2234242

iPad Pro 2017: Rahmenloses Modell, iPad Mini vor dem Aus

17.05.2017 | 10:42 Uhr |

Apple muss im Jahr 2017 seine iPads komplett renovieren - ein Anfang ist gemacht, mehr aber nicht. Es ist an der Zeit für das iPad Pro 2.

Die Verkaufskurve des iPad zeigt weiter stark nach unten. In der am 2. Mai veröffentlichten Bilanz für das zwei Quartal des Geschäftsjahres standen nur noch 8,92 Millionen verkaufte Geräte. Ein Jahr zuvor waren es im Märzquartal noch 10,25 Millionen gewesen und im Weihnachtsgeschäft 2016 immerhin 13,08 Millionen Stück. Das ist aber weit von den Höchstwerten entfernt, im Weihnachtsgeschäft 2013 verkaufte Apple 26 Millionen iPads in einem Quartal. Die Verkaufskurve des iPad zeigt nach dessen Markteinführung im Jahr 2010 zunächst steil nach oben, selbst vom iPhone hatte Apple nicht so schnell so viele Geräte verkauft. Während das iPhone aber bis auf eine kleine Delle im Vorjahr und jahreszeitlichen Schwankungen sich  immer besser verkaufte, geht es für das iPad nun seit vier Jahren bergab - auch hier sind Peaks in den ersten Quartalen zu sehen, die aber von Jahr zu niedriger werden.

Die Verkaufskurve des iPad zeigt seit vier Jahren nach unten
Vergrößern Die Verkaufskurve des iPad zeigt seit vier Jahren nach unten

Hatte Apple etwa vorschnell die Post-PC-Ära ausgerufen und damit implizit das Ende des Notebooks? Die Entwicklungen der Jahre 2010 bis 2014 deuteten darauf hin, dass die Zukunft des Mobilrechners das Tablet im Speziellen und das iPad im Besonderen seit könnte. Doch mittlerweile haben sich die Verkäufe von Notebooks wieder stabilisiert, nicht zuletzt durch Hybride, wie sie Microsoft mit seinem Surfacebooks im Angebot hat. Auch in Apples Bilanz schlägt sich der Trend nieder, vier von fünf verkauften Macs sind Mobilrechner, der Mac zeigt sich seit Jahren stabil, wie die folgende Kurve zeigt, die iPad- und Mac-Verkäufe in Relation setzt. Mit dem Mac macht Apple mittlerweile auch wieder mehr Umsätze, 5,8 Milliarden US-Dollar gegen 3,9 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal 2016/17.

ipad-Verkäufe vor dem Hintergrund der Mac-Verkäufe. Während das klassische Geschäft stabil bleibt, zeigt das mit den Tablets Trends
Vergrößern ipad-Verkäufe vor dem Hintergrund der Mac-Verkäufe. Während das klassische Geschäft stabil bleibt, zeigt das mit den Tablets Trends

Und dennoch besteht die Zukunft des mobilen Computings in mehr Touch. Noch ist das Macbook Pro in Sachen Leistungsfähigkeit und Schnittstellen dem iPad weit voraus, das Betriebssytem macOS erfüllt vor allem als Mehrbenutzersystem die Wünsche der professionellen Anwendern, aber die Entwicklung schreitet sehr schnell voran. Für manche Aufgaben können es die auf der ARM-Architektur basierenden A(x)-Chips von Apple mit jenen von Intel aufnehmen, die Softwarevielfalt für das iPad ist dank des Erfolgsmodells App Store bedeutend größer als die für das Macbook. Seien wir ehrlich: Die Bedienung  der grafischen Oberfläche eines klassischen Computers mit Maus und/oder Trackpad ist eine historische Verlegenheitslösung, da Computer sich nicht von Anfang an so berühren ließen wie heute. Wer mit dem Zehnfingersystem zudem auf Kriegsfuß steht, begrüßt Lösungen wie Siri, die Texte ohne zu Murren als Diktat entgegen nehmen.

