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Linux Mint: Cinnamon-Desktop optimieren

07.06.2019 | 10:04 Uhr | Hermann Apfelböck

Linux Mint definiert sich maßgeblich über die Cinnamon-Oberfläche, die das Mint-Team seit 2011 auf Gnome-2-Basis kontinuierlich weiterentwickelt hat. Der Desktop ist klassisch und aufgeräumt, dabei anpassungsfähig und dank moderner Themes elegant.

Der Desktop Cinnamon ist die Komponente, worin sich Linux Mint von Ubuntu wesentlich unterscheidet und derzeit wahrscheinlich die beste Linux-Oberfläche. Denn Cinnamon ist ideologiefrei und nervt nicht, sondern dient dem Benutzer. Der Desktop ist technisch wie bedientechnisch durchaus konservativ, aber sehr anpassungsfähig und durch moderne Themes und Icons auch optisch ansprechend. Als zusätzlichen Bonus kann er sich auf die Fahne schreiben, dass er sparsamer bleibt als seine größten Desktopkonkurrenten Gnome und KDE (Ubuntu und Kubuntu). Dieser Beitrag zeigt alle wesentlichen Bedienelemente und Anpassungsmöglichkeiten der Cinnamon-Oberfläche.

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Systempflege gemäß Willkommensbildschirm

Die wichtigsten Schritte nach der Installation zeigt der Willkommensbildschirm unter „Erste Schritte“ vorbildlich an. Dieser Dialog startet nach jeder Anmeldung automatisch, solange das Kästchen „Diesen Dialog beim Systemstart anzeigen“ aktiviert bleibt, er lässt sich aber auch jederzeit über das Menü unter „Einstellungen –› Willkommensbildschirm“ manuell aufrufen. Ungeachtet der hier vorgegebenen Reihenfolge ist diese Abfolge zu empfehlen:

Neue Fähigkeiten der „Aktualisierungsverwaltung“.
Vergrößern Neue Fähigkeiten der „Aktualisierungsverwaltung“.

1. Aktualisierungsverwaltung: Das Wichtigste ist zunächst der Besuch in den Paketquellen, da es seit Erscheinen von Version 19.1 schon wieder eine Reihe neuer Updates gibt. Daher gehen Sie in der „Aktualisierungsverwaltung“ auf „Auffrischen“ und danach auf „Aktualisierungen installieren“. Über „Bearbeiten –› Anwendungspaketquellen“ können später die erlaubten Quellen erweitert werden. Unter „Ansicht –› Kernel“ lassen sich nicht mehr genutzte Kernel-Versionen löschen und aktuellere Kernel installieren.

2. Treiberverwaltung: Der nächste Weg geht nach „Systemverwaltung –› Treiberverwaltung“, um proprietäre Herstellertreiber zu installieren – in der Regel Grafiktreiber. Die Treibersuche erfolgt automatisch. Falls keine Herstellertreiber angeboten werden, wiederholen Sie die Suche zu einem späteren Zeitpunkt.

3. Schreibtischanordnung: Dieser neue Punkt im Willkommensbildschirm erscheint nur in der Cinnamon-Edition und ist nur für Nutzer relevant, die sich mit der neuen Leistenoptik nicht anfreunden können. Wir empfehlen, diese Option früh und endgültig zu absolvieren, weil bei späterer Umstellung diverse Anpassungen an Systemleiste, Menüoptik und Desktopthemen auf die Standards zurückgesetzt werden. Das kann erheblichen Aufwand für die erneute Desktopanpassung verursachen.

Einrichten der Timeshift-Sicherung.
Vergrößern Einrichten der Timeshift-Sicherung.

4. Systemschnappschüsse: Den obersten Punkt unter „Erste Schritte“ im Willkommensbildschirm erreichen Sie auch jederzeit unter „Systemverwaltung –› Timeshift“. Es handelt sich um eine differentielle Systemsicherung: Der erste Sicherungspunkt ist ein komplettes Backup der Systemverzeichnisse, alle weitere Wiederherstellungspunkte fallen deutlich kleiner aus. Bei der Ersteinrichtung wird zunächst der „Schnappschusstyp“ festgelegt – typischerweise „RSYNC“, sofern Sie Linux Mint auf Ext4 installiert haben (Standard). Im nächsten Schritt geht es um den „Schnappschussort“, also um den Zieldatenträger der Sicherung. Standardziel, wenn nur eine Festplatte vorliegt, ist das Wurzelverzeichnis, wo der neue Ordner „timeshift“ entsteht. Optimal wäre ein unabhängiger zweiter Datenträger als Ziel, allerdings muss dieser dann immer angeschlossen sein, wenn Sie einen automatisierten Zeitplan verwenden. Im letzten Schritt definieren Sie einen Zeitplan und die Anzahl der gespeicherten Systempunkte. Solche automatische Sicherung über den Taskplaner cron ist aber nicht zwingend: Schnappschüsse lassen sich jederzeit manuell über „Erstellen“ im Timeshift-Fenster auslösen.

