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ISS soll privatisiert werden - NASA-Kontrolleur widerspricht Trump

17.05.2018 | 17:13 Uhr |

Donald Trump will die Internationale Raumstation ISS in private Hände geben. Das klappt nicht, widerspricht ein NASA-Kontrolleur.

Im Februar 2018 verblüffte Donald Trump alle Weltraum-Begeisterten mit seiner Idee, den US-Anteil an der ISS an Unternehmen zu übergeben. Die Internationale Raumstation soll ab 2025 in privaten Händen sein, wenn es nach dem US-Präsidenten geht. Doch Paul K. Martin, NASA Inspector General (eine Art oberster Regierungsinspekteur der NASA) hält Trumps Plan für undurchführbar, wie The Verge schreibt. Martin hält es für unwahrscheinlich, dass Unternehmen binnen sechs Jahren in der Lage sein könnten, die enormen Kosten für den Unterhalt der ISS zu übernehmen.

Es gäbe laut Martin keinen „ausreichenden Business Case“, damit sich für private Weltraum-Unternehmen der Betrieb der ISS lohnen würde. Denn womit sollten gewinnorientierte Unternehmen auf der ISS Profit erwirtschaften? Die auf der ISS durchgeführten Experimente sind oft Grundlagenforschung, deren Ergebnisse noch nach vielen Jahren keine Rendite abwerfenden Produkte liefern.

Unternehmen, die für eine kommerzielle Nutzung der ISS in Frage kämen, seien beispielsweise Firmen, die Weltraum-Touristen auf die ISS fliegen. Doch dieses Geschäftsfeld ist noch nicht entwickelt und kann somit die ISS diesbezüglich noch nicht nutzen. Dementsprechend würden die privaten Raumfahrt-Unternehmen bisher wenig Interesse an der ISS zeigen. Zumal es bereits alternative Pläne für Weltraum-Tourismus gäbe, die ohne die ISS funktionieren sollen.

Derzeit zahlt die NASA mindestens drei bis vier Milliarden US-Dollar pro Jahr für den Betrieb der ISS. Die Regierung will dieses Geld lieber für andere, spektakulärere Ziele wie einen neuen bemannten Flug zum Mond ausgeben. Wobei der Transport von Astronauten und Transportgütern zur ISS für sich genommen ein sehr teures Unterfangen ist. Die NASA hat für 2018 1,7 Milliarden Dollar dafür eingeplant. Diese Kosten würden auch nach der Privatisierung der ISS anfallen, denn die NASA müsste auch danach jeden Flug zur ISS, den sie unternehmen will, bezahlen. Somit hält es Martin für völlig abwegig, dass die NASA allein durch die Privatisierung der ISS drei bis vier Milliarden Dollar im Jahr sparen könnte, weil die enormen Transportkosten ja nach wie vor anfallen würden. Denn die NASA würde auch nach der Privatisierung Experimente auf der ISS durchführen und deshalb Astronauten dorthin transportieren lassen. Und dafür zahlen müssen.

Martin empfiehlt deshalb, dass die NASA auch nach 2024 weiterhin ihren Beitrag zur ISS leistet. Denn die NASA hätte ohnehin noch viele geplante Experimente bis dahin nicht abgeschlossen. Bis 2028 sollte ohne größere Reparatur- und Ausbesserungsarbeiten der Weiterbetrieb der ISS möglich sein.

Für eine verlängerte Nutzung der ISS bis 2028 ist allerdings die Zustimmung der anderen ISS-Betreiber wie Japan oder der European Space Agency erforderlich. Derzeit sei noch unklar, was die NASA-Partner mit der ISS vorhaben. Sollten sich die ISS-Betreiber allerdings dafür entscheiden, die ISS aufzugeben, dann würde das nicht bedeuten, dass die ISS keine Kosten mehr verursacht. Denn der Abbau der ISS - die Sie hier übrigens virtuell besichtigen können - und deren geplantes Verglühenlassen in der Erdatmosphäre dürfte drei Jahre dauern und vermutlich 950 Millionen Dollar kosten.

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