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Lacie Rugged Raid Pro im Test – Schnell und massig Speicher

15.10.2018 | 09:31 Uhr |

Mit hohen Schreibraten und viel Speicherplatz richtet sich die Raid Pro an Videofilmer und Fotografen, interessant ist die Unterstützung des sicheren RAID 1.

Dank eines rapiden Preisverfalls für Speicherchips werden SSDs immer billiger und auch als externes Speichermedien immer beliebter. Schon ab 2 TB Speicher fordern Anbieter wie Samsung und Sandisk immer noch mehr als 500 Euro. Einen interessanten Kompromiss aus günstigem Speicherplatz und hoher Performance bietet da Lacies neue Rugged Raid Pro 4 TB, die man für 315 Euro bekommt . Die mobile Festplatte verzichtet im Unterschied zu früheren Lacie-Festplatten auf eine Thunderbolt-Schnittstelle und setzt auf das immer weiter verbreitete USB-C, ein Adapterkabel für USB-3.0 liegt aber bei. Vertraut ist das seit Jahrzehnten bekannte „Rettungsboot“-Design: Ein graues Gehäuse in einem orangen Kunststoff-Polster, das bei Kreativen oft zu sehen ist.

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Besonders schnell oder besonders sicher?

Die Besonderheit der RAID Pro: Im 450 Gramm schweren Gehäuse stecken zwei flache 2-TB-Notebookfestplatten von Seagate, die dank eigenen RAID-Controller als RAID 0 und RAID 1 verwendbar sind. Vorkonfiguriert sind sie als RAID 0, wodurch dem Nutzer ein schnelles 4 TB-Volume zur Verfügung steht. In diesem Modus erreichen sie außerdem sehr hohe Schreib- und Leseraten. Mit dem Benchmark Blackmagic Disk Speed Test messen wir Schreib- und Leseraten von 246 MB/s beim Schreiben und 243 MB/s beim Lesen – etwa das doppelte Tempo einer herkömmlichen Festplatte und schnell genug für Transfers großer Datenmengen. Eine herkömmliche externe SSD schafft allerdings etwa das doppelte Tempo und wie bei herkömmlichen Festplatten üblich sinkt die Transferrate bei steigendem Füllgrad.

Als RAID0 ist die Lacie sehr schnell.
Vergrößern Als RAID0 ist die Lacie sehr schnell.

Nach Installation des Lacie-Tools Raid Manager kann man das Medium bei Bedarf in ein RAID 1 oder JBOD umwandeln – was bei einer vollen Festplatte übrigens recht lang dauert und alle gespeicherten Daten überschreibt. Wählt man JBOD kann man die Festplatten einzeln ansprechen, dafür benötigt man aber kein teures RAID-System. Interessanter ist die Option RAID 1: Hier stehen zwar nur noch 2 TB Speicherplatz zur Verfügung, dafür werden alle Inhalte automatisch auf beiden Festplatten gespiegelt. Da sich jede Datei auf beiden Festplatten befindet, kann man bei einem Defekt einer der beiden Festplatten seine Daten noch von der anderen Festplatte retten. Dieser Modus kann sinnvoll sein, wenn man vor Ort ein äußerst wichtiges und wertvolles Projekt sichern will, beispielsweise das Archiv der mehrwöchigen Dokumentarfilm-Reise. Leider büßt das RAID dadurch stark an Performance ein, nach der Umwandlung in eine RAID 1 messen wir nur noch 117 MB/s beim Schreiben und 136 MB/s beim Lesen von Daten. In diesem Modus scheint sich die Lacie außerdem schneller zu erwärmen.

Über den Lacie RAID Manager kann man den RAID-Level wählen.
Vergrößern Über den Lacie RAID Manager kann man den RAID-Level wählen.

Kartenleser

Interessant für Fotografen und Videofilmer: Das Gehäuse bietet einen integrierten SD-Speicherkartenleser. Man benötigt für die Nutzung einen Mac oder PC, man kann also nicht direkt von einer Speicherkarte auf die Festplatten kopieren – wie beim teuren Lacie-Modell DJI-Copilot. Der Leser ist dafür schnell, mit einer Sandisk-Extreme messen wir 62 MB/s beim Schreiben und 94 MB/s beim Lesen – höhere Transferraten schafft unsere Karte nicht.

