nicht in Kauf nehmen wollen, wenn sie das Gleiche einfacher haben können. Bis die endgültige Version im Herbst erscheint, kann sich zwar noch Einiges verbessern. Damit LMDE 3 annähernd Komfort und Qualität von Linux Mint 19 erreicht, haben die Entwickler aber noch viel Arbeit vor sich.

Infos zu Linux Mint Debian 3

Aktueller Stand:
LMDE 3 Beta (vom 31.07.2018)
Einsatzgebiet:
Desktopsystem für jeden Einsatzzweck Zielgruppe: für die Installation fortgeschrittene Nutzer, nach der Einrichtung für alle geeignet
Download: www.linuxmint.com/download_lmde.php

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