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Kaspersky gratis! Sicherheitssuite im Eigenbau

01.10.2018 | 10:05 Uhr |

Kaspersky Internet Security ist in der PC-WELT immer wieder Testsieger. Einziger Nachteil: Keine Freeware. Wir bieten die besten Alternativen.

Wenn wir ein kostenpflichtiges Internetsicherheitspaket mit einem kostenlosen Virenschutz vergleichen, gewinnt fast immer das Sicherheitspaket. Doch das liegt hauptsächlich an den vielen Zusatzfunktionen, die das Paket bietet. Der reine Virenschutz ist oft ähnlich gut. Darum haben wir ein Paket zusammengestellt, dass Ihren PC und Ihre Daten so gut schützen kann wie eine kostenpflichtige Sicherheits-Suite. So bekommen Sie den Schutz von Kaspersky Internet Security kostenfrei als Demoversion. Und wir nennen Ihnen die besten Alternativen für die wichtigsten Bestandteile von Kaspersky Internet Security und Total Security , also Virenschutz, Firewall, sicherer Browser, Anti-Phishing, Passwortmanager, VPN, Online- Backup-Speicher, Webcam-Schutz, Dateischredder und Software Updater. Alles kostenlos.

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Virenschutz: Die Freeware kommt von Kaspersky

Den ausgezeichneten Virenschutz der Kaspersky Internet Security zu ersetzen, fällt erfreulicherweise leicht. Kaspersky selber bietet seit einiger Zeit unter dem Namen Kaspersky Free einen kostenfreien Virenschutz an. Installieren Sie dieses Tool als sehr guten Basisschutz gegen Schädlinge.

Kaspersky Free beinhaltet einen vollständigen Virenscanner, der regelmäßig die Dateien Ihres PCs scannt, und einen Wächter, der permanent den PC bewacht und alle neuen und startenden Programme prüft. Zudem umfasst Kaspersky Free noch eine Bildschirmtastatur, die Sie vor Keyloggern schützt, wie auch ein VPN-Programm, das in fremden WLANs sinnvoll einsetzbar ist.

Die kostenlose Version Kaspersky Free bietet eine einfache und übersichtliche Bedienungsführung.
Vergrößern Die kostenlose Version Kaspersky Free bietet eine einfache und übersichtliche Bedienungsführung.

Installation: Im Installationsassistent setzen Sie zwei Häkchen beim Endbenutzerlizenzvertrag. Im Anschluss daran können Sie die Erklärungen zu „Kaspersky Security Network“ (KSN) akzeptieren. Das KSN ist die cloudbasierte Erkennung von neuen Schädlingen. Sollte der Virenwächter eine verdächtige Datei finden, prüft er verschiedene Parameter der Datei, zum Beispiel ob Sie aus dem Internet kommt, und wenn ja, von welcher Website. Wer oder was hat die Datei gestartet? Diese Daten werden über das KSN zu Kaspersky übertragen, wo die Daten mit anderen Informationen verglichen werden. Auf diese Weise ist das System dann in der Lage, auch neue Schädlinge zu erkennen, deren Code noch unbekannt ist und die aus einer bösartigen Download-Quelle stammen. Die meisten Antivirenhersteller haben eine solche Clouderkennung in ihre Programme eingebaut. Wir empfehlen, das KSN zu akzeptieren. Wenn Sie das nicht tun, verringert sich die Schutzwirkung ein wenig ( Infos hier ). Auch sind Fehlalarme in diesem Fall etwas häufiger möglich. Die Funktion lässt sich auch nachträglich ein- oder ausschalten. Dies geht über „Einstellungssymbol –› Erweitert –› Zusätzliche Schutz- und Verwaltungs-Tools –› KSN-Erklärung –› Ablehnen“.

Im nächsten Schritt sollen Sie der Datenverarbeitung zu Marketingzwecken zustimmen. Dem müssen Sie nicht zustimmen, Sie können ebenfalls über „Ablehnen“ zum nächsten Schritt gelangen. Sie können aber auch auf „Akzeptieren“ klicken und so mit Ihren Werbedaten für die Freeware bezahlen.

Am Ende der Installation lässt sich festlegen, dass nicht nur Viren, sondern auch „Schädliche Tools, Adware“ und andere unerwünschte Programme gelöscht werden sollen. Wir empfehlen, diese Einstellung zu belassen und auf „Übernehmen“ zu klicken. Zum Schluss müssen Sie sich bei Kaspersky mit einer Mailadresse registrieren.