Das Jahr des iPad läuft zögerlich an

Woran der Abwärtstrend des iPad trotz der besten Aussichten für die nähere Zukunft liegt? Nicht zuletzt auch daran, dass die iPads ebenso robust und haltbar sind wie die teureren Macbooks. Ein iPhone ersetzt man gerne mal nach zwei Jahren, obwohl es immer noch hervorragende taugt, aber wenn der Mobilfunkvertrag abgelaufen ist, bekommt man ein Gerät der neuesten Generation wieder zum subventionierten Preis. Das iPad hingegen tauscht man nicht so schnell aus. Diejenigen, die zum Jahresende 2013 ein iPad geschenkt bekommen oder sich eines gekauft haben, stehen aber nun allmählich doch vor der Frage, ob es ein neueres Gerät sei. Aber welches? Denn Apple hat das iPad jetzt schon länger nicht mehr gepflegt - mit einer Ausnahme. Das iPad Pro 12,9 Zoll stammt aus dem Oktober 2015, ebenso das aktuelle iPad Mini 4. Im März legte Apple ein iPad Pro mit 9,7 Zoll Bildschirmdiagonale nach, das aber das iPad Air 2 von 2014 nicht ersetzte, aber gleichwohl ergänzte. Das Jahr 2017 sollte eigentlich das Jahr des iPad werden, mit neuen Formfaktoren, verbesserten Modellen und einer neuen Struktur des Angebotes. Viel ist bisher nicht passiert, mit einer Ausnahme jedoch. Und die könnte zeigen, wohin der Rest der Reise geht.

Das (erste) neue iPad des Jahres 2017 heißt schlicht und ergreifend "iPad". Genauer gesagt: iPad 9,7 (early 2017) . Ein klarer Hinweis, dass Apple künftig unterschiedliche Baureihen von iPads anbieten wird - und die in unterschiedlichen Größen. Das iPad löst nun das iPad Air 2 ab, äußerlich bestehen auch kaum Unterschiede, in der Ausstattung schon. So kommt das iPad 9,7 mit dem A9-Prozessor - während im iPad in beiden Größen ein A9X seinen Dienst verrichtet. Das iPad Mini 4 hat Apple in diesem Frühjahr nur hinsichtlich des Speichers angepasst, für das gleiche Geld bekommt man nun die doppelte Kapazität.

Aber sein wesentliches Alleinstellungsmerkmal hat das iPad Mini 4 verloren: Es ist jetzt nicht mehr das günstigste iPad, dieser Titel geht nun an das iPad 9,7 (early 2017), das mit 32 GB Speicher für 399 Euro zu haben ist. Ein iPad 7,9 (late 2017) wird Apple aller Voraussicht nach nicht nachlegen, das iPad Mini steht vor dem Aus.

Das berichtet der Blog Boy Genius Report (BGR) unter Berufung auf interne Quellen bei Apple: Gut fünf Jahre nach seiner Markteinführung soll für das iPad Mini Schluss sein. Das wäre nur konsequent, denn das Tablet in 7,9 Zoll verkauft sich offenbar derzeit recht schlecht. Das letzte Upgrade ist anderthalb Jahre her, von einer besseren Speicherausstattung seit März einmal abgesehen. Druck bekommt das Mini von zwei Seiten, einerseits von den recht erfolgreichen Plus-Modellen der iPhone-Reihen seit Version 6, andererseits nun auch vom iPad 9,7 (early 2017), das Apple sogar für einen geringeren Preis verkauft als das Mini. Noch sei aber nicht festgelegt, ob Apple das iPad Mini 4 einfach noch eine Weile weiter verkauft oder schon in Kürze das Gerät ersatzlos aus dem Store nimmt. Wer noch eines haben will, sollte sich aber in jedem Fall beeilen.

