2306075

Linux-Grundlagen: Tipps zur besten Konfiguration

30.03.2018 | 10:03 Uhr |

Je nach Distribution zeigt Linux einen anderen Desktop (Bedienoberfläche) und bietet andere Einstellungen. Die Grundfunktionen sind zwar ähnlich, es gibt jedoch zahlreiche Unterschiede im Detail.

Wie sich ein Linux-System bedienen lässt und wo die Einstellungen zu finden sind, hängt von der jeweiligen Distribution und der zugehörigen Desktop-Umgebung ab. Die Entscheidung für einen bestimmten Desktop treffen Sie bereits mit der Wahl des Systems. Informationen zu den Linux-Distributionen und zu den Desktop-Umgebungen finden Sie hier . In diesem Artikel beschränken wir uns auf die Distributionen Linux Mint Cinnamon , Ubuntu und Ubuntu Mate . Linux Mint sowie Ubuntu Mate basieren beide auf Ubuntu, zeigen allerdings den Cinnamon-beziehungsweise den Mate-Desktop. Die Bedienung dieser Desktops unterscheidet sich dabei teilweise deutlich von einem Standard-Ubuntu 16.04 mit dessen Standard-Desktop Unity.

Siehe auch: Linux-Top-20: So finden Sie Ihr Lieblings-Linux

1. Anmelden, Abmelden und Herunterfahren

Ubuntu, Ubuntu Mate und Linux Mint präsentieren nach dem Systemstart einen Anmeldebildschirm. Sie sehen den Benutzernamen, den Sie bei der Installation festgelegt haben. Klicken Sie diesen im Folgenden an, tippen Sie das Kennwort ein und bestätigen Sie mittels Klick auf „OK“ oder durch das Drücken der Eingabetaste. Wenn Sie bei der Installation die Option „Automatisch anmelden“ gewählt haben, entfällt die Anmeldung und Linux zeigt gleich die Desktop-Oberfläche (siehe Punkt 3).

Ubuntu: Bei Ubuntu sehen Sie in der Systemleiste am oberen Bildschirmrand („Panel“) ganz rechts eine Schaltfläche. Nach einem Klick darauf können Sie im Menü zwischen „Abmelden“, „Bereitschaft“ sowie „Herunterfahren“ wählen. Nach einem Klick auf „Abmelden“ haben Sie die Wahl zwischen „Sperren“ und „Abmelden“. Bei „Sperren“ laufen alle Programme weiter, der Bildschirm ist jedoch blockiert. Geben Sie Ihr Passwort ein, um die Sperre aufzuheben. Nach einem Klick auf „Herunterfahren“ können Sie zwischen „Neu starten“ und „Herunterfahren“ wählen. Ein kurzer Druck auf den Einschaltknopf des PCs oder Notebooks führt zu einem Dialog mit den Optionen „Sperren“, „Bereitschaft“, „Neustart“ und „Herunterfahren“. Eine Konfiguration des Netzschalterverhaltens ist bei Ubuntu nicht vorgesehen.

Hier können Sie zwischen der Anmeldung mit oder ohne Passwort wählen.
Vergrößern Hier können Sie zwischen der Anmeldung mit oder ohne Passwort wählen.

Ubuntu Mate: Auch hier befindet sich rechts oben in der Systemleiste eine Schaltfläche, die zu einem Dialog mit den Schaltflächen „Bereitschaft“, „Neustart“ wie auch „Herunterfahren“ führt. Es erscheint ein Countdown und wenn Sie nichts anderes anklicken, schaltet sich der Rechner nach 60 Sekunden aus. Mit „Abbrechen“ lässt sich dieser Vorgang stoppen. Wenn Sie den Einschaltknopf des PCs oder Notebooks kurz drücken, dann erscheint derselbe Dialog und das Gerät fährt nach 60 Sekunden automatisch herunter. Um das Verhalten des Netzschalters zu ändern, gehen Sie im Menü auf „System -> Einstellungen -> Geräte -> Energieverwaltung“ und daraufhin auf die Registerkarte „Allgemein“. Hinter „Beim Drücken des Ein-/Ausschalters“ können Sie zwischen „Nachfragen“, „Bereitschaft“, „Herunterfahren“ und „Nichts machen“ auswählen. „Abmelden“ und „Bildschirm sperren“ finden Sie bei Ubuntu Mate im Menü „System“.

Manche Einstellungen müssen Sie mit dem Passwort des Systemverwalters bestätigen.
Vergrößern Manche Einstellungen müssen Sie mit dem Passwort des Systemverwalters bestätigen.