Das fehlt: Kaspersky Free ist natürlich keine vollständige Sicherheits-Suite und daraus macht das Tool auch kein Geheimnis. Für Kaspersky ist diese Freeware schließlich in erster Linie ein Werbemittel, das zum Kauf der Vollversion animieren soll. Entsprechend führt Kaspersky Free in seiner Bedienungsführung auch wichtige fehlen- de Funktionen auf, nämlich: „Sicherer Zahlungsverkehr“, „Schutz der Privatsphäre“ und „Kindersicherung“. Hinter dem ersten Punkt steckt Kasperskys sicherer Browser, den wir durch die Bitbox ersetzen werden (Infos weiter unten).

Hinweis: Kaspersky Free zeigt unten rechts über den Infobereich von Windows von Zeit zu Zeit Werbung für seine Vollversionen an. Die Meldungen erschienen in unserem Test unterschiedlich häufig. So lag zwischen zwei Einblendungen mal lediglich eine Woche und mal ein Monat. Insgesamt verhielt sich die Freeware im ersten Halbjahr 2018 erfreulich unaufdringlich.

Die Quarantäne speichert standardmäßig Dateien für nur einen Monat. Danach werden sie automatisch gelöscht. Da eigentlich nur schädliche Dateien in die Quarantäne verschoben werden sollten, ist eine Aufbewahrungszeit von einem Monat grundsätzlich in Ordnung. Wer die Dateien länger in Quarantäne behalten will, ändert den Zeitraum über „Einstellungssymbol –› Erweitert –› Berichte und Quarantäne“.

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Firewall: Windows Firewall oder Zonealarm Free

Die Windows-Firewall ist für den Rechner zu Hause ein ausreichender Schutz. Dort wird der Computer ohnehin zunächst vom Router vor Angriffen aus dem Internet geschützt. Darüber hinaus gilt die Windows-Firewall mittlerweile als ausgereift. Zudem arbeitet sie sehr schnell.

Kaspersky Free sucht ebenfalls sehr gründlich nach Viren und anderer unerwünschter Software.
Vergrößern Kaspersky Free sucht ebenfalls sehr gründlich nach Viren und anderer unerwünschter Software.

Wenn Sie sich mehr Kontrolle über den Datenverkehr von und zum Internet wünschen oder wenn Sie ein Notebook schützen wollen, dann können Sie alternativ die Freeware Zonealarm Free verwenden. Der Firewall-Klassiker startet standardmäßig in der Einstellung „Auto-Lernen“. So müssen Sie kaum Einstellungen vornehmen. Wünschen Sie sich mehr Kontrolle, ändern Sie diese Einstellung von Zonealarm Free über „Firewall –› Anwendungssteuerung –› Einstellungen“. Dort klicken Sie nun im zweiten Schieberegler bei „Ihr Defensenet ist auf ‚Automatisch‘ gestellt“ auf „Manuell“. Im Anschluss daran fragt die Firewall bei jedem neuen Programm nach, ob es Daten ins Internet schicken darf.

Hinweis: Zonealarm Free meldet in seiner Bedienungsführung, dass kein Virenschutz installiert sei. Die Meldung können Sie einfach ignorieren, denn sie bezieht sich lediglich auf das Tool von Zonealarm.

Des Weiteren: Weniger erfahrene Benutzer sind von einer Firewall im manuellen Modus schnell überfordert. Wir empfehlen für die allermeisten Fälle die Verwendung der Windows-Firewall.

Sicherer Browser: Bitbox schützt beim Surfen

Kaspersky beinhaltet in seiner Bezahlversion einen „Sicheren Browser“ speziell für das Online-Shopping und das Online-Banking. Der „Sichere Browser“ von Kaspersky ist gegen Virenangriffe sowohl vom Internet aus als auch vom Rechner aus besonders geschützt. So akzeptiert der Browser beispielsweise keine Erweiterungen. Diese haben sich in der Vergangenheit oft als Angriffspunkte für Schadcode entpuppt. Es ist also sinnvoll, einen besonders geschützten Browser fürs Online-Banking zu nutzen.

Als Ersatz für den Kaspersky-Browser bietet sich die Freeware Bitbox an. Ihr Name steht für „Browser in the Box“. Es handelt sich hierbei um ein komplett fertiges, virtuelles System inklusive Browser. Bitbox wird wie ein gewöhnliches Windows-Tool installiert und gestartet. Zum Surfen stellt es den gewohnten Browser Firefox bereit. Somit sind keine Expertenkenntnisse für die Bitbox-Nutzung notwendig.