Das neue iPad richtet sich mit seinem Kampfpreis vor allem an Kunden im Bildungsmarkt. Aber auch an solche Unternehmen, bei denen der nächste Schritt der Digitalisierung bisher am Preis gescheitert ist. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich jedoch frühestens im dritten Quartal niederschlagen, das neue iPad kam erst Ende März in den Handel. Prädestiniert für den Umschwung der Apple-Verkaufskurse wäre aber das Septemberquartal, jene Zeit, in denen das Bildungswesen - Schüler, Studenten, Lehrer, Hardware für das neue Semester respektive Schuljahr anschaffen. Weitere neue iPads mit dem Baujahr 2017 wird Apple bis dahin aber vorgestellt haben.

iPad Pro 2: Rahmenlos zur WWDC

Seit seiner Premiere am 27. Januar 2010 ist das iPad vor allem dünner geworden, mit dem iPad Mini (2012) und dem iPad Pro (2015) kamen zwei neue Größen hinzu. Was sich seither aber kaum geändert hat, ist der relativ breite Rahmen in schwarz oder weiß. Seit dem Jahreswechsel zu 2017 kursieren Gerüchte über einen neuen Formfaktor des iPad, den Apple in ähnlicher Weise auch beim iPhone 8 verbauen könnte. Denn das iPad soll seinen Rahmen - bis auf dünne Kanten - verlieren, der Bildschirm soll im Prinzip die gesamte Vorderfläche einnehmen. Demzufolge würde der Homebutton verschwinden, respektive durch einen virtuellen ersetzt werden, wie ihn so ähnlich schon das iPhone 7 (Plus) anbietet. Der Vorteil: Auf die gleiche Fläche wie jetzt könnte Apple einen 10,5-Screen montieren, das iPad Pro 2 würde dadurch aber nicht insgesamt größer. Unklar ist jedoch, wie Apple das Problem der Touch ID lösen will. So wie beim iPhone 7 (Plus), auf denen die Hometaste mitsamt dem Fingerabdrucksensor einen fest definierten Platz hat? Oder so, wie manche das iPhone 8 erträumen, bei dem der Knopf komplett virtuell sein könnte und daher die Touch ID entweder einen Platz auf der Rückseite bekäme oder auf dem gesamten Bildschirm wirke.

Des Rätsels Lösung könnte Apple bereits auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC im Juni präsentieren. Auf der WWDC ab 5. Juni geht es vor allem um Software, um die neuen Versionen der Betriebssysteme macOS, iOS, tvOS und watchOS. Doch könnte Apple auch wieder neue Hardware präsentieren, so wie es im Jahr 2013 etwa mit renovierten Macbook Air und dem damals spektakulär neuen Mac Pro gewesen ist. Was ursprünglich schon für das Frühjahr erwartet worden war, soll laut des KGI-Analysten Ming-Chi Kuo nun im Juni kommen. Ein iPad Pro 2 mit einem 10,5-Zoll-Bildschirm und rahmenlosen Design. Die Wahrscheinlichkeit für eine derartige Vorstellung betrage 70 Prozent, Apple werde gegen Ende des zweiten Quartals das Gerät in Massen produzieren können und es daher schon drei bis vier Wochen vor Verkaufsstart ankündigen.

Alles beginnt am 27. Januar 2010

Sieben Jahre ist es nun her, dass Steve Jobs in San Francisco das erste iPad zeigte. Das neue Produkte verkaufte sich anfangs sehr gut, die Verkaufskurve war sogar steiler als die des iPhones drei Jahre zuvor. Seit dem Weihnachtsgeschäft 2012 geht sie aber wieder zurück. Einen kurzen Rückblick auf die iPad-Geschichte finden Sie indes hier .

Ming-Chi Kuo hatte im Frühjahr bereits drei neue Modelle vorhergesagt: Ein Upgrade des iPad Pro mit 12,9 Zoll Bildschirmdiagonale, ein neues Modell mit 10 oder 10,5 Zoll und schmalen Rändern sowie eine preisgünstige 9,7-Zoll-Option. Die beiden größeren und hochwertigeren Geräte bekommen den Chip A10X, während das Basismodell mit einem A9 werde auskommen müssen. Während der A10X von TSMC gefertigt werde, beziehe Apple den A9 weiterhin von Samsung.

