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Infotainment im Auto: Zu viel Ablenkung für den Fahrer?

10.12.2018 | 15:00 Uhr |

Bringen Infotainmentsysteme im Auto nicht nur mehr Komfort, sondern auch mehr Sicherheit - oder steigern sie vielmehr das Unfallrisiko durch Ablenkung des Fahrers? Die Allianz hat dazu eine Studie erstellt.

Die im Auto nutzbare Kommunikations-, Informations- und Unterhaltungselektronik ist heutzutage kaum weniger komplex als die Fahrzeuge, in denen sie zum Einsatz kommt, eher umgekehrt. Und mehr noch als die vielen Funktionen und konkurrierenden Apps führen die geringe Halbwertszeit der Produkte und ständige Online-Updates dazu, dass Nutzer sehr viel unnötige Zeit mit der Bedienung verbringen.

Autofahrer, das zeigt die aktuelle Ablenkungsstudie der Allianz , benutzen gleich mehrere Systeme parallel: ihr Bord-Infotainment und das damit vernetzte Smartphone, mitunter auch ein zweites Handy. Jeder fünfte Fahrer mit der entsprechenden Technik gibt an, das vernetzte Smartphone in der Hand zu halten.

Dazu kommt, dass auch die Bedienung des Fahrzeugs heute kaum mehr mit früheren Fahrzeuggenerationen vergleichbar ist.

Bei all der Innovation wird eines vergessen: Die primäre Fahraufgabe ist immer noch das sichere Führen des Kraftfahrzeugs. Alles andere, vom Blättern im Navigationsmenü bis zum Ablesen von Tempolimits im Head-up-Display, ist reine Komfortnutzung.

Fahrerablenkung ist heute beileibe mehr als das Telefonieren am Steuer oder das Schreiben von Nachrichten während der Fahrt. Jeder zweite Autofahrer gesteht laut der Allianz-Studie Handyverstöße ein – ein Verhalten, das mit der Unfallrate korreliert.

Aber auch Fahrer, die sich durch die Nutzung des Navigationssystems (63 Prozent) oder durch den Bordcomputer (36 Prozent) ablenken lassen, weisen höhere Unfallraten auf als Fahrer ohne solche Ablenkungsquellen.

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Die Ergebnisse der Studie gehen noch weiter: Wer über Freisprechanlagen und Smartphone-Vernetzung verfügt, neigt bei vergleichbaren Fahrleistungen eher zu einer händischen Gerätenutzung im Sinne des Handyverstoßes.

Und: Fahrer, die nur freisprechend telefonieren, haben nicht weniger Unfälle als telefonierende Fahrer ohne Freisprechanlage.

Das sind nur zwei Beispiele dafür, dass der Nutzen ergonomischer Optimierungstechniken überbewertet wird und sie vielleicht sogar die Gefahr bergen, dass sich Fahrer in falscher Sicherheit wiegen. Dazu gehört auch die Sprachsteuerung, deren ablenkungsvermeidendes Potenzial bisher nicht eindeutig ist.

Experten für Verkehrssicherheit raten daher, so weit möglich, während der Fahrt – wozu übrigens auch das Warten an der roten Ampel gehört – auf die Benutzung fahrfremder Geräte zu verzichten. Denn selbst der versierteste Gerätenutzer ist sich selten der Ablenkung bewusst.

Ablenkung beginnt dabei nicht beim Abwenden des Blicks. Sicherheitsbeeinträchtigende mentale Prozesse wirken im Hintergrund auch ohne visuelle oder manuelle Aktivität. Fast jeder dritte Fahrer sagt, dass er bei eingehenden Nachrichten oder Anrufen den Absender prüfe, auch wenn er nicht darauf antworte. Auch solche Fahrer haben höhere Unfallraten. Die Allianz-Studien zur Ablenkung am Steuer zeigen, dass jeder zehnte Verkehrsunfall maßgeblich durch Ablenkung verursacht ist.

Smartphone, soziale Medien und User-Community – wir sind heute ununterbrochen online. Dieser Kulturwandel ist nicht mehr aufzuhalten. Nach Ansicht der Verkehrssicherheitsexperten, zuletzt vorgebracht auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar Ende Januar 2017 , sind darum strengere Gesetze, Kontrollen und Sanktionen unumgänglich, um die Unfallzahlen nachhaltig zu reduzieren.

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