Wie beim darunterliegenden Tool Rsync üblich, bestehen die Backups einfach aus den unkomprimierten Ordnern und Dateien. Einzelne Dateiobjekte oder der komplette frühere Zustand lassen sich daher mit jedem Livesystem rekonstruieren, falls das primäre System nicht mehr funktioniert. Die Backups liegen im Backupdatenträger unter „/timeshift/snapshots“. Sofern das System noch funktioniert, geht’s noch bequemer mit Timeshift selbst: Das Tool zeigt alle Punkte nach Alter geordnet an. Mit „Wiederherstellen“ schreiben Sie eine Sicherung zurück.

Weitere Systemtipps zur Ersteinrichtung

Sprachunterstützung: Bei der Installation legen Sie zwar die Sprache „Deutsch“ fest, was jedoch noch kein konsequent deutschsprachiges System ergibt. Daher ist es notwendig, unter „Systemeinstellungen –› Sprachen“ die Sprachpakete zu komplettieren. Beim Aufruf dieses Unterpunkts erscheint automatisch der Hinweis, dass Sprachpakete fehlen und nachgeladen werden können. Falls nicht, klicken Sie auf „Sprachen hinzufügen/entfernen“. Danach setzen Sie „Deutsch“ global mit der Option „Systemweit anwenden“. Abschließend ist eine Neuanmeldung erforderlich.

Multimedia-Codecs: Wenn Sie bei der Installation von Linux Mint die Option zur „Installation von Drittanbieter-Software“ aktiviert haben, sind alle Codecs an Bord. Falls Sie diese Option bei der Installation übersehen haben, ergänzen Sie die Codecausstattung über „Multimedia –› Multimedia-Codecs installieren“.

Monitoreinstellungen: Linux Mint erkennt die optimale Auflösung automatisch. Bei einem Betrieb mit zwei Monitoren ist es jedoch notwendig, den primären Bildschirm und die optimale Anordnung der Monitore unter „Systemeinstellungen –› Bildschirm“ festzulegen. Hier arrangieren Sie die gewünschte Monitoranordnung einfach mit der Maus. Ein oft übersehener Punkt für optimale Darstellung ist der Punkt „Systemeinstellungen –› Schriften –› Skalierungsfaktor der Schrift“. Der steht standardmäßig auf „1,0“ und lässt sich in Zehntelschritten verkleinern oder vergrößern.

Netzwerkadapter: Mit Kabelverbindung ist Linux Mint sofort im Netz. Mit WLAN-Adaptern besteht die übliche Pflicht, sich am eigenen WLAN anzumelden. Dies funktioniert über das Netzwerksymbol in der Systemleiste. Wenn der WLAN-Adapter hardwaretechnisch nicht erkannt wird, fehlen dort die Option „Funknetzwerk aktivieren“ sowie die Anzeige der nahen Funknetze. Dann hilft eventuell eine vorübergehende Kabelverbindung und das Nachladen des proprietären Treibers („Systemverwaltung –› Treiberverwaltung“).

Benutzer und Konten: Nach der Installation gibt es nur das Konto, das Sie beim Setup angelegt haben. Dieses Erstbenutzerkonto ist „Systemverwalter“ mit sudo-Berechtigung. Unter „Systemeinstellungen –› Benutzer und Gruppen“ können Sie Benutzerkonten einsehen, Kennwörter und Kontotyp ändern sowie neue Konten anlegen. Konten vom Typ „Systemverwalter“ erhalten automatisch sudo-Recht.

Neues Konto mit Home- Verschlüsselung.
Vergrößern Neues Konto mit Home- Verschlüsselung.