Linux Mint: Hier klicken Sie auf die unterste Schaltfläche im Menü („Beenden“) und danach auf „Rechner ausschalten“, wenn Sie das System herunterfahren möchten. Alternativ können Sie auch den Einschaltknopf des PCs oder Notebooks kurz drücken. Jetzt erscheint das Fenster mit den Schaltflächen „Bereitschaft“, „Ruhezustand“, „Neu starten“ und „Rechner ausschalten“. Das Verhalten des Netzschalters lässt sich bei Linux Mint konfigurieren, indem Sie im Menü auf „Einstellungen -> Energieverwaltung“ gehen und unter „zusätzliche Optionen“ anstatt „Fragen“ beispielsweise „Ruhezustand“ oder „Sofort herunterfahren“ wählen.

Bei Linux Mint aktivieren Sie nachträglich die automatische Anmeldung.
Vergrößern Bei Linux Mint aktivieren Sie nachträglich die automatische Anmeldung.

Berechtigungen: Standardbenutzer und Systemverwalter

Die Berechtigungen zur Systemverwaltung erhält der bei der Installation eingerichtete Erstbenutzer automatisch. Wenn andere Personen den PC verwenden, empfiehlt es sich, weitere Benutzerkonten anzulegen. Jeder Benutzer kann seine individuellen Einstellungen vornehmen und hat Zugriff auf seine eigenen Dateien. Neue Benutzerkonten erstellen Sie bei Linux Mint in den Systemeinstellungen nach einem Klick auf „Benutzer und Gruppen“. Bei Ubuntu klicken Sie auf „Benutzer“ und bei Ubuntu Mate gehen Sie auf „System -> Systemverwaltung -> Benutzer und Gruppen“. Über die „+“-oder „Hinzufügen“-Schaltfläche legen Sie einen neuen Benutzer an.

Bei Linux Mint und Ubuntu können Sie hinter „Kontotyp“ den Wert „Standard“ auswählen, wenn der Benutzer keine administrativen Berechtigungen erhalten soll.

Andernfalls wählen Sie „Systemverwalter“ aus. In Ubuntu Mate legen Sie im folgenden Schritt zunächst das neue Benutzerkonto an. Anschließend klicken Sie hinter „Kontotyp“ auf „Ändern“. Wählen Sie nun die Option „Desktop-Benutzer“ für Standardberechtigungen oder „Administrator“ für Systemverwalter.

2. Konfiguration des Systems und Berechtigungen

Bei allen Linux-Distributionen können Sie die meisten Einstellungen über eine Zentrale aufrufen – ähnlich wie bei der Windows-Systemsteuerung. Benutzer von Linux Mint klicken auf die Menüschaltfläche und gehen nunmehr auf „Einstellungen -> Systemeinstellungen“. Unter Ubuntu klicken Sie in der Starterleiste am linken Bildschirmrand auf das Symbol mit Zahnrad und Schraubenschlüssel. Bei Ubuntu Mate rufen Sie die Einstellungen über das Menü am oberen Bildschirmrand auf. Klicken Sie bitte als Nächstes auf „System -> Steuerzentrale“.

Alle hier verfügbaren Einstellungen lassen sich zumeist auch direkt ansteuern. Bei Linux Mint finden Sie die passenden Menüeinträge un-ter „Einstellungen“ sowie „Systemverwaltung“, bei Ubuntu Mate sind diese im Menü „System“. Ubuntu-Nutzer verwenden die oberste Schaltfläche im Ubuntu-Startmenü (die „Dash-Startseite“) und tippen hier einen Suchbegriff wie „Maus“ oder „Tastatur“ ein.

Über Einstellungen -> Bildschirm legen Sie unter Linux Mint die Bildschirmauflösung fest.
Vergrößern Über Einstellungen -> Bildschirm legen Sie unter Linux Mint die Bildschirmauflösung fest.

Es gibt zwei Gruppen von Einstellungen: Die einen betreffen lediglich den jeweils angemeldeten Benutzer. Dazu gehören beispielsweise die Einstellungen für das Erscheinungsbild und Tastenkombinationen wie auch die Mauskonfiguration. Die zweite Gruppe umfasst systemweite Einstellungen, zum Beispiel die Konfiguration und Installation von Software-Updates oder die Einstellungen für Datum und Uhrzeit. Um hier etwas zu ändern, sind immer Administratorrechte erforderlich. Diese fordert Linux entweder direkt an, wenn Sie eine Einstellung aufrufen, oder Sie müssen zuvor auf „Entsperren“ klicken. Sie bekommen die Berechtigung, indem Sie das bei der Installation festgelegte Passwort eintippen und auf „OK“ oder „Legitimieren“ klicken.