Beim ersten Start fragt die Bitbox, ob Sie sie als Standard-Browser nutzen wollen. Wenn Sie die Bitbox nur als Online-Banking-System einsetzen möchten, sollten Sie die Frage verneinen. Sodann dauert es einige Zeit, bis das Surfsystem komplett geladen ist. Doch bereits der nächste Start geht wesentlich schneller vonstatten.

Die Bitbox ist jedoch kein Freifahrtschein für komplett virensicheres Surfen. Denn eine Datei, die Sie mit der Bitbox herunterladen, landet im Download-Ordner Ihres Windows-Systems. Dort können somit auch Viren landen. Wenn Sie diese anschließend manuell im Windows-Explorer durch einen Doppelklick starten, infizieren Sie Ihr Windows-System. Umsichtiges Surfen ist daher auch mit der Bitbox gefragt.

Hinweis: Die Bitbox läuft in der virtuellen Umgebung von Virtual Box. Diese bringt sie zwar selber mit, allerdings in der älteren Version 5.1.22. Wenn Sie bereits Virtual Box auf Ihrem Rechner installiert haben sollten, raten wir davon ab, Bitbox zu installieren. Des Weiteren wird die Bitbox aktuell (Stand Juli 2018) nicht mehr vom neuen Hersteller Rohde & Schwarz Security angeboten.

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Anti-Phishing: Schutz für Ihren Browser

Wenn Ihnen die Bitbox als sicherer Browser zu mächtig ist (siehe dazu vorherigen Punkt), setzen Sie stattdessen auf die Browser-Erweiterung Avast Online Security für Chrome und Firefox. Sie erkennt Phishing-Sites und andere bösartige Websites und bietet einen ähnlichen Funktionsumfang wie die Erweiterung von Kaspersky Internet Security.

Zwar bringt Kaspersky Free ebenfalls eine Erweiterung für Chrome und Firefox mit, dahinter verbirgt sich aber nur eine Bildschirmtastatur. Damit lassen sich Keylogger austricksen. Sie können diese für die Eingabe von wichtigen Passwörtern sowie TAN-Nummern verwenden.

Passwortmanager: KeePass oder LastPass

Ein Passwortmanager erhöht die Sicherheit am PC und im Internet ungemein. Er verwaltet alle Log-in-Daten für Sie und speichert sie gut verschlüsselt ab. In Kaspersky Internet Security fehlt ein solches Tool, in der Version Kaspersky Total Security ist es jedoch vorhanden. Wir empfehlen als Freeware-Alternative das Programm LastPass . Es verschlüsselt die Log-in-Daten auf Ihrem Gerät und lädt sie in die Cloud. Dort stehen sie Ihren Lastpass-Tools für Android, iOS oder anderen PCs zur Verfügung. Wer lieber einen Passwortmanager ohne Cloudanschluss benutzt, setzt auf die bewährte Freeware KeePass .

VPN: Sichere Verbindung mit Kaspersky Secure Connection

Ein virtuelles privates Netzwerk (kurz VPN) schützt Sie vor allem dann, wenn Sie sich in einem fremden WLAN anmelden müssen. Das ist zu Hause eher selten der Fall. Dennoch kann auch dort ein VPN nützlich sein, beispielsweise wenn Sie befürchten, dass Ihr Nachbar sich in Ihr Netzwerk einhacken will. Oder Sie benötigen eine IP-Adresse im Ausland, um kostengünstigere Angebote in Online-Shops zu erhalten.

Verwenden Sie als VPN-Tool Kaspersky Secure Connection . Es ist Bestandteil von Kaspersky Free und wird automatisch mit diesem mitinstalliert. Für die Nutzung melden Sie sich einfach mit Ihren Kaspersky-Log-in-Daten in dem Tool an. Dies geht über das Programm-Icon im Infobereich von Windows. So erhalten Sie 300 statt 200 MB Datenvolumen pro Tag gratis. Wenn Sie mehr benötigen, müssen Sie jedoch zahlen. Das kostet 5 Euro pro Monat oder 30 pro Jahr.

Online-Backup: Acronis Ransomware Protection

Acronis Ransomware Protection sichert bis zu 5 GB Daten in Ihren Cloudspeicher.
Vergrößern Acronis Ransomware Protection sichert bis zu 5 GB Daten in Ihren Cloudspeicher.