Konten mit Home-Verschlüsselung: Neue Konten können Sie mit oder ohne Home-Verschlüsselung einrichten. Das ist ein interessanter Aspekt für den Fall, dass Sie die Home-Verschlüsselung bei der Installation übersehen oder für unnötig erachtet hatten. Linux Mint Mate sowie XFCE bieten unter „Systemverwaltung –› Benutzer und Gruppen“ beim Anlegen eines neuen Kontos die Option „Persönlichen Ordner verschlüsseln…“, die Cinnamon-Hauptedition jedoch nicht. Das ist kein ernstes Problem, denn es genügt dieser alternative Terminalbefehl:

sudo adduser --encrypt-home [name]

Anschließend legen Sie das Passwort fest und bestätigen alle Abfragen mit der Eingabetaste.

Diverse Autostarts abschalten

Cinnamon hat für heutige Verhältnisse moderate Speicheranforderungen, aber 700 MB sind ab Anmeldung bei gut ausgestattetem PC durchaus belegt. Falls nötig, kann das Abschalten vieler Autostart-Module etwa 100 bis 150 MB einsparen und außerdem den Start geringfügig beschleunigen. Damit das Tool „Startprogramme“ (in den „Systemeinstellungen“) tatsächlich alle Autostarts anzeigt, muss dies erst freigeschaltet werden, denn die meisten systemnahen Komponenten blendet das Programm standard mäßig aus:

cd /etc/xdg/autostart/
sudo sed --in-place 's/NoDisplay=true/NoDisplay=false/g' *.desktop

Da damit alle No-Display-Flags abgeschaltet sind, zeigt „Startprogramme“ nun alle Komponenten. Theoretisch können Sie das Meiste deaktivieren außer D-Bus, X-Settings-Plugin, Automount, Background und den Sicherheitsdienst. Damit ist Mint mit Cinnamon auf etwa 550 MB zu verschlanken.

„Startprogramme“ zeigt alle Komponenten erst an, wenn die Anweisung „NoDisplay“ in den Konfigurationsdateien geändert wird.
Vergrößern „Startprogramme“ zeigt alle Komponenten erst an, wenn die Anweisung „NoDisplay“ in den Konfigurationsdateien geändert wird.

Achtung: Natürlich ist es Ermessensfrage, auf welche Module man tatsächlich verzichten kann und will: So ist ohne „Pulseaudio“ nur ein Audiostrom möglich und ohne „mintUpdate“ erscheinen keine Systemhinweise auf Updates. Und wer auf das „Background“-Modul verzichtet, kann keinen Bildschirmhintergrund mehr anzeigen.

Tuning für den Cinnamon-Desktop

Cinnamon bietet zahlreiche individuelle Anpassungsmöglichkeiten über die „Systemeinstellungen“. Die lohnendsten Objekte sind folgende:

„Themen“ bestimmen das Aussehen entscheidend. Der wichtigste Unterpunkt ist „Schreibtisch“, weil dieser die Farben des Hauptmenüs und der Hauptleiste festlegt. Der Unterpunkt „Symbole“ modernisiert durch eine Wahl der neueren Mint-Y-Sets die Optik des Desktops und des Dateimanagers erheblich. Bei der Auswahl des „Fensterrahmens“ für die Titelleisten aller Programmfenster plädieren wir für ein „Mint-Y-Dark“ (oder etwas Vergleichbares), damit die wichtige Titelleiste einen klaren Kontrast zum restlichen Fenster erhält. Das Register „Themen –› Hinzufügen/Entfernen“ kann noch zahlreiche, zum Teil sehenswerte Cinnamon-Themen aus dem Web nachladen.

Der hier aktivierte Unterpunkt „Fensterrahmen“ ändert das Aussehen der Titelleiste aller Programmfenster.
Vergrößern Der hier aktivierte Unterpunkt „Fensterrahmen“ ändert das Aussehen der Titelleiste aller Programmfenster.

Hintergrundbild: Den Desktophintergrund ändern Sie über „Systemeinstellungen –› Hintergrundbilder“. Der kürzeste Weg hierzu ist ein Rechtsklick am Desktop und „Hintergrundbild […] ändern“. Abgesehen von den voreingestellten Bildern können Sie mit dem kleinen Plus-Symbol (unten links) jederzeit auch einen eigenen Ordner mit Bildern eintragen.