Auch interessant: Linux und Windows parallel auf dem PC - so geht's

3. Automatisch bei Linux anmelden

Bei privat genutzten PCs ist die automatische Anmeldung praktisch, sofern keine Gefahr besteht, dass jemand unbefugt auf Ihre Dateien zugreift. Eine Option für die automatische Anmeldung wird bereits bei der Installation von Ubuntu, Ubuntu Mate und Linux Mint angeboten. Wenn Sie die Option nicht gewählt haben, lässt sich die Funktion nachträglich aktivieren.

Ubuntu 16.04: Klicken Sie im Anschluss daran in der Leiste am linken Bildschirmrand auf das Symbol mit dem Zahnrad und dem Schraubenschlüssel. Damit rufen Sie die „Systemeinstellungen“ auf. Klicken Sie im Abschnitt „System“ auf „Benutzer“. Klicken Sie daraufhin auf „Entsperren“ und bestätigen Sie mit Ihrem Passwort. Bei dem Benutzer, der automatisch angemeldet werden soll, setzen Sie den Schalter hinter „Automatische Anmeldung“ auf „An“.

Ubuntu Mate: Gehen Sie danach auf „System -> Systemverwaltung -> Benutzer und Gruppen“ und wählen Sie den gewünschten Nutzer aus. Hinter „Passwort: Beim Anmelden erfragen“ klicken Sie auf „Ändern“. Tippen Sie Ihr Passwort ein und klicken Sie bitte auf „Legitimieren“. Setzen Sie ein Häkchen vor „Nicht bei der Anmeldung nach einem Kennwort fragen“. Diese Option bewirkt allerdings nur genau das, was in der Beschreibung steht: Bei der Anmeldung wählen Sie den gewünschten Nutzer aus und klicken auf „Anmelden“. Die Passworteingabe entfällt, aber es erfolgt keine vollautomatische Anmeldung eines bestimmten Nutzers.

Linux Mint: Klicken Sie hier links unten auf die Schaltfläche „Menü“ und gehen Sie auf „Systemverwaltung -> Anmeldefenster“. Da es sich um eine systemweite administrative Einstellung handelt, müssen Sie das Passwort eintippen, das Sie bei der Installation festgelegt haben, und mit „OK“ bestätigen. Klicken Sie jetzt auf „Automatische Anmeldung“, setzen Sie ein Häkchen vor „Automatische Anmeldung aktivieren“ und wählen Sie darunter den Benutzer aus, der automatisch angemeldet werden soll. Die Option „Zeitgesteuerte Anmeldung aktivieren“ ist nützlich, wenn Sie mehrere Benutzerkonten verwenden. Der Anmeldebildschirm zeigt einen Countdown. Ist er abgelaufen, so wird der gewählte Benutzer automatisch angemeldet. Sie können jedoch auch einen anderen Benutzernamen anklicken und sich dann mit dessen Passwort anmelden.

Tipp: Linux läuft nicht? So lösen Sie jedes Treiber-Problem

4. Konfiguration von Hardware und Peripherie

In allen Linux-Systemen gibt es vordefinierte Tastenkombinationen.
Vergrößern In allen Linux-Systemen gibt es vordefinierte Tastenkombinationen.

Linux erkennt beim Start automatisch die Grafikkarte sowie die angeschlossenen Monitore. Die Bildschirmauflösung wird ebenfalls automatisch richtig eingestellt. Die standardmäßig installierten Open-Source-Treiber, beispielsweise für Grafikkarten von Nvidia oder AMD, reichen für einen typischen Büro-oder Surf-PC aus. Es stehen aber teils optimierte Treiber zur Verfügung, über die sich die Videowiedergabe und Spiele beschleunigen lassen. Weitere Informationen zur Installation von Treibern sowie zur Einrichtung von Druckern oder Scannern finden Sie hier .

Die Konfiguration des Monitors ändern Sie unter Linux Mint bei Bedarf über das Menü und „Einstellungen -> Bildschirm“. Hier können Sie die Auflösung festlegen und auch mehrere Monitore konfigurieren. Die Platzierung der Monitore lässt sich per Drag & Drop ändern, und über die Schaltfläche „Als Hauptbildschirm festlegen“ lässt sich der primäre Monitor bestimmen. Bei Ubuntu 16.04 finden Sie die gleichen Einstellungen in den „Systemeinstellungen“ nach einem Klick auf „Anzeigegeräte“. Benutzer von Ubuntu Mate gehen im Menü auf „System -> Einstellungen -> Geräte -> Bildschirm“.