Mit der preisgünstigen 9,7-Zoll-Option hat er bereits ins Schwarze getroffen, das rahmenlose Gerät könnte auf der WWDC folgen. Unklar, ob Apple dann noch das iPad Pro in 9,7 Zoll weiterhin anbietet oder es zu Gunsten des iPad Pro 2 völlig aus dem Handel nimmt. Ein aufgefrischtes 12,9-Zoll-Modell würde vor allem sich weiter als Notebook-Ersatz für Unternehmen präsentieren und als XXL-Zeichenbrett für Kreative.

Wunschliste für iPad und iOS

Was muss ein überarbeitetes oder gar neues iPad Pro 2 haben, mal ausgenommen von den üblichen Verbesserungen bei den Prozessoren und dem Akku? Schmalere Rahmen hält unser Macworld-Kollege Michael Simon nicht für entscheidend, ihm sind fünf andere Dinge wichtiger . Das wäre vor allem ein an das iPad angepasstes besseres iOS, trotz des größeren Platzangebotes auf dem Screen erscheint es weiterhin als ein hochskaliertes iPhone-Betriebssystem - mit der Ausnahme des Split View. Widgets und ein schnellerer App-Wechsel wären aber zu begrüßen. USB-C anstatt Lightning wäre zudem ein vielversprechende Schnittstelle, der Apple Pencil könnte auch als Schreibgerät dienlich sein. Mit Inkwell hätte Apple sogar die entsprechende Technologie  für Handschriftenerkennung im Angebot. Eine Art von Trackpad könnte sich insbesondere bei der Arbeit mit Texten als hilfreich erweisen, für den Smart Connector wäre auch mehr als nur eine Tastatur als Peripherie denkbar, etwa DJ-Equipment oder ein Hub für externe Monitore und Speicher.

iOS 11 für iPad

Auf dem iPad Pro - vor allem dem Modell mit 12,9-Zoll-Screen - ist viel mehr Platz als auf dem iPhone - das spiegelt das System aber keineswegs wider. So stehen die App-Symbole teils absurd weit auseinander, möglicher Raum für Widgets bleibt als solcher ungenutzt. Split View war zwar ein Anfang und dass man Videos auch außerhalb ihrer Apps auf dem Bildschirm laufen lassen kann, während man sich schon einmal mit etwas anderem beschäftigt, zeigt, dass der iPad-Bildschirm andere Funktionen erfüllen muss als der des iPhone.

Was spräche also dagegen, iOS in zwei eng verwandte Varianten für iPhone und iPad aufzuspalten? Schon jetzt gibt es Apps, die nur auf dem iPhone sinnvoll sind oder gut aussehen, etwa Health, Wetter, Apple Watch, Aktivität und Rechner. Split View sucht man dagegen auf dem iPhone vergeblich - und vermisst die Funktion nicht einmal.

Einen bedeutenden Paradigmenwechsel nähme Apple jedoch vor, setze es eine seit Jahren gewünschte oder geforderte Strukturreform um. iOS auf dem iPad (und nur dort) als Mehrbenutzersystem hätte gewissen Charme und zumindest für diejenigen einen Mehrwert, die das Gerät sowohl privat als auch beruflich nutzen. Mit zwei unterschiedlichen Accounts könnte man Geschäftliches von Privatem trennen und so auch mal den Partner oder den Nachwuchs an das Tablet lassen, ohne arbeitsrechtliche Komplikationen zu riskieren. Dass Apple aber iOS 11 offiziell trennen und für das iPad Pro 2 ein Mehrbenutzersystem einführen möchte, dafür gibt es bisher noch überhaupt keine Hinweise. Diese würde Apple dann jedoch auf der WWDC ab dem 5. Juni geben und erläutern.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2234242