Die Hintergrundbilder älterer Mint-Versionen sind nach wie vor verfügbar. So installiert etwa der Befehl

sudo apt install mint-backgrounds-s*

alle Hintergründe der mit „S“ benannten Mint-18-Versionen, also „Sarah“ bis „Sylvia“. Diese werden dabei auch sauber in den Anpassungsdialog „Systemeinstellungen –› Hintergrundbilder“ einsortiert.

Unter „Fenster –› Titelleiste“ bestimmen Sie Aussehen und Verhalten der Titelleiste: Die Funktion der Kontrollelemente (Minimieren, Schließen, Maximieren) in der Titelleiste kann ebenso individuell eingestellt werden wie das Verhalten beim Doppelklick oder Rechtsklick auf der Titelleiste. So kann etwa das Mausrad auf der Titelleiste das Fenster in Stufen transparent schalten („Deckkraft anpassen“). Die Registerkarte „Fenster –› Verhalten“ bietet die wichtige Option „Fokussierungsverhalten“: Normalerweise erhält ein Fenster erst durch einen Mausklick den Eingabefokus; mit der Option „Maus“ genügt ein Mouse-over ohne Klick auf ein Fenster, um es eingabebereit in den Vordergrund zu bringen.

„Schreibtisch“ ist insofern wichtig, weil Cinnamon hier die Standardsymbole am Desktop wie „Papierkorb“, „Netzwerk“, „Eingehängte Datenträger“ anbietet. Hier können Sie einzeln festlegen, welche Symbole die Oberfläche anzeigen soll, welche nicht. Unabhängig von dieser Feineinstellung kann die Drop-down-Liste rechts oben mit „Keine Schreibtischsymbole“ Icons am Desktop auch komplett abschalten. Wer die Symbolanzeige per Script oder Hotkey ein und abschalten will, kann dazu auch den Terminalbefehl

gsettings set org.nemo.desktop show-desktop-icons false|true

verwenden, wobei „false“ die Desktopsymbole abschaltet, der Wert „true“ sie wieder aktiviert.

„Effekte“ betreffen in erster Linie Fensteraktionen wie Verkleinern oder Schließen. Sie lassen sich komplett deaktivieren, was die schnellste und ökonomischste Lösung ist. Wer möchte, kann die Effekte aber unter „Anpassen“ differenziert einstellen hinsichtlich Effekttyp und Effektdauer.

„Aktive Ecken“ lösen durch Mausbewegung in eine Bildschirmecke eine Desktopaktion oder ein benutzerdefiniertes Programm aus. Dosiert an einer oder maximal zwei Ecken genutzt ist das durchaus sinnvoll. Kontraproduktiv sind aktive Ecken neben wichtigen Klickzielen wie Hauptmenü oder Sitzungsmenü.

(Dosiert genutzte) „Aktive Ecken“ starten per Überfahren mit dem Mauszeiger eine Fensteraktion oder ein Programm.
Vergrößern (Dosiert genutzte) „Aktive Ecken“ starten per Überfahren mit dem Mauszeiger eine Fensteraktion oder ein Programm.

Desklets, Erweiterungen, Applets: Die „Systemeinstellungen“ bieten „Desklets“ (Desktopgadgets), „Erweiterungen“ (Erweiterungen für Cinnamon) und „Applets“ (Elemente für die Systemleiste). Für alle drei Optionen gibt es nachfolgend einen erklärenden Extrapunkt. Zur Bewertung vorab: Wirklich ergiebig sind nur die Applets für die Systemleiste.

Desklets für den Desktop

Die Desklets können Sie weitgehend vernachlässigen: Die brauchbarsten Desklets Digitaler Bilderrahmen für eine kleine Diashow und das Uhr-Desklet hat Mint standardmäßig an Bord und müssen in den „Systemeinstellungen“ nur aktiviert und konfiguriert werden (Rechtsklick und „Einrichten“). Der direkte Weg zum Deskletdialog führt nach Rechtsklick am Desktop und „Desklets hinzufügen“ an dasselbe Ziel. Ein Klick auf „Im Netz verfügbare Desklets“ kann weitere Desklets in das System holen: Dazu müssen Sie das Desklet mit einem Häkchen markieren und unten die Schaltfläche „Ausgewählte Einträge installieren […]“ klicken. Danach befindet sich das Tool unter „Installierte Desklets“ und kann dort mit Rechtsklick und „Zum Schreibtisch hinzufügen“ aktiviert werden. Fast alle aktiven Desklets bieten noch ihre eigenen Konfigurationsoptionen, so etwa der Bilderrahmen zur Auswahl des Bilderordners und zum Zeitintervall der Bilderschau.