Ein Online-Backup für die wichtigsten Daten ist eine gute Versicherung gegen Datenverlust. Einen ausführlichen Ratgeber mit zahlreichen Produktempfehlungen finden Sie hier . Kaspersky bietet lediglich eine lokale Backup-Funktion und diese nur in der Version Total Security. Als Alternative hierzu empfehlen wir ein kostenloses Online-Backup mit dem Tool Acronis Ransomware Protection . Dieses verfügt über zwei Funktionen: Es schützt ausgewählte Ordner vor Verschlüsselungsviren und sichert Daten in einen 5 GB großen Onlinespeicher. Am Ende der Installation melden Sie sich mit Namen und Mailadresse bei Acronis an. Danach ziehen Sie die zu sichernden Ordner per Drag & Drop auf den Installationsassistenten. Der Rest läuft automatisch ab.

Webcam-Schutz: Ein Aufkleber genügt eigentlich

Kaspersky Internet Security blockiert den Softwarezugriff auf die Webcam in Ihrem Notebook. Dies schützt vor Trojanern, die heimlich die Webcam einschalten. Wenn Sie Ihre Webcam nur selten nutzen, kleben Sie diese einfach mit einem Post-it ab. Das geht schnell und ist fast kostenfrei. Wer lieber eine Software dafür benutzen möchte, verwendet die Freeware Webcam On-Off . Sie deaktiviert und aktiviert den Treiber der Webcam in der Systemsteuerung per Mausklick.

Dateischredder: Zuverlässige Freeware Eraser

Kaspersky bietet in seinem Sicherheitspaket Total Security auch einen Dateischredder und einen Spurenvernichter. Wenn Sie einzelne Dateien zuverlässig löschen möchten, erledigt dies alternativ das Freewaretool Eraser . Diese Software überschreibt die Dateien auf Wunsch vielfach, sodass sie sich nicht wiederherstellen lassen. Als Spurenlöscher hat sich das Tool Ccleaner bewährt. Ccleaner räumt die Festplatte oder SSD Ihres PCs auf und beseitigt dabei etwa Verlaufslisten von etlichen Anwendungen, Null-Byte-Dateien, verwaiste Links sowie andere überflüssige Datenreste. Starten Sie das Tool und klicken Sie links in der Symbolleiste auf „Cleaner“.

Software Updater: Schwachstellen schließen

Zahlreiche Schädlinge schleichen sich über Sicherheitslücken in Windows-Anwendungen auf dem Computer ein. Das sofortige Einspielen von neuen Updates ist aus diesem Grund immer sehr wichtig. Kaspersky bietet Ihnen seinen Software Updater auch in einer kostenfreien Free-Version an. Wenn Sie darin nachfolgend unten rechts auf das Einstellungssymbol klicken, können Sie die Suche nach neuen Updates auch mittels Scheduler erledigen lassen. Es ist allerdings nicht möglich, die Installation der Updates zu automatisieren. Besser kann dies die Freeware Patch my PC erledigen.

Kasperky in den Schlagzeilen

Seit September 2017 dürfen US-Bundesbehörden keine Software von Kaspersky mehr einsetzen. Einen ähnlichen Schritt scheint das EU-Parlament zu planen. In einem Bericht vom Juni 2018 hat das EU-Parlament in einer nicht bindenden Erklärung neue Schritte zur Verbesserung der IT-Sicherheit beschlossen. Das Papier bezeichnet die Kaspersky-Software als „bösartig“. Die EU solle prüfen, ob deren Antivirenprogramme von den PCs der EU-Institutionen entfernt werden müssen. Kaspersky selber bestreitet die Vorwürfe vehement. Als Reaktion auf das US-Verbot hat Kaspersky in der Schweiz ein sogenanntes „Transparency Center“ eröffnet. Dort sollen künftig die Kundendaten aus den allermeisten Regionen liegen, darunter die der EU-Kunden. Dort lässt sich vor Ort auch der Quel lcode der Kaspersky-Software einsehen. Mehr Informationen hierzu gibt es unter www.kaspersky.de/about/transparency .

Viele Sicherheitsexperten sehen den Softwarebann der USA und der EU als rein politisch motiviert. Kaspersky hat in den vergangenen Jahren mehrfach Schädlinge entdeckt und veröffentlicht, deren Urheber vermutlich der US-amerikanische oder britische Geheimdienst waren. Dazu äußert sich Kaspersky-Chef Eugen Kaspersky in einem Interview mit der SZ wie folgt: „Wir schützen unsere Kunden vor jedweder Art von schädlichen Inhalten. Aus englischsprachigen Ländern, aus russischsprachigen Ländern, egal woher. Wir sind neutral und wir erledigen unseren Job besser als andere. Ein paar Akteure waren darüber nicht glü cklich. Ihnen missfielen wohl die Ergebnisse. Ich gehe davon aus, dass durch unseren Bericht hochgradig komplexe und professionelle Spionagewerkzeuge verloren gingen, die wichtig waren für diese Angreifer.“

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