In den „Systemeinstellungen“ beziehungsweise in der „Steuerzentrale“ finden Sie weitere Konfigurationstools für die Hardware. Sie können hier dann unter anderem Bluetooth-Adapter aktivieren und Geräte koppeln. Nach einem Klick auf „Klang“ legen Sie im Folgenden die Einstellungen für den Audioadapter fest. Sind mehrere Audioausgänge vorhanden, zum Beispiel Analog-und HDMI-Ausgabe, so lässt sich hier das gewünschte Audiogerät aktivieren.

Einstellungen für Maus/Touchpad und Tastatur gibt es gleichfalls. Als Linkshänder können Sie beispielsweise die primäre Taste von „Links“ auf „Rechts“ umstellen. Des Weiteren lässt sich die Zeigergeschwindigkeit anpassen. Für den schnellen Zugriff auf bestimmte Funktionen sind bereits einige Tastenkombinationen vorkonfiguriert. Bei Linux Mint sowie Ubuntu finden Sie die Einstellungen nach einem Klick auf „Tastatur“ auf der Registerkarte „Tastenkombinationen“ beziehungsweise „Tastaturkürzel“.

Hotkeys einstellen: Ubuntu Mate bietet Ihnen in der „Steuerzentrale“ ein eigenes Programm in der Rubrik „Geräte“ mit der Bezeichnung „Tastenkombinationen“. Sie können die bereits vergebenen Tastaturkürzel einsehen, diese bei Bedarf auch ändern sowie neue anlegen. Gehen Sie bei Linux Mint unter „Kategorien“ beispielsweise auf „Starter“ und klicken Sie anschließend auf „Webbrowser starten“. Führen Sie im Anschluss daran einen Doppelklick auf „WWW“ unter „Tastenkombinationen“ aus. Drücken Sie als Nächstes die gewünschte Tastenkombination, wie etwa Strg-Alt-W. Mithilfe der Esc-Taste können Sie die Aktion abbrechen und mit der Rücktaste löschen Sie eine Tastenkombination. Bei Ubuntu und Ubuntu Mate funktioniert die Zuweisung von Tastaturkürzeln ähnlich, es genügt hier jedoch, einen Befehl wie „Webbrowser starten“ beziehungsweise „Internetprogramm starten“ anzuklicken und dann die Tastenkombination zu drücken.

Tipp: Ubuntu 16.04 zeigt Ihnen einige wichtige Tastaturkürzel in einer Übersicht an, wenn Sie die Super-Taste (Windows-Taste) eine längere Zeit gedrückt halten.

Mehr Platz durch mehrere Arbeitsflächen

Bei vielen Linux-Systemen sind mehrere Arbeitsflächen Standard. Die Funktion ist vor allem bei kleinen Displays nützlich, etwa auf Notebooks. Sie können Programmfenster auf mehreren Arbeitsflächen öffnen oder dorthin verschieben. Wenn Sie die Fenster sinnvoll gruppieren, lässt sich schnell zwischen den Arbeitsflächen und damit zwischen den geöffneten Programmfenstern umschalten. Bei Linux Mint und Ubuntu Mate sind bereits mehrere Arbeitsflächen aktiv.

Mit den Tastenkombinationen Strg-Alt-Pfeil-nach-rechts und Strg-Alt-Pfeil-nach-links wechseln Sie die Arbeitsfläche. Umschalt-Strg-Alt-Pfeil-nach-rechts bewegt das gerade aktivierte Fenster auf die nächste Arbeitsfläche und Umschalt-Strg-Alt-Pfeil-nach-links bewegt es auf die vorherige. Bei Ubuntu Mate sehen Sie rechts unten in der Leiste einen Arbeitsflächenumschalter, über den sich per Mausklick umschalten lässt. Linux-Mint-Nutzer bauen den „Arbeitsflächenwechsler“ per Kontextmenüpunkt „Applets zur Leiste hinzufügen“ in eine Leiste ein.

In Ubuntu müssen Sie die Arbeitsflächen erst manuell aktivieren. Gehen Sie dazu in den „Systemeinstellungen“ auf „Darstellung“. Unter „Verhalten“ schalten Sie die Option „Arbeitsflächen aktivieren“ ein. Die Arbeitsflächen sind hier jedoch nicht nebeneinander, sondern quadratisch angeordnet. Daher nutzen Sie Strg-Alt in Kombination mit den vier Pfeiltasten, um zwischen den Arbeitsflächen umzuschalten. Entsprechend verschieben Sie Fenster mit Umschalt-Strg-Alt zusammen mit den Pfeiltasten. Im Unity-Startmenü finden Sie auch einen Schalter für den Desktop-Wechsel.

PC-WELT Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
2306075