Cinnamon kann am Desktop allerlei Rahmen für Bilder, Datumsanzeige, Systeminfos, Notizen oder Taschenrechner darstellen.
Vergrößern Cinnamon kann am Desktop allerlei Rahmen für Bilder, Datumsanzeige, Systeminfos, Notizen oder Taschenrechner darstellen.

Erweiterungen für Cinnamon

Unter „Systemeinstellungen –› Erweiterungen“ finden Sie einige funktionale, hauptsächlich aber nur optische Ergänzungen für die Cinnamon-Oberfläche. Diese Erweiterungen sind wie die Desklets eher marginal. Außerdem sind alte Erweiterungen eventuell inkompatibel zur aktuellen Cinnamon-Version (3.8.6), was den Cinnamon-Start oder -Betrieb erheblich stören kann. Als experimentierfreudiger Nutzer richten Sie sich Erweiterungen genauso ein, wie das analog bei Desktopdesklets und Leistenapplets geschieht: Nach dem Klick auf die Schaltfläche „Im Netz verfügbare Erweiterungen“ setzen Sie das Häkchen neben dem gewünschten Eintrag und klicken auf „Ausgewählte Einträge installieren […]“. Unter „Installierte Erweiterungen“ lassen sich selbige dann am System aktivieren.

Die meisten Erweiterungen bieten grafische Effekte wie etwa „Desktop Cube“ oder „Opacify Windows“. Eine der nützlichsten Erweiterungen wäre das Starterdock „Cinnadock Plus“, das sich aber bei Redaktionsschluss noch als inkompatibel mit dem aktuellen Cinnamon erwies.

Applets für die Systemleiste

Die Standardleiste übernimmt zahlreiche Funktionen wie Menü, Fensterliste, Netzwerkmanager, Sitzungsmenü oder Arbeitsflächenanzeige. Das Angebot wird durch Applets geregelt, die sich anpassen, erweitern und reduzieren lassen. Selbst fundamentale Elemente wie das Hauptmenü, die Fensterliste oder das Benutzermenü sind Applets, die sich auch abschalten lassen. Einige Grundeinstellungen gibt es beim Rechtsklick auf die Leiste über die Option „Leisteneinstellungen“. Die derzeit aktiven und sonstigen verfügbaren Applets verwalten Sie am besten in der Übersicht „Systemeinstellungen –› Applets“. Im Detail lassen sich die Applets aber nur konfigurieren, wenn Sie nach Rechtsklick auf die Leiste den „Leistenbearbeitungsmodus“ aktivieren.

Viele wichtige Applets wie hier die Fensterliste haben ihren eigenen Konfigurationsdialog zur Feinjustierung.
Vergrößern Viele wichtige Applets wie hier die Fensterliste haben ihren eigenen Konfigurationsdialog zur Feinjustierung.

Applets ein- und ausschalten: Nach Rechtsklick auf eine freie Stelle in der Leiste erhalten Sie die Option „Applets zur Leiste hinzufügen“ (das entspricht dem Gang zu „Systemeinstellungen –› Applets“). Die aktiven Applets zeigen ein Häkchen. Mit der Minus-Schaltfläche können Sie das Element abschalten, mit der Plus-Schaltfläche ein bisher inaktives einschalten.

Applets nachladen: Weitere, bislang nicht installierte Leistenapplets finden Sie über die Schaltfläche „Herunterladen“. Wenn Sie neben dem gewünschten Element den Downloadpfeil anklicken, wird das Applet aus dem Web geladen. Es erscheint dann in der Appletliste unter „Verwalten“ und kann nun aktiviert werden.

Konfiguration von Applets: Die allermeisten Applets bieten sowohl im Applets-Dialog als auch nach Rechtsklick in der Leiste eine eigene kleine Konfiguration („Einrichten“ oder „Einstellungen“). Je nach Applet ist das marginal bis substantiell: So lohnen etwa das Hauptmenü- oder das Klangapplet in jedem Fall einen Besuch ihres Einrichtungsdialogs.

