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Kickstarter: Historiker graben Schützengraben aus WK1 aus

27.12.2017 | 14:27 Uhr |

Ein Brite, ein Belgier und ein Deutscher graben einen unberührten deutschen Schützengraben aus dem ersten Weltkrieg aus. Das völkerverbindende Grabungsprojekt wurde über Kickstarter in einem spannenden Endspurt finanziert.

Über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter ist ein spannendes Ausgrabungsprojekt finanziert worden: Historiker und Archäologen graben einen deutschen Schützengraben aus dem ersten Weltkrieg aus. Das Stellungssystem befindet sich offensichtlich unangerührt und von modernen Einflüssen unverändert unter der Erde und ermöglicht den Experten einen unverfälschten Blick auf das Leben und Sterben der Soldaten vor rund 100 Jahren.

Den Schützengraben nannten die deutschen Soldaten während der Kämpfe „Höhe 80“. Demzufolge trägt das Ausgrabungsprojekt den Namen DigHill80. Die Kickstarter-Seite zu DigHill80 finden Sie hier, der Twitter-Feed @DigHill80 informiert fortlaufend über das bemerkenswerte Projekt. Eine Facebookseite existiert ebenfalls zu DigHill80.

Und bemerkenswert ist die Ausgrabung aus einer Vielzahl von Gründen: Nicht nur, weil es sich um ein noch unberührtes historisches Grabensystem handelt. Und nicht nur, weil die Ausgrabung über Crowdfunding finanziert wurde – die Verantwortlichen hatten dafür intensiv auf Twitter geworben; lange Zeit war unsicher, ob das Finanzierungsziel erreicht werden kann. Doch in einem regelrechten Endspurt nahm DigHill80 die Finanzierungshürde. Sondern ebenso bemerkenswert sind die drei Personen, die das Projekt vorantreiben: Dabei handelt es sich nämlich um einen Briten (Peter Doyle), einen Belgier (Simon Verdegem) und einen Deutschen (Robin Schäfer) - Experten für Militärgeschichte/Archäologie aus den beiden sich von 1914 bis 1918 feindlich gegenüberstehenden Lagern. Insofern ist DigHill80 also auch ein Zeichen für die Volkerverständigung und für das friedliche Zusammenwachsen und Zusammenarbeiten Europas.

Der Ausgrabungsort Höhe 80 in der Nähe des Dorfes Wijschaete liegt in Belgien, genauer gesagt in Flandern. Unter anderem dort verlief der jahrelange blutige Stellungskrieg zwischen den Entente-Mächten Großbritannien und Frankreich und dem deutschen Kaiserreich, das Belgien großenteils besetzt hatte. Die Höhe 80 eroberten deutsche Truppen aus Bayern gegen die verteidigenden Franzosen und Briten. Nach der Eroberung bauten die Deutschen die Höhe 80 massiv aus – so wie es die deutsche Armee entlang der gesamten Westfront gegen die zahlenmäßig überlegenen Westmächte machte.

Nach dem Ende der Kampfhandlungen schüttete man die Gräben zu. So liegen sie bis heute geschützt unter der Erde, ausgenommen, die Abschnitte, die die Historiker bereits ausgegraben haben. Bei der Ausgrabung dürften auch Leichen von Gefallenen und vermutlich auch einige Blindgänger, also nicht explodierte Munition, gefunden werden. Deshalb stehen den drei Projekt-Verantwortlichen Sprengmittelexperten aus Österreich und und Forensiker aus Großbritannien zur Verfügung, wie die FAZ berichtet.

Geschichts-Interessierte können sich nach wie vor am Kickstarter-Projekt finanziell beteiligen und beispielsweise das Recht auf Livestream-Updates erwerben oder sogar Führungen über das Ausgrabungsgelände buchen – ab 95 Euro.

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