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ISS-Astronauten testen Sextanten für Notfall-Navigation

20.06.2018 | 14:51 Uhr |

Analog trifft digital: Die Astronauten auf der ISS erproben ein uraltes Hilfsmittel zur Navigation: den Sextanten. Mit ihm sollen Raumfahrer im Notfall auf langen Weltall-Reisen navigieren können. Ohne Elektronik.

Jahrhundertelang benutzten die Kapitäne auf den Weltmeeren ein unverzichtbares analoges Werkzeug zur Positionsbestimmung: den Sextanten. Jetzt testen die Astronauten auf der ISS den Sextanten auf seine Verwendbarkeit für die Notfall-Navigation auf langen Reisen in die Tiefen des Weltalls, wie die NASA mitteilt.

Der Sextant ist ein mehrere Jahrhunderte altes Navigations-Instrument von Seefahrern, mit dessen Hilfe die Kapitäne den Winkelabstand eines bestimmten Gestirns vom Horizont ermitteln. Damit bestimmten Seefahrer ab dem 18. Jahrhundert genau ihre Position; der Sextant spielte auch bei der Landvermessung eine wichtige Rolle. In der Seefahrt blieb er das wichtigste Werkzeug des Kapitäns bis zur Einführung von GPS.

Als Notfall-Lösung für längere Reisen in die Tiefen des Weltalls, falls die Verbindung zur Erde abbrechen sollte.

Mit dem Sextanten kann man vollkommen analog und ohne digitale Hilfe die Position ermitteln. Sofern das auch in den Tiefen des Weltalls zuverlässig funktioniert, wäre er also das ideale Notfallgerät, falls bei einer Weltall-Mission die Verbindung zwischen Erde und Rakete abbrechen sollte und die Astronauten auf sich allein gestellt weiter navigieren müssten. Stichwort: Mars-Mission. Dann könnten die Astronauten mit dem Sextanten Mond, Planeten oder Sterne anvisieren, um ihre Position zu bestimmen.

Deshalb testen Alexander Gerst und seine Kollegen nun die Positionsbestimmung mit dem Werkzeug. Die ISS-Astronauten sollen insbesondere die Genauigkeit der Sextanten-Navigation im Weltall erproben. Denn der stabile, unverwackelte Blick durch den Sextanten aus dem Fenster zum anvisierten Gestirn stellt im Weltraum eine Herausforderung dar.

Dabei betreten Gerst und Kollegen aber kein Neuland, denn bereits bei den den Gemini-Missionen in den 1960er Jahren und den danach folgenden Apollo-Missionen wurden Sextanten durchaus verwendet beziehungsweise ausprobiert. Besonders an Bord von Apollo 8 im Jahr 1968 wurden sie experimentell zur Navigation benutzt. Auch an Bord der US-Raumstation Skylab gab diesbezüglich Experimente.

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