Die Position der Leistenelemente können Sie über den Applets-Dialog nicht ändern. Dazu ist nach Rechtsklick auf der Systemleiste der „Leistenbearbeitungsmodus“ nötig. Danach lassen sich einzelne Applets mit der Maus an die gewünschte Stelle ziehen. Beachten Sie, dass im Leistenbearbeitungsmodus sämtliche Applets inaktiv sind. Sie müssen diesen Modus nach Rechtsklick auf die Leiste erst wieder abschalten, um die Leistenelemente nutzen zu können.

Empfehlenswerte Applets: Im Normalfall absolut unentbehrlich sind die Applets Menü und Fensterliste. Typischerweise sollten auch die Applets Benutzeranzeige, Klang, Netzwerkverwaltung und Meldungen nicht fehlen, die allesamt den schnellen Zugriff zu fundamentalen Daten oder Aktionen gewährleisten.

Alles Weitere ist geräteabhängig, nutzungsspezifisch oder optional: So ist etwa der Platz für das Applet Leistenstarter verschenkt, wenn Sie mit dem Hauptmenü auskommen oder sich einen Programmstarter in Form eines zusätzlichen Docks eingerichtet haben. Andererseits ist der Leistenstarter sehr einfach zu bestücken über das Hauptmenü (Rechtsklick auf ein Programm und „Zur Leiste hinzufügen“).

Die ideale Anzahl der virtuellen Desktops richten Sie direkt am Applet Arbeitsflächenumschalter ein.
Vergrößern Die ideale Anzahl der virtuellen Desktops richten Sie direkt am Applet Arbeitsflächenumschalter ein.

Das Applet Arbeitsflächenwechsler in der Systemleiste wechselt per Klick auf eines der vier kleinen Fenster zur betreffenden Arbeitsfläche. Alternative dazu sind die Tastenkombinationen Strg-Alt-Cursor-rechts/links. Wenn Sie das gerade aktive Programmfenster auf eine andere Arbeitsfläche verschieben möchten, nehmen Sie noch die Umschalt-Taste dazu: Strg-Alt-Umschalt-Cursor-rechts verschiebt das aktive Fenster zum nächsten Desktop. Desktopwechsel per Maus oder Hotkey signalisiert Cinnamon standardmäßig durch einen dezenten Systemklang (siehe „Systemeinstellungen –› Effekte“) und durch eine kurze Anzeige von „Arbeitsfläche [n]“.

Virtuelle Arbeitsflächen sind umso nützlicher, je kleiner der Bildschirm ausfällt. Es müssen aber nicht unbedingt vier sein. Nach Rechtsklick auf das Applet Arbeitsflächenwechsler gibt es die Optionen „Aktuelle Arbeitsfläche entfernen“ sowie „Neue Arbeitsfläche hinzufügen“, um die Anzahl der virtuellen Desktops zu vergrößern oder zu verringern.

Weitere Applets wie Orte-Zentrum, Wechseldatenträger oder Places Center erlauben den Sofortzugriff auf lokale Datenträger und Netzwerkfreigaben. Am umfassendsten ist Places Center, das erst mit „Herunterladen“ nachinstalliert werden muss. Es gibt weitere Applets, die eine kleine Aufgabe besser oder funktionsreicher anbieten, als dies die Standardapplets tun: So zeigt ein Session Manager alle Optionen zum Abschalten und Abmelden, während die standardmäßige Benutzeranzeige die meisten Optionen erst nach Klick auf „Ausschalten“ preisgibt.

Das Hauptmenü individuell anpassen

Das Startmenü ist ein Element (Applet) der Systemleiste und zeigt eine nach Kategorien sortierte Programmübersicht sowie ein Instant-Search-Feld zur manuellen Suche. Das Menü enthält ferner auf der linken Seite eine Schnellstartleiste („Favoriten“) für besonders wichtige Anwendungen und die Controls zum Abschalten oder Abmelden. Aber auch im Cinnamon-Startmenü ist alles variabel: Das Menü kann komplett umgebaut werden, auch Favoriten oder Shut-down-Schalter sind optional.

