2356016

Heron TP: Deutschland bekommt kampffähige Drohne aus Israel

14.06.2018 | 11:38 Uhr |

Die Bundeswehr bekommt aus Israel die Drohne Heron TP. Zunächst nur in der Aufklärungsvariante, doch die Drohne kann auch bewaffnet werden und dann als Kampfdrohne fungieren.

Nach jahrelangem Streit und dem Millionen-schweren Debakel um die geplante Bundeswehrdrohne Euro Hawk hat der Deutsche Bundestag erstmals die Anschaffung einer Drohne beschlossen, die auch bewaffnet werden kann. Dabei handelt es sich um die israelische Drone Heron TP (das englische Wort Heron bedeutet Reiher, das TP ist die Abkürzung für Turboprop). Das Bundesverteidigungsministerium – um genau zu sein: Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) - hat den Leasing-Vertrag mit der Airbus-Tochter Airbus Defence & Space Airborne Solutions GmbH (ADAS) bereits unterzeichnet, wie der Wehrblog augengeradeaus berichtet.

Laut dem Bundestagsbeschluss - genauer gesagt: der Haushaltsausschuss des Bundestages hat der Vorlage zugestimmt - will die Bundesrepublik Deutschland für neun Jahre fünf Heron-TP-Drohnen, vier Bodenstationen und je einen Ausbildungssimulator in Deutschland und in Israel leasen. Deutschland kauft die Drohnen also nicht, sondern mietet sie. ADAS bestellt die fünf Drohnen und die vier Bodenstationen beim israelischen Hersteller Israeli Aerospace Industries und passt diese an die deutschen Bedürfnisse an. Airbus übernimmt nicht nur die Wartung, sondern auch immer die komplette technische Bereitstellung für den konkreten Einsatz; die Bundeswehr ist mit der Logistik der Drohnen also nicht befasst. Bundeswehrsoldaten steuern und bedienen die Drohnen dann im Einsatz.

Die Ausbildung des Bundeswehrbedienpersonals übernimmt die israelische Armee in Israel. Die Ausbildung soll 2018 beginnen, ab 2020 sollen die Drohnen für Deutschland im Einsatz sein können. Die von Deutschland geleasten Drohnen werden in Israel stationiert und im Bedarfsfall von ADAS zu ihren Einsatzorten gebracht.

Auf der Basis des jetzigen Beschlusses kann die Bundeswehr die Drohnen nur für Aufklärungszwecke nutzen. Die Drohnen lassen sich aber auch bewaffnen und dann als Kampfdrohnen verwenden; ähnlich wie die US-amerikanische Drohne Reaper oder deren mittlerweile außer Dienst gestellter Vorgänger Predator. Falls die Bundeswehr die Heron TP bewaffnen und Bundeswehrsoldaten an dieser Waffe ausbilden lassen möchte, ist dafür allerdings ein weiterer Bundestagsbeschluss erforderlich. Auf der Basis des jetzt erfolgten Beschlusses und Vertrags ist keine Bewaffnung der Heron TP erlaubt.

Die Kosten für das Paket belaufen sich laut augengeradeaus auf rund 1,2 Milliarden Euro. Darin ist neben der Ausbildung auch der gleichzeitige Einsatz der Drohnen in zwei unterschiedlichen Einsatzgebieten enthalten.

Die Heron TP ersetzt die bisher von der Bundeswehr genutzt Heron 1, die ebenfalls aus Israel kommt. Gegenüber dem älteren Modell verspricht sich die Bundeswehr „bessere Aufklärungssensorik“ und eine „längere Stehzeit in der Luft“.


PC-WELT Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
2356016