Ein schneller Kartenleser ist integriert.
Vergrößern Ein schneller Kartenleser ist integriert.

Stromversorgung und Wärmeentwicklung

Ein RAID hat Nachteile: Im Unterschied zu einer herkömmlichen Festplatte ist der Stromverbrauch höher, das gilt ebenso für die Wärmeentwicklung. Nutzt man die Lacie an einem älteren Mac ohne USB-C-Schnittstelle reicht die Energie deshalb nicht aus: Per USB 3.0 erhält die Festplatte nicht genug Strom und man muss zusätzlich das mitgelieferte Netzteil anschließen. Für den Mobilnutzer mit altem Macbook ein echter Nachteil, muss er doch nicht nur das Netzteil mitführen, sondern benötigt auch eine zusätzliche Steckdose. Die Performance bleibt dagegen unter USB 3.0 und USB-C gleich.

Das Gehäuse wird nach unserer Beobachtung relativ schnell warm, laut Messungen per SMART bleibt aber die Temperatur der Festplatten unter 55 Grad – nach mehreren Stunden Dauertransfer. Im Unterschied zu manchen Thunderbolt-SSDs ändert sich übrigens auch bei Erhitzung wenig an den Transferraten, reduzieren doch viele externe SSDs nach wenigen Minuten ihre Transferraten auf Festplatten-Tempo. Ein Problem stellten wir allerdings bei einem Mac Mini von 2012 fest: War eine zweite USB-Festplatte von WD beim Bootvorgang ebenfalls am Mac angeschlossen, verhindert dies das Booten des Rechners.

Robustheit

Einen guten Ruf haben die Rugged-Festplatten, was ihre Widerstandsfähigkeit gegen Stöße und andere Umwelteinflüsse betrifft. Das sogenannte „Überfahrgewicht 1000 kg“ bedeutet etwa, dass ein Überrollen mit einem 1-Tonnen schweren Fahrzeug überstanden wird (also einem älteren Kleinwagen). Sie sind außerdem gegen Feuchtigkeit und Staub nach dem Standard IP54 geschützt, trotz „Rettungsring“ also keineswegs wasserdicht. Die Schnittstellen sollte man außerdem bei Transports außerdem mit dem beiliegenden Gummi-Stopfen abdecken – ein Ersatz-Stöpsel liegt löblicherweise bei.

Die Kunststoffhülle ist abnehmbar
Vergrößern Die Kunststoffhülle ist abnehmbar

Durch die aufwendigere technische Konstruktion und Größe ist die Lacie etwas weniger robust als die anderen Modelle der Rugged-Reihe. Während eine Rugged SSD einen Sturz aus bis zu zwei Metern Höhe überstehen soll, sind es bei der RAID bis zu 1,5 Meter. Nach unserer Meinung sollte man bei einer Festplatte dieser Art außerdem mit einer etwas geringerer Lebensdauer rechnen, als bei einer herkömmlichen externe Festplatte – allein schon durch die höhere thermische Belastung eines RAID.

Gut: Ein Datenrettungsservice für drei Jahre gehört zum Lieferumfang.

Hinweis:

Die Rugged-Linie von Lacie ist mittlerweile etwas unübersichtlich geworden, so gibt es neben der von uns getesteten Lacie Rugged Raid Pro auch eine ältere Rugged Raid 4TB, allerdings größer, schwerer und ohne SD-Kartenleser.

Unsere Empfehlung:

Benötigt man massig schnellen Speicher, ist die RAID Pro eine interessante und noch bezahlbare Option. Mit 450 Gramm ist sie aber recht schwer und für die wirklich mobilen Anwender ist eine robuste SSD wohl die sinnvollere Lösung. Die Nutzung als RAID 1 ist eine interessante Option, der hohe Verlust an Speicherplatz und Performance macht diese Nutzungsart aber wenig attraktiv.

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