Nach Rechtsklick auf das Menüsymbol und „Einrichten“ gibt es eine Reihe von Basiseinstellungen, welche Elemente das Menü anzeigen soll. Relativ neu ist die Option „Favoriten und Beendenoptionen anzeigen“. Die ist standardmäßig aktiv, lässt sich aber abschalten, um das Menü zu verkleinern. Neben „Symbol“ und „Text“ können Sie sogar den Menünmamen („Menü“) und das Symbol des Menüs (Mint-Symbol) nach Belieben ändern.

Für die detaillierte Einrichtung des Menüs gibt es einen speziellen Editor, den Sie nach Rechtsklick auf den Menüknopf und „Einrichten –› Menü –› Die Menübearbeitung öffnen“ starten. Den zuständigen Editor erreichen Sie im Prinzip auch mit dem folgenden Befehl:

cinnamon-menu-editor

Hier deaktivieren Sie per Klickbox unnötige Kategorien oder Einzelprogramme. Der Schalter „Neues Menü“ erstellt eine neue Kategorie, der Schalter „Neuer Eintrag“ einen neuen Programmstarter. Achten Sie bei neuen Startern darauf, dass Sie sich in der richtigen Kategorie befinden.

Passende Icons für Kategorien und Starter finden Sie unter anderem unter „/usr/share/icons/Mint-X/categories/96“.

Ordner und Symbole bearbeiten

Nach Rechtsklick im Dateimanager auf Ordner gibt es im Kontextmenü ganz unten eine Farbpalette, mit der Sie den aktuellen Ordner farbig auszeichnen können. Die farbliche Ordnerdekoration funktioniert mit allen alten Mint-X-Symbolthemen und inzwischen auch mit den meisten Mint-Y-Themen.

Falls Sie unter „Systemeinstellungen –› Themen –› Symbole“ zufällig ein Mint-Y-Set eingestellt haben, mit dem die Farbpalette im Dateimanager nicht angeboten wird, können Sie das Thema vorübergehend wechseln, die Ordnerdekoration ausführen und dann wieder zurückstellen. Sie bleibt dann auch im Mint-Y-Thema gültig.

Eigene Tastenkombinationen erstellen: Die Aktion dauert unter „Systemeinstellungen –› Tastatur“ keine Minute und sorgt für Schnellstarts ohne Pixelsuche.
Vergrößern Eigene Tastenkombinationen erstellen: Die Aktion dauert unter „Systemeinstellungen –› Tastatur“ keine Minute und sorgt für Schnellstarts ohne Pixelsuche.

Eigene Tastenkombinationen erstellen

Nichts ist schneller als eine im Kleinhirn gespeicherte Tastenkombination, die man quasi im Schlaf drückt. Es lohnt sich, das unter Linux sehr verlässliche Hotkey-Verhalten auf einige zentrale Programme anzuwenden. Anlaufstelle ist „Systemeinstellungen –› Tastatur“ und dort „Tastenkombinationen“. Klicken Sie auf die Kategorie „Eigene Tastenkombinationen“ und „ Eigene Tastenkombination erstellen“. Nun geben Sie „Name“ (unwichtig) und „Befehl“ (wichtig) ein. Der Befehl könnte etwa „cinnamon-settings“ lauten (also die „Systemeinstellungen“). Der neue Hotkey erscheint nun mit seinem Namen im Dialog, und im unteren Bereich „Tastenkombinationen“ klicken Sie nun zweimal auf „nicht zugeordnet“. Danach geben Sie den Hotkey Ihrer Wahl ein. Die Einstellung ist sofort aktiv.

Standardprogramme ändern

Welches Programm Mint startet, wenn Sie eine Video- oder Musikdatei im Dateimanager anklicken, ist in den Systemeinstellungen hinterlegt. Diese Standardanwendungen können Sie unter „Systemeinstellungen –› Bevorzugte Anwendungen“ ändern. Dort klicken Sie auf das Vorgabeprogramm wie etwa „Rhythmbox“ und finden in der Dropown-Liste entweder direkt Alternativen (wie VLC) oder zumindest die Option „Andere Anwendung“ zur manuellen Auswahl des Programms. Bei den „Bevorzugten Anwendungen“ handelt es sich nur um die wichtigsten Standards.

Eine präzisere Verknüpfung von Dateitypen und zugehöriger Software erreichen Sie über den Dateimanager über „Eigenschaften –› Öffnen mit –› Als Vorgabe festlegen“.

Programme von Mint mit diesem Dialog austauschen oder ergänzen.
Vergrößern Programme von Mint mit diesem Dialog austauschen oder ergänzen.

