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Hass-Tweet: Piraten-Politiker Goede bejubelt Kopfschuss auf Polizistin

14.06.2017 | 12:45 Uhr |

Der Piraten-Politiker Thomas Goede hat in einem Tweet die lebensgefährliche Schussverletzung einer Münchner Polizistin bejubelt.

Thomas Goede kandidiert für die Piraten-Partei in Brandenburg für den Bundestag. Bis gestern Vormittag dürfte kaum jemand von Goedes politischen Ambitionen Notiz genommen haben. Doch das hat Goede mit einem einzigen Tweet am 13.6.2017 um 10.47 Uhr geändert: Der Piraten-Bundestags-Kandidat hat die gestrige lebensgefährliche Schussverletzung einer Münchner Polizistin in einem Tweet bejubelt. Goede schrieb: „So ein Tag, so wunderschön wie heute. Weg mit dem Bullendreck. Ich mach mal den Champus auf :D #ACAB."

Das ACAB steht für das englischsprachige „all cops are bastards“. Goedes Tweet nahm direkten Bezug auf einen Tweet der Tagesschau, in dem die Schüsse auf dem S-Bahnhof in Unterföhring gemeldet wurden (siehe unten).

Der Original-Tweet ist nicht mehr einsehbar, Goede, der auf Twitter unter DreiBart @3B4rt twittert, hat seine Tweets derzeit weggesperrt. Laut Medienberichten soll Goede den betreffenden Tweet mittlerweile gelöscht haben. Doch der an Geschmacklosigkeit kaum zu überbietende Tweet machte bereits zuvor die Runde. Die Kommentare der entsetzten und angewiderten Twitternutzer fielen entsprechend deutlich aus: „Ich habe der Piratenpartei angeraten ein Parteiausschlussverfahren gegen DreiBart in Gang zu bringen“, „was sind Sie für ein Mensch? Ich werde mir überlegen Sie anzuzeigen. Ein nicht schönen Tag!“, „du bist Abschaum!“. „Dreibart... wünsche ich Dinge die man im Zeitalter Maas nicht schr...“ und „Widerlich. wenn ich sowas lese und höre abartig ekelhaft solche wie @3B4rt #DREIBART“ sind nur einige Beispiele.

Der offensichtlich ebenfalls entsetzte Brandenburger Landesverband der „Piraten“ hat mittlerweile eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sich die Brandenburger Piraten von dem Tweet distanzieren und bei der schwer verletzten Polizistin entschuldigen. Die Piraten haben eigenen Angaben zufolge „satzungsgemäße Ordnungsmaßnahmen“ gegen Goede verhängt. Weiter schreiben die Piraten: „Das Mitglied ist nach Anhörung von all seinen Ämtern zurückgetreten und hat auch auf Rechtsmittel gegen die erhobenen Maßnahmen verzichtet. Er hat freiwillig auf weitere Auftritte in der Öffentlichkeit verzichtet, dieses erkennbar am bekannten Twitteraccount.“

Von einem Parteiausschlussverfahren scheiben die Piraten jedoch nichts. Goede von der Landesliste für die Bundestagswahl zu streichen, scheint wahltechnisch sehr aufwändig zu sein. Wobei ja ohnehin kaum die Chance bestehen dürfte, dass Goede tatsächlich in den Bundestag gewählt wird. Unter der Mitteilung der Brandenburger Piraten hat sich dazu bereits eine emotionale Diskussion entwickelt.

Die Polizeigewerkschaft DPolG reagierte via Twitter fassungslos auf den Hass-Tweet von Goede:

Hintergrund

Am 13. Juni gegen 8.00 Uhr kam es zwischen zwei Männern zu einem Streit in der Münchner S-Bahn S8. Deshalb eilte eine Polizeistreife zum S-Bahnhof Unterföhrung, wo die S8 hielt. Dort kam es auf dem Bahnsteig zu einem Handgemenge zwischen den Polizisten und einem der beiden Streithähne, einem 37 Jahre alten Deutschen. Dieser entriss einem Polizisten dessen Dienstwaffe, eine P 7 von Heckler & Koch, und schoss damit einer anderen Polizistin in den Kopf. Die schwer verletzte 26 Jahre alte Polizistin konnte noch zurückschießen und verletzte den Täter. Diese wurde kurz darauf auf der Flucht festgenommen. Die Polizistin wurde operiert und schwebt immer noch in Lebensgefahr. Zwei Unbeteiligte, die während des Vorfalls aus einer S-Bahn ausstiegen, wurden durch die Schüsse ebenfalls verletzt, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt.



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