Cinnamon-Reparaturen

Cinnamon kann mit mehreren einfachen Handgriffen neu initialisiert werden, ohne den angemeldeten Benutzer vor die Tür zu setzen und ohne die laufenden Anwendungen zu beenden. Aus technischer Sicht sind alle drei folgenden Aktionen identisch:

A: Der Hotkey Strg-Alt-Esc lädt die Oberfläche komplett neu.

B. Der Rechtsklick auf der Systemleiste und die Option „Fehler suchen –› Cinnamon neustarten“ restauriert Cinnamon in gleicher Weise.

C. Schließlich löst auch nach Tastenkombination Alt-F2 für den Ausführen-Dialog die Eingabe von „r“ für den (R)estart von Cinnamon aus. Wenn diese sanftere Restartmethode nichts bewirkt, hilft meistens der Hotkey Strg-Alt-Rücktaste, der die komplette Sitzung beendet und zum Anmeldebildschirm zurückführt.

Bei Desktophängern helfen spezielle Hotkeys sowie diese Optionen, die Sie über die Systemleiste erreichen.
Vergrößern Bei Desktophängern helfen spezielle Hotkeys sowie diese Optionen, die Sie über die Systemleiste erreichen.

Zusätzliche Troubleshooting-Optionen bietet das Tool cinnamon-looking-glass. Es lässt sich durch Rechtsklick auf die Systemleiste und „Fehler suchen –› Looking Glass“ starten oder auch manuell über cinnamon-looking-glass. Hier gibt es unter der Schaltfläche „Actions“ (ganz rechts) die zusätzliche Möglichkeit, die Cinnamon-Konfiguration auf den Standard zurückzusetzen („Reset Cinnamon Settings“). cinnamon-looking-glass kann aber noch mehr: Wenn Sie links auf das Register „Extensions“ klicken, werden alle Applets der Systemleiste aufgelistet. Nach Rechtsklick auf eines gibt es die Optionen, das Applet neu zu laden oder den Pfad der Codedateien aufzusuchen („View Source“). In den meisten Fällen handelt es sich um Javascripts, deren Code Script-Kundige dann selbst verändern können. Nur für Cinnamon-Entwickler interessant ist die Analyse im Register „Windows“, die alle laufenden Fenster anzeigt und nach „Inspect Window“ die GUI-Funktionen des Fensters anzeigt.

Der komplette Reset aller Cinnamon-Einstellungen, soweit sie in der Dconf-Konfigurationszentrale gespeichert sind, wurde bereits als Option von cinnamon-lookingglass angesprochen. Er funktioniert aber auch auf der Kommandozeile, also auch in der virtuellen Konsole (Strg-Alt-F1), wenn die Oberfläche nicht mehr arbeitet:

dconf reset -f /org/cinnamon/

Dies setzt alles auf Standardwerte zurück. Wer vorgesorgt hat, kann Cinnamon aber auch weniger radikal auf einen angepassten, funktionierenden Zustand zurücksetzen. Eine Sicherung aller Cinnamon-Einstellungen ist jederzeit mit folgendem Terminalbefehl möglich:

dconf dump /org/cinnamon/ > cinnamon_dconf.bak

Aus dieser Sicherungsdatei können Sie später wieder alle Optionen einlesen:

dconf load /org/cinnamon/ < cinnamon_dconf.bak

Das ist sowohl nach Konfigurationsfehlern als auch bei Neuinstallationen hilfreich.

8. Cinnamon: Xed und die Übersichtskarte

Der vom Mint-Team als Xed weiterentwickelte Editor Gedit verwendet seit Neuestem eine „Übersichtskarte“ am rechten Rand, die schnelles Navigieren in den Texten ermöglicht. Für umfangreiche Texte ist diese Funktion als Option unter „Ansicht –› Übersichtskarte“ durchaus willkommen, für kleine Scripts ist das aber unnötige Platzverschwendung. Leider ist die „Übersichtskarte“ aber voreingestellter Standard. Mit dieser Dconf-Anpassung

gsettings set org.x.editor.pre-ferences.ui minimap-visible false

können Sie den eher lästigen Standard ändern. Das Ganze funktioniert natürlich auch im grafischen Dconf-Editor (nicht vorinstalliert) über den Pfad „org.x.editor.preferences.ui“.

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